Schäfer-Idylle mitten in der Hauptstadt

Ländliche Idylle auf den Grasflächen des einstigen Flughafengeländes Berlin-Tempehof: Dort weiden in dieser Woche 100 Schafe (Foto: epd) und kümmern sich um die Landschaftspflege. Schäfer Knut Kucznik hütet die Tiere zusammen mit drei Hirtenhunden. Ich finde, das ist eine originelle Idee, die beweist, wie Naturschutz mitten in der Großstadt funktionieren kann und dass er notwendig ist. Schäfer Knut Kucznik will mit dieser Aktion aber auch die Öffentlichkeit über das Schäferwesen informieren und veranstaltet zu diesem Zweck am 21. Oktober ein großes Schäferfest auf dem Tempelhofer Feld, zu dem mehrere Dutzend Schäfer aus dem gesamten Bundesgebiet anreisen.

Sie wollen damit auf ihre schlechte wirtschaftliche Situation aufmerksam machen: Ihr Einkommen liegt mit durchschnittlich rund 26.000 Euro im Jahr unter dem Mindestlohnniveau. Auch deshalb ist die Zahl der Schäfereien ist in Deutschland rückläufig; ihre Zahl ist jetzt zum ersten Mal unter 1000 gesunken. Die Schäfer fordern deshalb von der Bundesregierung eine Weidetierprämie – im Gegensatz zu Deutschland gibt es die in 22 anderen europäischen Ländern bereits. Meiner Meinung nach eine berechtigte Forderung, denn Schäfer tragen mit ihren Herden zum Natur- und Artenschutz wie auch zur Vernetzung von Biotopen bei. In Zeiten des großen Insektensterbens ist dieser Beitrag gar nicht hoch genug einzuschätzen.

MSC-Siegel – eine Mogelpackung?

Ist das blau-weiße MSC-Siegel des Marine Stewardship Council, das auf Verpackungen von Fisch und Meeresfrüchten zu finden ist und für nachhaltige Fischerei stehen soll, eine Mogelpackung? Diesen Vorwurf erhebt jedenfalls eine Reihe von  internationalen Umwelt- und Meeresschutzorganisationen – darunter auch Greenpeace und die Deutsche Stiftung Meeresschutz. Sie haben in einem Schreiben an den MSC wachsende Bedenken am Zertifizierungsverfahren vorgebracht und verlangen strengere Bewertungskriterien. Ihr Vorwurf: Der MSC soll zum Beispiel umstrittene Fischereien als nachhaltig zertifiziert haben. Mit schlimmen Folgen, nämlich dem Fang von Tausenden gefährdeter und bedrohter Tiere. Außerdem hätten die Fangmethoden irreparable Schäden in den Lebensräumen angerichtet. Die Verbraucher würden mit dem Siegel in die Irre geführt.

Die Umweltschützer kritisieren, dass eine Reihe von Schwachstellen im MSC-Verfahren schon seit einiger Zeit bekannt seien, vom MSC aber nichts dagegen unternommen werde. Der MSC hingegen verweist darauf, dass für dieses und das nächste Jahr eine Überarbeitung seines Standards geplant sei. Und er betont, dass Forderungen nach mehr Nachhaltigkeit auch immer umsetzbar bleiben müssten. Wenn man Anforderungen stelle, die nur die besten fünf Prozent der weltweiten Fischereien je erfüllen könnten, würde das nicht helfen, die Ozeane langfristig zu schützen.

Die Kritik der Umweltschützer richtet sich auch gegen die Zukunftspläne des MSC: Der Anteil an Fisch mit MSC-Siegel soll weltweit ansteigen, von 12 Prozent auf 20 Prozent im Jahr 2020. Im Klartext bedeutet das eine Ausweitung der zertifizierten Betriebe.

Meiner Meinung nach begibt sich der MSC mit solchen Plänen auf ganz dünnes Eis. Es wirkt auf jeden Fall so, als würden Ansprüche, die man bei 1997 bei der Gründung noch hatte, ohne Not heruntergeschraubt. Wenn das der Fall sein sollte, kann man auch ganz auf so ein Siegel verzichten.

