Der Killer der Wale

Kürzlich war ja das Stranden und die anschließende Rettung von Grindwalen an der neuseeländischen Küste ein großes Thema. Um einen Wal geht es auch im folgenden, allerdings um einen Cuvier-Schnabelwal, den norwegische Forscher an Land gezogen haben (Foto: Universität Bergen/dpa). Zunächst freuten Sie sich noch über die Sensation, dass das Tier so weit nach Norden – bis zur Insel Sotra westlich von Bergen -gezogen war, was diese Wale sonst nicht tun. Die Freude währte allerdings nur kurze Zeit, denn es folgte eine grausige Entdeckung: 30 Plastiktüten und massenhaft Mikroplastik waren im Magen des Wals.

Der Meeressäuger musste getötet werden – er schwamm immer wieder in Richtung Land. Cuvier-Schnabelwale kommen in nördlichen Gewässern normalerweise nicht vor, deshalb sollte der über zwei Tonnen schwere Kadaver für das Naturhistorische Museum in Bergen präpariert werden. In der marinebiologischen Station der Universität, wo die Obduktion vorgenommen wurde, entdeckten die Wissenschaftler den tödlichen Mageninhalt: Riesenmengen von Plastikmüll. Dafür war die Speckschicht des Wales auffallend dünn und sein Darm so gut wie leer. Das Tier war regelrecht abgemagert. Durch das viele Plastik war offenbar ein Pfropfen im Magen entstanden. Das Tier dürfte schreckliche Quälen gelitten haben.

Plastikmüll entwickelt sich langsam, aber sicher zum Fluch der Meere und zum Killer von Walen. Schon vor gut einem Jahr waren immer wieder Pottwale an der Nordseeküste gestrandet, von denen 30 zugrundegingen. In den Mägen der Meeressäuger befand sich ebenfalls massenhaft Plastik. Millionen Tonnen Plastikmüll verpesten jedes Jahr die Meere der Welt und sind für den Tod sowohl von Seevögeln als auch von Meeresbewohnern verantwortlich. Laut der Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation rufen die giftigen Inhaltsstoffe im Plastik zum Beispiel Immunschwächen hervor. Möglicherweise sind sie auch an der Unfruchtbarkeit der Meeressäuger schuld. Wenn nicht bald etwas geschieht, werden wir alle unter dem zu leiden haben, was der Mensch ins Meer schmeißt und was davon zurückkommt.

Also: Keine Rede von Killerwalen, sondern vom Killer der Wale – dem Menschen.

Pro oder kontra Katzensteuer?

Dieses dpa-Foto ist schon über fünf Jahre alt. Aufgenommen wurde es 2011 in Brandenburg. Die Kinder, die das selbstgemalte Schild damals an einer Futterstelle für Vögel aufgestellt haben, haben schon damals auf ein Problem aufmerksam gemacht, was nun in der Diskussion hochkocht: Sind Katzen daran schuld, dass es in öffentlichen Grünanlagen und Gärten immer weniger Singvögel gibt? Jagen Katzen, die als Freigänger draußen unterwegs sind, inzwischen so viele Vögel, dass man von staatlicher Seite einschreiten und eine Katzensteuer erheben sollte? Quasi als Wiedergutmachung für den entstandenen Schaden in der natürlichen Umgebung, zu der eben auch Wildvögel in bestimmter Anzahl gehören?

Natürlich war schon der erste Aufschrei von Katzenbesitzern zu vernehmen, die den Befürwortern einer Katzensteuer wiederum unterstellen, so etwas hätten sich nur Hundebesitzer ausdenken können. Weil die für ihre Vierbeiner auch vom Fiskus zur Kasse gebeten werden und schon lange finden, dass – nach dem Gleichheitsgrundsatz – auch Katzenbesitzer zahlen müssten. Eine Art Neid-Debatte, wie gerade wir in Deutschland sie gern führen. Immerhin gibt es hierzulande nach Schätzungen rund 13 Millionen Katzen. Der Deutsche Tierschutzbund geht davon aus, dass mindestens zwei Millionen davon auf der Straße leben; dazu zählen auch Parks oder Industriebrachen.

