Freud´ und Leid bei Nürnberger Affen

Da habe ich gerade erst vor zwei Tagen noch geschrieben, derzeit komme eine gute Nachricht nach der anderen aus dem Tiergarten Nürnberg. Und jetzt das: Heute musste das 46-jährige Gorillaweibchen Bianca (Foto: Tiergarten Nünberg), die viertälteste von insgesamt 240 in Europa lebenden Gorilladamen, eingeschläfert werden. Und das wiederum wenige Tage, nachdem die Damengruppe am Schmausenbuck mit dem Silberrücken Thomas einen neuen Chef bekommen hat – was ja auch eine gute Nachricht war. Heute zeigte sich aber, wie nah beieinander Trauer und Freude in einem Zoo liegen können. Denn kurz bevor die Meldung über Biancas Tod die Runde machte, hatte es frohe Kunde aus diesem Zoologischen Garten gegeben: Bei den Weißgesichtssakis erblickte Anfang der Woche ein Junges das Licht der Welt.

Fangen wir ausnahmsweise mit der traurigen Nachricht an – schon um der verstorbenen Gorilladame die ihr gebührende Ehre zu erweisen. Ihr Zustand hatte sich in den vergangenen Tagen zusehends verschlechtert. Bianca war seit einigen Jahren immer wieder in tierärztlicher Behandlung, seit fast zwei Jahren bekam sie Schmerztherapien wegen der altersbedingten Veränderungen ihres Bewegungsapparats. Vor einem halben Jahr  musste sie sich wegen Zahnproblemen einer Röntgenuntersuchung unterziehen, danach war eine Behandlung mit Antibiotika notwendig. Zwei Tage vor der Ankunft des neuen Gorillamanns Thomas diagnostizierten die Tierärzte bei Bianca eine deutliche Verschlechterung. Sie weigerte sich außerdem, Nahrung und Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Deshalb wurde sie zunächst von der Gruppe getrennt, in Narkose gelegt und mit Ultraschall untersucht. Das gab allerdings auch keinen Aufschluss über weitere Erkrankungen.

Die 1972 geborene Bianca kam 1973 als Einjährige aus Afrika zur Handaufzucht in den Tierpark Berlin. Nach Zwischenstationen in Rotterdam und Amsterdam, wo die Zucht nicht funktionierte, wurde Bianca im November 1992 in den Loro Parque auf Teneriffa abgegeben. Eine Vergesellschaftung mit dem damals neunjährigen Yaounde klappte weder dort noch – nach dem Umzug der beiden im Jahr 1997 – in der neu gestalteten Gorillaanlage des Nürnberger Tiergartens. Während Yaounde ein Jahr später nach Romagne (Frankreich) abgegeben wurde  – dort wurde er übrigens mehrfach Vater -, wurde aus Bianca, ihrer Artgenossin Lena, dem Silberrücken Fritz und dessen damaliger Partnerin Delphi eine neue Gruppe zusammengestellt. Im Lauf der Zeit integrierten sich zwei jüngere Weibchen – Louna und Habibu – erfolgreich, Hakuna Matata dagegen musste den Harem um Fritz wieder verlassen, weil es ständig zu Auseinandersetzungen mit ihr kam.

Nun zum Nachwuchs der Weißgesichtssakis im Naturkundehaus des Tiergartens: Das Kleine kam am Montag zur Welt. Seine Mutter ist die fünfjährige Marilia, die sich vorbildlich um ihr Baby kümmert (Foto: Tiergarten Nürnberg). Sie hat darin Erfahrung, weil sie mit ihrem Partner Kwinti schon in Chester ein Jungtier hatte und es auch aufzog. Mit diesem Kleinen kam das Paar im März dieses Jahres nach Nürnberg. Der zehnjährige Kwinti wurde im Park „La Vallée des Singes“ in  Romagne geboren und zog 2012 nach Chester um.

