Wie bei den „Zehn kleinen Negerlein“

Der Wolf ist zurück. Eine Tierart, die ein Jahrhundert lang als bei uns ausgestorben galt. Die wir nur noch aus dem Märchen kannten, und zwar als „bösen Wolf“. Oder aus Zoologischen Gärten. Belesenen Zeitgenossen dürfte auch noch die Figur des Isegrim ein Begriff sein, ein Fabelwesen aus dem Epos Reineke Fuchs. Und dann haben die meisten von uns – zumindest hier in Bayern – auch schon mal die Wölfe im Nationalpark Bayerischer Wald gesehen. In freier Wildbahn hingegen, beispielsweise im „dunklen Wald“ (ebenso aus dem Märchen bekannt), da ist uns höchstens mal ein Fuchs begegnet.

Seit sich hierzulande die ersten Wölfe zögerlich in der Natur wieder angesiedelt haben, machen wir allerdings ein Riesenproblem daraus – ähnlich wie bei den Bären. Ich erinnere nur an den „Problembären“ Bruno. Der Wolf reiße Schafe, falle Touristen an, bedrohe die Existenz des Viehbestands von Bergbauern und sei überhaupt eine Gefahr für den Menschen. So liest und hört man es in den Medien. Und jetzt auch noch aus dem Nationalpark (bei Lindberg im Landkreis Regen) freigelassene Wölfe! Dass sich aus diesem Vorfall eine Tragödie entwickeln würde, war Tierfreunden wie mir von dem Augenblick an klar, als die Nachricht von der rätselhaften „Befreiungsaktion“ der sechs Tiere die Runde machte. weiter lesen

Jawohl: der Wolf hat´s gemacht!

Dass Tiere sich beim Publikum äußerster Beliebtheit erfreuen, ist bekannt. Ob in Zeitungen oder im Fernsehen – Tiere gehören zu den größten Zugpferden bei Lesern oder Zuschauern. Das zeigt sich auch hier in meinem Blog: Meine Geschichten über Tiere im Nürnberger Tiergarten und Tiere im allgemeinen erreichen fast jeden Monat die höchsten Klickzahlen unter den Blogs von NZ und NN. Immer wieder habe ich hier auch über Tiere geschrieben, die zu Maskottchen für sportliche Großereignisse auserkoren werden. Wie etwa das Gürteltier „Fuleco“ bei der Fußball-WM 2014 oder der Bär „Berlino“ bei der Leichtathletik-WM 2009 in Berlin.

zabivakaNun schickt sich ein weiteres Tier an, zum Star einer wichtigen Sportveranstaltung zu werden. Diesmal ist es – und das freut mich persönlich natürlich ganz besonders! – ein Wolf. „Zabivaka“ (oder auch „Sabiwaka“) heißt er, und er soll als Sympathieträger für die Fußball-WM 2018 in Russland fungieren. Frei aus dem Russischen übersetzt, bedeutet Zabiwaka so viel wie „kleiner Torschütze“. Die Figur wurde in einer großen Show im russischen Staatsfernsehen zum offiziellen WM-Maskottchen auserwählt und setzte sich mit fast 53 Prozent gegen ihre Mitbewerber durch, nämlich eine Katze und einen Tiger im Raumfahreranzug. Zabiwaka sieht wirklich zum Knuddeln aus, finde ich. Er trägt eine Skibrille, ein weißes Shirt mit blauen Ärmeln und eine rote Hose. Und dass er der deutschen Nationalmannschaft Glück bringen wird – da bin ich mir hundertprozentig sicher!

Heute ist der „Tag des Wolfes“

WolfstagSo viel Ehre wäre ja gar nicht nötig gewesen! Ich habe jetzt einen eigenen Tag, den „Tag des Wolfes“, der heute, am 30. April,  begangen wird. 😉  Anlässlich dieses Tages hat der Naturschutzbund NABU allerdings eine gemischte Bilanz zur Situation frei lebender Wölfe in Deutschland gezogen. Zwar hält er den wachsenden Bestand mit derzeit 40 Wolfsfamilien im ganzen Bundesgebiet für erfreulich, doch das Wolfs-Management reicht nach Ansicht der Zuständigen beim NABU noch längst nicht aus.