Ist also eine Katzensteuer berechtigt? Politiker trauen sich in Wahljahren naturgemäß nicht an ein solch emotionsgeladenes Thema heran. Es könnte sie schließlich eine Menge Wählerstimmen kosten. Andere Interessenvertreter haben solche Ängste nicht. So spricht sich etwa der Deutsche Jagdverband für eine Katzensteuer aus. Mit dem Argument, die zweieinhalb Millionen besitzerlosen und unterernährten Katzen würden die Artenvielfalt gefährden. Katzenbesitzer müssten einfach mehr Verantwortung übernehmen. Wenn eine Kastrations- und Meldepflicht für Katzen – wie sie zum Beispiel die Stadt Paderborn 2008 eingeführt hat und weitere 430 Kommunen in Deutschland so oder ähnlich inzwischen haben – nicht den gewünschten Erfolg bringe, dann müsste eben die Politik mit der Katzensteuer eingreifen.

Der Tierschutzbund fordert wegen der zunehmenden Zahl von Katzen in Tierheimen und auf der Straße längst die bundesweite Kastrationspflicht für Freigängerkatzen aus Privathaushalten. Diese Tiere sind für die explosionsartige Fortpflanzung der Straßenkatzen schließlich mit verantwortlich. Der Tierschutzbund setzt sich deshalb für ein Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungsgebot für Freigängerkatzen ein. Der Naturschutzbund Deutschland, Nabu, setzt auf Kastrationspflicht, erteilt aber der Katzensteuer eine Absage. Eine der Hundesteuer ähnliche Katzensteuer hält man dort für politisch und gesellschaftlich nicht durchsetzbar. Dass Katzen besonders junge Vögel jagen, liege in ihrer Natur als Raubtier begründet.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hat das Thema vor kurzem erneut aufs Tapet gebracht – und Katzenfreunde auf die Palme. Klar: Die Sache polarisiert wie wenige andere. In den sozialen Netzwerken schlägt die Diskussion natürlich auch hohe Wellen. – Und wie ist die Meiung der Leser dieses Blogs? Sind Sie für oder gegen die Katzensteuer?

Schneeleoparden – bald nur noch in Zoos?

Im Nürnberger Tiergarten kann man sie sehen, auch in anderen deutschen Zoos wie Dresden, Berlin (Tierpark Friedrichsfelde), Karlsruhe, Köln, Krefeld, Leipzig, Magdeburg, München, Neunkirchen, Rostock, Stuttgart und Wuppertal. Doch frei lebende Schneeleoparden sind stark bedroht. Was man für die Erhaltung dieser Tierart noch tun kann, wird in dieser Woche in Kathmandu bei einer Konferenz beraten, die sich um die Rettung der ebenso spektakulären wie scheuen Raubkatze dreht. Das Treffen ist Teil des Globalen Programms zum
Schutz des Schneeleoparden und seines Lebensraums. Wie dringend nötig solche Maßnahmen sind, zeigen diese Zahlen: Nach offizieller Schätzung gibt es nur noch 3500 bis 7000 ausgewachsene Exemplare dieser herrlichen Raubkatze, die vor allem in Zentralasien vorkommt. Am Konferenztisch sitzen Regierungsvertreter aus zwölf Ländern: Afghanistan, Bhutan, China, Indien, Kasachstan, Kirgistan, die Mongolei, Nepal, Pakistan, Russland, Tadschikistan und Usbekistan.

Schneeleoparden leben in Bergregionen in über 3000 Metern Höhe, meist als Einzelgänger. Das ist wohl auch ein Grund dafür, dass immer noch sehr wenig Genaues über das Verhalten von Schneeleoparden bekannt ist. Moderne Technik kannl da weiterhelfen, zum Beispiel Halsbänder mit einem GPS-Sender. Der Lebensraum dieser Tiere ist durch den Klimawandel bedroht. Das wunderschöne Fell der Schneeleoparden macht sie außerdem zu einem begehrten Ziel für Wilderer. Und: Es wird für die Raubkatzen immer schwieriger, in den extrem hoch gelegenen Verbreitungsgebieten genügend Beute zu finden. Ein Schneeleopard, so schätzt man, muss auf einem Areal von bis zu 25 Quadratkilometern jagen, um sich zu ernähren. Das kostet Kraft und verbraucht gleich wieder einen großen Teil der Kalorien, die das Futter ihm liefert.