Babyboom bei den Flamingos

Und noch eine gute Nachricht aus dem Nürnberger Tiergarten: In diesem Jahr hat es wieder einmal mit der Nachzucht von Flamingos geklappt. Am Schmausenbuck werden zwei Arten gehalten: Chilenische und Rote Flamingos. Insgesamt sind in diesem Sommer neun Jungvögel geschlüpft – acht bei den Chilenischen Flamingos, einer bei den Roten Flamingos. Auf dem Foto sieht man sehr gut, wie sich der Nachwuchs von den ausgewachsenen Flamingos unterscheidet: Das Federkleid ist bei den Jungen noch grau gefärbt (Foto: Eduard Weigert). Das charakteristische Flamingo-Rosa entwickelt sich erst mit der Zeit durch entsprechende Nahrung, die dafür vor allem karotinhaltig sein muss. Derzeit leben am Stelzvogelweiher des Tiergartens zehn männliche und 16 weibliche erwachsene Rote Flamingos, außerdem 15 männliche und 19 weibliche Chilenische.

Die Flamingohaltung hat in Nürnberg eine lange Tradition, denn schon im Alten Tiergarten im Luitpoldhain gab es seit 1929 Rote Flamingos. Nach dem Umzug des Zoos an den Schmausenbuck im Jahr 1939 kamen Chilenische Flamingos hinzu. Seit fast 80 Jahren haben die Stelzvögel ihr angestammtes Revier am Vorderen Weiher des Tiergartens. Aber erst 1978 funktionierte dort die Aufzucht des ersten Roten Flamingos, ein Jahr später folgte der erste Chilenische. Bei Flamingos schlüpfen in Nürnberg längst nicht jedes Jahr Küken. Warum das so ist, kann niemand genau sagen. Offenbar hat aber der lange, heiße Sommer heuer die Fortpflanzung dieser Vögel begünstigt. Und weil das Wetter jetzt ja immer noch außerordentlich mild ist, sollte jeder, der es möglich machen kann, dem Tiergarten einen Besuch abstatten und das strahlende Rosa der Flamingos in der Herbstsonne bewundern.

Aarany und Subali sollen zum Artenschutz beitragen

Der neue Gorillamann Thomas im Nürnberger Tiergarten hat in den vergangenen Tagen zwei anderen Tieren die Show gestohlen, die ebenfalls in diesem Jahr als Neulinge in den Zoo am Schmausenbuck gekommen sind: die beiden Löwen, nämlich die Katze Aarany und der Kater Subali (Foto: Tiergarten Nürnberg). Aarany lebt seit Mai dieses Jahres in Nürnberg, Subali kam im August. In den ersten Monaten wurden sie voneinander getrennt gehalten, kürzlich durften sie sich in der Außenanlage beim Raubtierhaus zum ersten Mal beschnuppern. Und fanden offenbar Gefallen aneinander: Bis auf kleine Rangeleien, die dazu dienen, die Rangordnung zu klären, gab es keine Probleme. Nun bleibt abzuwarten, ob aus den beiden ein Zuchtpaar wird.

Ihre Vorgänger in Nürnberg waren Thar und Keera. Dieses Duo konnte aus Altersgründen längst nicht mehr für Nachwuchs sorgen. (Für mich ist es gefühlt eine Ewigkeit her, seit die letzten Löwenbabys in Nürnberg zur Welt kamen.) Die Zooleitung hatte sich dafür entschieden, dass Thar und Keera im Tiergarten ihr Gnadenbrot erhalten und bis zu ihrem Tod im Innen- und Außengehege für Löwen bleiben dürfen. Im Februar dieses Jahres starb erst Thar, seine Partnerin dann im Juli.

