Nur die Kälte kann hier helfen!

Und jetzt auch noch das: Nutrias machen deutschen Bibern das Leben schwer! Früher mal, da gab es nur tote Nutrias bei uns – nämlich in Form von Pelzen. (Ich weiß auch nicht warum, aber das Thema Pelz verfolgt mich regelrecht in diesem neuen Jahr.) Dann führte man die aus Südamerika stammenden Pelztiere zur Zucht nach Deutschland ein. Und nun haben wir den Salat! Bei uns haben die auch unter dem Namen Biberratten bekannten Nager im Gegensatz zu ihrer ursprünlichen Heimat nämlich keine natürlichen Feinde. Werden sie dort von Alligatoren verspeist, sobald sie zu vorwitzig werden, können sie sich in unseren Breiten ungehindert vermehren, wenn ihnen nicht der einzige Feind einen Strich durch die Rechnung macht: grimmige Kälte. Und weil dieser Winter einfach nicht richtig kalt werden will, breiten sich die Nutrias lustig weiter aus und entwicklen sich zu gemeinen Futterkonkurrenten für unsere Biber. Sie zerstören auch Uferbefestigungen und setzen so viel Kot ab, dass sie kleinere Gewässer völlig verdrecken. – Und das alles nur, weil manche Leute unbedingt Pelz tragen müssen/mussten!

Doch auch dem deutschen Laubfrosch geht es ans Leder. Hier heißt die künstlich eingeführte Gefahr „Rotwangen-Schmuckschildkröte“. Die gehört eigentlich nach Nordamerika und hat bei uns höchstens in Terrarien was zu suchen. Aber sie ist schon so oft an heimischen Gewässern ausgesetzt worden, dass sich inzwischen eine beeindruckende Population entwickelt hat; nur wenn bei entsprechender Kälte Seen und Teiche zufrieren, wird der Zuwachs eingedämmt. Nun könnte man ja sagen: Ist doch schön, so nett aussehende Schildkröten hätten wir ja sonst bei uns nicht. Aber sie fressen und fressen und fressen – und zwar besonders gern Laich und Kaulquappen. Womit wir wieder bei den eh schon bedrohten Laubfröschen wären.

Über den Kältemangel in diesem Winter dürfte sich auch die asiatische Tigermücke freuen. Vor fünf Jahren hat sie sich zum ersten Mal bei uns niedergelassen, und schon verbreitet sie sich fröhlich immer weiter. Einziger Trost: Unter ihrem Import müssen wenigstens nicht Tiere leiden, sondern diejenigen, die Schuld daran sind, dass das Ungeziefer jetzt bei uns lebt. Denn die asiatische Tigermücke liebt es, zu stechen und Blut zu saugen. Dabei kann sie gefährliche Erreger aufnehmen und dann über ihre Eier weitergeben. Diese Eier sind äußerst widerstandsfähig; viele gelangen über Gewächshauspflanzen von Asien nach Europa. In Deutschland hat die Mücke bisher noch nicht zu gefährlichen Krankheitsübertragungen geführt, in Italien aber gab es schon einen Todesfall. Und was wäre der natürliche Feind dieser Mücke bei uns? Wir ahnen es: wieder die Kälte! Die könnte der Mückenbrut den Garaus machen, doch sie will einfach nicht kommen.

Aber ich bin optimistisch: Spätestens im März, wenn wir sie gar nicht mehr erwarten, wird sie uns rücksichtslos überfallen – und mit uns die Nutrias, die Schmuckschildkröten und die Tigermücken. Das wird ein Fest für Biber und Laubfrösche, die werden´s dann mal so richtig krachen lassen!