23 Regionen sollen bis zum Jahr 2020 Schutzräume für Schneeleoparden werden, so der bisherige Stand der Dinge. Auf der Konferenz wollen die Teilnehmerländer nicht darüber berichten, wie dieses Projekt vorankommt. Außerdem sollen Möglichkeiten gefunden werden, Menschen, die ihren Lebensraum mit den Schneeleoparden teilen, in Schutzmaßnahmen für diese Tiere einzubeziehen. Das bedeutet auch, dass die Lebensbedingungen für die Menschen dort verbessert werden müssen.

Zoos leisten bereits seit 1987 durch das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) ihren Beitrag zum Schutz der attraktiven Raubkatzen. Doch wenn nicht schnell etwas für die in der Natur lebenden Tiere getan wird, könnte diese Art bald nur noch in Zoologischen Gärten vorkommen. Das darf auf keinen Fall passieren!

Igel nicht gleich ins Haus holen!

igelJetzt ist sie wieder da, die Jahreszeit, in der so mancher Tierfreund meint, schwache oder vermeintlich kranke Igel ins Haus holen zu müssen, um sie noch vor dem Wintereinbruch zu retten und dann über den Winter zu bringen. Der Deutsche Tierschutzbund warnt vor Überaktionismus in Sachen Igel: Bevor man ein soloches Tier in Obhut nimmt, sollte man es genau beobachten. Meist sind die Igel nämlich in ihrer natürlichen Umgebung am besten aufgehoben. Nur wenn sie tatsächlich verletzt, krank oder stark von Parasiten befallen sind, brauchen sie die Hilfe des Menschen. Dann ist es jedoch am besten, sie Fachleuten zu überlassen.

Woran erkennt man nun, ob ein Igel Hilfe braucht? Deutlich zu sehen ist es zum Beispiel, wenn er abgemagert ist. Doch wenn man in diesen Wochen einen Igel bei sich im Garten findet, muss er deshalb noch nicht unbedingt gleich in menschliche Pflege genommen werden. Vielmehr ist es normal, dass Igel zu dieser Jahreszeit in Gärten und Parks auf Nahrungssuche sind, um sich eine ausreichende Fettschicht für den Winterschlaf anzufressen. Wenn der Garten ausreichend Rückzugsmöglichkeiten bietet, etwa in Form von Kompost- oder Blätterhaufen, kann man der Igel ruhig dort lassen und muss ihn nicht ins Haus holen.

Nur Igel, die wirklich krank, verletzt oder bei Wintereinbruch stark abgemagert sind, brauchen Hilfe von Fachleuten. Unbedingt notwendig ist das, wenn man beobachtet, dass der Igel sich apathisch verhält. Dann sollte man auf jeden Fall Rat beim Tierarzt oder beim Tierschutzverein einholen. Handelt es sich um einen jungen Igel, kann eine Zufütterung sinnvoll sein, beispielsweise mit Katzenfutter aus der Dose, das man mit Haferflocken oder Weizenkleie mischt. Wichtig ist auch, dem Tier Wasser zum Trinken anzubieten. Achtung: Keinesfalls Milch oder Essensreste geben! Damit kann man den Tieren ernsthaft schaden.

