Wisente wieder in freier Wildbahn

Sie waren in Deutschland vor etwa 90 Jahren schon vom Aussterben bedroht. Letztlich haben wir es Zoologischen Gärten zu verdanken, dass Wisente bei uns überlebt haben. Heute gibt es wieder fast 4000 Exemplare dieses größten europäischen Landsäugetiers, die alle von 12 (!) Tieren abstammen. Experten sehen den engen genetischen Pool der mächtigen Ur-Rinder durchaus als problematisch an.

In dieser Woche wird zum ersten Mal eine Wisent-Herde in Deutschland ausgewildert: im Rothaargebirge in Nordrhein-Westfalen. Zehn Jahre hat man in das Projekt investiert, in den letzten drei Jahren wurde die Herde, die acht Tiere umfasst, gezielt auf die Auswilderung vorbereitet. Sie lebt seitdem bereits im Rothaargebirge: In einem 88 Hektar großen Gehege, wo sie von Rangern betreut wird. Diese Ranger werden am Donnerstag auch den ersten Teil des vier Kilometer langen Zaunes abbauen. Die Herde kann sich dann frei in der Gegend bewegen. Man rechnet damit, dass sie nach und nach ein Gebiet von 2000 bis 3000 Hektar für sich beanspruchen wird. Am Anfang dürften die Rinder noch ganz in der Nähe bleiben und sich erst nach und nach weiter von dem bisher eingezäunten Gelände entfernen.

Wahrscheinlich, so nehmen die Betreuer an, werden die Wisente auch immer wieder zu ihren bisherigen Futterstellen zurückkehren. Im Winter sollen sie dort auch weiterhin versorgt werden, damit die Tiere kräftig genug bleiben. Die Herde wird von einer Leitkuh und einem Bullen angeführt. Drei Wisente haben ein Halsband um, das mit einem GPS-Sender ausgestattet ist, so dass man die Tiere nicht aus dem Blick verliert. Eine wirklich hundertprozentige Auswilderung wird es nicht nur wegen der Winterfütterung nicht sein: Die Betreuer werden wegen des schon angesprochenen engen Gen-Pools der Wisente künftig auch in die Struktur der Herde eingreifen. Sobald die weiblichen Jungtiere geschlechtsreif werden, soll der Bulle ausgetauscht werden, damit es nicht zur Inzucht kommt.

Trotz dieser Einschränkungen bleibt das Ganze aber ein spannendes Projekt, das bislang von drei Universitäten wissenschaftlich begleitet wird.