Tier mit Seltenheitswert

eisenteGar nicht so einfach, ein Foto von ihr aufzutreiben, das man im Internet und honorarfrei veröffentlichen darf! Die Eisente („Clangula hyemalis“)  ist zum Seevogel des Jahres 2017 gekürt worden und löst damit den Basstölpel (Morus bassanus) ab. Die Meldung wollte ich eigentlich schnellstmöglich über mein Blog verbreiten, doch es war kein geeignetes Foto zu finden. Deshalb zeige ich ausnahmsweise eine Darstellung aus einem alten Buch, das meine Kollegin aus dem Foto-Archiv besorgt hat (danke, Kerstin Braun!). Die Eisente gehört zu den kleineren Enten und erreicht eine Körpergröße von 36 bis 47 Zentimetern. Besonderes Kennzeichen der Männchen sind die langen Federspieße am Schwanz und ihre melodischen Rufe.

Die Eisente ist in Nordosteuropa und Westsibirien zu Hause und kommt nur als Gast nach Deutschland. Bei uns macht der farbenfrohe Meeresvogel jedes Jahr an der Ostseeküste Halt, wo bis zu 315 000 Eisenten überwintern. Den Bestand in den Brutgebieten schätzt man auf 1,6 Millionen Vögel, er hat in den vergangenen Jahren dramatisch abgenommen. Das wird an folgenden Zahlen deutlich: Im Jahr 2002 waren es noch 4,6 Millionen, also 3 Millionen mehr. Die Gründe für den Rückgang dürften die üblichen sein. Stellnetze in der Fischerei, die Muschelfischer entziehen den Enten einen Großteil der Nahrung, der Schiffsverkehr wird immer dichter, Offshore-Windanlagen zerstückeln größere Lebensräume. Und zu allem Unglück wird das Tier auch noch in Russland, Finnland und Dänemark gejagt.

Bleibt zu hoffen, dass die Eisente jetzt nicht auch noch ein Opfer der Vogelgrippe wird – wer weiß, wie schnell und weit sich die noch ausbreitet.

Wo sonst findet man ein solches Blau?

p09082016tm2bm_tg_hyazinth_ara_2Der „Sommer“ 2016 hatte diesen Namen eigentlich gar nicht verdient, doch nun werden wir durch einen wunderbaren Spätsommer für den entgangenen Genuss mehr als entschädigt. Mein Tipp für diese Tage: Ein Besuch im Tiergarten Nürnberg. Denn der Zoo am Schmausenbuck ist gerade in dieser Jahreszeit attraktiv, vor allem, wenn man während der Woche hingehen kann – da ist natürlich weniger Betrieb. Für Besucher, die nicht nur auf die großen Zootiere wie Löwen, Tiger, Gorillas, Giraffen, Nashörner, Eisbären etc. fixiert sind, dürfte besonders ein Abstecher zu den Hyazinth-Aras interessant sein. Die Voliere befindet sich direkt neben dem Menschenaffenhaus. Dort kann man zwei Jungvögel beobachten, die vor einigen Wochen das Nest verlassen haben. Farblich lässt sich der Nachwuchs, der im Juni geschlüpft ist, kaum noch von den Eltern unterscheiden. Nur auf der Schnabeloberseite ist ein heller Streifen zu sehen, den erwachsene Tiere verlieren. Bei den Jungen handelt es sich um ein Weibchen und ein Männchen.

Zu den Lieblingsspeisen von Hyazinth-Aras gehören Nüsse, und da ganz besonders Paranüsse. Die sehr harte Schale knacken die Papageien mit ihren kräftigen Schnäbeln mühelos. Hyazinth-Aras leben monogam. Meist bleiben sie ihr ganzes Leben mit einem Partner zusammen, bis dieser stirbt. Als Brutstätten bevorzugen sie Baumhöhlen. Dort legt das Weibchen zwei bis drei Eier ins Nest, das es während der gesamten Brutzeit bewacht, während das Männchen sich um das Futter kümmert. Die Brutzeit beträgt etwa 24 Tage, die Aufzucht der Jungvögel etwa 90 Tage. In ihrer brasilianischen Heimat hat sich der Bestand dieser Tiere wieder leicht erholt. Der von Naturschützern geforderte Schutz und das Anpflanzen von Nahrungs- und Bruthöhlenbäumen haben sich also gelohnt.

