Nashörner ohne Horn – ist das die Zukunft?

So weit ist es jetzt schon gekommen: Nach dem grauenhaften Anschlag auf ein Nashorn im Zoo von Thoiry bei Paris reagiert nun der tschechische Zoo Dvur Kralove  und schneidet aus Angst vor Wilderern seinen Nashörnern die Hörner zurück. Der Zoo hält insgesamt 21 Nashörner. Bei Paris hatten Unbekannte – für mich sind es Wahnsinnige! – vor einer Woche ein seltenes Breitmaulnashorn in seinem Gehege erschossen, um an sein Horn heranzukommen, es abzusägen und zu stehlen. Damit hofften sie, auf dem asiatischen Schwarzmarkt einen guten Preis für aus Nashorn hergestellte vermeintliche Wundermittel zu erzielen.

„Ein Nashorn ohne Horn ist immer noch besser als ein totes Nashorn“, sagte eine Sprecherin des Tierparks Dvur Kralove laut dpa-Bericht. Die Hornkürzung werde unter Narkose vorgenommen und sei für die Tiere völlig schmerzlos, außerdem sei das Horn nicht lebensnotwendig. Es soll sogar in der Natur hin und wieder vorkommen, dass ein Horn abbricht, ohne dass es den Tieren schadet. Mit dem Zoo Dvur Kralove tauscht übrigens der Nürnberger Tiergarten immer wieder Tiere aus. Auf obigem Foto ist allerdings nicht ein Nashorn zu sehen, bei dem das Horn zurückgeschnitten wurde, auch kein Breitmaulnashorn, sondern der Panzernashornbulle Albrecht, als er im  Januar 2001 anlässlich der Tiergarten-Inventur in Nürnberg für die Medien vermessen wurde. Albrecht rieb sich sein Horn immer an den Sandsteinfelsen an seinem Gehege ab – so wie auch andere Nashörner in Nürnberg (früher waren es noch Breitmaulnashörner, die am Schmausenbuck inzwischen nicht mehr gehalten werden). Übrigens: Auch Natal, der älteste Nashornbulle von Dvur Kralove, wetzt sein Horn selbst ab.

Ich halte von der Maßnahme in dem tschechischen Zoo überhaupt nichts. Erstens, weil man damit Verbrechern nachgibt, statt Verbrechen zu bekämpfen. Zweitens, weil man die Nashörner nicht nur verunstaltet, sondern auch in ihrer Unversehrtheit verletzt. Wenn sich ein Nashorn sein Horn selbst abwetzt, ist das doch etwas ganz anderes!

Der Eiserne Vorhang im Kopf

Es wird ja immer wieder gern behauptet, dass der sogenannte Eiserne Vorhang – obwohl längst verschwunden  – in den Köpfen vieler Menschen noch weiter existiere. Ob das stimmt, vermag ich nicht zu sagen. Dass er in den Köpfen von manchen Tieren noch weiterlebt, hat jedenfalls eine neue Studie bewiesen. Allerdings handelt es sich dabei nicht um Forschung an Elefanten, die ja für ihr gutes Gedächtnis bekannt sind, sondern um eine Langzeitbeobachtung von Rothirschen.

Zoologen im Nationalpark Böhmerwald haben folgendes entdeckt: Die Hirsche auf der tschechischen Seite des Böhmerwalds laufen fast 25 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges immer noch nicht weiter in Richtung Westen, als bis an die Stelle, an der einst der Stacheldraht gespannt war, der den Sperrbereich vor der Grenze zwischen Bayern und der Tschechoslowakei kennzeichnete. Und vice versa: Auf der anderen Seite überschreiten die Hirsche aus Bayern diesen Punkt ebenfalls nicht. Beobachtet haben die Forscher das mithilfe von Funk-Halsbändern, und zwar über den relativ langen Zeitraum von sechs Jahren.

Warum die Tiere sich so verhalten, ist allerdings nicht hundertprozentig sicher. Man vermutet, dass Hirschkühe Informationen über die Grenzen ihres Terrritoriums an ihren Nachwuchs weitergeben, und zwar über Generationen hinweg. Das kennen wir Menschen dann ja auch wieder ganz gut: Was einmal auf der Festplatte drauf ist, kriegt man gar nicht so leicht wieder runter…