Tiere im Zirkus – ja oder nein?

Wilde Tiere im Zirkus – das soll endlich der Vergangenheit angehören. Tierschützer und -rechtler fordern seit langem, Affen, Raubkatzen, Elefanten, Bären, Giraffen, Nashörner und Flusspferde aus der Manege zu verbannen. Heute befasst sich der Bundesrat mit dem Thema und will über ein Verbot von exotischen Tieren im Zirkus abstimmen. Egal, wie das ausgeht – die Bundesregierung wird sich kaum so schnell zu einem Verbot durchringen können. Im Vorfeld hat schon mal Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner Bedenken verlauten lassen.
Ich muss gestehen, dass ich in dieser Frage auch hin- und hergerissen bin. Klar, die Vorwürfe der Tierschützer sind nachvollziehbar. Die meisten Zirkusunternehmen können solchen Tieren keine artgerechte Haltung bieten. Schon allein die Tatsache, dass ein Zirkus ständig von Ort zu Ort zieht und die Tiere dafür transportieren muss, spricht gegen die Wildtierhaltung. Im Gegensatz zu Zoologischen Gärten sind beim Zirkus auch keine weiträumigen Außengehege möglich. Mancher Zirkus springt außerdem nicht besonders freundlich mit seinen Schützlingen um.

Aber ich kann auch Zirkus-Mitarbeiter verstehen, die den Standpunkt vertreten, das deutsche Tierschutzgesetz reiche aus, um eine gute Tierhandlung auch im Zirkus zu gewährleisten; die Einhaltung des Gesetzes müsse eben nur konsequenter kontrolliert und Verstöße härter bestraft werden. Große Zirkusse wie zum Beispiel Circus Krone verweisen auf ihre angemessene Tierhaltung und -pflege. Außerdem berufen sich die Mitarbeiter auf das Grundrecht der Berufs- und Eigentumsfreiheit von Dompteuren. Ein Berufsverbot für Dompteure hält Ilse Aigner für verfassungswidrig.

Juristen haben ebenfalls Bedenken, dass ein Verbot an dieser Hürde scheitern könnte. Sie schlagen vor, erst einmal abzuwarten, was Kontrollergebnisse seit 2008 erbracht haben: Seitdem werden die 250 Zirkusbetriebe in Deutschland stärker auf Verstöße gegen Tierschutzvorschriften überwacht und ein Register darüber geführt. Man will nun überprüfen, ob dieses Register nicht genügend (abschreckende) Wirkung zeigt, so dass ein generelles Verbot von Wildtieren im Zirkus nicht mehr notwendig wäre.

Tierschutz-Organisationen lehnen die Tierhaltung im Zirkus rundweg ab, weil sie Verhaltensstörungen, Krankheiten der Tiere und Todesfälle zur Folge hätten. Dagegen gibt es jedoch Verhaltensforscher, die keinen Grund für ein Verbot sehen: Untersuchungen auf das Stresshormon Cortisol haben bei Zirkuslöwen keinen höhere Stress-Belastung ergeben als bei Löwen in freier Wildbahn.

Mal sehen, was der Bundesrat heute macht. Es wird erwartet, dass sich die Bundesländer der von Hamburg ausgehenden Initiative für ein Verbot anschließen. Auch die Tatsache, dass in 13 europäischen Ländern bereits ein Wildtierverbot für Zirkusse gilt, könnte ihnen bei der Entscheidung helfen.

P.S. Soeben kommt die Agenturmeldung, dass der Bundesrat die Bundesregierung aufgefordert hat, eine Verordnung für das Wildtierverbot im Zirkus zu erarbeiten. Tierschützer wollen sich nun dahinterklemmen, dass Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner schnell handelt.