Ein gutes Vorhaben fürs neue Jahr

WaldrappDas neue Jahr ist schon fast drei Tage alt. Manche haben da vielleicht ihre guten Vorsätze für 2016 bereits wieder vergessen. Ich finde aber, man kann sich nach dem vielen Feiern jetzt erst ernsthaft Gedanken darüber machen, was man in den kommenden Monaten unbedingt angehen beziehungsweise schaffen möchte oder auch darüber, was man unterstützen will. Das hier ist so ein Projekt: Der Waldrapp (Geronticus eremita) soll in Mitteleuropa und auch in Deutschland endlich wieder heimisch werden. Eine gute Sache, finde ich.

Mag sein, dass er nicht der schönste Vogel ist, mit seiner Fast-Glatze, die nicht etwa von der Mauser herrührt. Auch ein Farbtupfer wie viele andere Vögel ist er mit seinem dunklen Gefieder nicht. Der Waldrapp, der zu den Ibissen gehört und etwa so groß wie eine Gans wird, ist aber als äußerst gesellig und zutraulich bekannt. Eine Eigenschaft, die ihm schließlich gefährlich wurde. Bis ins 17. Jahrhundert lebte er im Alpen- und Mittelmeerraum, doch weil er die Menschen zu wenig scheute, hatten Vogelfänger und -jäger ein leichtes Spiel. Inzwischen kommt er in freier Natur so gut wie nicht mehr vor; in verschiedenen Zoos kann man ihn allerdings noch beobachten.

Jetzt gibt es ein EU-Projekt namens LIFE+Biodiversity, mit dessen Hilfe diese Zugvögel bis zum Jahr 2020 wieder in unseren Breiten heimisch werden sollen. Die für das Wiederansiedlungsvorhaben zuständigen Biologen haben Überlingen am Bodensee dafür ausgewählt. Ganz in der Nähe befindet sich das Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell, außerdem gibt es für diese Vogelart zwischen Überlingen und Sipplingen gute Brutmöglichkeiten in den Sandsteinfelsen – deshalb hält ja auch der Nürnberger Tiergarten mit seinen Felden am Schmausenbuck Waldrappe. Das Projekt wird von der Heinz-Sielmann-Stiftung betreut.

In den Jahren 2017 und 2018 sollen jeweils 30 im Wiener Tierpark Schönbrunn aufgezogene Küken mit Hilfe von Leichtflugzeugen über die Alpen in die südliche Toskana geleitet werden, zum Überwintern. Man hofft, dass die Waldrappe dann im darauffolgenden Frühjahr an den Bodensee zurückkehren. Bis zur Landesgartenschau 2020 soll sich der Waldrapp in Überlingen wieder angesiedelt haben und in den Felsnischen brüten. Dafür gibt es natürlich auch öffentliche Gelder, die das Projekt gut brauchen kann.

Das Max-Planck-Institut für Ornithologie hat übrigens Solarsender entwickelt, mit denen man die Position der Vögel bestimmen kann. Die Daten werden auf die Internetplattform Movebank übertragen. So können Vogelfreunde die Flugstrecken der bayerischen und österreichischen Waldrappe verfolgen.

So viele schöne Männer!

GefiederAch, wäre das bei uns Menschen doch auch so: Frauen, die einen Partner suchen, können unter lauter gutaussehenden Männern wählen – einer attraktiver als der andere. In der Vogelwelt ist das so. Schillernd-schöne Männchen, dafür unscheinbare Weibchen, die sich aber ihren Traumtypen auswählen können. Es gibt allerdings – und das ist dann doch wieder eine Parellele zu uns Menschen – auch Vogelweibchen, die knallbunt gefärbt sind. (Die sind allerdings absolut in der Minderzahl, auch darum beneide ich die Vögel!)

Die Frage, warum sich das bei den Vögeln so verhält, beschäftigt die Forschung und die Ornithologie schon seit langem. Um dem Rätsel auf die Spur zu kommen, haben jetzt neuseeländische Wissenschaftler einen Versuch unternommen und die Gefieder-Färbung von fast 6000 Vogelarten gecheckt. Dabei haben sie festgestellt, dass es bunte Weibchen vor allem unter den besonders großen Vogelarten gibt. Das erklären sich die Forscher folgendermaßen: Auf bunte Vögel werden auch Fressfeinde eher aufmerksam; große Vögel werden jedoch seltener gefressen. Die Wissenschaftler vermuten daher, dass große Vögel es sich eher erlauben können, bunt zu sein. Deshalb hat sich ihr Gefieder über lange Zeit hinweg so entwickelt.

Tja – was sagt mir das jetzt als Menschen-Weibchen? Nicht viel Neues. Freue ich mich halt weiterhin am Anblick schöner Vogelmännchen, von denen es glücklicherweise jede Menge gibt!

