Igel nicht gleich ins Haus holen!

igelJetzt ist sie wieder da, die Jahreszeit, in der so mancher Tierfreund meint, schwache oder vermeintlich kranke Igel ins Haus holen zu müssen, um sie noch vor dem Wintereinbruch zu retten und dann über den Winter zu bringen. Der Deutsche Tierschutzbund warnt vor Überaktionismus in Sachen Igel: Bevor man ein soloches Tier in Obhut nimmt, sollte man es genau beobachten. Meist sind die Igel nämlich in ihrer natürlichen Umgebung am besten aufgehoben. Nur wenn sie tatsächlich verletzt, krank oder stark von Parasiten befallen sind, brauchen sie die Hilfe des Menschen. Dann ist es jedoch am besten, sie Fachleuten zu überlassen.

Woran erkennt man nun, ob ein Igel Hilfe braucht? Deutlich zu sehen ist es zum Beispiel, wenn er abgemagert ist. Doch wenn man in diesen Wochen einen Igel bei sich im Garten findet, muss er deshalb noch nicht unbedingt gleich in menschliche Pflege genommen werden. Vielmehr ist es normal, dass Igel zu dieser Jahreszeit in Gärten und Parks auf Nahrungssuche sind, um sich eine ausreichende Fettschicht für den Winterschlaf anzufressen. Wenn der Garten ausreichend Rückzugsmöglichkeiten bietet, etwa in Form von Kompost- oder Blätterhaufen, kann man der Igel ruhig dort lassen und muss ihn nicht ins Haus holen.

Nur Igel, die wirklich krank, verletzt oder bei Wintereinbruch stark abgemagert sind, brauchen Hilfe von Fachleuten. Unbedingt notwendig ist das, wenn man beobachtet, dass der Igel sich apathisch verhält. Dann sollte man auf jeden Fall Rat beim Tierarzt oder beim Tierschutzverein einholen. Handelt es sich um einen jungen Igel, kann eine Zufütterung sinnvoll sein, beispielsweise mit Katzenfutter aus der Dose, das man mit Haferflocken oder Weizenkleie mischt. Wichtig ist auch, dem Tier Wasser zum Trinken anzubieten. Achtung: Keinesfalls Milch oder Essensreste geben! Damit kann man den Tieren ernsthaft schaden.

Vögel winterhärter als gedacht

Mir gehen so manche Floskeln in den Medien, den derzeit kalten Winter betreffend, ziemlich auf die Nerven: Begriffe wie „Sibirische Kälte“ treffen auf unsere Breiten einfach nicht zu. Und den allzu häufig verwendeten Satz „Der Winter hat Deutschland fest im Griff“ kann ich einfach nicht mehr hören. Zugegeben, es ist kalt draußen, auch etwas kälter als sonst bei uns üblich. Aber Kälte-Katastrophen spielen sich – Gott sei Dank! – anderswo ab, nicht hierzulande.

Hart ist der Winter ohne Frage für einige Tierarten. Um den Vögeln zu helfen, die sich bei über längere Zeit hinweg tiefgefrorenem Boden schwer tun bei der Futtersuche, stellen viele Menschen Futterhäuschen auf oder bringen in Gärten und auf Balkonen Meisenknödel an. Das ist im Augenblick durchaus sinnvoll.

Ornithologen beobachten, dass die Vögel dem Winter in Deutschland durchaus die Stirn bieten. Sie weichen der Kälte nicht aus, bleiben vielmehr in ihren Brutgebieten. Und das selbst im äußersten Nordosten Deutschlands, wo die Bedingungen besonders schwierig sind. In Mecklenburg-Vorpommern etwa lassen sich bei Temperaturen unter minus 20 Grad Celsius immer noch Kraniche blicken. Ähnlich verhält es sich mit den Vögeln an der Nordsee (das dpa-Foto zeigt Austernfischer an einer Deichkante an der Ostküste der Insel Borkum). Aber die Vögel im Wattenmeer haben es wirklich schwer: Die Nordeeküste ist mittlerweile fast völlig vereist. Experten gehen davon aus, dass viele Wasservögel dort verenden.

Die Vögel sind wegen des anfangs milden Winters und dann wegen des bereits hohen Sonnenstandes in Deutschland geblieben – und das, obwohl sie normalerweise sehr schnell auf Kälteeinbrüche reagieren. Die Tiere haben auch einen Grund dafür, nicht in südlichere Gefilde auszuweichen: Für sie gilt es, die ersten im Brutgebiet zu sein. Außerdem wollen sie Energie sparen und diese nicht durch überflüssige weite Flüge verschwenden.

