Knut als Klettergerät

Wir Nürnberger hatten unsere Flocke und haben Knut immer skeptisch gegenübergestanden. Viel zu viel Aufhebens haben sie um den Berliner Eisbären gemacht –  genauso wie um seinen Pfleger Thomas Dörflein. Unserer mittelfränkischen Mentalität entspricht das gar nicht, und so hat man im Nürnberger Tiergarten das Eisbären-Rührstück um Flocke auch zurückhaltender gehandhabt als die Berliner ihres um Knut.  Das hat sich allerdings auch bei der Vermarktung des süßen Tierbabys bemerkbar gemacht: Von den Millionen, die der Berliner Zoo mit Knut eingefahren hat, kann der Tiergarten nur träumen.

Doch Knut und Thomas Dörflein sind mittlerweile tot, während unsere Flocke noch lebt – wenn auch nicht am Schmausenbuck, sondern im fernen Antibes an der Côte d´Azur -, und alle vier Ziehmütter und -väter von Flocke erfreuen sich ebenfalls bester Gesundheit. Wir hatten in Nürnberg inzwischen sogar wieder Eisbärennachwuchs, der aber, weil er auf natürliche Weise von seiner Mutter großgezogen wurde, kein großes überregionales Interesse bei den Medien gefunden hat.

In Berlin aber geht der Knut-Hype weiter. Zunächst stritt man sich darüber, ob der eisbärige Superstar ausgestopft werden sollte oder nicht,  nun hat man sich endlich auf ein Denkmal für Knut geeinigt. Und da kommt wieder Nürnberg ins Spiel – zwar nicht der Tiergarten oder seine Eisbären, aber ein in Nürnberg lebender Künstler:  der Bildhauer Josef Tabachnyk. Für alle Nürnberger unter meinen Lesern: Von diesem Künstler stammt zum Beispiel auch die Willy-Brandt-Skulptur auf dem gleichnamigen Platz in Nürnberg. Heute hat Tabachnyk das Modell für das Knut-Denkmal in die Kameras halten dürfen. Es zeigt einen schlafenden kleinen Eisbären auf einem Felsen. Im Sommer soll die Bronzeskulptur am Bärenfelsen im Berliner Zoo aufgestellt werden. Laut Zoodirektion soll das Denkmal nicht dem Totengedenken dienen, sondern eine Art Spielgerät für Kinder werden, die darauf herumklettern dürfen. Immerhin 15 000 Euro wird das Ding kosten; dem Zoo-Förderverein fehlen derzeit noch 5000 Euro dafür.

 

 

Und so gehen die Geschichten weiter

Uns Journalisten wird ja oft vorgeworfen, wir würden Geschichten nur kurz aufgreifen und dann wieder fallenlassen. Das möchte ich – wenn möglich – in meinem Blog nicht tun. Deshalb heute zwei Nachträge zu meinen letzten beiden Beiträgen über Knut und die Kobra im Bronx-Zoo.

Dass Knut an einem Gehirndefekt starb, stimmt zwar. Inzwischen haben aber die Tierärzte, die an der Obduktion des berühmten Berliner Eisbären beteiligt waren, die Todesursache noch etwas präziser beschrieben. Demnach hat Knut vor seinem plötzlichen Tod bereits wochenlang – vielleicht sogar seit Monaten – an einer Gehirnentzündung gelitten. Zu dieser Entzündung, so haben die Veterinäre herausgefunden, ist es durch eine Virusinfektion gekommen. Auch das Rückenmark war davon betroffen, und man stellte fest, dass es innere Blutungen gegeben hat. Nach dem Erreger dieser Infektion sucht man noch. Die Gehirnentzündung soll so schlimm gewesen sein, dass sie tödlich für Knut enden musste. Außerdem waren die Hirnwasserkammern erweitert und Nervenwasser konnte nicht richtig abfließen.

Nun zur twitternden Kobra in New York, die im Bronx-Zoo verschwunden war. Es handelt sich um eine Uräusschlange, die inzwischen wieder aufgetaucht ist. Und zwar im Reptilienhaus selbst, wo sie sich gut versteckt hatte. Für die Menschen in New York bestand also keine Gefahr, denn Zoo-Mitarbeiter hatten das Reptilienhaus sofort geschlossen, als sie merkten, dass sich die Schlange nicht mehr in ihrem Terrarium befand. Dieses Gebäude bietet offenbar geradezu ideale Voraussetzungen für ein sicheres Versteck: Es ist verwinkelt und sehr unübersichtlich durch die vielen Pumpen und Rohre, die zur Haustechnik gehören. Die Schlange war während ihrer „Flucht“ zum Twitter-Star geworden. Zuletzt verfolgten 200 000 „Follower“, was die Schlange erlebte und wo sie sich angeblich gerade aufhielt. Welcher menschliche „Ghostwriter“ sich für das Tier auf Twitter austobte, bleibt weiter ein Rätsel.

Flocke hat Geburtstag!

Flocke_091209_2Happy Birthday, Flocke!!

Das Eisbären-Mädchen im Nürnberger Tiergarten wird heute, am 11. Dezember, zwei Jahre alt. Die Tiergartenleitung will auch in diesem Jahr kein Brimborium um Flockes Geburtstag machen. Ich finde das o.k. Es ist einfach nicht angemessen, Zootiere so zu vermenschlichen, dass man ihren Geburtstag feiert. Und der Wirbel um Flocke hat sich ja auch längst gelegt.

