Wenn Gorillas trauern

Nach der großen Aufregung um die erfreuliche Besuchsbilanz der im VdZ organisierten Zoos heute ein Thema, das die Gemüter wieder beruhigen dürfte: ein hochinteressantes Forschungsergebnis aus Ruanda und dem Kongo zum Thema Gorillas. Diese Menschenaffen haben besondere Riten entwickelt, um mit toten Artgenossen umzugehen. Wissenschaftler haben beobachtet, dass die Tiere sich manchmal stundenlang um einen gestorbenen Artgenossen versammeln, an ihm riechen, ihn berühren oder an ihm lecken (Foto: dpa). Eigentlich wäre ja zu erwarten, dass die Art des Abschiednehmens intensiver ist, wenn der tote Gorilla ein Gruppenmitglied war. Doch das muss nicht zwangsläufig so sein, wie die Forscher im Fachjournal „PeerJ“ schreiben.

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Der Trost von Wühlmäusen

WühlmäuseWir Menschen, die Wissenschaftler zumal, fühlen uns Tieren ja meist weit überlegen. Von der Intelligenz her, aber auch mit dem Argument, Tiere hätten – abgesehen vielleicht von wenigen Ausnahmen – kein Mitgefühl. Tierfreunde denken natürlich nicht so, sie wissen es längst besser. Deshalb wundert mich folgendes nicht – freut mich aber umso mehr: Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Präriewühlmäuse  große Empathie und Mitleid aufbringen können. Die Nager erkennen, wenn es befreundeten Artgenossen nicht gut geht und spenden ihnen sogar Trost. Allerdings stellt sich für mich schon die Frage, ob man als Tierfreund die Versuche, die zu dieser Erkenntnis geführt haben, gutheißen kann.

Denn so lief das Ganze ab: Forscher der Emory University in Atlanta untersuchten das Verhalten an Präriewühlmäusen im Labor. Bei dieser Art ziehen beide Elternteile die Jungen auf. Für den Versuch wurden vorübergehend zwei Tiere voneinander getrennt. Einem von beiden versetzte man schwache Stromstöße. Danach ließ man sie wieder zusammen. Die Maus, die keine Stromstöße abbekommen hatte, kümmerte sich sofort um die andere. Zum Beispiel leckte sie das durch die Stromstöße verstörte Tier ab und hatte ein paar Streicheleinheiten in Form von Fellpflege als Trost parat. Wurden die Tiere ohne Verabreichung von Stromstößen eine Zeitlang getrennt, gab es nach der Zusammenführung keine besondere Zuwendung.

Weitere Versuche zeigten, dass das nicht geschockte Tier die Empfindungen des anderen nachfühlt. Denn der Gehalt an Stresshormonen in seinem Blut stieg an, wenn es den Artgenossen nach dem Test nur durch eine Trennwand beobachten konnte. Ließ man die beiden dagegen richtig zusammen und es gab die Möglichkeit, den anderen zu trösten, war es durch das Trostspenden selbst weniger gestresst. Allerdings lief das nur bei verwandten und gut bekannten Artgenossen so ab, nicht bei fremden. In einer weiteren Stufe blockierten die Wissenschaftler bei den Tieren den Rezeptor für das Hormon Oxytocin im Gehirn. Und siehe da: Es war keine Fürsorge mehr zu beobachten.

Beim Menschen ist der Oxytocin-Rezeptor für Empathie und die Wahrnehmung von Gefühlen zuständig. Einige psychische Erkrankungen – wie zum Beispiel Autismus oder Schizophrenie – hängen damit zusammen, dass die Betroffenen Gefühle anderer nicht erkennen und entsprechend darauf reagieren können. Die genauere Untersuchung des hormonabhängigen Trost-Verhaltens bei den Präriewühlmäusen führt vielleicht zu einem besseren Verständnis dieser Erkrankungen. Die Forscher wollen deshalb mit Präriewühlmäusen im Labor den biologischen Mechanismen hinter bestimmten psychischen Erkrankungen bei Menschen auf die Spur kommen.

Was uns Ameisen lehren

Beim Thema Ameisen mag den einen oder anderen nur das große Kribbeln überkommen. Aber was über diese Tiere geforscht wird, konnte schon in der Vergangenheit immer wieder dem Menschen nützen.

