Zirkus ohne Tiere – nein danke!

Ich habe ja in meinem Blog schon öfter über Zirkustiere geschrieben bzw. über Wildtiere im Zirkus. Tierschutzaktivisten fordern seit langem ihr Verbot, während Zirkusvertreter versichern, dass ihre Tierhaltung den Vorschriften entspricht, artgerecht ist und von Tierärzten  regelmäßig kontrolliert wird. Ein schwieriges Thema, bei dem oft Emotionen über Argumente gestellt werden.

Es gibt linzwischen einige Kommunen, die einem Zirkus Aufführungen verbieten wollen, wenn er Wildtiere zeigt. Vor kurzem hat allerdings dabei eine Stadt den kürzeren gezogen, und zwar Hameln. Das Verwaltungsgericht Hannover hat in diesem Fall entschieden, dass so ein Verbot nicht zulässig ist und damit dem Eilantrag eines Zirkusunternehmens gegen die Stadt Hameln stattgegeben. Der Stadtrat von Hameln hatte beschlossen, kommunale Flächen nur noch Zirkusbetrieben zur Verfügung zu stellen, die keine wildlebenden Tiere wie zum Beispiel Bären, Elefanten oder Raubkatzen präsentieren. Das Verwaltungsgericht urteilte, dieses Vorgehen sei rechtswidrig (Az. 1 B 7215/16). Ein Verbot wildlebender  Tiere in Zirkussen müsse der Bund beschließen. Doch der hat im Tierschutzgesetz nur festgelegt, dass für das gewerbliche Vorführen von Tieren in einem  Zirkus eine behördliche Erlaubnis nötig ist. Der Zirkus in Hameln besaß so eine Erlaubnis.

Es kann aber auch anders kommen, wie der berühmte amerikanische Zirkus Ringling erfahren musste:  Er wird nach fast 150 Jahren schließen. Das schreiben sich natürlich die Aktivisten von Peta als Riesenerfolg auf ihre Fahnen, dass sie der „Greatest Show on Earth“ riesige Probleme gemacht und sie zum Aufgeben gebracht haben. Ausschlaggebend dafür waren ausgerechnet die Elefanten, die immer das Aushängeschild des Zirkus Ringling waren. Die Dickhäuter galten früher als größte Besucherattraktion von „Ringling Bros. and Barnum & Bailey Circus“, wie der Zirkus vollständig heißt – bis vor 36 Jahren Peta-Leute gegen die Elefantenhaltung bei Ringling und anderen Unternehmen zu kämpfen begannen. Sie wiesen immer wieder auf angebliche Mängel in der Tierhaltung hin, bis Ringling nachgab und nahm im Mai vergangenen Jahres die Elefanten aus dem Programm nahm. Das führte letztlich zum Endes des legendären Zirkus wegen ausbleibender Besucher. Den Rest haben dem Unternehmen die steigenden Kosten wie etwa teure Mieten für Hallen gegeben.

In Deutschland befürchten die Zirkusse ebenfalls einen drastischen Besucherrückgang, wenn keine Wildtiere mehr gezeigt werden dürfen. Traditionsunternehmen wie der Münchner Zirkus Krone, der wie Ringling auch Elefanten als Wappentiere hat, wollen deshalb nicht darauf verzichten. Mit Aufklärung der Besucher bemüht sich zum Beispiel Krone, die Argumente von Tierschützern zu entkräften. Es werden auch Unterschriften gegen das Wildtierverbot in Zirkussen gesammelt.

Ich schließe mich solchen Unternehmen mit moderner Tierhaltung an: Für mich ist ein Zirkus ohne Tiere kein richtiger Zirkus.

Muss Kung Fu Panda nun hungern?

Mit Trickfilmen Träume wahr werden lassen – das konnte und kann wohl keiner so gut wie Walt Disney und seine vielen, vielen Zeichner. Immer wieder versuchten andere Studios, an diesen Riesenerfolg anzuknüpfen. Richtig geschafft hat es aber kaum ein Vertreter dieser Branche.

Zu den Möchtegern-Disneys gehört „Dreamworks Animation“, Hollywoods größtes unabhängiges Trickfilm-Studio. Dort wird jetzt für 500 Angestellte der vermeintlich schöne Traum zum Albtraum: Sie müssen gehen, weil ihr Arbeitgeber ungefähr 25 Prozent der Stellen streicht und das Unternehmen umstrukturiert.