 

Das Märchen von der Mückenplage

Heute möchte ich mal mit einem Ammenmärchen aufräumen, das in diesem milden Winter häufig die Runde macht: Nämlich, dass uns wegen des zu warmen Winters im nächsten Sommer eine Stechmückenplage erwartet. Das stimmt nämlich so nicht.

Tatsache ist vielmehr: Die Stechmücken-Männchen sterben sowieso schon alle im Herbst. Im Gegensatz zu den Weibchen stechen sie aber auch gar nicht – sie ernähren sich nicht von Menschenblut, sondern von Nektar und Pflanzensäften. Den blutrünstigen Weibchen dagegen macht die Kälte im Winter gar nichts aus. Sie suchen sich erst ein gemütliches Plätzchen zum Überwintern und verfallen dann in eine Art Kältestarre. Dabei haben sie eine – typisch weiblich! – raffinierte Methode: Sie geben überflüssige Körperflüssigkeit ab und lagern in der restlichen Zucker ab. Der funktioniert dann wie ein Frostschutzmittel. Der Mückennachwuchs ist ebenfalls winterfest. Die Weibchen legen die Eier im Herbst im Wasser ab, und dort halten sie es dann zum Beispiel im Schlamm auf dem Grund eines Gewässers auch bei Kälte gut aus.

Ob es zu einer Mückenplage kommt, darüber entscheidet nicht der Winter, sondern der Sommer. Die Mücken lieben es feucht und warm, auf jeden Fall nicht zu trocken.

 

 

Oh je: Pelz ist wieder angesagt!

Nein, über diesen Trend können sich Tierfreunde wahrlich nicht freuen: Pelz ist in diesem Winter wieder modern. Ausgerechnet in einem Winter, der ein verkappter Frühling ist, sind Pelze in. Allerdings weniger als ganze Mäntel, sondern als Accessoires, etwa als Pelzkragen, Ohrenschützer oder an der Kapuze. Und vor allem junge Leute fahren offenbar darauf ab.

Dabei werden Kunstpelze leider meist verschmäht, wirklich Modebewusste bevorzugen echten Pelz. Ob Kaninchen oder Waschbär, Fuchs oder Kojote: Designer bei Edelmarken, aber auch bei Jeans-Kollektionen setzen aufs Fell – und haben offenbar selber ein dickes, wenn sie auf das Thema angesprochen werden. Der Handel verlangt danach, also werden die Modelle geliefert. Pelz gehört anscheinend einfach zum Gefühl von Luxus, wie es auch das Mannequin auf diesem Foto vermittelt.

Kritik von Tierschützern stößt da auf taube Ohren. Der eine oder andere Modemacher windet sich vielleicht ein klein wenig, wenn er gefragt wird, ob er denn keine moralischen Bedenken gegen echte Pelze habe. Und er verspricht möglicherweise, künftig auf Pelz-Besätze zu verzichten. Doch wer erinnert sich später schon an solche halbherzigen Versprechen?

Die einzige Möglichkeit, Pelz-Mode zu unterlaufen, besteht im Boykott. Wenn der Kunde die Ware verschmäht, wird sie auch nicht mehr angeboten. Doch offenbar muss das Problembewusstsein für dieses Thema erst wieder geschaffen werden. Und ich dachte schon, das hätten wir längst hinter uns.

Mein Tipp: Der Tiergarten im Winter

KamelEs gibt Menschen, die gehen nur im Sommer bei Sonnenschein in den Zoo und nehmen es in Kauf,  dass sie sich vor den Tiergehegen drängeln müssen. Der wahre Kenner aber weiß: Landschaftszoos wie der Nürnberger Tiergarten haben im Winter ihren ganz besonderen Reiz, vor allem, wenn sie so schön verschneit sind wie jetzt. Wer in diesen Tagen Zeit hat, sollte die Gelegenheit nutzen und einen Tiergartenbesuch einplanen.