Gerade erst in der zu Ende gehenden Woche wurde in Niedersachsen erstmals ein Wolf – „MT6“ oder „Kurti“ genannt – aufgrund einer Ministeriumsentscheidung erschossen, weil er Menschen bzw. Hunden mehrmals zu nahe gekommen war. Diese Entscheidung konnte der NABU aber nachvollziehen:  Wolf „Kurti“ stellte durch sein  Verhalten ein nicht mehr zu kalkulierendes Risiko dar. Trotzdem kann die Geschichte keinen Tierfreund oder Tierschützer zufriedenstellen, denn das konzentrierte Monitoring hat zu spät begonnen, außerdem war die Vergrämungsphase viel zu kurz, und man hat dabei auch nicht alle zur Verfügung stehenden Mittel ausgeschöpft. Vor allem: Es wurde nicht ausreichend untersucht, was zu dem auffälligen Verhalten von Kurti geführt hat.

Nach Experteneinschätzung ist die wahrscheinlichste Ursache für die Verhaltensveränderung dieses Wolfes die Fütterung durch Menschen oder zurückgelassene Speisereste. Schließlich sind wir den Umgang mit diesen Wildtieren nicht mehr gewöhnt. Der NABU fordert eine unabhängige wissenschaftliche Kommission auf Bundesebene, die Kriterien für ein funktionierendes Monitoring und für die Vergrämung erarbeitet – und die Einhaltung dieser Kriterien auch überprüft. Jeweils am 30. April endet das offizielle Wolfsjahr, in dem alle wissenschaftlichen Daten gesammelt werden, um Erkenntnisse über das Leben freilebender Wölfe in Deutschland zu erhalten. Daher hat der NABU im Jahr 2013 den „Tag des Wolfes“ eingeführt.

Die Wölfe im Land müssen sich am meisten vor der Deutschen liebstem Kind in Acht nehmen: dem Auto. Denn das größte Risiko für den Wolf ist bei uns der Straßenverkehr. Seit dem Jahr 2000, als der erste Wolf nach Deutschland zurückkehrte, fanden 95 von diesen wunderbaren Tieren auf der Straße den Tod. An der Spitze liegt dabei Brandenburg mit 42 totgefahrenen Tieren. Auch die Akzeptanz von freilebenden Wölfen in der Gesellschaft lässt noch zu wünschen übrig, selbst wenn die allgemeine Zustimmung zur Rückkehr der Wölfe hoch ist. Es kommt außerdem immer wieder zu illegalen Abschüssen. Hierbei belegt das Land Sachsen den traurigen ersten Platz. Man muss allerdings berücksichtigen, dass die Dunkelziffer illegal getöteter Wölfe bundesweit deutlich höher ist als die offiziell bekannt gegebenen Zahlen.

Und so verteilen sich die freilebenden Wölfe über unser Land: Wolfsreichstes Bundesland ist Sachsen mit zwölf Wolfsfamilien, gefolgt von Brandenburg mit elf. In Niedersachsen leben derzeit neun, in Sachsen-Anhalt sechs und in Mecklenburg-Vorpommern zwei Wolfsrudel. In den vergangenen 15 Jahren konnten  Wölfe auch in allen anderen Flächen-Bundesländern nachgewiesen werden. Die Zählung funktioniert mit Hilfe von Fotofallen, DNA-Hinweisen nach Nutztierrissen oder eben tot aufgefundenen Tieren.

Fernsehtipp: „Wölfe im Visier“

planet e.: Wölfe im VisierAlles rund um das Thema Wolf bzw. Wölfe interessiert mich natürlich wegen meines Namens immer ganz besonders. Deshalb werde ich mir am kommenden Sonntag eine Sendung im ZDF anschauen, die sich mit dem Thema beschäftigt, und gleichzeitig wieder einmal einen Fernsehtipp an meine Leser weitergeben: Am Sonntag, 16. August, ist im ZDF um 14.45 Uhr die Dokumentation „Wölfe im Visier“ zu sehen. Darin folgt der  „planet e.“-Autor und Zoologe Axel Gomille Wölfen und Wolfsforschern, Kriminalbeamten und Pferdezüchtern, um eine Antwort auf die Frage zu finden, wie wir Menschen uns mit den Wölfen arrangieren können.

In Deutschland leben heute wieder rund 25 Wolfsrudel, Tendenz steigend. Sie kommen sogar bis vor die Tore von Großstädten wie Berlin oder Hamburg. Was Artenschützer freut, empfinden andere als große Gefahr. Und obwohl der Wolf als eine der seltensten Tierarten in der Europäischen Union streng geschützt ist, werden immer wieder Tiere illegal abgeschossen. Dabei kann der Abschuss eines Wolfs mit hohen Geldstrafen und sogar mit Gefängnis geahndet werden. Das scheint die „Wolfsjäger“ aber nicht abzuschrecken. So ermittelt zum Beispiel das Landeskriminalamt Sachsen derzeit gegen einen unbekannten Schützen, der im Frühjahr 2014 in der sächsischen Lausitz einen Wolf erlegte. Da es sich um den Vater eines Wolfsrudels handelte, war der Verlust besonders groß: Die Wolfsmutter konnte ihre Jungen nicht allein versorgen. So verendeten die Welpen über den Sommer schließlich. Vermutlich waren sie verhungert – eine Tragödie, die zeigt, wie durch einen einzigen Schuss eine ganze Tierfamilie ausgelöscht werden kann.