Biber-Hochburg Nürnberg

ARCHIV - Am Ufer einer überschwemmten Oderwiese knabbert am 20.03.2009 ein Biber die Rinde von Weidenästen ab. Am 30.04.2014 beschäftigten sich die Abgeordneten des Landtags von Baden-Württemberg in einer aktuellen Debatte mit der Weiterentwicklung des Bibermanagements. Foto: Patrick Pleul/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Nürnberg entwickelt sich zur Biber-Hochburg! Auf der Wöhrder Wiese zwischen dem Wöhrder Talübergang und der Franz- Josef-Strauß-Brücke hinterlassen die Tiere deutliche Spuren, vor allem an den Ufern des Goldbachs entlang des Wöhrder Wiesenwegs, bis hin zur Hadermühle: So haben die emsigen Nager beispielsweise in der Nähe des Wöhrder Talübergangs eine 15 Meter hohe Pappel zu Fall gebracht. Weil der Baum quer über dem Wöhrder Wiesenweg lag, musste die Stelle abgesichert werden, Fußgänger und Radfahrer wurden über die Wiese umgeleitet. Zwei weitere Pappeln wurden von Bibern angenagt und wurden deshalb gefällt, außerdem musste der zuständige städtische Betrieb zwei schon umgestürzte Bäume beseitigen.

Es ist erstaunlich, was ein einziger Biber innerhalb einer Nacht an „Baumfällarbeiten“ so alles schafft: Je nach Härte des Holzes kann er einen bis zu 50 Zentimeter dicken Baum umlegen. Weil die Tiere nach der Naturschutz-Richtline der Europäischen Union geschützt sind, ist es für die Stadt Nürnberg nicht immer einfach, zwischen der Verantwortung für die Verkehrssicherheit und dem Natur- und Artenschutz abzuwägen. Deshalb beraten sich die zuständigen städtischen Dienststellen mit dem Wasserwirtschaftsamt, dem Bund Naturschutz (BN) und anderen Naturschutzexperten über den Biberbestand an der Wöhrder Wiese. Es gibt seit einigen Jahren ein Baumschutzkonzept vom U-Bahnhof Wöhrder Wiese bis zur Satzinger Mühle flussaufwärts, außerdem ist die „Biber Task Force“ des BN an den Flussufern an der Wöhrder Wiese unterwegs. Diese Truppe umwickelt zum Beispiel gefährdete Bäume zum Schutz vor Biberfraß mit einer Manschette aus Maschendraht.

Für die „Biber Task Force“ werden noch zusätzliche Mitarbeiter gesucht. Mitglieder des BN oder andere Interessenten können sich bei der Nürnberger BN-Geschäftsstelle unter Telefon 09 11/45 76 06 melden.

Irre Geschichte: „Moby Dick“ im Rhein

MobydickManchmal lohnt es sich, einen Blick zurückzuwerfen auf Ereignisse, die sich vor Jahrzehnten abgespielt haben. So wie dieses: Heute vor 50 Jahren, am 18. Mai 1966, wurde „Moby Dick“ im Rhein gesichtet. Eigentlich war die Arktis der angestammte Lebensbereich des vier Meter langen Belugawals, der sich in den deutschen Strom verirrt hatte.

Die Besatzung eines Tankschiffs sichtet das Tier als erstes und alarmiert die Wasserschutzpolizei in Duisburg. Die Polizei hält das Ganze erst einmal für einen Scherz bzw. glaubt man, die Männer an Bord hätten einen über den Durst getrunken. Bis sie den Weißen Wal selbst entdecken – eine echte Sensation, die wahre Menschenmassen ans Rheinufer lockt. Und zwar zwischen Duisburg und Bonn, der damaligen Bundeshauptstadt. Dort zieht es die Journalisten und Fotografen von der Pressetribüne des Bundestages weg an den Fluss. Das für unsere Breiten exotische Tier liefert tagelang Schlagzeilen. Und die „Whalewatcher“ zeigen sich vor allem begeistert, wenn das Tier eine Wasserfontäne in die Luft bläst. Das Ereignis löst auch hektische Aktivität aus. So will zum Beispiel der Direktor des Duisburger Zoos den Wal einfangen.

Das Rätsel, wie der Beluga aus arktischen oder subarktischen Gewässern in den Rhein gelangte, ist bis heute ungelöst. Etwa vier Wochen lang hält sich der Wal im Rhein auf – und wechselt dabei seine Farbe vom strahlenden Weiß zu einem schmutzigen Grau. Das liegt an der Verschmutzung des Flusses, dessen Wasserqualität damals bedeutend schlechter war als heutzutage. Der Beluga findet wochenlang einfach nicht zurück ins Meer. Er schlägt aber allen, die ihn mit Netzen, Stangen und Betäubungspfeilen zu fangen versuchen, ein Schnippchen. Bei Bonn bringt „Moby Dick“ auch ein Radschiff der Köln-Düsseldorfer Rheinschifffahrt in die Bredouille: Als der Wal auftaucht, rennen die Passagiere auf die Seite, von der aus man gute Sicht auf das Tier hat – das Schiff bekommt Schlagseite und kann kurzfristig nicht weiterfahren.