Daumen hoch und runter für Tiere in Bayern

Gute und schlechte Nachrichten hat der Landesbund für Vogelschutz heute vermeldet, die ich unbedingt an meine Leser weitergeben möchte. Es geht um Gewinner und Verlierer im Tierreich Bayerns, die der LBV jetzt wieder ausgemacht hat. Demnach zählen die Fledermausart „Große Hufeisennase“ (Foto: Rudolf Leitl/LBV/dpa) und der Weißstorch in Bayern zu den Gewinnern, weil ihnen Naturschutzprojekte zugutekamen. Verlierer sind laut LBV Igel, Birkhühner und Insekten.

Sehr erfreulich ist, dass es der stark bedrohten Großen Hufeisennase in Bayern immer besser geht: Eine Kolonie dieser, wie ich finde, niedlichen Tiere – es sind die letzten Vertreter dieser Art in Deutschland –  ist in der Oberpfalz innerhalb von fünf Jahren von 67 auf 184 Exemplare gewachsen. Einer der Hauptgründe dafür ist der Insektenreichtum auf den pestizidfreien Flächen des Truppenübungsplatzes Hohenfels.

Der Bestand von Igeln, Birkhühnern und Schwebfliegen geht laut LBV hingegen zurück. Der alarmierende Schwund der Insekten im allgemeinen ist ja bekannt, bei den Schwebfliegen wurde in manchen Regionen ein Verlust von 27 Prozent der Arten und 84 Prozent der Individuen festgestellt. Und auch den Igeln im Freistaat – genauer gesagt handelt es sich um  Braunbrustigel – geht es an die Substanz. Für sie gibt es immer weniger Hecken als Rückzugsmöglichkeit. Der Einsatz von Chemie in der Landwirtschaft tut sein Übriges: Die insektenfressenden Igel finden dadurch nicht mehr genug Nahrung. Und noch einen Verlierer gibt es laut LBV: das Birkhuhn. Dem geht es speziell durch die Herausnahme des Riedberger Horns aus der strengsten Schutzzone in den Alpen an den Kragen, denn dort lebt die größte Birkhuhn-Population im Allgäu. – Tja, da kann man sehen, wohin es führt, wenn man nur nach wirtschaftlichem Gewinn strebt, statt die Alpen so weit wie möglich als Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu schützen.

Leise und sauber durch den Tiergarten


Elektro-Fahrzeuge für den Tiergarten Nürnberg: Das war ein Pressetermin, der leider total unterging im zu Ende gehenden Jahr 2017. Dabei hatten alle möglichen Zoomitarbeiter und auch der Verein der Tiergartenfreunde Nürnberg viel Zeit und Mühe investiert, um ihn noch vor Weihnachten auf die Reihe zu kriegen. Umso größer muss wohl die Enttäuschung gewesen sein, als keine Medienvertreter der Einladung folgten. Aber das ist typisch: Wenn bei einem Tiergarten-Termin keine süßen Tierbabys zu fotografieren oder filmen sind, kommt kein Medienvertreter. Falls sich nun meine Leser fragen sollten, warum ich denn nicht für die Nürnberger Zeitung hingegangen bin, kann ich das guten Gewissens beantworten: Ich wusste leider nichts davon. Aber ich möchte das Ganze wenigstens in meinem Blog nachholen.