Viele Tierarten, die im Zoo leben, sind Eis und Schnee von ihrer natürlichen Heimat her gewohnt und fühlen sich bei den derzeitigen Wetterverhältnissen durchaus wohl. Dazu gehören zum Beispiel Eisbären, Braunbären, Bartgeier, Kamele, Wisente oder auch Kulane.

giraffenTiere, die eigentlich aus wärmeren Ursprungsländern stammen – wie Giraffen, Geparde, Paviane oder Zebras –, bieten in der verschneiten Landschaft am Schmausenbuck ein eher ungewöhnliches Bild. Verblüffend ist, wie viele von diesen Tieren Spaß am Schnee haben und ihn sogar fressen, zum Beispiel die Paviane oder Giraffen. Die Tierpfleger lassen ihre kälteempfindlichen Schützlinge allerdings immer nur für kürzere Zeit nach draußen ins Freigehege und achten darauf, dass der Boden nicht vereist ist und keine Rutschgefahr besteht.

Tierarten, die Kälte überhaupt nicht vertragen – dazu zählen alle Reptilien und Amphibien – sind in klimatisierten Terrarien untergebracht oder verbringen die kalte Jahreszeit in Winterruhe im Gehege.

Gartenvögel füttern? Ja, bitte!

Auch wenn es bei uns in diesen Tagen wieder etwas milder wird: In Gärten, Parks und Grünflächen haben wir fast überall noch eine geschlossene Schneedecke, oft ist auch der Boden seit längerem gefroren. Für alle Vogelarten, die über den Winter nicht in den Süden ziehen, haben damit wieder harte Zeiten begonnen.

Oft wissen Tierfreunde nicht, ob es sinnvoll ist, Vögel im Garten zu füttern oder nicht. Grundsätzlich empfehlen Tierschutzorganisationen, bei dieser Wetterlage Gartenvögel zu füttern. Denn die Piepmätze benötigen bei Kälte ganz besonders viel Energie, damit ihre Körpertemperatur nicht absinkt. Sie brauchen also mehr Futter als üblich – finden aber gleichzeitig weniger als sonst.

futterspenderWichtig ist aber, das richtige Futter zu verwenden. Auf keinen Fall darf man den Tieren Speisereste geben oder altes Brot. Denn wenn Brot feucht wird, wird es schnell schlecht. Außerdem enthält es oft zu viel Salz. Wer den Vögeln etwas Gutes tun will, sollte das überall erhältliche Vogelfutter kaufen. Für die Fütterung sind allerdings viele Vogelhäuschen nicht geeignet. Gerade die wegen ihres schönen Aussehens beliebten Vogelhäuschen aus Holz sollte man nicht verwenden: Darin laufen die Vögel nämlich im Futter herum und lassen ihren Kot hineinfallen. Wenn die Tiere dann Kot von anderen zusammen mit dem Futter aufnehmen, kann das zu Krankheiten führen, die sich schnell weiterverbreiten. Tierschützer raten deshalb zu Futterspendern wie dem hier abgebildeten. Die sehen zwar nicht so nett aus wie Vogelhäuschen, sind dafür aber umso praktischer: Das Futter bleibt darin trocken und kann weder einfrieren noch verschmutzt werden. So ein Futterspender lässt sich außerdem gut reinigen.

Auch Meisenknödel werden von Fachleuten empfohlen, ebenso wie Futterglocken für Meisen. Beides kann man auch selber basteln. Wer sich dafür interessiert, findet hier Tipps und Anleitungen des Naturschutzbundes Deutschland, NABU.

Wunderbar: "Der Wolf"

DerWOLFEndlich ist es mal wieder richtig Winter! Ich liebe es, wenn draußen alles weiß verschneit ist, und auch knackige Kälte ist mir tausendmal lieber als ein wochenlanges Vor-sich-hin-Regnen-oder-Nieseln bei leichten Plus-Temperaturen, wie man es  in den letzten Jahren meist erlebt hat. Zu einem richtigen Winter gehört für mich die passende Lektüre. Und da habe ich ein Buch gefunden, das mich rundum begeistert – verbindet es doch Winter-Atmosphäre mit philosophischen Gedanken,  glasklarer Sprache und mit einem Thema, das mich zu jeder Zeit fasziniert:  Tiere. Und das Beste: Mein Namensvetter, der Wolf, ist die Hauptperson.

Joseph Karol Smith erzählt seine klar strukturierte Geschichte sehr stringent und lehnt sich dabei sowohl an die Welt der Fabel an als auch, wie er am Ende der Novelle schreibt, an ein Buch, das für ihn selbst seit seiner Kindheit prägend war: „Of Wolves and Men“ von Barry Lopez.