Ganz anders läuft es nach wie vor im Berliner Zoo. Da wurde vor einigen Tagen – genauer: am 5. Dezember – Eisbär Knut drei Jahre alt. Dieses Ereignis wurde mediengerecht inszeniert: Hunderte von Zoobesuchern standen vor Knuts Gehege und jubelten, als der Eisbär seine „Geburtstagstorte“ überreicht bekam: Einen mit Obst und Gemüse gefüllten Eisblock, wie ihn Flocke, aber auch Rasputin oder Vera in Nürnberg als Leckerbissen zwischendurch auch immer wieder mal bekommen – allerdings steckten bei Knut noch drei Fische als „Geburtstagskerzen“ obendrauf. Außerdem gab es für Knut ein Brot, das in Form einer Drei gebacken war, und einen Jutesack, auf den eine Drei gestickt war, mit dem Knut übermütig umhertollte. Die Feier wurde musikalisch vom Fanclub „Knut forever“ abgerundet: Der schmetterte ein Geburtstagsständchen.

Eine Eisbombe gibt es in Nürnberg für Flocke an ihrem zweiten Geburtstag vielleicht auch, aber die wird dann einfach im Rahmen der täglichen Fütterung der Eisbären ins Wasserbecken geworfen. Bestimmt denken alle Tiergarten-Mitarbeiter an diesem Tag auch mehr als sonst an die Zeit zurück, als Flocke ein kleines hilfloses weißes Fellbündel war und den Nürnberger Tiergarten in der ganzen Welt berühmt gemacht hat.

Inzwischen ist im Aquapark des Tiergartens längst wieder Normalität eingekehrt. Die Besucher freuen sich an Flocke und ihrem Spielgefährten Rasputin, aber ebenso auch an Flockes Mutter Vera. Es gibt zum Glück keinen solchen Trubel wie um Knut. Außerdem müssen wir uns langsam an den Gedanken gewöhnen, dass Flocke zusammen mit Rasputin Nürnberg bald in Richtung Südfrankreich verlässt- ich habe es hier ja schon berichtet.

In der Lokalredaktion der NZ haben uns einige Briefe von Leuten erreicht, die überhaupt nicht verstehen, dass die Tiergartenleitung Flocke an einen anderen Zoo abgibt. Sie haben Flocke und auch Rasputin einfach zu sehr ins Herz geschlossen. Allerdings war bei Rasputin von Anfang an klar, dass er nur vorübergehend in Nürnberg untergebracht wird, um Flocke Gesellschaft zu leisten, damit sie gemeinsam mit einem Artgenossen aufwachsen kann. Bei Flocke hat die Zoodirektion immer betont,  sie werde unter Umständen nicht immer am Schmausenbuck bleiben. Nachdem sie sich jetzt mit Rasputin so gut versteht, wäre es sicher viel schlimmer für sie, wenn nur Rasputin nach Antibes ginge und sie allein zurückbliebe.

Also wünschen wir Flocke lieber, dass aus den beiden Spielgefährten Flocke und Rasputin eines Tages ein Eisbären-Paar wird, das selbst niedliche Eisbären-Babys bekommt. Und wir wünschen Flockes Mutter Vera, dass beim nächsten Mal alles klappt, wenn sie wieder Nachwuchs hat. Dann wäre für uns Besucher der Verlust von Flocke gleich viel leichter zu verschmerzen.

"Latin Lover" für Eisbär Knut?

Na endlich: Der Berliner Eisbärstar Knut soll nicht länger allein sein. Zwar machen der Berliner Zoo und der Müncher Tierpark Hellabrunn noch ein großes Geheimnis darum, aber es scheint festzustehen, dass eine knapp drei Jahre alte Eisbärin namens „Gianna“ aus München – hier im Bild zu sehen – Gefährtin von Knut werden soll.

Hintergrund ist offenbar, dass ab September im Tierpark Hellabrunn das Eisbärengehege umgebaut werden muss und deshalb ein Ausweichquartier für Gianna gesucht wird.  Gianna lebte in letzter Zeit mit der Eisbären-Dame Lisa zusammen, nachdem sie sich mit dem männlichen Eisbären Yoghi einfach nicht verstanden hatte.

Gianna wurde im November 2006 im Zoo von Pistoia (Italien) geboren. Ihren Namen hat sie nach der italienischen Sängerin Gianna Nannini erhalten. – Bekommt Knut also nun die weibliche Version eines „Latin Lover“?

Knut: "Ich bin ein Berliner!"

Nach langem Gezerre ist der Streit um den Berliner Eisbärstar Knut nun vor Gericht  zu Ende gegangen. Es gab folgende Einigung: Der Berliner Zoo zahlt 430 000 Euro an den Zoo Neumünster für die Abtretung der Besitzrechte an Knut, und zwar in drei Raten – sofort 350 000 Euro, zwei weitere Raten von 40 000 Euro folgen in den Jahren 2010 und 2011. Dafür kann Knut jetzt ab sofort mit Fug und Recht von sich sagen: „Ich bin ein Berliner!“

Der Zoo Neumünster hatte Knut für sich reklamiert, weil er Knuts Vater Lars einst den Berlinern zum Decken von Knuts Mutter Tosca ausgeliehen hatte. Mit den jetzigen Urteil sind alle möglichen Ansprüche im Zusammenhang mit dem Eisbärstar abgegeolten. Laut Gericht muss der Berliner Zoo die Kollegen in Schleswig-Holstein  außerdem stets über Knuts Entwicklung auf dem Laufenden halten.

Ursprünglich hatten die Berliner nicht mehr als 350 000 Euro zahlen wollen, Neumünster hatte eigentlich auf 700 000 Euro beharrt.