Das Engagement des Vereins der Tiergartenfreunde für den Tiergarten im vergangenen Jahr war mit mehreren Projekten wie immer toll. Der Verein hat sich bei der Sanierung der Totenkopfaffen-Anlage ebenso finanziell beteiligt wie beim Kunstwerk „Für Vielfalt in Nürnberg“ von Christian Rösner an einer Nürnberger Hausfassade. Pünktlich zu Weihnachten schenkten die Tiergartenfreunde dem Zoo am Schmausenbuck drei elektrisch betriebene, umweltfreundliche Kleintransporter. Mit den emissionsfreien und fast lautlosen Fahrzeugen können die Tiergartenmitarbeiter umweltfreundlich große Lasten durch das Zoogelände transportieren oder technisch gut ausgerüstet zu medizinischen Einsätzen fahren. Zum „Weihnachtsgeschenk“ der Tiergartenfreunde gehören auch zwei alké-Elektrofahrzeuge mit Ladefläche und Planenaufbau, die den Tiergartenhandwerkern die Arbeit erleichtern. Für die Zootierärzte ist der kunterbunte Renault Kangoo Z.E. gedacht, ein Kastenwagen mit großem Laderaum oder bis zu fünf Sitzplätzen. Die Veterinäre können damit große medizinische Apparate wie Röntgen- oder Ultraschallgeräte zu den Tieren im Zoo transportieren, für Untersuchungen zu dem tiergarteneigenen Gut Mittelbüg in Schwaig bei Lauf fahren oder auch ins „Tucherland“ im Nürnberger Norden, wo Rotkopfschafe des Tiergartens gehalten werden. Ein weiterer Einsatzort ist der Tennenloher Forst in Erlangen, wo Przewalskipferde aus dem Tiergarten leben.

So – ich hoffe, mit diesem Blogbeitrag wird das Engagement der Tiergartenfreunde entsprechend gewürdigt und vielleicht auch einigen meiner Leser, die den Verein  noch nicht kannten, vorgestellt. Vielleicht möchte der oder die ein(e) oder andere ja im neuen Jahr auch selbst dem Verein beitreten? Das wäre sicher nicht der schlechteste Vorsatz, den man sich für 2018 vornehmen kann!

Kein schlechtes Wolfsjahr


Das Jahr geht zu Ende, und für die Wölfe in Deutschland (Foto: dpa, aufgenommen in einem Gehege des Biotopwildparks Anholter Schweiz) war es kein ganz schlechtes – was mich als Wolf natürlich besonders freut. Meine „Artgenossen“ haben sich heuer bei uns wieder ein wenig vermehren können.

Inzwischen sind hierzulande 60 Rudel nachgewiesen. Diese Zahl stammt vom Bundesamt für Naturschutz und der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes. Dort geht man von 150 bis 160 erwachsenen Wölfen aus. Vor einem Jahr waren es 140. Die Zahlen werden in den Bundesländern erhoben und kommen durch überprüfbare Nachweise zustande: Zum Beispiel durch das Auswerten von Kot und anderen Spuren, die Wölfe hinterlassen. Auch Aufnahmen aus Fotofallen helfen bei der zahlenmäßigen Erfassung weiter. Amtlich werden Rudel, Paare und sesshafte Einzelwölfe erfasst, die für die Fortpflanzung eine Rolle spielen. Die eindeutige Erfassung der Welpen ist allerdings schwierig, weil sie oft früh sterben. Schließlich kann auch die Anzahl der Wölfe pro Rudel stark schwanken.

Die Wolfspopulation hat sich in einem Band von der Lausitz im Osten bis in den Nordwesten Deutschlands verdichtet. Trotzdem hat sich ihr Verbreitungsgebiet nicht so stark ausgeweitet, wie man es anhand der Rudelzahlen vermuten könnte. Das wundert auch die Experten. Die meisten Wölfe leben in Brandenburg und Sachsen, insgesamt sind sie jetzt in sieben Bundesländern anzutreffen– auch in Bayern.

Bisher stellen Straßen die größte Gefahr für die Wölfe dar: Seit dem Jahr 2000 waren bei 140 von rund 200 tot gefundenen Tieren Verkehrsunfälle die Todesursache. Außerdem wurden zwischen dem 1. Mai 2016 und dem 30. April 2017 fünf Wölfe illegal getötet. Damit ist die Zahl solcher Straftaten seit dem Jahr 2000 auf 26 gestiegen. Viele Nutztierhalter und Jäger wollen erreichen, dass Wölfe abgeschossen werden dürfen, weil sie dem Weidevieh gefährlich werden könnten. Umweltschützer fordern dagegen verstärkte Prävention, zum Beispiel durch Elektrozäune oder Herdenschutzhunde.