Was diese Nachricht in einem Tier-Blog verloren hat, fragt sich nun vielleicht mancher Leser. Ganz einfach: Dieser Schritt hat auch für ein „Tier“ indirekte Folgen, nämlich für „Kung Fu Panda“. Er ist neben „Shrek“ einer der Superhelden bei „Dreamworks Animation“. Die neuen Firmenstrukturen ziehen ein Sparprogramm bei diesem Produzenten nach sich. Das heißt im Klartext, dass bis 2017 statt (wie bisher drei) nur noch zwei Zeichentrick-Streifen pro Jahr erscheinen. – Was soll da bloß aus dem armen Panda werden? Kriegt er künftig nur noch Dreiviertel-Portionen zu fressen?

An dieser Stelle möchte ich, weil es gerade so gut hierher passt, ein Gerücht aus der Welt schaffen: Bambus ist zwar die Lieblingsspeise von Großen Pandas, doch längst nicht alles, was sie zu sich nehmen. Sie fressen außerdem Pflanzen, beispielsweise Enzian, Schwertlilien, Krokus oder Bocksdorn. Wie man etwa bei „Wikipedia“ nachlesen kann, stimmt es ebenso wenig, dass diese Tiere reine Vegetarier sind. Sie lassen sich manchmal Raupen und kleine Wirbeltiere schmecken. – „Again what learnt“, würde ein bekannter fränkischer Ex-Fußballstar da wohl sagen.

Im Morgengrauen schlägt ihre Stunde

Das ist keine Fotomontage, sondern ein Foto, das bei einem Forschungsprojekt entstanden ist – einem Projekt der Universität von Florida: Wissenschaftler um James C. Nifong sind der Frage nachgegangen, wie Mississippi-Alligatoren (in ihrer Heimat kurz „gator“ genannt) jagen. Genaueres wusste man über das Jagdverhalten dieser wildlebenden Krokodile nämlich bisher noch nicht.

Um ihr Experiment durchzuführen, haben die Forscher 15 Alligatoren in zwei verschiedenen Wildparks an der Küste von Florida eingefangen. Jedes der über zwei Meter langen Tiere bekam eine Kamera auf den Rücken geschnallt, die (auch) Videoaufnahmen von der Jagd der Tiere liefern sollte. Das hat funktioniert und folgende Erkenntnis gebracht, die in der Fachzeitschrift „PLOS One“ veröffentlicht wurde: Die in Flüssen, Sümpfen und im Marschland lebenden Alligatoren bereiten ihre Attacken meist schon nachts vor. Bei ihren Opfern sind sie nicht besonders wählerisch – sie nehmen Fische ebenso wie Vögel, Schildkröten und Säugetiere. Eben alles, was in ihrem Jagdrevier kreucht, fleucht und schwimmt.

Die größten Erfolge verbuchen die Krokodile früh morgens, wenn es noch dämmert. Außerdem hängt die Menge der Beute auch davon ab, ob die Jäger beim Angreifen ganz untergetaucht sind. Dann ist der Fang doppelt so groß im Vergleich dazu, wenn sie von der Wasseroberfläche aus zuschlagen.

Die Kameras waren so angebracht, dass sie sich nach ein paar Tagen von den Alligatorenrücken ablösten. Nun können die Geräte weiterverwendet werden. Nach dem jetzt untersuchten „Alligator mississippiensis“ sollen nämlich Studien mit den über 20 anderen – größtenteils in ihrem Bestand gefährdeten – Arten durchgeführt werden.

Auch das noch: Fitness-Center für Vierbeiner!

Schön, dass so vielen Lesern mein Tiergarten-Rückblick auf 2013 gefallen hat – da schreibt man doch gleich viel lieber den nächsten Beitrag! – Also, auf geht´s, in ein neues Jahr, das sicher in Sachen Tiere viel Interessantes bringen wird. Auch 2014 werde ich das eine oder andere Thema für dieses Blog aufgreifen – und damit auch wieder die eine oder andere Diskussion anstoßen.

Abspecken ist ja in diesen Nachfeiertagen bei so manchem Zeitgenossen angesagt – die Pfunde, die man in den letzten Wochen zugelegt hat, sollen möglichst schnell wieder runter. Doch nicht nur bei Menschen machen sich die Leckereien von Weihnachten und Silvester auf der Waage bemerkbar – auch unsere Haustiere sind zum Teil sehr verwöhnt worden und tragen nun ebenfalls Fettpölsterchen mit sich herum. Das sollte normalerweise kein Problem sein, schließlich haben wir ja noch ein paar freie Tage, um mit dem Hund längere Touren als sonst zu gehen und vielleicht eine Extra-Spielrunde einzulegen.