Ich glaube, die Sendung könnte spannend werden – und da es zumindest bei uns in Bayern am Wochenende einen Wettersturz geben soll, verpasst man draußen wohl auch nicht sehr viel.

Von wegen "Wolfserwartungsland"!

Es ist schon ein Trauerspiel. Da gilt eine Tierart – in diesem Fall der Wolf – ein Jahrhundert lang als bei uns ausgestorben, und wir haben das Glück, dass sie wiederkehrt. Und was machen wir daraus?  Wir fahren die wertvollen Tiere, über die wir uns freuen müssten, tot. 30 (!) von ihnen sind schon im Verkehr auf deutschen Straßen umgekommen, hat der Naturschutzbund NABU gezählt. Innerhalb nur einer Woche mussten jetzt drei Wölfe dran glauben: Einer wurde auf einer Bundesstraße im nördlichen Sachsen-Anhalt von einem Auto überfahren, einer auf dem Berliner Ring, und ein paar Tage vorher hat man einen in der Lausitz abgeschossen – unerlaubterweise. (Das Thema Wölfe hat ja auch der „Polizeiruf 110“ in der ARD am vergangenen Sonntag aufgegriffen – wie ich finde, ganz gut, auch wenn die gesamte Geschichte jetzt nicht so stringent war.) Dabei hatte es vor kurzem in Bayern noch geheißen, wir seien „Wolfserwartungsland“.

Ich weiß nicht – vielleicht liegt es ja an meinem Namen, dass mich das Schicksal von Wölfen besonders berührt. Aber selbst wenn man die Sache nüchterner betrachtet, muss man sich doch fragen: Wie intolerant und unachtsam sind wir Geschöpfen gegenüber geworden, die nicht in unser Schema vom braven oder süßen Haustier und vom scheuen Wild passen? Mag sein, dass der Wolf gefährlicher werden kann als andere Tiere, die bei uns in freier Wildbahn leben. Aber Jagd auf ihn zu machen, nur weil man argwöhnt, er könnte irgendwo ein Lamm reißen (für das es ja in der Regel eine Entschädigung gäbe)? Haben wir denn jeden Respekt vor einer seltenen Tierart verloren, bei der wir sozusagen noch einmal eine zweite Chance bekommen?

Vonseiten des NABU ist nach den Vorfällen der letzten Tage jedenfalls der Ruf nach einem „nationalen Wolf-Kompetenzzentrum“ laut geworden. Dort sollten deutschlandweit Daten zur Population der Wölfe bei uns erfasst und gesammelt sowie der Schutz der Tiere organisiert werden, fordern die Tierschützer. – Ich reagiere ja sonst auf das Wort „Kompetenz“ eher allergisch. Doch in diesem Fall ist es mir schnurzegal, wie das Ding heißt – Hauptsache, es bringt etwas!

Der Tod der alten Wölfin

Es ist immer eine traurige Angelegenheit, wenn in einem Zoo ein Tier eingeschläfert werden muss. Im Tierarten Nürnberg hat dieses Schicksal jetzt die alte Wölfin Cora ereilt, die in dem weitläufigen Gehege gleich neben den Außenanlagen des Raubtierhauses lebte. Vierzehn Jahre alt war sie, und ihr Partner ist bereits seit letztem Jahr tot.

Bei dem Wolfspaar handelte es sich um Iberische Wölfe, auch Spanische Wölfe genannt. Diese Art ist grau-braun gefärbt und im Vergleich zum Eurasischen Wolf, der sich seit einiger Zeit auch in Deutschland wieder ansiedelt, etwas kleiner und zierlicher. Die beiden Tiere waren im Jahr 2005 aus dem Allwetterzoo Münster nach Nürnberg umgezogen; die Wölfin kam im Zoo von Barcelona zur Welt. Sie war mittlerweile eine gebrechliche alte Dame und schon fast blind. Bis kurz vor ihrem Tod ging es ihr trotzdem den Umständen entsprechend gut, sie war auch einigermaßen über den Verlust ihres „Mannes“ hinweggekommen – soweit ihre Pfleger das beurteilen können. Doch das Tier wurde nach und nach immer schwächer, und leiden lassen wollte man es nicht – das hatten die Verantwortlichen im Tiergarten bereits vor einiger Zeit klipp und klar gesagt.