Nach ungefähr einem Monat und wochenlangem Hin- und Herschwimmen findet der Wal schließlich doch den Weg zurück ins Meer und gelangt Mitte Juni wieder in die Nordsee. Zur Erinnerung an die Geschichte wurde zehn Jahre später der Ausflugsdampfer „Moby
Dick“ in Betrieb genommen. Er besitzt die Form eines Wals und verkehrt zwischen Köln, Bonn und Linz.

Australier schon wieder beim Tieretöten

WildpferdeIn diesem Blog habe ich mich schon öfter über die Australier aufgeregt, die, was die Tötung von Tieren angeht, unglaublich schnell bei der Sache sind. Jetzt ist es wieder mal so weit. Die australischen Behörden schieben die Schuld für schwere Umweltschäden in einer Region südwestlich von Sydney den dort lebenden rund 6000 Wildpferden – „Brumbies“ genannt – in die Schuhe. Die Herde soll deshalb „drastisch reduziert werden“, wie es im Amtsdeutsch (respektive im Behörden-Englisch 😉 ) heißt. Gemeint ist: Hunderte von Tieren sollen abgeknallt werden.

Mit dieser Ankündigung hat man natürlich die Tierfreunde auf den Plan gerufen. Der Vorsitzende der Organisation „Rettet die Brumbies“ durfte seinem Unmut in der Zeitung „Sydney Morning Herald“ freien Lauf lassen. Er appelliert an die Verantwortlichen, diese Tiere zu schützen und artgerecht zu behandeln, weil sie in dieser Region zur Kultur gehören. Sogar als „Ikonen“ hat er sie bezeichnet.

Aber die Regierung des Bundesstaates New South Wales will im
Kosciuszko-Nationalpark in 20 Jahren höchstens noch 600 Wildpferde
dulden. Angeblich zerstören die Brumbies die alpine Landschaft. Als Gegenmaßnahmen wollen die Behörden Wildpferde einfangen, umsiedeln, Maßnahmen zur Geburtenkontrolle ergreifen, Zäune errichten – aber auch Tiere erschießen. Die Regierung hat nun die Öffentlichkeit um Stellungnahmen dazu gebeten. Aber eines wage ich hier mal zu prophezeien: Die Stellungnahme von Tierschützern wird kaum berücksichtigt werden.

Die Vorfahren der in Australien lebenden Wildpferde – man geht von einer Zahl von bis zu einer Million aus! – wurden einst von den weißen Siedlern auf den fünften Kontinent gebracht. Und nun ist es wie beim Kampf gegen die wilden Kamele vor einiger Zeit in Down Under: Erst bringt der Mensch die Tiere dorthin, und wenn sie sich dann stärker vermehren als erwünscht, bringt sie der Mensch eben mal kurz um die Ecke. Sind ja bloß Tiere! Ich weiß gar nicht, wie die Leute dort drauf sind!

Heute ist der „Tag des Wolfes“

WolfstagSo viel Ehre wäre ja gar nicht nötig gewesen! Ich habe jetzt einen eigenen Tag, den „Tag des Wolfes“, der heute, am 30. April,  begangen wird. 😉  Anlässlich dieses Tages hat der Naturschutzbund NABU allerdings eine gemischte Bilanz zur Situation frei lebender Wölfe in Deutschland gezogen. Zwar hält er den wachsenden Bestand mit derzeit 40 Wolfsfamilien im ganzen Bundesgebiet für erfreulich, doch das Wolfs-Management reicht nach Ansicht der Zuständigen beim NABU noch längst nicht aus.