So schlimm wie bei den Haustieren in den USA ist es bei uns wohl noch nicht. Dort legten 80 Millionen Hunde und Katzen in den letzten Jahren extrem zu: 55 Prozent von ihnen haben Übergewicht oder sind sogar fettleibig. Der Verband zur Verhinderung von Fettleibigkeit unter Tieren (Association for Pet Obesity Prevention/APOP) ist alarmiert. Die Folgen: Vor allem Hunde leiden verstärkt unter Arthritis, Diabetes, Gelenk- und Herzproblemen.

Und nun? – Typisch Amerika: Immer mehr Hundebesitzer schicken ihre Lieblinge ins Fitness-Center oder (siehe Foto) in den Fitness-Pool. Kein Witz: In Kalifornien sind solche Einrichtungen aus dem Boden geschossen. Auf Laufbändern und mit Trainingsgewichten um den Bauch sollen die Hunde abspecken. Das lassen sich Herrchen und Frauchen bis zu 100 Dollar im Monat kosten. Eine andere gern genutze Möglichkeit: Hundesitter, die mit den Vierbeinern nicht einfach spazierengehen, sondern sie beim Joggen oder gar beim Rollerskaten auf Trab bringen. Für eine Stunde legen die Besitzer schon mal 60 Dollar hin.

Und im US-Bundesstaat Oregon hat ein spezielles Trainingscamp für fette Hunde seit ein paar Jahren schon großen Erfolg. Wer seinen Hund dort für vier Wochen unterbringt und ihn ein Diät- und Sportprogramm absolvieren lässt, blättert dafür 800 Dollar hin. Wie wir das von der Werbung für Schlankheits-Mittel für Menschen gewohnt sind, macht das Camp mit «Vorher/Nachher»-Fotos der Hunde auf seiner Webseite Reklame. Es gibt Hunde, die gleich für mehrere Monate dort zur Kur sind. – Sicher ist es nur eine Frage der Zeit, bis bei uns ähnliche Angebote kommen.

Ich habe da meine eigene Meinung: Man könnte ja selbst mit dem Hund zusammen laufen oder ihn mit Spielzeug locken, in einen Fluss oder einen Weiher zu springen, wo er überflüssige Pfunde beim Schwimmen abtrainieren könnte. Doch da müsste man sich halt intensiv mit seinem Tier beschäftigen. Lieber schmeißt man mit Geldscheinen um sich und lädt das Problem bei anderen ab. – Traurig, oder?

Tut ja nicht weh – oder?

Küchenschaben. Na gut, zu meinen Lieblingstieren gehören die auch nicht unbedingt. Aber das, was ein amerikanisches Unternehmen sich da ausgedacht hat, ist für mich reine Tierquälerei, die hoffentlich viele Tierschützer auf den Plan ruft: eine Handy-App namens RoboRoach, von der Firma Backyard Brains zum Weihnachtsgeschäft auf den Markt geworfen. Um mit diesem „Spielzeug“ richtig umgehen zu können, müssen die kleinen Nachwuchsforscher Kakerlaken „operieren“. Am Ende kommen dabei ferngesteuerte Schaben heraus – ein ganz reizendes Spielzeug, das muss ich schon sagen!

Die App kann man für 99 US-Dollar bestellen. Mitgeliefert wird ein Video mit Anleitung, wie die für die spätere Fernsteuerung nötigen Elektroden bei den Kakerlaken aufzupropfen sind. Vorher müssen allerdings die Fühler der Schaben abgeschnitten und die äußere Schicht ihres Rückenpanzers abgekratzt werden. Es wird empfohlen, die Versuchstiere vorher in Eiswasser zu legen, damit sie praktisch ins Koma fallen.

Ein mehr als fragwürdiges Experiment am lebenden Organismus, das nicht einmal von ausgebildeten Wissenschaftlern durchgeführt wird, sondern von Kindern und Jugendlichen. Und so gibt es – zum Glück! – auch schon eine rege Diskussion in den Vereinigten Staaten, in der ethische Bedenken geäußert werden. Zwar kann niemand mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, ob die als Ungeziefer geltenden Krabbler Schmerz empfinden können. Das Unternehmen Backyard Brains bezieht auf seiner Internetseite Stellung zu den Vorwürfen und weist sie zurück. – Abstrus, das Ganze, finde ich. Ich wünsche der Firma jedenfalls einen Shitstorm nach dem anderen an den Hals. Tut ja nicht weh, oder?