Damit das Wolfsgehege nicht leer steht und den Zoobesuchern jetzt in der Tiergarten-Hauptsaison etwas geboten werden kann, ist geplant, vorübergehend andere Tiere dort unterzubringen – man weiß aber noch nicht, welche.

Höchster Schutz für Wölfe

Passend zum Wochenende – und zum Titel meines Blogs! – eine positive Meldung: Wölfe genießen in Europa weiterhin höchsten Schutz nach dem Berner Artenschutzabkommen, das 1979 abgeschlossen wurde und Hunderte von Tier- und Pflanzenarten in Europa schützt. Demnach gelten Wölfe als „besonders gefährdet“. Im Europarat in Straßburg wurde jetzt schon zum vierten Mal einen Antrag der Schweiz abgelehnt, mit dem das Land ein Recht auf den Abschuss von Wölfen erreichen wollte.

Umweltschutzorganisationen haben die Schweiz deswegen immer wieder kritisiert. Schließlich lebt dort nur etwa ein Dutzend Wölfe. Das Parlament der Eidgenossenschaft dagegen wollte sogar aus der Artenschutzkonvention austreten, falls der Antrag auf das Jagdrecht wieder nicht durchkommt. Die Schweiz hat sich in ihrem Antrag auf einen Artikel in dem Artenschutzabkommen berufen, der den Abschuss von Wölfen zulässt, wenn diese andere Tierarten gefährden. Doch die Experten im Europarat halten diese Voraussetzung bei den wenigen in der Schweiz ansässigen Wölfen für nicht gegeben.

Wer sich für Zahlen interessiert: Der WWF beziffert die Anzahl der in Europa (einschließlich Russland) frei lebenden Wölfe auf 18 000; rund 2000 sind es in Spanien, ein paar Hundert in Polen, den Ländern des Baltikums und in Italien, auf rund sechzig  wird die Anzahl in den französischen Alpen beziffert. Auch in Deutschland haben sich wieder einige Rudel angesiedelt, hauptsächlich in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. In Sachsen dürfen Einzeltiere in Ausnahmefällen mit Genehmigung des Umweltministeriums abgeschossen werden.

Der Wolf kann mal durchschnaufen!

Es ist ein Streitthema, das wir wohl nicht so schnell vom Tisch kriegen werden: die Wolfsjagd in Schweden. Im letzten Winter hatte sie ja zu heftigen Diskussionen in Schweden selbst – aber auch international und sogar in meinem Blog – geführt.

Gerade haben wir zwar noch (oder besser gesagt: endlich) Sommer, aber der nächste Winter wirft im wahrsten Sinne des Wortes schon seine Schatten voraus. Was die Wolfsjagd in Schweden angeht, zeichnet sich allerdings ein unerwarteter Lichtblick ab: Im kommenden Winter soll es dort nichts werden mit der Hatz auf diese faszinierenden Tiere, die für mich als Namensvetterin natürlich etwas ganz Besonderes sind. Die schwedische Regierung will diesmal keine Jagdlizenzen für Wölfe ausgeben.

Dazu hat man sich offenbar entschlossen, um eine Klage der Europäischen Kommission in Brüssel zu vereiteln, über die ich hier auch schon berichtet habe: So sollte ein Jagdverbot gerichtlich erzwungen werden. In Schweden möchte man aber anscheinend keinen endlosen Prozess führen, den die Skandinavier letztlich wohl doch verlieren würden. Die EU-Kommission hält die Freigabe der Wolfsjagd für rechtswidrig, denn die Wölfe drohen dort auszusterben.

Wer in Schweden seine Macht gern durch Herumballern und Abknallen hilfloser Tiere beweist, hat im Winter 2011/12 also zumindest in Bezug auf Wölfe schlechte Karten. Allerdings soll es eine Ausnahme geben: Wenn Wölfe dem Vieh von Bauern zu gefährlich werden, dürfen sie abgeschossen werden. Ich bin gespannt, wie man das kontrollieren will. Schließlich kann ja jeder relativ leicht behaupten, dass der Wolf sein Vieh bedroht – das Gegenteil lässt sich dagegen schwer beweisen. Ob und wie eine von der EU geplante Kommission zur Beobachtung des Wolfbestands in Schweden solche Gratwanderungen meistert, bleibt abzuwarten.