Im Nürnberger Tiergarten werden seit Jahrzehnten Asiatische Löwen gehalten. Diese Unterart war infolge starker Bejagung Anfang des 20. Jahrhunderts schon fast ausgerottet. Nachdem sie unter Schutz gestellt wurden, ein Jagdverbot in Kraft trat und in den 1960er Jahren ein Nationalpark eingerichtet wurde, konnte die Art gerade noch gerettet werden. Aber aufgrund des geringen Bestands ging die genetische Vielfalt verloren, es kam auch zu Inzuchten. Die heute in Zoologischen Gärten lebenden Asiatischen Löwen gehen auf zwei Paare zurück, mit denen ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm aufgebaut wurde. Der Fortbestand der Asiatischen Löwen ist nach wie vor gefährdet, sie stehen auf der Roten Liste vom Aussterben bedrohter Tierarten.

Umso wichtiger wäre Nachwuchs im Tiergarten Nürnberg. Natürlich sind Löwenbabys auch ein Publikumsmagnet, aber der Artenschutz dieser Tiere ist für den Zoo noch wichtiger. Hoffen wir also, dass Aarany und Subali ihren Teil dazu beitragen!

Kürbissafari im Tiergarten

Heute mal wieder ein Veranstaltungstipp von mir. Der 31. Oktober und damit Halloween naht unaufhaltsam. Aus diesem Anlass bieten ja auch immer mehr Zoos spezielle Veranstaltungen an. Im Nürnberger Tiergarten gibt es aber keine Grusel-Party, sondern eine Kürbissafari. Sie steht unter dem Motto: „Such und schätz!“ Und das funktioniert so: Erst muss man im Tiergarten eine Kürbis-Pyramide finden, dann die Zahl der aufgetürmten Kürbisse schätzen.

Wer richtig liegt, nimmt an einer Verlosung teil. Es gibt Preise wie zum Beispiel Eintrittskarten in den Tiergarten zu gewinnen, auch Lebkuchendosen in Form einer Litfaßsäule und Lupenkarten werden verlost. – Das Foto entstand im Herbst vergangenen Jahres: Panzernashorndame Sofie lässt sich Kürbisse schmecken, die nach dem letztjährigen Kürbisfest an die Zootiere verfüttert wurden (Foto: Tiergarten Nürnberg).

Der Nachfolger von Fritz heißt Thomas

Die Gorilladamen im Tiergarten Nürnberg haben wieder einen männlichen Anführer: Als Nachfolger für den im Sommer verstorbenen, hochbetagten Fritz ist Gorillamann Thomas am Schmausenbuck eingetroffen (Foto: Tiergarten Nürnberg). Der männliche Flachlandgorilla erblickte am 29. Dezember 2002 im Zoo von Rotterdam das Licht der Welt und ist dort in einer großen Gorillagruppe aufgewachsen. Im Alter von sechs Jahren übersiedelte er in eine Gorilla-Junggesellengruppe in den spanischen „Bioparc Valencia“.

Die Tierrechtsaktivisten von Peta werden sicher gleich wieder ihren Protest in Form einer Massenmail an die Medien kundtun. Sie hatten ja vor ein paar Wochen schon den Nürnberger Tiergarten dazu aufgefordert, seine Gorillahaltung einzustellen. Jetzt werden sie wohl auch den langen, anstrengenden Transport von der Iberischen Halbinsel nach Nürnberg anprangern, den der Silberrücken offenbar gut bewältigt hat: Thomas hielt nach seiner Ankunft erst einmal ein Schläfchen. Wenige Stunden später erkundete er dann die Innenbereiche und Außenkäfige der Gorilla-Anlage im Tiergarten.

Bald nahm er durch die Scheiben einen ersten Kontakt zu den vier Nürnberger Weibchen auf  – auf dem Bild begutachtet Habibu (hinter der Trennscheibe) ihren neuen „Chef“ (Foto: Tiergarten Nürnberg). Die Chemie zwischen ihm und seinen künftigen Partnerinnen scheint zu stimmen, so dass die Tierpflleger bald die Schieber öffneten, um die Tiere zusammenzulassen. Der stellvertretende Direktor des Tiergartens, Helmut Mägdefrau, beschreibt diesen Augenblick so: „Souverän stellte Thomas seine imposante Erscheinung zur Schau und ließ sich von den Weibchen nicht provozieren.“ Thomas werde sicher ein würdiger Nachfolger für Fritz sein. – Mal sehen, ob es auch mit der Zucht klappt. Thomas ist ja sozusagen im besten Mannesalter.