Nun hat sich ein Team aus deutschen Wissenschaftlern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und Forscherkollegen aus China mit der Futtersuche von Ameisen beschäftigt. Dabei stellten sie fest, dass sich die Prozesse während der Futtersuche verändern. Am Anfang machen sich einzelne Mitglieder einer Ameisenkolonie völlig unkoordiniert auf den Weg, beschaffen die Nahrung eher, wie es der Zufall will und schleppen sie anschließend irgendwie ins Ameisennest zurück. Dabei sondern sie auf ihren Wegen Duftstoffe (Pheromone) ab. Sobald die Wege kürzer werden, verstärkt sich die Spur von Duftstoffen – andere Ameisen folgen ihr und vermeiden auf diese Weise Umwege. Die Tiere finden so nach und nach eine optimale Strecke heraus.

Ihre Beobachtungen haben die Forscher jetzt mathematisch analysiert. Die Erkenntnisse aus den hochkomplizierten Berechnungen wollen die Wissenschaftler auf den menschlichen Alltag übertragen. Im konkreten Fall geht es ihnen darum, Suchmaschinen im Internet in Bezug auf Zielbegriffe zu optimieren. Die hochkomplizierten, reibungslos funktionierenden Netzwerke der Ameisen können also für technische Lösungen wichtige Vorbilder liefern.

Faszinierende Jagdmethoden

Es sind fantastische Welten in den Tiefen der Meere, und das Leben dort ist zu großen Teilen noch unerforscht. Nun haben Wissenschaftler um Professor Jens Krause vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin vor der Küste Cancuns in Mexiko das Verhalten des Atlantischen Fächerfischs (Istiophorus albicans), auch Segelfisch genannt, mit Hilfe von Hochgeschwindigkeitskameras untersucht. Diese Fische sind mit Marlinen und Schwertfischen verwandt; sie alle haben eine verlängerte, schwertartige Schnauze und besitzen die Fähigkeit, extrem schnell zu schwimmen. Ein Kennzeichen der Fächerfische ist ihre übergroße Rückenflosse.

Die Forscher vom Leibniz-Institut haben errechnet, dass die Schnauze von Fächerfischen mit einer Geschwindigkeit von 20 Stundenkilometern auf ihre Beute – meist handelt es sich dabei um Sardinen –  treffen kann. Fächerfische bringen es nämlich auf eine mittlere Beschleunigung von 130 Metern pro Quadratsekunde. Bei einem Auto würde das bedeuten: in viereinhalb Sekunden von null auf 100 Stundenkilometer. Während der Jagd reißen die Fächerfische außerdem ihren Kopf mit solcher Wucht hin und her, dass ihre Beute praktisch keine Chance hat.

Die Aufnahmen des Forscherteams zeigen, dass es die Sardinen im Schwarm nicht einmal bemerken, wenn sich ein Fächerfisch von hinten heranpirscht und seine Schnauze zwischen sie schiebt. Sobald der Jäger dann seinen Kopf hin und her schlägt, ist es für die Sardinen zu spät. Wenn sie angreifen, haben die Fächerfische zwei Strategien: Entweder konzentrieren sie sich auf eine Sardine, oder sie quirlen sozusagen das Wasser inmitten eines Schwarms. Dabei verletzten sie so viele Beutetiere wie möglich. Dass die Beute mit der Schnauze aufgespießt wird – was bei der schwertartigen Form aus menschlicher Sicht nahe läge -, haben die Forscher dagegen kein einziges Mal beobachtet. Bei allen Jagdszenen war es so, dass ein einzelner Fächerfisch die Sardinen angriff – auch wenn bis zu 40 Artgenossen den Schwarm belauerten. So vermeiden die Fächerfische offenbar während der rasanten Attacken Verletzungen untereinander.

Sehr tröstlich!

Elefanten üben ja auf die meisten Menschen eine große Faszination aus – auch auf mich. Es sind eben ganz besondere Tiere. Das beweist jetzt eine neue Studie aus Thailand: Forscher haben herausgefunden, dass sich Asiatische Elefanten gegenseitig Trost spenden. Das tun sie in den meisten Fällen ähnlich wie wir oder wie Schimpansen: Sie berühren ihre Artgenossen, um zu zeigen, dass jemand da ist, auf den sie sich verlassen können. Nur legen sie natürlich nicht den Arm um sie, sondern sie fassen sie meist mit dem Rüssel an oder reiben sich aneinander (Foto: Elise Gilchrist/Think Elephants International). Manchmal stecken sie dem zu Tröstenden sogar den Rüssel ins Maul, was als eine Art Handschlag unter Elefanten gilt.