Nach zwei Wolfsjagd-Wintern in Schweden dürfen also die Wölfe selbst – aber auch die Tierfreunde dieser Welt – zumindest mal durchatmen. Ich frage mich sowieso, was 200 freilebende Wölfe in einem so riesigen Land für eine Gefahr darstellen sollen und was es den Schweden gebracht hat, in zwei Wintern jeweils ungefähr 20 dieser Tiere abzuschießen. Zu denken gibt mir außerdem, dass sich beim letzten Mal Tausende von Jägern regelrecht um eine Lizenz zum Töten gerissen haben. Sie dürften kaum zur Flinte gegriffen haben, nur um die Gafahr der Inzucht bei dem relativ kleinen schwedischen Wolfsstamm zu bannen. Das wird von den  Befürwortern der Wolfsjagd nämlich gern als Argument für die Jagd vorgeschoben.

Jetzt jagen die Schweden Luchse

Vor ein paar Wochen hat es die Wölfe getroffen – jetzt sind einen Monat lang die Luchse dran: In Schweden hat offiziell die Jagd auf Luchse begonnen. 110 Tiere wurden zum Abschuss freigegeben. Und schon in den ersten Stunden nach Jagdbeginn fiel das erste Tier im Bezirk Västmanland einem Jäger zum Opfer.

Wie schon die Wolfsjagd führt auch die Jagd auf Luchse in Schweden wieder zu erbitterten Auseinandersetzungen zwischen Tier- und Naturschützern auf der einen Seite und Jägern und Bauern auf der anderen. Die Freizeitjäger sind ganz besonders wild auf die Luchse: 10 000 (!) haben sich zur Luchsjagd angemeldet. Dabei gehen Schätzungen davon aus, dass in Schweden gerade mal 1250 Luchse leben – der Bestand war zuletzt rückläufig. Deshalb haben die Behörden auch die Jagdquote heruntergesetzt: Letztes Jahr durften noch 209 Luchse abgeschossen werden. Jäger und Bauern hatten  für dieses Jahr höhere Jagdquoten gefordert. Ihr Argument: Die Luchse würden Rentiere, Rotwild und auch Haustiere anfallen.

Schweden bekriegen sich wegen Wolfsjagd

urn:newsml:dpa.com:20090101:110112-99-09308Schweden teilt sich ab sofort wieder in zwei Lager: Dort fällt am 15. Januar der Startschuss für die diesjährige Wolfsjagd – und dieses Ereignis führt dazu, dass Gegner und Befürworter der Jagd sich gegenseitig bekriegen. Im vergangenen Jahr hatten die schwedischen Behörden zum ersten Mal seit über 40 Jahren die Jagd auf Wölfe wieder erlaubt. Das war als zu großes Zugeständnis an die Jägerlobby kritisiert worden. In diesem Jahr dürfen bis Ende Februar von den gut 200 in Schweden lebenden Wölfen 20 abgeschossen werden.

Jäger, die an der Jagd teilnehmen wollen, bekommen in diesen Tagen Morddrohungen. Die Gegner der Jagd kündigen in den Medien Sabotageakte an und wollen sich Jägern in den Weg stellen. In der Bevölkerung gibt es aber auch Stimmen, denen die Quote der zur Jagd freigegebenen Wölfe viel zu niedrig ist. Sie meinen, dass alle, die den kompletten Schutz der Wölfe fordern, nie mit den Gefahren konfrontiert werden, die von den Wölfen ausgehen: Angeblich gefährden die Wölfe den Bestand von alten Kuh- und Schafrassen. Der Jägerverband tritt ebenfalls für eine höhere Abschussquote ein. Er empfindet die Wölfe außerdem als Konkurrenten bei der in Schweden beliebten Elchsjagd und beklagt, dass Wölfe immer wieder auch Jagdhunde reißen würden.

Die Behörden stehen auf dem Standpunkt, dass bei 20 zur Jagd freigegebenen Tieren der in Schweden lebende Wolfsstamm nicht gefährdet ist. Sie kündigen außerdem an, dass Wölfe aus Finnland und Russland eingeführt werden sollen, damit es nicht zu Inzucht kommt.

Allerdings sind die Behörden bisher machtlos gegen die illegale Wilderei, der jedes Jahr bis zu 35 Wölfe zum Opfer fallen. Tierschützer kritisieren, dass die Täter praktisch nie gefasst werden, und fordern schärfere Gesetze. Die werden von Politikern immer wieder angekündigt – doch bisher ist nichts in dieser Richtung passiert. Kommt man also den Jägern doch ein Stück zu weit entgegen?