Zoobesucher können Thomas allerdings vorerst noch nicht bewundern. Denn das Affenhaus bleibt vorübergehend geschlossen, um den Gorillas die zur Ein- und Umgewöhnung notwendige Ruhe zu gönnen. Der Tiergarten wird auf seiner Homepage über Neuigkeiten und Öffnung des Affenhauses informieren.

PETA lernt nichts dazu!

Das war ja nicht anders zu erwarten: Nach dem Tod zweier „Senioren“ im Tiergarten Nürnberg vor ein paar Wochen – Gorilla Fritz und der Große Tümmler Moby (Foto: Timm Schamberger, dpa) sind beide im September gestorben – treten nun wieder die Tierrechtler auf den Plan. Was sie fordern, ist allerdings keine große Überraschung: Der Tiergarten soll die Haltung von Gorillas, anderen Menschenaffen  und Delfinen einstellen. (Anmerkung meinerseits: Der Tiergarten hält gar keine anderen Menschenaffen mehr als Gorillas – aber so genau braucht man sich bei PETA wohl nicht zu informieren.)

PETA hat dazu eine Massenmail verschickt. Darin wird kritisiert, dass die Zooleitung einen neuen Haremsführer für die Gorilladamen sucht. (Anmerkungen meinerseits: Der Tiergarten hält dafür über das EEP in anderen Zoos nach einem geeigneten Silberrücken Ausschau. Und für Delfinmann Moby wird in nächster Zeit kein weiterer Bulle nach Nürnberg kommen, solange die leckende Delfinlagune saniert wird.) PETA plädiert dafür, lieber den natürlichen Lebensraum der Tiere zu erhalten, um diese Arten effektiv zu schützen, statt „Menschenaffen und Delfine einzusperren und zur Schau zu stellen“. Das sei mit dem heutigen Wissen über diese Arten nicht zu vereinbaren. „Tiere werden wie Gefängnisinsassen zwischen den Zoos hin- und hergeschoben“, kritisiert die Tierrechtsorganisation in der erwähnten Mail.

Nun ist ja nichts dagegen einzuwenden, die natürlichen Lebensräume von Tieren zu schützen. Zoos haben darauf zwar nur bedingt Einfluss, beteiligen sich aber an unterschiedlichen Naturschutzprojekten. Der Tiergarten Nürnberg zum Beispiel  tut dafür einiges durch Yaqu Pacha, die im Tiergarten beheimatete Gesellschaft zum Schutz wasserlebender Säugetierarten Südamerikas. Das erwähnt PETA vorsichtshalber nicht in Veröffentlichungen wie der neuesten Massenmail.

Und dann kommt wieder einmal die alte PETA-Leier: Gorillas, Schimpansen und Orang-Utans seien „dem Menschen derart ähnlich“, dass sie „die Ausweglosigkeit ihrer Situation in Gefangenschaft erkennen“. Die intelligenten Tiere, so heißt es weiter, seien durchaus fähig, „Zustände wie Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit“ zu verspüren. Da frage ich mich schon: Wurden Fritz und Moby aus reiner Verzweiflung so alt? Hat Moby aus Hoffnungslosigkeit heraus für Nachkommen gesorgt, die ihrerseits schon wieder Junge haben?

Einen äußerst fundierten Beitrag über das Verhältnis von Menschen zu „intelligenten“ Tieren hat übrigens der Biologe Benjamin Schulz verfasst, den ich zur Lektüre nur empfehlen kann; Ihr findet ihn hier.