Es ist einer der strengsten Winter, die der alte, einsame Wolf jemals durchgemacht hat. Weil er kein Futter findet, ist er am Ende seiner Kräfte und streunt durch den tief verschneiten Wald, in der verzweifelten Hoffnung, irgendwo irgendwann auf irgendetwas Fressbares zu stoßen. Seine Ansprüche hat er längst heruntergeschraubt: Nicht einmal vor verwesenden toten Vögeln schreckt er zurück. Als er auf einen Fuchs trifft, beginnt zwischen den beiden Raubtier-Konkurrenten ein psychologisches Kräftemessen, ein gegenseitiges Versteckspiel vor den Gedanken des anderen, das bald in eine gnadenlose Auseinandersetzung zu münden scheint.

Doch viel gefährlicher als der Fuchs ist für den Wolf der Mensch  – und obwohl er das eigentlich weiß, lässt er sich vom Fuchs verführen und missachtet die tödliche Bedrohung, die von den Zweibeinern schon immer auf seine Art ausgegangen ist. Das hat für den alten Grauen verheerende Folgen… Mehr will ich hier nicht verraten. Ich kann aber versprechen: Man möchte die Novelle nicht mehr aus der Hand legen, bevor man endlich weiß, wie sie ausgeht.

Das Buch (160 Seiten) mit wunderbaren Illustrationen von John Spencer ist im Berlin Verlag erschienen und kostet 16,90 Euro.

Romeo und Julia in Isny

Der Storch: ein Zugvogel. So haben wir es jedenfalls einst aus dem Schulbuch gelernt. Doch die Wirklichkeit sieht manchmal anders aus. Nicht nur in deutschen Landen mit sehr mildem Klima, sondern auch dort, wo bei uns der Winter schön knackig ist, überwintern Weißstörche, statt in wärmere Gefilde zu ziehen. Die Kälte macht ihnen ja auch nichts aus – sie sind praktisch resistent dagegen. Schwierig wird es nur, wenn sie längere Zeit keine Nahrung finden.

urn:newsml:dpa.com:20090101:100125-10-12243Freilebende Weißstörche im Winter – die kann man derzeit wieder im Allgäu beobachten. In Isny hat Storchenmann Romeo, eine ausgewilderte Handaufzucht, die langjährige Dame seines Herzens – die natürlich Julia heißt – überzeugen können, mit ihm den Winter über dazubleiben. (Das Foto zeigt Romeo und Julia in Gesellschaft eines Graureihers.) In den ersten Jahren ihrer Partnerschaft war es ihr offenbar noch zu kalt, und sie machte sich regelmäßig in den Süden auf. Doch die Liebe wurde immer größer, und Julia kehrte jedes Jahr ein paar Wochen früher zurück zu ihrem Romeo. Nun weicht sie überhaupt nicht mehr von seiner Seite.

Die Stadt Isny tut einiges, um den beiden den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. In dem 34 Meter hohen Kamin auf dem Rathaus konnte es sich das Storchenpaar so richtig heimelig machen. Schon fünfmal haben Romeo und Julia in dem Horst Nachwuchs aufgezogen. In der Zeit der Brutpflege – also im Mai/Juni – stellen Mitarbeiter eines eigens gebildeten „Storchennestteams“ den Tieren zusätzliches Futter zur Verfügung. Denn während dieser Monate finden die Störche kaum Futter, weil dann die Streuwiesen nicht gemäht werden.

Im Herbst dagegen füttert man bewusst nicht zu, weil man eigentlich möchte, dass Meister Adebar sein natürliches Verhalten beibehält und den Abflug in den Süden macht. Die 12 in Isny geschlüpften Störche tun das auch. Aber Romeo ist eben eine Handaufzucht und deshalb vielleicht zu bequem, die weite Reise anzutreten. Julia hat sich inzwischen von ihm beeinflussen lassen. Und sie weiß offenbar, dass sie selbst bei Schnee und hohen Minustemperaturen nicht auf kulinarische Leckerbissen verzichten muss: Das Storchenteam von Isny legt im Winter Fischreste und Eintagsküken auf einer Wiese am Stadtrand aus, damit Familie Weißstorch nicht Hunger leiden muss.

Romeo und Julia sind übrigens kein Einzelfall: Der Landesbund für Vogelschutz  hat beobachtet, dass in diesem Jahr allein in Schwaben über 30 Weißstörche überwintern.