Stare sammeln sich vor dem Abflug

StareWer derzeit in Norddeutschland unterwegs ist, dem bietet sich vielerorts ein eindrucksvolles Naturschauspiel: In riesigen Schwärmen sammeln sich jetzt die Stare zum Vogelzug in den Süden. Viele Ornithologen lassen sich dieses Spektakel nicht entgehen. Die großen Schilfgebiete an den Küsten und Seen in Mecklenburg-Vorpommern sind Sammelplatz für Hunderttausende dieser Vögel. Dort treffen sich die heimischen Stare mit ihren Artgenossen aus Russland, Polen und anderen osteuropäischen Ländern, bevor sie im Oktober in ihre Winterquartiere weiterfliegen: an den Atlantik, nach Nordafrika sowie in den Mittelmeerraum.

Bevorzugte Sammelgebiete sind das Peenetal und andere Flüsse im Küstengebiet, Boddengewässer wie vor Zingst und die Seenlandschaften. Touristen in der Region Fischland-Darß-Zingst etwa haben beste Gelegenheit, die riesige Staren-Schwärme zu beobachten, aber auch an der Mecklenburgischen Seenplatte kann man das Schauspiel gut verfolgen. Die Stare, die aus Osteuropa eingetroffen sind, kommen auch, weil sie in Norddeutschland einen reich gedeckten Tisch vorfinden. Die Vögel bevorzugen vor allem Beeren von der Eberesche und Holundersträuchern.

Für die Störche war es ein durchwachsenes Jahr

Stoerche

Der NABU hat ein neues Blog, und als Bloggerin möchte ich mich natürlich solidarisch zeigen und darauf hinweisen. Also: In dem Blog analysiert und kommentiert der NABU-Storchenexperte Kai-Michael Thomsen unter dem Titel „Störche auf Reisen“ den Zug der Störche Richtung Süden. Denn in diesen Tagen ist es ja so weit: Der diesjährige Storchennachwuchs tritt seine erste Reise in die südlichen Winterquartiere an. Die Eltern der Jungstörche starten dann ein paar Tage später. Der NABU hat einige Tiere mit Sendern ausgestattet, und so kann mit Hilfe der Satelliten-Telemetrie der Storchenzug auf einer interaktiven Karte verfolgt werden

Die Storchenschützer des NABU nehmen den Beginn des Storchenzugs zum Anlass, Bilanz über das Storchenjahr 2015 zu ziehen. Die Bestände dieser Vögel haben sich demnach, wie in den vergangenen Jahren auch schon, in Ost- und Westdeutschland unterschiedlich entwickelt: In den westlichen Bundesländern gab es eine Zunahme, in den Hauptverbreitungsgebieten des Weißstorches östlich der Elbe hingegen sind leichte Rückgänge zu verzeichnen.

Die Brutsaison hatte bundesweit ganz gut begonnen. Die Störche, die in Spanien überwinterten, kehrten in diesem Jahr sehr zeitig in ihre Brutgebiete zurück. Tiere, die auf der Ostroute nach Deutschland zurückkehrten, trafen schon Anfang April wieder in ihren ostdeutschen Brutgebieten ein. Weißstörche, die danach noch unterwegs waren, hatten allerdings Pech: Das schlechte Wetter auf ihrer Reise führte dazu, dass viele mit Verspätung zu ihren Nesten zurückkamen. Da war es schon zu spät, um noch mit einer erfolgreichen Brut zu beginnen. In Brandenburg haben die Storchenpaare durchschnittlich weniger als zwei Nachkommen großgezogen. Das bedeutet für das storchenreichste deutsche Bundesland, dass der Bestand heuer nicht erhalten werden konnte. Außerdem hat sich die Ausweitung des großflächigen Mais-, Raps- und Sonnenblumenanbaus in Brandenburg ungünstig auf den Lebensraum der Weißstörche ausgwirkt.

In Westdeutschland hingegen wirkte sich die Witterung gut auf die Entwicklung der Störche aus. Obendrein war das ein echtes Mäusejahr, das Meister Adebar viel Futter bescherte. Im Westen wuchsen deshalb überdurchschnittlich viele Jungstörche heran. Die endgültigen Zahlen will NABU zum Jahresende vorlegen. Sicher ist aber jetzt schon, dass die Zahlen von 2014 heuer nicht erreicht werden.