Verblöden bald auch Hunde in den USA?

Wenn auch dieser neue Trend – wie die meisten in den USA entstandenen Modeerscheinungen – aus Amerika über den großen Teich nach Europa und weiter bis zu uns schwappt, dann gute Nacht! „Dog TV“, der erste bundesweite Fernsehsender für Hunde, erobert derzeit die Wohnzimmer im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Dort liegen nun nicht mehr nur  Herrchen und Frauchen auf dem XXL-Sofa vor der Glotze, sondern auch ihre liebsten Haus-Genossen (falls dieser Begriff in den Vereinigten Staaten überhaupt noch erlaubt ist und nicht gleich für Panik, einen Polizeieinsatz oder Spionageverdacht sorgt).

Ich sehe sie schon vor mir: Massenweise fette Hunde in Tierarztpraxen und bei Tierpsychologen im Wartezimmer. Die lieben Tierchen werden dann Pillen oder teure Therapien verordnet bekommen – so kann man einen Teil der Volkswirtschaft auch ankurbeln! Die Hersteller von Fernsehgeräten und der Fachhandel werden sich ebenfalls die Hände reiben: Die Idee von Ron Levi, dem Erfinder von „Dog TV“, das rund um die Uhr ausgestrahlt wird, dürfte für einen Aufschwung ihrer Branche sorgen.

Außerdem können alle Hundehalter aufatmen: Sie brauchen nun kein schlechtes Gewissen mehr zu haben, wenn sie ihre Schützlinge stundenlang allein zu Haus lassen. Nein, sie gelten sogar als besonders fürsorglich, wenn sie für ihren besten (vierbeinigen) Freund das passende Format aussuchen: Leidet der Ärmste unter Unruhezuständen, wird ihm „Relaxation“ gut tun, liegt er immer nur faul herum, kann das Programm „Stimulation“ Abhilfe schaffen. Gegen hündische Antriebslosigkeit kommen auch animierte 3D-Bälle und computeranimierte Fledermäuse im „Dog TV“ zum Einsatz.

Die Rot-Grün-Blindheit, unter der Hunde leiden, wurde von den Programmgestaltern angeblich ebenso berücksichtigt wie das empfindliche Gehör der Vierbeiner: Nur Frequenzen, die als angenehm empfunden werden, sollen über den Sender gehen, Lärm und Krach sind dagegen verpönt. Und jetzt der Clou: Amerikanische Tierschützer finden „Dog TV“ offenbar auch klasse. Deren größte Gruppierung, die „Humane Society“ (?!), ist der Meinung, Fernsehen wirke der Vereinsamung von Hunden entgegen. – Tja, so weit kommt´s, wenn man allzu Menschliches auf Tiere projiziert!

Hässlich? Ich finde ihn süß!

Er heißt Walle, ist vier Jahre alt,  kommt aus Chico in Kalifornien, hat einen seltsam überdimensionierten Kopf im Verhältnis zu seiner Körpergröße, kurze Beine, breite Füße und bewegt sich eher watschelnd voran wie eine Ente, nicht wie ein Hund: Der Beagle-Boxer-Basset Hound-Mischling wurde in Kalifornien zum „Hässlichsten Hund der Welt“ gekürt.  – Hässlich? Also ich weiß nicht, mir gefällt das Tier richtig gut. Aber wer kann schon den unergründlichen Gedankengängen von Preisrichtern bei Hunde-Schönheitswettbewerben – oder wie in diesem Fall: Hässlichkeits-Wettbewerben – folgen? Ich jedenfalls nicht.

Für Walle und sein Frauchen hat sich die Teilnahme am Beauty-Contest zweifellos gelohnt. Die beiden haben schon mal 1500 US-Dollar Preisgeld eingeheimst. Und das ist erst der Anfang: In den nächsten Tagen und Wochen wird Walle mit seiner Besitzerin von einer Fernseh-Show zur nächsten weitergereicht – sicherlich auch nicht ohne Honorar. Walle hat sich übrigens gegen 29 Mitbewerber durchgesetzt. Darunter waren vor allem Chinesische Schopfhunde mit faltig-brauner, nackter Haut (die finde ich auch richtig hässlich!); der Vorjahressieger war ebenfalls ein Chinesischer Schopfhund gewesen. Über Walle soll einer der Preisrichter gesagt haben, der Hund sehe aus, als sei er aus Teilen verschiedener Hunde und noch anderer Tiere zusammengesetzt.