Bestimmte Interessengruppen schüren auch die Angst vor Wölfen bei der Bevölkerung. Dabei ist bisher kein einziger Angriff auf Menschen bekannt, seit sich diese wunderbaren Tiere wieder in Deutschland angesiedelt haben. Unsere Gesellschaft muss einfach lernen, Wölfe als selbstständige und freie Tiere zu respektieren. Es gibt aber auch einige Verrückte, die Wölfe für Fotos „anfüttern“. Dabei kann es wirklich gefährlich werden, wenn sich Wölfe erst mal an Menschen gewöhnen. Ich halte auch die Forderung einer Obergrenze für Wölfe in Deutschland für unsinnig (genauso unsinnig übrigens wie eine Obergrenze für Flüchtlinge). Deutschland ist groß – groß genug für noch mehr Wölfe!

Es gibt übrigens auch Neues über die vor über zwei Monaten im Bayerischen Wald entlaufenen Wölfe: Eines der beiden überlebenden Tiere zieht derzeit vermutlich durch Österreich, und zwar durch den Raum Linz, auch im Landkreis Passau wurde er bereits gesichtet. Über den Verbleib des zweiten noch lebenden Wolfes weiß man im Augenblick nichts. Ich hoffe, auch er hat es geschafft, sich irgendwie durchzuschlagen. Ursprünglich war ja behauptet worden, die Wölfe seien in Freiheit nicht überlebensfähig, weil sie im Nationalparkgehege immer gefüttert wurden. Wirklich bedauerlich finde ich, dass zwei der freigelassenen Wölfe erschossen wurden.

Auf geht´s zum „Ur-Amazonas“!

Das ehemalige „Nilpferdhaus“ im Tiergarten Nürnberg ist nun schon seit langem für Besucher geschlossen – wegen Umbau. Und die Flusspferde sind noch länger weg. Ich bedauere das sehr – und nicht nur ich! Diese Dickhäuter gehörten in Nürnberg für viele Zoogäste zu den Favoriten. Ein legendärer Liebling war der Flusspferd-Bulle Webbi, an den sich meine älteren Leser vielleicht noch erinnern. In dem Gebäude, das zu den ersten Tierhäusern des 1939 am Schmausenbuck eröffneten Tiergartens gehört und deshalb unter Denkmalschutz steht, soll den Zoobesuchern künftig etwas ganz anderes geboten werden: der Lebensraum Wüste unter dem Motto „Ur-Amazonas“.  Zuletzt war das Haus in die Schlagzeilen geraten, weil die vorübergehend im Außenbereich untergebrachten Präriehunde spurlos verschwanden und nie mehr auftauchten.

Die erste Etappe des Umbaus ist abgeschlossen: Das städtische Hochbauamt hat das Haus nach 14 Monaten Bauzeit am 1. Dezember an den Tiergarten übergeben (Foto: Stadt Nürnberg). Zoo-Mitarbeiter statten nun den Innenraum für die künftigen Bewohner aus. Die Eröffnung des Wüstenhauses für die Öffentlichkeit ist im kommenden Frühjahr geplant. Bis dahin sollen auch die Außenflächen fertig angelegt sein. Für die Darstellung des Lebensraums Wüste stehen rund 170 Quadratmeter zur Verfügung. Die Gesamtkosten für den Umbau betragen rund 980 000 Euro. Davon schießt der Bund 200 000 Euro zu – im Zuge der nationalen Klimaschutzinitiative: Weil es sich um eine besonders anspruchsvolle energetische Sanierung zum Passivhaus handelt, wird der Bau von der nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert. Um gleichzeitig das alte Gemäuer zu erhalten, wurde ein Haus im Haus konstruiert. Um die Lichtverhältnisse zu verbessern, sind einige Fenster bis zum Boden vergrößert worden. Außerdem wurde das Dach komplett neu eingedeckt.

Die künftigen tierischen und pflanzlichen Bewohner des Hauses – darunter der pillendrehende Mistkäfer als Hauptperson – wollen es warm haben. Daher ist eine exakte Temperierung ebenso notwendig wie die Befeuchtung des Wüstensands. Um dieses Wüstenklima sicherzustellen, hat das Hochbauamt im Bodenaufbau auf mehreren Ebenen Heizspiralen und Wasserkreisläufe installiert. Man darf gespannt sein, ob es mit der für das Frühjahr 2018 angekündigten Eröffnung klappt. – Hoffentlich!