Der Tierpsychologe Joshua Plotnik hat über dieses Phänomen im Online-Journal „PeerJ“ berichtet. Plotnik hat mit Kollegen über einen Zeitraum von fast einem Jahr 26 Asiatische Elefanten in einem Reservat in Nordthailand beobachtet. Er registrierte genau, wie sie auf Stress – zum Beispiel einen streunenden Hund oder eine Schlange – reagierten. Zum ersten Mal konnte ein Wissenschaftler damit empirisch nachweisen, dass Elefanten hochintelligent und mitfühlend sind. Das geht so weit, dass ein Tier selbst unruhig wird, wenn es einen gestressten Artgenossen bemerkt; es nähert sich ihm dann und beruhigt ihn.

Diese Erkenntnis bestätigt Richard Lair, der Berater des thailändischen Elefantenschutzzentrums, der die Tiere in Thailand über 30 Jahre lang beobachtet hat. Nach Lairs Erfahrung sind – wen wundert´s – besonders weibliche Dickhäuter gut im Trösten. Diese besondere Art der  Zuwendung dauert manchmal einige Tage lang. Wenn eine Elefantenkuh beispielsweise ihr Baby verliert, steht sie unter besonders starkem Stress – dann trösten die anderen Tiere der Herde sie entsprechend länger.

Der Eiserne Vorhang im Kopf

Es wird ja immer wieder gern behauptet, dass der sogenannte Eiserne Vorhang – obwohl längst verschwunden  – in den Köpfen vieler Menschen noch weiter existiere. Ob das stimmt, vermag ich nicht zu sagen. Dass er in den Köpfen von manchen Tieren noch weiterlebt, hat jedenfalls eine neue Studie bewiesen. Allerdings handelt es sich dabei nicht um Forschung an Elefanten, die ja für ihr gutes Gedächtnis bekannt sind, sondern um eine Langzeitbeobachtung von Rothirschen.

Zoologen im Nationalpark Böhmerwald haben folgendes entdeckt: Die Hirsche auf der tschechischen Seite des Böhmerwalds laufen fast 25 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges immer noch nicht weiter in Richtung Westen, als bis an die Stelle, an der einst der Stacheldraht gespannt war, der den Sperrbereich vor der Grenze zwischen Bayern und der Tschechoslowakei kennzeichnete. Und vice versa: Auf der anderen Seite überschreiten die Hirsche aus Bayern diesen Punkt ebenfalls nicht. Beobachtet haben die Forscher das mithilfe von Funk-Halsbändern, und zwar über den relativ langen Zeitraum von sechs Jahren.

Warum die Tiere sich so verhalten, ist allerdings nicht hundertprozentig sicher. Man vermutet, dass Hirschkühe Informationen über die Grenzen ihres Terrritoriums an ihren Nachwuchs weitergeben, und zwar über Generationen hinweg. Das kennen wir Menschen dann ja auch wieder ganz gut: Was einmal auf der Festplatte drauf ist, kriegt man gar nicht so leicht wieder runter…

 

Rechts- oder linkswedelnd?

Vom Joghurt her kennen wir das ja: rechts- und linksdrehende Milchsäure. Auch Wasser kann rechts- und linksdrehend sein, ebenso wie Fettsäuren und was weiß ich sonst noch alles – ist nicht direkt mein Ding. Aber diese Frage hat mich sofort interessiert: Es geht darum, ob schwanzwedelnde Hunde das nach rechts oder nach links tun, um rechts- und linksdrehende Hundeschwänze also.

Italienische Forscher haben ihre Erkenntnisse im Fachmagazin „Current Biology“ veröffentlicht. Demnach ist ein schwanzwedelnder Hund nicht unbedingt ein Freude empfindender Hund, wie es gemeinhin heißt. Nein, die Richtung macht offenbar einen deutlichen Unterschied. Also: Zeigt der Schwanz nach links, bedeutet das nichts Gutes, nach rechts ist es hingegen ein positives Zeichen (so wie auf dem Foto: die Hündin freut sich über ihren Fund). Erklärt wird das Phänomen damit, dass auch bei Hunden die rechte und linke Gehirnhälfte für unterschiedliche Aufgaben zuständig sind.