Na und? Also, ich würde Walle nehmen, wie er ist. Aber über Geschmack lässt sich eben nun mal nicht streiten, das wissen wir ja schon lange.

Die skurrilsten Arten

Immer wieder schreibe ich in diesem Blog über Tiere. die neu entdeckt werden. Die Universität von Arizona in Tempe veröffentlicht jedes Jahr eine Liste mit den zehn skurrilsten Entdeckungen des vergangenen Jahres im Tier- und Pflanzenreich. Ein paar Beispiele davon möchte ich vorstellen – da es sich hier um ein Tier-Blog handelt, natürlich nur Tiere, keine Pflanzen.

Auf die aktuelle Liste hat es  u.a. das hier abgebildete Tier (Foto: MBARI/dpa) geschafft. Es handelt sich um einen fleischfressenden Schwamm mit dem schönen Namen Chondrocladia lyra, der in über drei Kilometern Tiefe vor der Küste von Kalifornien lebt. Den Wissenschaftlern haben es die harfenähnlichen Arme des Schwammes angetan. Auch ein nur sieben Millimeter großer Frosch wurde auf die Liste gesetzt: Paedophryne amanuensis ist das kleinste Wirbeltier der Welt und lebt im Regenwald von Papua-Neuguinea. Das Lesula-Äffchen, über das ich hier auch schon einen Beitrag veröffentlicht habe, taucht wegen seiner menschenähnlichen Augen auf der Liste auf. Die männlichen Vertreter zeichnen sich außerdem durch einen leuchtend blauen Streifen auf dem Allerwertesten und dem Geschlechtsteil aus.

Auf der von den Forschern erstellten „Hitliste“ findet man auch eine fluoreszierende Kakerlake (Lucihormetica luckae), die auf dem Vulkan Tungurahua in Ecuador vorkommt. Sie war zwar schon vor 70 Jahren entdeckt worden, wurde aber erst 2012 als neue Art beschrieben. So könnte es sein, dass das Insekt mittlerweile schon ausgestorben ist. Und noch ein letztes Beispiel, das auf der Liste steht: eine Florfliege. Dieses Insekt hatten Biologen auf der Internetseite des Fotodienstes Flickr entdeckt – und es machte sie stutzig. Auf Umwegen identifizierten sie es schließlich als neue Art, der sie den Namen Semachrysa jade gaben. „Jade“ deshalb, weil die Tochter des Fotografen so heißt.

Zikadenplage im Nordosten der USA

Alle 17 Jahre wieder passiert es: Teile der USA werden von einer Zikadenplage heimgesucht. In diesem Jahr sind mehrere Bundesstaaten an der amerikanischen Ostküste betroffen, Gebiete von Connecticut bis North Carolina. Die Zikaden sitzen in Bäumen, auf der Straße oder auf Gehwegen, schwirren um Menschen herum oder setzen sich bei ihnen sogar in die Haare. Manch einer hält sich, um den Insekten zu entgehen, am liebsten gar nicht mehr im Freien auf – oder nur noch dann, wenn es sich nicht vermeiden lässt.

Was steckt hinter diesem Phänomen? Bei den Tieren handelt es sich um Insekten mit dem wissenschaftlichen Namen Magcicada septendecem. Die Siebzehn steckt also schon im Namen drin, und zwar aus folgenden Grund: Nach 17 Jahren, das sie im Larvenstadium im Boden verbringen, erwachen die Tiere, um sich fortzupflanzen. Wenn sie sich gepaart haben, ritzen die Weibchen kleine Schnitte in die Zweige von Bäumen, um dort ihre Eier abzulegen. Ist die Fortpflanzung erledigt, sterben die Zikaden; es kommt dann zu einem regelrechten Massensterben. Die Tiere treten in unterschiedlichen Regionen zu unterschiedlichen Zeitpunken auf – in ein und derselben Region aber immer im zeitlichen Abstand von 17 Jahren. Offenbar sagt ihnen ihre innere Uhr, wann sie aktiv werden sollen. Die Brut, die jetzt den Nordosten der USA heimsucht, stammt also aus dem Jahr 1996, und die Plage wird noch bis etwa Mitte Juni anhalten.