Wo es den Osterhasen an den Kragen geht

Während hierzulande der Osterhase vor allem in Form von Schokolade herumhoppelt und der eine oder andere Kleintierzüchterverein seine Hasenausstellungen mit Streicheltieren für Kinder veranstaltet, wird auf der Südinsel von Neuseeland zur Hasenjagd geblasen, und zwar – wie passend! – am Karfreitag. „Great Easterbunny Hunt“ heißt das Event, bei dem Hunderte von Jägern Tausenden von Hasen an den Kragen gehen. In der Region Otago ist das seit über 20 Jahren österliche Tradition. Am Karfreitag des vergangenen Jahres haben mehr als 300 Jäger über 10 000 Hasen abgeknallt.

Einerseits kann man die Neuseeländer ja verstehen. Für sie sind Hasen die reinste Plage. Die Tiere gelten als Futterkonkurrenten für die Schafe, die bekanntlich zu den wichtigsten Exportgütern Neuseelands gehören. Andererseits ist es so, dass Hasen, die es ursprünglich dort nicht gab, vom Menschen nach Neuseeland importiert wurden. Das war um 1830, als für die weißen Siedler nicht genügend Fleisch als Nahrung zur Verfügung stand. Die Hasen lebten in Neuseeland sozusagen wie Gott in Frankreich. Sie fanden ideale Bedingungen vor, vermehrten sich – das kennt man ja von der Redensart her – wie die Karnickel und nahmen schließlich überhand. Ein von Menschen verursachtes Problem, das wieder einmal Tiere ausbaden müssen – ich finde das zumindest fragwürdig.

Die Tierwelt Neuseelands, wo ursprünglich keine Landsäugetiere vorkamen, hat sich durch die Besiedlung des Inselreiches radikal verändert. Zuerst brachten die Maori in Booten die pazifische Ratte Kiore mit. Später führten europäische Siedler verschiedene Säugetiere ein, zum Beispiel Hunde, Katzen, Wiesel und Possums. Auch die hatten dort keine natürlichen Feinde, schafften es aber, einheimische Tierarten wie den Dodo zu verdrängen, bis er  schließlich ausgestorben war.

Nun wollen die Neuseeländer die heimische Tierwelt schützen. Die Regierung hat dazu die Parole „Raubtierfreies Neuseeland bis 2050“ ausgegeben und beabsichtigt, allen invasiven Raubtierarten den Garaus zu machen. Das wird Milliarden kosten, doch das Geld kann nach einem Vorschlag der neuseeländischen Grünen aufgebracht werden. Lob für das Vorhaben, nämlich die Ausrottung invasiver Arten, kommt von der internationalen Tierschutzorganisation IUCN.  Das Ganze wird auch mit Hilfe von Wissenschaftlern realisiert, die etwa neuartige Köder und Giftstoffe entwickeln und außerdem an genetischen Manipulationen bei der Fortpflanzung der betreffenden Tierarten arbeiten.

Der Kampf gegen invasive Arten hat weltweit begonnen und ist auf über 1000 Inseln schon erfolgreich geführt worden. Allerdings waren diese Inseln um ein Tausendfaches kleiner als Neuseeland. Die Wissenschaftler dort sind sich trotzdem sicher, dass auch bei ihnen die totale Ausrottung invasiver Raubtierarten gelingt. Hasen allerdings sind keine Raubtiere. Ob sich das bis zu den Jägern in Otago herumgesprochen hat, wage ich zu bezweifeln.

Rettet die Haselmaus!