Und das geht so: Geht der Schwanz nach rechts, so wird das von der linken Hirnhälfte aus gesteuert, die für angenehme Gefühle zuständig ist. Löst die rechte Hirnhälfte das Wedeln aus – der Schwanz geht folglich nach links -, heißt das: negative Emotionen. Hunde untereinander unterscheiden das auf Anhieb und können sich so gegenseitig besser einschätzen, wenn sie auch nicht direkt auf diesem Weg miteinander kommunizieren, so die Wissenschaftler.

Herausgefunden haben das Biologen der Universität von Trient. Sie ließen Hunde verschiedener Rassen Videos anschauen. Darin waren Hunde oder Hundesilhouetten mit Wackelschwänzen zu sehen. Das Wedeln nach links hat dabei immer Unruhe bei den tierischen Zuschauern ausgelöst und ihren Puls zum Teil deutlich ansteigen lassen. Bewegte sich der Schwanz nach rechts, ließ das die Hunde kalt. Dabei machte es keinen Unterschied, ob sie einen echten oder unechten Hund vorgesetzt bekamen. Hundesilhouetten mit Schwänzen ohne Bewegung verurschten bei den Videobetrachtern übrigens auch einen gewissen Stress – ein ruhiger Schwanz darf also auch von uns Menschen nicht unbedingt als positives Signal verstanden werden; er zeigt eher Anspannung oder sogar Angst an.

Hundebesitzer sind vielleicht schon allein auf das alles gekommen, wenn sie ihren Schützling gut kennen. Für alle anderen aber heißt es: Nicht nur beim Joghurt auf die richtige Richtung achten!

 

Von Menschen und Fledermäusen

Was haben Menschen mit Fledermäusen gemeinsam? – Nein, Blutsauger sind Fledermäuse nicht, bei Menschen dagegen kommen solche Exemplare durchaus vor. Also vielleicht das: Fledermäuse sind Nachtschwärmer, und die gibt es bei Homo sapiens auch. Die Antwort, die ich gern hätte, lautet aber anders: Menschen und Fledermäuse verhalten sich ähnlich bei Meinungsunterschieden in der Gruppe. Das haben Forscher der Uni Greifswald in einer Studie herausgefunden.

Dafür simulierten die deutschen und schweizer Wissenschaftler Konfliktsituationen in wilden Kolonien von Bechsteinfledermäusen: Die Forscher sandten verschiedene Störsignale aus, wenn die Fledermäuse ihr nächstes Tagesquartier aussuchten. Auf diese Weise wurde den Tieren vermittelt, dass bestimmte Fledermauskästen sich für diesen Zweck nur schlecht eignen. Bei leichten Störsignalen konnten sich die Gruppenmitglieder noch einigen, bei starken Störungen entstand unter ihnen ein starker Interessenkonflikt. Den konnten die Tiere nur lösen, indem sich einzelne von der Gruppe trennten. So spaltete sich die Kolonie für einige Tage in unterschiedliche Lager auf. – Kommt mir irgendwie bekannt vor, das Ganze!

Folgenden Schluss ziehen die Wissenschaftler aus ihren Versuchen: Mit der Studie wurde erstmals an Säugetieren im Freiland nachgewiesen, dass das Resultat von Gruppenentscheidungen abhängig ist von der Stärke des Interessenkonflikts zwischen den Tieren. Je stärker der Konflikt, umso weniger sind einzelne Mitglieder der Kolonie zu Kompromissen bereit und trennen sich lieber. – Da wiederum können wir Menschen noch einiges von den Fledermäusen lernen!

Ein Wolf heult aus gutem Grund

Wenn man Wolf heißt, ist man nicht nur dazu prädestiniert, ein Tier-Blog zu betreiben. Man interessiert sich natürlich auch ganz besonders für Wölfe. Deshalb greife ich das Thema immer wieder gern auf. Zuletzt gab es allerdings einen traurigen Anlass dafür: den Tod der alten Wölfin Cora im Nürnberger Tiergarten, über den ich vor kurzem hier geschrieben habe.

