Scheibe verkratzt – was nun?

Gerade mal ein paar Tage ist die Delfinlagune im Tiergarten Nürnberg für Zoobesucher zugänglich – schon hat einer (oder eine?) von ihnen der neuen Anlage für Große Tümmler, Seelöwen und Seekühe mutwillig Schaden zugefügt: Bereits in der vergangenen Woche wurde die riesige Panoramascheibe verkratzt, durch die man vom „Blauen Salon“ aus Delfinen und Seelöwen unter Wasser beim Schwimmen und Tauchen zuschauen kann (auf dem Foto ist der 51-jährige Moby durch die Scheibe zu erkennen, im Vordergrund eine der künstlichen Algen der Unterwasserlandschaft).

Der Tiergarten hat diese Sachbeschädigung nicht an die Medien weitergegeben – vielleicht aus Angst, andere damit auf dumme Ideen zu bringen, vielleicht auch aus Angst vor erneut schlechter Presse über die Lagune. Schließlich hatten im Vorfeld und am Tag der Eröffnung der Lagune zahlreiche Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehsender immer wieder negativ und einseitig über die Lagune berichtet. Auch das Bayerische Fernsehen hat sich da pseudokritisch eingereiht, wie hier bereits ausführlich berichtet.

Nun prangen in der Mitte der sündhaft teuren, 18 Meter langen, gekrümmten Acrylscheibe Kratzer in Zickzachform auf einer Fläche von ungefähr 25 mal 25 Zentimetern. Mancher Besucher mag sie im Halbdunkel gar nicht bemerken, vor allem wenn er in die Beobachtung der faszinierenden Meeressäuger vertieft ist. Andere werden sich vielleicht über den Akt von Vandalismus ärgern, wieder andere könnten sich animiert fühlen, dem bisher noch einsamen Kratzer einen weiteren zur Gesellschaft hinzuzufügen.

Leider ist man dem „Täter“ (warum eigentlich Anführungszeichen, es handelt sich ja eindeutig um eine Straftat?) nicht auf die Schliche gekommen. Die Überwachungskamera hat keine Bilder geliefert, auf denen man den Bösewicht erkennt. Tiergartenmitarbeiter, die immer wieder sozusagen auf Streife unterwegs sind, vermuten, es könnte ein Kind gewesen sein: Ständig tatschen nämlich Buben und Mädchen mit den Händen an die Scheibe und rennen davor auf und ab. Dabei könnte ein Kind ein „Werkzeug“ zum Verkratzen in der Hand gehabt haben. Es könnten auch Jugendliche gewesen sein, die sich ja überall im Stadtgebiet künstlerisch verewigen. Und dann bleibt natürlich die Möglichkeit, dass einer der Lagunen-Gegner seiner Wut über die Anlage freien Lauf gelassen hat.

Wie dem auch sei: Nun muss der Tiergarten die wertvolle Scheibe für teures Geld (die Kosten stehen noch nicht fest) reparieren lassen. Die Tiergartenleitung will vermeiden, dass sich irgendein zweiter Verrückter durch die Kratzer eingeladen fühlt, auch seine „Handschrift“ auf dem Acrylglas zu hinterlassen. An Absperrungen vor der Scheibe, die einen gewissen Sicherheitsabstand garantieren würden, denkt man – vorläufig jedenfalls – noch nicht. Denn der Besucher soll ja den Eindruck haben, dass die Tiere ganz nah auf ihn zuschwimmen. Da kann man nicht einen Meter entfernt vor der Scheibe stehen. Wenn die Überwachung verstärkt werden sollte, würde das auch zusätzliche Kosten verursachen. Was man schließlich auf keinen Fall möchte, ist, den Besuchern das Gefühl einer ständigen Überwachung zu vermitteln. In solch einer unguten Atmosphäre würde sich bestimmt niemand wohlfühlen – weder Mensch noch Tier.