Jeder Vogel zählt!

kraeheKaum haben wir die Wintervögel gezählt, sind wir schon wieder mittendrin im heftigsten Frühling. „Heftig“ deshalb, weil der Mai für Vögel der lebhafteste Monat des Jahres ist. Der beste Zeitpunkt also, die Vögel in Gärten und Parks wieder zu zählen, meint der Landesbund für Vogelschutz, LBV. Die Aktion läuft vom 8. bis 10. Mai, und jeder kann mitmachen, nicht nur Ornithologen! Denn für alle, die nicht alle Vogelarten auseinanderhalten können, gibt der LBV eine Hilfestellung und listet sichere Kennzeichen auf, damit es nicht zur Verwechslung kommt. Das Argument, „Ich kenn´ mich da nicht gut aus“, gilt also nicht! Vögel-Zählen kann außerdem wunderbar entspannend sein. Und kommunikativ: Man kann nämlich auch als Familie oder Gruppe mitmachen. Wichtig ist nur, überhaupt mitzumachen. Aber für Naturfreunde dürfte das ja sowieso Ehrensache sein.

Der LBV hat die Aktion in diesem Jahr wieder um Zusatzfragen erweitert: Diesmal möchten die LBV-Mitarbeiter wissen, ob die Teilnehmer auch Admiral, Blindschleiche und Fledermaus in ihrem Garten beobachtet haben und ob eine Eberesche – auch als Vogelbeerbaum bekannt – im Garten wächst. Damit soll die Bedeutung von naturnahen Gärten untersucht werden, die als Indikator für die Artenvielfalt gelten. Und weil es immer weniger Schwalben gibt, interessiert den LBV, ob die Teilnehmer Schwalbennester am Haus haben und ob Schwalben darin nisten.

Wer teilnimmt, kann sogar etwas gewinnen: Der LBV verlost wertvolle Preise, zum Beispiel ein Fernglas im Wert von 1300 Euro, außerdem ein Überwinterungsquartier für Igel und jede Menge Vogelnistkästen. – Also: Los geht´s, jeder Vogel zählt!

Nürnberg: Einsatz für Mauersegler

MauerseglerDas hört man doch gern als Bürger und Tierfreund oder Ornithologe: Die Stadt Nürnberg saniert nicht immer einfach drauflos, sondern nimmt zumindest bei manchen Bauarbeiten Rücksicht auf die Interessen von Tieren. So jetzt beispielsweise im Fall der Dachsanierung des Unschlitthauses. Da hat das Hochbauamt nämlich Nistplätze der geschützten Mauersegler entdeckt. Diese Vogelkolonie soll dort erhalten werden. Deshalb hat sich das Hochbauamt mit dem Umweltamt zusammengetan, um für die Vögel als Zwischenlösung geeignete Ersatznistkästen anzubringen. Die Kästen sollen für die Dauer der Bauarbeiten bis September 2016 an den Dachgauben auf der Nordseite des Unschlitthauses bleiben.
Die bisherigen Nistplätze werden vor der Rückkehr der Vögel aus dem Winterquartier dicht gemacht. Um die Vögel zu den Ersatznistkästen zu locken und dazu zu bringen, diese als Brutstätten anzunehmen, wurden kleine wetterfeste Lautsprecher installiert. Daraus erschallen Aufnahmen von den typischen Rufen der Mauersegler. Man geht davon aus, dass die Vögel etwa ab 20. April zu brüten beginnen. Die Jungen schlüpfen dann so um den 25. Mai herum. Sobald die Mauersegler umgezogen sind, können die Arbeiten für die Dachsanierung beginnen. Im Zuge dessen werden auch Teile des Traufbereichs und der Gauben mit festen Nistkästen ausgestattet, um den Vögeln nach Abschluss der Baumaßnahme ein neues, dauerhaftes Zuhause zu schaffen.

Jetzt sehe ich es erst: Das ist mein 1000. Blog-Beitrag in „Achtung, Wolf!“. Da möchte ich mich doch gleich bei meinen vielen Lesern bedanken, die mir immer so viele Klicks bescheren. – Im Ernst: Vielen Dank für Ihre/Eure Treue und vor allem für die meist sehr fachkundigen Kommentare!

Freude oder Ärger über diese „neue Art“?

