Wen würden (Zoo-)Tiere wählen?

In zehn Tagen ist Bundestagswahl. Ich muss zugeben, dass ich noch nie so unsicher war wie diesmal, welcher Partei ich meine Stimme geben soll. Diverse Diskussionsrunden und Interviews mit deutschen Spitzenpolitikern im Fernsehen haben mir bisher auch nur bedingt weitergeholfen; zumindest weiß ich aber schon mal, wen ich nicht wähle. Mit dieser Eingrenzung auf bestimmte verbleibende Parteien habe ich den Wahl-O-Mat als Entscheidungshilfe herangezogen und bin wieder ein Stück vorangekommen: Nun sind nur noch zwei Parteien übrig, zwischen denen ich immer noch schwanke.

Da erreichte mich in diesen Tagen der Newsletter des WWF (siehe obiges Foto). Mitarbeiter der Umweltorganisation haben Interviews mit Spitzenpolitikern von CDU, SPD, DIE LINKE und den GRÜNEN geführt und herausgearbeitet, inwieweit umweltrelevante Themen Eingang in die Wahlprogramme gefunden haben. Außerdem wurden die Politiker befragt, welche Maßnahmen und Vorhaben für Natur- und Umweltschutz ihre jeweilige Partei konkret nach der Wahl angehen will. weiter lesen

Da kann man doch nicht länger zuschauen!

Heute ist Tag des Ostseeschweinswals. Am 17. Mai wird auf die Bedrohung dieser Tiere aufmerksam gemacht. In den vergangenen Jahrzehnten ist der Bestand der Schweinswal-Population in der Ostsee alarmierend zurückgegangen, auf nur noch 450 Tiere!!! Umweltorganisationen werfen Bund und Ländern vor, sie würden beim Schutz der letzten Ostseeschweinswale versagen. Sie verlangen deren Schutz durch bessere Regulierung von Fischerei und Unterwasserlärm.

Der Schweinswal ist der einzige Wal, der in Deutschland vorkommt. Er ist mit dem Delfin verwandt und steht unter dem strengen Schutz der Habitat-Richtlinie der EU. In den letzten Jahren werden immer wieder Schweinswale tot an der Küste angeschwemmt, viele verenden jämmerlich in Stellnetzen. Zahlreiche Tiere erleiden schlimme Gehörschäden durch den sogenannten Rammschall, der etwa beim Bau von Offshore-Windkraftanlagen entsteht, aber auch bei der Sprengung von Alt-Munition oder bei seismischen Untersuchungen mit Schallkanonen.

Seit acht Jahren gibt es zwar offiziell Offshore-Meeresschutzgebiete in der Ostsee, die Fischerei ist aber nicht eingeschränkt. So finden unzählige Tiere als Beifang in Stellnetzen den Tod. Außerdem wird kritisiert, dass die verschiedenen Bundesländer an der Ostseeküste keine einheitlichen Schutzmaßnahmen ergreifen. In Schleswig-Holstein existieren nur freiwillige Vereinbarungen in einer Wischiwaschi-Fischereiverordnung. Mecklenburg-Vorpommern schiebt die Verantwortung dem Bundeslandwirtschaftsministerium zu. Und die geplante Ausweitung der Offshore-Windkraft in sensiblen Naturräumen macht Schutzmaßnahmen für Schweinswale völlig zunichte. Das Schallschutzkonzept des Bundesumweltministeriums zum Schutz von Schweinswalen bei der Errichtung von Offshore-Windkraft-Anlagen bezieht sich nämlich bisher nur auf die Nordsee.

Verschiedene Umweltorganisationen haben Ende Januar den Bund verklagt: wegen der Nicht-Umsetzung von Fischereiregelungen in
den deutschen Meeresschutzgebieten. Sie kritisieren außerdem den Entwurf des deutschen Maßnahmenprogramms der Europäischen Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie. Denn darin fehlen vor allem nutzungsfreie Zonen in den Schuutzgebieten, die bedrohten Arten wie dem Schweinswal als Rückzugsgebiete dienen. Die Umweltverbände haben eine „Schattenliste“ aufgestellt, mit den wichtigsten Herausforderungen zum Schutz der Nord- und Ostsee auf deutschem Gebiet. Die Liste kann man hier herunterladen. Wer sich für das Maßnahmenprogramm der Bundesregierung interessiert, kann sich hier informieren.