Die Zikaden sind im Lauf der vergangenen Wochen aus dem Boden gekrochen, als es draußen langsam warm wurde. Sie sind etwa zweieinhalb Zentimeter groß,  besitzen einen schwarzen Körper, rot leuchtende Augen und bronzefarben schimmernde, durchsichtige Flügel. Sie sind nicht giftig, stechen nicht und richten auch bei Pflanzen an der Oberfläche kaum Schaden an, weil sie sich noch im Boden von Wurzelsäften ernähren. Was die Zikaden so bedrohlich macht, ist einfach die Menge, in der sie auftreten. Experten schätzen, dass sich auf der Fläche eines halben Fußballfeldes bis zu eine Million dieser Tiere tummeln können.

Vor 17 Jahren hatte die Zikadenplage in den jetzt wieder befallenen Gegenden geradezu biblische Ausmaße, erinnern sich die Bewohner. In diesem Jahr ist es weniger schlimm, weil der Frühling lange Zeit sehr kühl war. Diese Zikadenart hat wegen der Unregelmäßigkeit der Abstände von 17 Jahren (17 ist eine Primzahl) den großen Vorteil, dass sie keine Feinde besitzen, die sich beim Fressen auf sie spezialisiert haben. Trotzdem sind sie natürlich alle 17 Jahre ein willkommenes Festmahl für andere Tiere wie Vögel, Fische oder Eichhörnchen, aber auch Haustiere wie Hunde und Katzen. Es gibt sogar Menschen, die die Zikaden verspeisen: als Belag auf einer Pizza oder Quiche oder als Einlage in der Suppe. Rezepte für solche Leckereien kursieren im Internet.

 

Rätsel um gestrandete Seelöwen

In Kalifornien stehen Biologen und Mitarbeiter der US-Wetter- und Ozeanbehörde NOAA vor einem Rätsel: Täglich stranden an der Küste zwischen Santa Barbara und Diego junge Seelöwen, die völlig ausgehungert sind – manche von ihnen auch krank. An sich gibt es ein solches Phänomen jedes Jahr um diese Zeit. Aber normalerweise sind es im Schnitt pro Jahr 131 Tiere, diesmal aber waren es zwischen Januar und März schon fast 1100(!). Wie es dazu kommt, kann sich bisher niemand erklären. Jetzt wird untersucht, ob eine Krankheit oder Nahrungsmangel die Ursache sein könnten.

Sorgen macht man sich zum Beispiel in der Auffangstation für Meeressäuger in San Pedro. Sie kümmert sich – wie andere Rettungsstationen entlang der kalifornischen Küste – jedes Jahr um Dutzende junger Seelöwen, die an Land Futter suchen, wenn sie nicht mehr von ihren Müttern versorgt werden. Doch sonst beginnt diese Periode erst im April, nicht im Januar wie dieses Jahr. Zu diesem Zeitpunkt waren die Seelöwenbabys erst sechs Monate – zu jung, um schon ohne Mutter leben zu können. Die Tiere, die in den Stationen zunächst einmal gewogen werden, brachten nur halb so viel Gewicht auf die Waage wie die in anderen Jahren aufgegriffenen Tiere. Heuer werden die kleinen Seelöwen auch nicht nur an der Küste angeschwemmt. Einige robben sich nach dem Stranden auf der verzweifelten Suche nach Futter weit ins Landesinnere hinein. Man hat schon Tiere gefunden, die unter geparkten Autos lagen, eines wurde sogar in einem Handy-Laden entdeckt, elf Kilometer vom Meer entfernt. Offenbar war der kleine Seelöwe meilenweit durch einen Hochwasserkanal geschwommen, er hatte außerdem einige Straßen überqueren müssen.

In den Auffangstationen bringt man die Jungtiere in Gehegen mit Wasserbecken unter. Besonders schwache und kranke Tiere kommen in ein getrenntes Areal, das die Mitarbeiter ständig überwachen. Die Tiere werden aufgepäppelt und medizinisch versorgt, falls das nötig ist, und dann wieder freigelassen. Allerdings schaffen es nicht alle. Wenn keine Aussicht auf Heilung besteht und die Tiere zu schwach sind, werden sie eingeschläfert. Unnötiges Leiden will man ihnen ersparen. Noch ist kein Ende des Phänomens abzusehen, denn die eigentliche Zeit der Entwöhnung von den Müttern kommt erst noch. An manchen Tagen stranden so viele junge Seelöwen, dass sie keinen Platz mehr in einer Auffangstation finden.