Gerade erst in der zu Ende gehenden Woche wurde in Niedersachsen erstmals ein Wolf – „MT6“ oder „Kurti“ genannt – aufgrund einer Ministeriumsentscheidung erschossen, weil er Menschen bzw. Hunden mehrmals zu nahe gekommen war. Diese Entscheidung konnte der NABU aber nachvollziehen:  Wolf „Kurti“ stellte durch sein  Verhalten ein nicht mehr zu kalkulierendes Risiko dar. Trotzdem kann die Geschichte keinen Tierfreund oder Tierschützer zufriedenstellen, denn das konzentrierte Monitoring hat zu spät begonnen, außerdem war die Vergrämungsphase viel zu kurz, und man hat dabei auch nicht alle zur Verfügung stehenden Mittel ausgeschöpft. Vor allem: Es wurde nicht ausreichend untersucht, was zu dem auffälligen Verhalten von Kurti geführt hat.

Nach Experteneinschätzung ist die wahrscheinlichste Ursache für die Verhaltensveränderung dieses Wolfes die Fütterung durch Menschen oder zurückgelassene Speisereste. Schließlich sind wir den Umgang mit diesen Wildtieren nicht mehr gewöhnt. Der NABU fordert eine unabhängige wissenschaftliche Kommission auf Bundesebene, die Kriterien für ein funktionierendes Monitoring und für die Vergrämung erarbeitet – und die Einhaltung dieser Kriterien auch überprüft. Jeweils am 30. April endet das offizielle Wolfsjahr, in dem alle wissenschaftlichen Daten gesammelt werden, um Erkenntnisse über das Leben freilebender Wölfe in Deutschland zu erhalten. Daher hat der NABU im Jahr 2013 den „Tag des Wolfes“ eingeführt.

Die Wölfe im Land müssen sich am meisten vor der Deutschen liebstem Kind in Acht nehmen: dem Auto. Denn das größte Risiko für den Wolf ist bei uns der Straßenverkehr. Seit dem Jahr 2000, als der erste Wolf nach Deutschland zurückkehrte, fanden 95 von diesen wunderbaren Tieren auf der Straße den Tod. An der Spitze liegt dabei Brandenburg mit 42 totgefahrenen Tieren. Auch die Akzeptanz von freilebenden Wölfen in der Gesellschaft lässt noch zu wünschen übrig, selbst wenn die allgemeine Zustimmung zur Rückkehr der Wölfe hoch ist. Es kommt außerdem immer wieder zu illegalen Abschüssen. Hierbei belegt das Land Sachsen den traurigen ersten Platz. Man muss allerdings berücksichtigen, dass die Dunkelziffer illegal getöteter Wölfe bundesweit deutlich höher ist als die offiziell bekannt gegebenen Zahlen.

Und so verteilen sich die freilebenden Wölfe über unser Land: Wolfsreichstes Bundesland ist Sachsen mit zwölf Wolfsfamilien, gefolgt von Brandenburg mit elf. In Niedersachsen leben derzeit neun, in Sachsen-Anhalt sechs und in Mecklenburg-Vorpommern zwei Wolfsrudel. In den vergangenen 15 Jahren konnten  Wölfe auch in allen anderen Flächen-Bundesländern nachgewiesen werden. Die Zählung funktioniert mit Hilfe von Fotofallen, DNA-Hinweisen nach Nutztierrissen oder eben tot aufgefundenen Tieren.

Herrliche Raubkatze nicht mehr akut bedroht

PardelluchsWahnsinn, was das für ein tolles Tier ist: Der Pardelluchs (Lynx pardinus), auch unter dem Namen Iberischer Luchs bekannt, weil seine Heimat Spanien und Portugal ist, wo er in offenen Buschlandschaften lebt. Er ist etwas kleiner als der bei uns wieder ansässige eurasische Luchs. Ich finde ihn einfach umwerfend schön, mit seiner ungewöhnlichen Zeichnung. Und jetzt kommt die gute Nachricht: Dieses Tier, das bis vor kurzem noch als die am stärksten vom Aussterben bedrohte Raubtierart der Welt galt, beginnt sich in seinem Bestand zu erholen. Die Bemühungen in Spanien und Portugal zur Rettung dieser Raubkatzen haben sich also gelohnt.