Dazu passt mein heutiger Beitrag auch ganz gut. Er dreht sich um das Wolfsgeheul, das Menschen aus unerfindlichen Gründen seit Jahrhunderten fasziniert. Manch einer findet die wölfischen – oft auch nächtlichen – „Gesänge“ gruselig, andere versuchen, ihrer Bedeutung auf die Spur zu kommen. Tierforscher veröffentlichen in regelmäßigen Abständen Studien darüber. So auch jetzt wieder: Im Wolfsforschungszentrum Wildpark Ernstbrunn bei Wien haben Wissenschaftler das Wolfsgeheul zweier Rudel untersucht. Und festgestellt: Verlässt ein Wolf seine Gemeinschaft, heulen die zurückbleibenden Tiere. Aus der Heul-Struktur kann man sogar heraushören, welche soziale Rolle der Wolf/die Wölfin  im Rudel innehatte.

Die Forscher gingen durch Messungen von Stresshormonen auch der Frage nach, ob Stress zum Heulen führen kann. Und sie berücksichtigten den Status der einzelnen Tiere im Rudel und beobachteten, welche Tiere andere als Partner bevorzugen. Das Ergebnis: Wölfe heulen nicht einfach drauflos. Sie heulen jedoch umso länger, je enger sie mit dem Tier verbunden waren, das die Gruppe gerade verlassen hat. Um ranghöhere Tiere wird länger geheult. Und: Der Level des Stresshormons Cortisol beeinflusst weder Länge noch Intensität des wölfischen Heulens. Wenn Wölfe heulen, tun sie das also nicht, weil sie unter Stress stehen. Sie heulen außerdem nicht, weil sie ihre Gefühle nicht unter Kontrolle haben. Ihr Heulen ist vielmehr Ausdruck für die stark ausgeprägte Sozialstruktur innerhalb des Rudels.

Ähnlich wie Menschen gehen Wölfe sehr enge Beziehungen ein, pflegen Freundschaften und leben in einem höchst differenzierten sozialen Gefüge. Je nachdem, wie die Beziehung zu dem Tier definiert ist, das die Gruppe verlässt, setzen Wölfe unterschiedliche Heul-Laute und -varianten ein. Die Forscher gehen sogar davon aus, dass Wölfe bewusst heulen, um weiter Kontakt mit dem Individuum zu halten, das aus dem Rudel herausgegangen ist. – Mir scheint, je mehr über Canis lupus geforscht wird, desto mehr Parallelen zwischen Wolf und Mensch tun sich auf! Als Mensch und Wolf werde ich da natürlich weiter dranbleiben.

Mancher Karpfen(esser) ist ganz schön verwegen!

Uns Franken ist der Karpfen ja am liebsten, wenn er auf dem Teller liegt, vorzugsweise gebacken. Allerdings müssen wir bis zum Beginn der nächsten Karpfensaison im September noch etwas warten – bekanntlich isst man Karpfen nur in den Monaten mit einem R im Namen. Das Thema Karpfen ist trotzdem aktuell. Denn Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei und Forscher der Berliner Humboldt-Universität haben sich mit den Fischen beschäftigt, und zwar in einer Studie über die Persönlichkeit von Karpfen. Kein Witz! Die Forscher haben herausgefunden, dass verschiedene Karpfenrassen unterschiedlich risikobereit sind: Gezüchtete Spiegelkarpfen zeichnen sich demnach durch Draufgängertum und Dreistigkeit aus, während die ursprüngliche Rasse der Schuppenkarpfen eher scheu und schüchtern ist. Dafür wurden die Karpfen bei identischen Versuchsreihen in Teichen und in Labortanks beobachtet. Bei der Futtersuche zeigten sich die verwegenen Spiegelkarpfen äußerst risikobereit, die ängstlichen Schuppenkarpfen dagegen wagten sich nur sehr zögerlich aus ihrem Versteck.

Tja, das ist ganz ähnlich wie bei den Menschen, die Karpfen verspeisen. Da gibt es ja durchaus auch gewisse Unterschiede in der Risikobereitschaft: Manche bestellen mutig einen extrascharfen Pfefferkarpfen, andere sind vorsichtig und lassen den Pfeffer lieber ganz weg. Solche „Studien“ habe ich selbst schon in meiner bevorzugten Karpfenwirtschaft betrieben. Und die werde ich im September, gleich bei meinem ersten Karpfen der Saison, auf jeden Fall fortsetzen. Die ganz verwegenen Karpfenesser, die darauf bestehen, auch das Ingreisch (für Nicht-Franken: die Eingeweide; in diesem Fall Rogen und Samenzellen) serviert zu bekommen, werde ich wohl in die Kategorie der Draufgänger einordnen. Zu dieser Spezies gehöre ich übrigens selber auch.