In einigen Ländern steht sie schon auf der Roten Liste, weil sie vom Aussterben bedroht ist. In Deutschland gibt es auf einem Hektar Land auch nur noch drei bis vier Exemplare. Die Rede ist von der Haselmaus, die jetzt von der Deutschen Wildtierstiftung zum Tier des Jahres 2017 gekürt wurde. Ich finde es schade, dass man die niedlichen Nager so gut wie nie zu Gesicht bekommt. Das liegt nicht nur daran, dass sie mittlerweile so selten geworden sind, sondern auch daran, dass sie über die Hälfte des Jahres verschlafen. Die ersten Vertreter der Art kommen in diesen Tagen aus ihren Nestern, in denen sie sich seit Oktober verkrochen hatten.

Die Haselmaus ist hauptsächlich aus Mangel an Lebensraum so sehr bedroht. Sie lebt vor allem im Wald und am Waldrand oder in Baumkronen. Weil durch die intensive Landwirtschaft die Übergangsbereiche zwischen Feld und Wald kaum noch stehen bleiben, hat die Haselmaus ein Problem. Diese Tiere halten sich nämlich meist in Sträuchern oder Hecken auf. Dort zeigen sie sich als wahre Akrobaten: Mit ihrem Schwanz halten sie sich an Zweigen fest und hangeln sich daran weiter. In Hecken und Sträuchern gibt es auch genügend Futter und kaum Fressfeinde. Die kleinen Tiere haben ihren natürlichen Feinden keine Schutzmechanismen entgegenzusetzen und können sich auf freien Flächen nicht verstecken. Ihnen fehlen zunehmend auch Baumhöhlen für den Winterschlaf. Auf die Haselmaus wirkt sich außerdem der Klimawandel negativ aus: Es wird immer früher im Jahr warm, so dass die Tiere zu früh aus dem Winterschlaf aufwachen – ein fast sicheres Todesurteil, denn bei zu niedrigen Temperaturen finden sie nichts zu fressen.

Haselmäuse gehören in Europa zu den geschützten Arten. Die nachtaktiven Tiere sind ungefähr so groß wie ein Daumen. Es wird in der nächsten Zeit entscheidend sein, dass die Haselmaus genügend Nahrung findet und ihr Lebensraum geschützt wird – sonst gibt es keine Zukunft für die possierlichen Tiere. Immerhin tun manche Organisationen etwas für das bedrohte Wildtier. So hat zum Beispiel die Stiftung Naturschutz in Schleswig-Holstein Grünbrücken gebaut, die den Mäusen über stark befahrene Straßen helfen. Auch die Übergangszonen zwischen Wald und Feld versucht man stärker zu schützen.  Wer der Haselmaus beim Überleben helfen will, kann selbst etwas tun, beispielsweise als freiwilliger Helfer beim Aufhängen von Nistkästen. Oder man richtet seinen eigenen Garten extra für die Haselmaus ein: mit Hecken und Sträuchern, die man möglichst wild wuchern lässt.

Bitte recht freundlich!

Er ist wieder da und hinterlässt unübersehbar seine Spuren: der Biber. In Nürnberg wurden die ersten Rückkehrer im Jahr 2010 gesichtet. Die Biber sind seitdem zunehmend im Stadtgebiet heimisch geworden – sogar mitten in der Innenstadt an der Pegnitz. In anderen Städten ist es ähnlich. In Nürnberg sind sie derzeit vor allem im Faberwald im Stadtteil Eibach aktiv. Doch wie das so ist, wenn Tiere dem Menschen sehr nahe rücken, gibt es da gleich ein paar Probleme. Der Biberbeauftragte für Nürnberg-Süd wird deshalb im Faberwald nun eine Kamera aufstellen. Denn die Sicherheit in diesem Naherholungsgebiet könnte durch das Stollensystem, das die Biber angelegt haben, in Gefahr sein. Die Kamera wurde von der zuständigen Behörde genehmigt.

