Der Tiergarten und die Uralkäuze

Wenn Zoos sich an Programmen zur Arterhaltung von bestimmten Tieren beteiligen, dann ist das nicht unbedingt spektakulär und für den Zoobesucher sichtbar. Es ist aber eine wichtige Aufgabe, die zoologische Gärten zu erfüllen haben.

Der Nürnberger Tiergarten ist mit mehreren Tierarten am Europäischen Erhaltungszucht-Programm (EEP) beteiligt, aber auch darüber hinaus engagiert er sich für bedrohte Arten. So  zum Beispiel für den Uralkauz, die seltenste Eulenart in Deutschland.

Uralkäuze kamen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts noch im Bayerischen Wald vor – das war die westlichste Spitze ihres Verbreitungsgebiets. Dann verschwanden die Vögel von der Bildfläche. Seit Mitte der siebziger Jahre läuft im Bayerischen Wald ein Projekt zur Wiederansiedlung der Uralkäuze. Der Tiergarten Nürnberg, der Uralkäuze seit Jahrzehnten mit Erfolg züchtet, beteiligt sich seit Anfang an daran und hat bisher 13 Eulen zur Auswilderung  beigesteuert. Außerdem finanziert der Tiergarten genetische Untersuchungen dieser Tierart, die von der Technischen Universität München durchgeführt werden.

Auch im Biosphärenreservat Wienerwald wurde schon eine Reihe von Uralkäuzen in die Natur entlassen, darunter auch Jungtiere aus dem Tiergarten Nürnberg. Die Auswilderung wird durch Beobachtung der Vögel – das sogenannte Monitoring – überwacht und dokumentiert. Im Wienerwald soll mit dem Aufbau einer Uralkauz-Population eine Verbindung zum Bestand dieser Tierart in Slowenien hergestellt werden. Weitere Informationen hier.

Nachwuchs bei Adler, Eule und Seelöwen

Ute hatte mit ihrer Prophezeiung recht, die WM hat die Lokalredaktion fest im Griff und lässt wenig Zeit für Tierthemen. Dabei gibt es derzeit gleich eine ganze Reihe schöner Botschaften vom Schmausenbuck: Es gibt Nachwuchs bei den Weißkopfseeadlern, den Uralkäuzen und auch den Seelöwen.

Die zwei jungen Adler schlüpften im April, der kleinere Jungvogel wurde zunächst mit der Hand aufgezogen und dann wieder ins Nest zurückgesetzt. Der Tiergarten züchtet die einst enorm gefährdeten Tiere, deren Bestand sich aber mittlerweile wieder stabilisiert hat, seit 1982. Schon 1965 zogen die Uralkäuze im Tiergarten ein. Am 14. Mai 2010 schlüpfte nun wieder ein Jungvogel, der bald ausgewildert werden soll.

Und dazu gibt es jetzt auch noch drei Kalifonische Seelöwen, hier sind fast jedes Jahr Jungtiere zu bestaunen. Die Mütter des neuesten Trios  sind Ginger, Josi und Lisa. Haremsführer Patrick ist der Vater, sein Kollege Mike starb ja 2009.  

So, das in Kürze das Neueste aus dem Tiergarten. Und am Sonntag endet die WM, und dann ist auch wieder mehr Zeit und Platz für Tiere….

Europa hilft auch dem Uralkauz

Vor lauter Europawahl- und Rock-im-Park-Berichterstattung in den verschiedenen Medien ist in der vergangenen Woche eine Meldung aus dem Tiergarten Nürnberg leider ein wenig untergegangen. Dort gibt es Nachwuchs bei den Uralkäuzen: Drei Küken schlüpften bereits Ende April aus den Eiern; inzwischen  sind sie schon so groß wie ihre Eltern, werden aber noch ungefähr zwei Monate lang von den Altvögeln gefüttert.

Das ist wieder so eine Tierart, bei der sich der eine oder andere denken mag: Na, der Kracher sind diese Vögel ja nicht gerade. Mag sein – aber eben nur auf den ersten Blick. Denn Uralkäuze, die man wegen ihrer Federfärbung auch Habichtskäuze nennt, sind die seltenste Eulenart in Deutschland. Wer die Jungen noch sehen will, die jetzt bereits flügge werden, sollte sich nicht mehr allzu viel Zeit lassen. Die drei Vögel werden nämlich noch heuer im Nationalpark Bayerischer Wald ausgewildert, damit der Bestand im Freiland sich weiter vergrößert.

Der Bayerische Wald war bis ins 19. Jahrhundert Heimat dieser Eulenart – das westlichste Gebiet, in dem sie lebte. Man weiß, dass auf der tschechischen Seite im Jahr 1926 der letzte Uralkauz abgeschossen wurde. Das erste Wiederansiedlungsprojekt begann 1975, und der Nürnberger Tiergarten hat dazu schon mit zehn Jungvögeln beitragen können. Er ist einer der Zoos, in dem die nicht ganz einfache Nachzucht schon sehr früh, nämlich 1965, gelang.

Inzwischen – und da wären wir wieder beim Thema Europa wie zu Beginn – beteiligen sich auch andere europäische Nachbarn an dem Artenschutzprojekt: Österreich und die Tschechische Republik.

Deutschlands next Supermodel

Uralkauz.JPGDeutschlands next Supermodel – sitzt im Tiergarten in einer Voliere. Normalerweise stellt sich der kleine Uralkauz dort praktisch tot. Es haben sogar schon Besucher nachgefragt, ob es sich womöglich um ein künstliches Tier handelt, wenn er sich mal wieder stundenlang nicht bewegt hat.

Doch kaum rückten heute die Pressefotografen mit ihren Blitzlichtern an, ließ sich der sechs Wochen alte Kauz aus der Reserve locken. Sofort reckte er sich, schob seinen Kopf von einer Seite auf die andere und probierte mal eine durchaus eindrucksvolle Drohgebärde aus. Kurz gesagt: Er gab alles, um auf dem Foto möglichst vorteilhaft rüberzukommen. Ganz schön eitel, der Bursche (oder das Mädel? ist leider noch nicht bekannt).

Dass der flauschige Eulenvogel mit den wunderschönen Augen für eine Model-Karriere aber vielleicht doch nicht so gut geeignet ist, könnte an seinem Riesenappetit liegen: Kaum bekommt er ein paar tote Mäuse in die Voliere geworfen, zieht er sich mit seiner fetten Beute in ein ruhiges Eckchen zurück und genießt (siehe Foto). Drei bis vier Exemplare vertilgt er pro Tag – immerhin!

Der sechs Wochen alte Jungvogel muss aber auch groß und stark werden. Denn wenn er erst mal flügge ist, wird er nicht mehr lange in der Obhut seiner Eltern und des Tiergartens bleiben: Er soll im Nationalpark Bayerischer Wald ausgewildert werden, wo seit 1975 ein Wiederansiedlungsprojekt für die Uralkäuze läuft. Mit Erfolg, wie erste Ergebnisse einer genetischen Untersuchung besagen: Die aus Deutschland, Österreich und Tschechien ausgewilderten Tiere kommen den vor über 100 Jahren im Bayerischen Wald ausgerotteten Blutlinien so nahe, dass sie und ihre Nachkommen nach heutigen strengen Maßgaben als „Original“ des Uralkauzes durchgehen können, der im Bayerwald einst heimisch war.

Der junge Kauz wird übrigens die Nummer zehn sein, die von Nürnberg in den Bayerischen Wald reist.