Nach einem Bericht des Förderprogramms Life+Iberlince gab es Ende des vergangenen Jahres in Spanien und Portugal 404 Pardelluchse – das sind rund 20 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Vergleicht man die neuen Werte mit denen aus dem Jahr 2002, als der Bestand auf unter 100 Exemplare gesunken und die Art akut vom Aussterben bedroht war, dann hat sich die Zahl der Iberischen Luchse seitdem vervierfacht – ein großer Erfolg! Der WWF wertet die gute Entwicklung als Hoffnungsschimmer für eines der weltweit am stärksten bedrohten Säugetiere, warnt aber: Die Zukunft des Pardelluchses sei noch längst nicht gesichert.

Die Zahlen wurden auf einem  Expertentreffen in Sevilla vorgestellt. Dort wurden auch die größten Gefahren für diese Tiere genannt. Das ist zum einen der Straßenverkehr: Vergangenes Jahr wurden demnach zehn Luchse von Autos angefahren bzw. totgefahren, 2014 waren es noch etwa doppelt so viele. Zum anderen bedroht eine Krankheit die Luchse – wenn auch indirekt: In bestimmten Gegenden Südspaniens sterben Wildkaninchen an deren Folgen, und da diese Beutetiere die Hauptnahrung der Pardelluchse sind, droht den Raubkatzen Futtermangel. Sie ziehen dann in andere Gebiete weiter.

Alles in allem aber ein Lichtblick, und das in einer Zeit, wo fast täglich eine weitere Tierart in ihrem Bestand als gefährdet gilt.

 

Pinguine zum Spaß für Badegäste?

Pinguin
Da taucht wieder mal das Thema auf, das die Emotionen hochkochen lässt: Dürfen Tiere nur zum Spaß von Menschen gehalten werden? In diesem Fall geht es um Humboldt-Piguine im „Spreewelten-Bad“ in Lübbenau (Brandenburg), die in einer 400 Quadratmeter großen Anlage leben (das Foto zeigt einen Pinguin mit Tierpflegerin Laura Schäfer). In diesem „Erlebnisbad“ wird u.a. mit der Attraktion „Schwimmen mit Pinguinen“ geworben, was es in Europa sonst nirgends gibt. Wobei die Besucher gar nicht wirklich mit den Tieren schwimmen. Die Badegäste sind vielmehr in einem Außenbecken von den Pinguinen lediglich durch eine Plexiglasscheibe getrennt und können direkt an die Scheibe heran, um möglichst nahe an die im und unter Wasser schwimmenden Tiere zu kommen. Es geht genau genommen also um Blick-, nicht um Körperkontakt.

Die Pinguine von Lübbenau scheinen sich dort ganz wohlzufühlen – zumindest vermehren sie sich wie die Karnickel (die mir den Gebrauch der Redewendung verzeihen mögen), so dass es für die vielen Tiere zu eng wird. Für zehn junge Pinguine, die im vergangenen Jahr geschlüpft sind, wurde deshalb ein neues Zuhause gesucht und mittlerweile gefunden. Jetzt haben sie den schönen Spreewald (kann ich zumindest für einen Kurzurlaub nur empfehlen!) verlassen und die Reise nach Tschechien angetreten. Dort sollen sie allerdings nicht bleiben. Ihr nächstes Ziel ist die Türkei: In Antalya sollen sie in einer Hotel-Freizeitanlage untergebracht werden, um auch dort für die Unterhaltung der Gäste zu sorgen. Es gab in den letzten Jahren übrigens auch schon Pinguin-Nachwuchs aus Lübbenau, der nach Philadelphia (USA) und Südkorea geschickt wurde.

In der Türkei gibt es bekanntlich auch Hotelanlagen, wo Delfine zum Amusement von Touristen gehalten werden. Das wurde und wird – meiner Meinung nach zu recht – von Tierschützern heftig kritisiert. Ich habe aber noch nicht gehört, dass sich bei den Pinguinen darüber aufregt. Gehört wohl wieder in die Rubrik „doppelte Moral“ von gewissen Leuten…