NandusWaschbären sind in meinem Blog schon ein Dauerthema. Kein Wunder, sie nehmen hierzulande einfach überhand. Nun kündigt sich der nächste Fall von Neozoen an – also von Tieren, die bei uns ursprünglich nicht vorkamen, aber mit Hilfe des Menschen auf verschiedenen Wegen hierher gelangt sind. Es handelt sich um wildlebende Nandus. Eigentlich in der südamerikanischen Pampa beheimatet und dort vom Aussterben bedroht, lassen sie sich immer öfter in Norddeutschland nieder und vermehren sich eifrig. Man trifft sie häufig auf Weiden an, wo Rinderherden grasen. Auch den Nandus schmeckt das frische Grün offensichtlich hervorragend. Das Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern lässt die Laufvögel zahlenmäßig erfassen.

Nandus kann man recht leicht zähmen, sie werden deshalb auch von Vogelliebhabern privat gehalten. Wahrscheinlich ist die wilde Population dieser großen Vögel in Norddeutschland auf einige Einzelexemplare zurückzuführen, die einst aus einer Zucht bei Lübeck ausgebüxt sind. Momentan breiten sie sich weiter in Richtung Osten aus. Nach Schleswig-Holstein haben sie es jedoch auch geschafft, und dort wurde das Umweltministerium ebenfalls auf sie aufmerksam.

Da er eigentlich gar nicht in Deutschland lebt, hat der Nandu hier auch keine natürlichen Feinde – wie andere Neozoen auch. Höchstens die Nandu-Küken fallen manchmal Jägern wie dem Fuchs oder dem Adler zum Opfer. Oder – allerdings ganz selten – dem Menschen, beziehungsweise einer Waffe, die jeder besitzen darf: dem Auto.

Natürlich schimpfen – wie in solchen Fällen üblich – die Bauern besonders laut über die unerwünschten Eindringlinge: Sie fressen offenbar besonders gerne Rapsblüten oder zertrampeln sie, so dass die Pflanzen dann keine Früchte hervorbringen können. Bisher sind Nandus geschützt, weil sie auf der Artenschutzliste stehen. Die Landwirte dürfen sie nicht jagen – ja noch nicht einmal verscheuchen. Sie wollen, dass die Vorschriften geändert werden und fordern Ersatzzahlungen bei Schäden, die durch die Laufvögel verursacht werden. Forscher hingegen halten die durch Nadus entstehenden Verluste eher für gering. Die Bauern seien auch selber mit schuld an der Ausbreitung der Tiere: Weil sie auf riesigen Flächen Raps anbauen und so ideale Voraussetzungen für die Nandus schaffen, würden sie die Verbreitung der Vögel sogar unterstützen.

Und – zu welcher Meinung tendieren Sie/tendiert Ihr? Das würde mich interessieren, weil hier im Blog viele Leute Kommentare schreiben, die sich mit tierischen Themen bestens auskennen.

Schweig, Pfau!

PfauneuUnglaublich, aber wahr: Ein Gericht muss sich mit der Frage beschäftigen, ob die Pfauen im Tiergarten Mönchengladbach während der Balzzeit nachts zu laut schreien. Die bösen Vögel haben vielleicht sogar eine Ehe zerstört: Die geschiedene Frau des Klägers behauptet, sie sei wegen des Vogelgeschreis manche Nacht bis zu fünfmal aufgewacht, und ihr Mann habe am nächsten Morgen völlig übermüdet und  schlechtgelaunt am Frühstückstisch gesessen. Das mag auch noch andere Ursachen gehabt haben – jedenfalls zog die Frau die Konsequenz und aus dem Haus aus.

Eine Nachbarin der Beiden will hingegen nicht von Pfauen, sondern von irgendeinem anderen lauten Vogel aus dem Tierpark um den Schlaf gebracht worden sein. Erst soll dieses unverschämte Tier immer nachts um drei seinen Schnabel zu weit aufgerissen und daraufhin auch noch Antwort von einem anderen Schreihals bekommen haben. Inzwischen sei dieses geheimnisvolle Vogelwesen allerdings verstummt – aus welchem Grund auch immer. Die  Gerichtsverhandlung ähnelte immer mehr einem absurden Theaterstück. Der Kläger-Anwalt sprach den Verdacht aus, jemand aus dem Tierpark habe den vogeligen Störenfried wohl um die Ecke gebracht. Das stritt natürlich der Anwalt des Tierparks ab: Dort würden weder seltsame Vögel noch andere Tiere getötet.

Menschliche Nachtruhe, die durch Tiergeräusche gestört wird – eine schwierige Frage. Zumindest bisher gibt es keine Grenzwerte, wie laut solche Geräusche sein dürfen. Das Gericht will deshalb möglicherweise ein Gutachten zur Lautstärke erstellen lassen. Insgesamt muss geklärt werden, ob der
Nachbar durch die Tiergeräusche wesentlich beeinträchtigt wird.