Zweifel an einer neuen Untersuchung

Bisher hatten Offshore-Windparks einen zumindest zweifelhaften Ruf: Die Gefahr für Seevögel, in die Windräder zu geraten und einen grausamen Tod zu erleiden, wurde von Tier- und Vogelschützern immer wieder angemahnt. Nun kommt das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie nach einer Untersuchung der Umgebung des Windparks „Alpha Venus“ vor der Insel Borkum zu einem gegenteiligen Ergebnis: Seevögel würden nur selten in die Windräder fliegen. Außerdem seien die Fundamente der Turbinen sogar ein Gewinn für die Artenvielfalt im Meer: An ihnen siedeln sich nämlich nicht nur Muscheln, Seesterne, Seeanemonen und -lilien an – auch verschiedene Fischarten werden dadurch angelockt, zum Beispiel Makrelen und Seebullen. In Fachkreisen spricht man schon davon, dass an den Fundamenten Biotope für Meeresorganismen entstehen und die Artenvielfalt in der Nordsee fördern.

Laut der Untersuchung gibt es bei normalem Wetter so gut wie keine Kollisionen von Seevögeln mit den Anlagen, weil die Windräder und ihre Beleuchtung die Vögel eher verscheuchen. Wie es sich bei starkem Wind oder anderen Wetterwidrigkeiten verhält, weiß man allerdings noch nicht. Der Betrieb des Windparks beeinflusse auch Meeressäugetiere nicht negativ. Schweinswale etwa hätten sich nur während der Bauphase von „Alpha Venus“ vertreiben lassen, als die Pfeiler in den Meeresboden gerammt wurden; das war mit außergewöhnlich hohem Lärm verbunden.

Nun frage ich mich allerdings schon: Kommen diese Untersuchungsergebnisse womöglich gerade recht zu einem Zeitpunkt, an dem vor den Küsten Deutschlands eine Vielzahl von Windkraftanlagen gebaut bzw. geplant werden? Diese Anlagen sollen ja ein wichtiges Standbein der angstrebten Energiewende sein. Das erwähnte Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie muss die Windparks genehmigen und sich gleichzeitig um Fragen des Umweltschutzes kümmern. – Geht das ohne Interessenskonflikte? Sollte man solche Untersuchungen nicht lieber bei unabhängigen Institutionen in Auftrag geben, um ein „G´schmäckle“ zu vermeiden? Für meine Begriffe wäre diese Vorgehensweise sauberer und unverdächtiger. – Es würde mich interessieren, was meine Leser dazu meinen.

Hier ist das gewünschte Foto

Im Dezember habe ich hier über die Freilassung von Meeresschildkröten auf den Seychellen geschrieben. Die Tiere waren im Frankfurter Zoo geschlüpft. Der Beitrag stieß auf großes Interesse, und Blog-Leserin „noske“ hatte sich ein Foto von der Freilassung gewünscht. Es war nicht ganz einfach, aber für meine Leser scheue ich keine Mühe, und auch wenn es einige Zeit gedauert hat, konnte ich nun endlich ein solches Foto bekommen, das ich hiermit veröffentliche.

FreilassungGeschickt hat mir das Bild Dirk Hausen vom Bundesamt für Naturschutz in Bonn, der die kleinen Karettschildkröten beim Flug von Frankfurt in ihre Heimat begleitet hat. Auf dem Foto ist Elke Talma von der Marine Conservation Society Seychelles zu sehen. Sie zeigt interessierten Kindern eine der kleinen Meeresschildkröten, die die Kinder sonst in dieser Größe nie zu Gesicht bekommen würden. Die Freilassungsaktion wurde von einem Fernsehteam aufgenommen.
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