Die Biber im Faberwald machen ihrem Beinamen“Baumeister“ momentan alle Ehre. Das zeigt ein verzweigtes Stollensystem, in das sich die Nager bei Gefahr oder Störungenschnell zurückziehen können. Die Kamera soll dazu dienen, die einzelnen Tiere zu identifizieren, mehr über ihre Bautätigkeit zu erfahren und die Tiefe der Stollen einzuschätzen. Mithilfe der Aktion soll der Biberbestand auch an dieser Stelle erhalten werden, aber gleichzeitig will man Schäden am reichen Baumbestand des Faberwaldes so gering wie möglich halten. Klingt alles duchaus plausibel – ist aber heutzutage gar nicht so einfach. Denn in einem solchen Erholungsgebiet dürfen schließlich keine Aufnahmen mit Überwachungskameras (wie etwa an Bahnhöfen oder anderen sicherheitsrelevanten Orten) gemacht werden. Fotos oder Filme aus dem Faberwald, auf denen Menschen erkennbar sind, die dann womöglich veröffentlicht oder weiterverwertet werden – das wäre nicht zulässig. Deshalb ist die Kamera gezielt auf die Wasserfläche und den direkt angrenzenden Uferbereich gerichtet, also dorthin, wo Menschen sich normalerweise nicht hinbegeben.

Für das Bibermanagement arbeiten in Nürnberg der Service öffentlicher Raum (SöR), das städtische Umweltamt, die Untere Naturschutzbehörde, das Wasserwirtschaftsamt und der Bund Naturschutz (BN) Bayern zusammen, um praktikable Lösungen für ein gutes Miteinander zwischen Mensch und Biber zu ermöglichen. Die Ergebnisse des geplanten Monitoring am Faberweiher sollen in das Management mit einfließen. Wird sicher interessant, was dabei herauskommt!

Tag des internationalen Artenschutzes

Morgen, am 3. März, ist Tag des internationalen Artenschutzes. Dieses Thema nehme ich gern als Anstoß für einen Blog-Beitrag auf. Denn weltweit sind bereits über 5000 Tier- und etwa 30.000 Pflanzenarten in ihrem Bestand gefährdet – wenn nicht sogar vom Aussterben bedroht. Anlässlich von solchen Tagen äußern sich natürlich alle möglichen Verbände und Organisationen zum jeweiligen Thema. Diesmal ist der Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) vorgeprescht und macht auf die  Bedeutung der heimischen Tierwelt in unseren Wäldern aufmerksam, wo viele bedrohte Tierarten leben.

Ein Beispiel sind ist der Eurasische Luchs, der auf der nationalen Roten Liste des Bundesamts für Naturschutz als „stark gefährdet“ eingestuft ist. Diese Tierart war ja in Deutschland bekanntlich schon durch Jagd und Verlust des natürlichen Lebensraums weitgehend ausgerottet. Zum Glück kehrt der Luchs seit dem Jahr 2000 zu uns zurück: In Bayern, Baden Württemberg, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gibt es inzwischen wieder kleine Populationen. Sie sind zum Teil auch den Auswilderungen von Nachzucht-Luchsen aus Zoologischen Gärten zu verdanken.

Im Nürnberger Tiergarten sind vor knapp drei Jahren Luchse in die frühere Anlage der Wölfe eingezogen und bewohnen damit ein großes Waldgelände, das ihnen jede Menge Rückzugsmöglichkeiten bietet. Auch andere Zoos legen wieder Wert auf die Haltung dieser Tiere, die ständig verbessert wird. Der Zoologische Stadtgarten Karlsruhe zum Beispiel setzt sich als „Tor zum Nationalpark Schwarzwald“ besonders für den Schutz der Luchse ein. Am Lauterberg entsteht gerade ein neues, naturnah gestaltetes, 1100 Quadratmeter großes Gehege. Dort werden die  Luchse künftig sogar Gelegenheit haben, ihr Futter selbst zu „erjagen“: Ein quer über die Anlage gebauter Beutezug, an den Fleischstücke gehängt werden, macht´s möglich.

Außerhalb von Zoologischen Gärten gibt es auch eine Reihe von Erfolgen bei Naturschutzmaßnahmen zu vermelden, etwa bei einigen Vogelarten: So haben sich beispielsweise die Bestände von Wanderfalken, Uhus und Weißstörchen erholt, seit sie ihre Jungen wieder hierzulande großziehen. Hingegen verzeichnen Naturschützer vor allem bei Rebhühnern, Feldlerchen und Rauchschwalben Rückgänge.