Mini-Mini-Pigs

Kaum bin ich im Langlauf-Urlaub, da gibt es supersüßen Nachwuchs im Nürnberger Tiergarten, und zwar bei den Minischweinen. Gleich 15 Mini-Mini-Pigs haben dort das Licht der Welt erblickt. Im englischen Sprachraum nennt man sie auch „Teacup Pigs“ – daher das Fotomotiv (Foto: Tiergarten Nürnberg).  Die Ferkelchen sind kaum größer als eine Teetasse. Weil sie gar so niedlich sind, sind die Tiere auch als Haustiere beliebt. In letzter Zeit hat es einen regelrechten Minipig-Boom gegeben. Wer Minipigs bei sich zu Hause halten will, muss für die intelligenten, sozialen Tiere ein großes Außengehege mit verschieden strukturiertem Boden und Schattenplätzen zur Verfügung haben, und sie müssen unbedingt in einer Gruppe gehalten werden. So klein wie auf dem Foto bleiben die Ferkel natürlich nicht – je nach Zuchtlinie können ausgewachsene Minipigs bis zu 60 Kilogramm schwer werden.

Sie ist das Zootier des Jahres 2018

Sie ist zum „Zootier des Jahres 2018“ auserkoren worden: die Scharnierschildkröte (Foto: P. Widmann). Damit soll auf die Bedrohung ihrer Bestände in freier Wildbahn aufmerksam gemacht werden. Diesen Schildkröten machen mehrere, von Menschen herbeigeführte, Probleme zu schaffen: der internationale Wildtierhandel, die Nutzung als Nahrungsmittel oder für die Traditionelle Chinesische Medizin und die Reduzierung ihres Lebensraumes. Die Scharnierschildkröten zählen mittlerweile zu den am stärksten bedrohten Wirbeltiergruppen überhaupt. Es ist ein Teufelskreis: Einige der asiatischen Arten (insgesamt gibt es 13 Arten dieser Schildkröte) sind schon so gut wie ausgerottet, und je seltener die Tiere werden, desto höhere Preise werden für sie auf dem Markt bezahlt.

Die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP),  die Deutsche Tierpark-Gesellschaft (DTG), der Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) und die Gemeinschaft der Zooförderer (GDZ) wollen in den kommenden Monaten zwei Projekte finanziell unterstützen, die den Erhalt der Scharnierschildkröten zum Ziel haben.

Eines davon ist das Internationale Zentrum für Schildkrötenschutz (IZS), angesiedelt im Allwetterzoo Münster. Seit 2003 züchtet das IZS neun Scharnierschildkrötenarten und kann besonders bei der Zhous-Scharnierschildkröte Erfolge verbuchen: 70 Prozent des derzeit bekannten Weltbestandes wurden in Münster geboren. Das IZS gibt Tiere aus diesem Nachwuchs weiter, ebenso wie die Erfahrungen, die bei der Zucht gemacht wurden.

Das Angkor Centre for Conservation of Biodiversity (ACCB) in Kambodscha ist das zweite unterstütze Programm und hat den Vorteil, direkt vor Ort angesiedelt zu sein. Das Zentrum hat unter naturnahen Bedingungen schon über 100 Jungtiere der Amboina-Scharnierschildkröte erfolgreich gezüchtet, die nun in einem geschützten Gebiet ausgewildert werden sollen. Die Unterstützung durch die Mittel aus der Kampagne „Zootier des Jahres“ soll für möglichst gute Erhaltungsbedingungen sorgen und das anschließende Erfolgs-Monitoring sichern. Im vergangenen Jahr kam immerhin ein mittlerer fünfstelliger Euro-Betrag durch die Partner der Kampagne zustande. Hoffen wir, dass das heuer mindestens genauso viel wird!

Tiergarten ist und bleibt ein Besuchermagnet

Da werden alle Zoo-Gegner wieder mal eines Besseren belehrt – Zoos sind kein Auslaufmodell, wie sie es gern hätten: Der Tiergarten Nürnberg konnte bei seinem Rücklick auf das vergangene Jahr in Bezug auf Besucherzahlen das drittbeste Ergebnis seiner Geschichte präsentieren. 1.135.515 Menschen haben den Zoo am Schmausenbuck 2017 besucht (Foto: Michael Matejka). Das sind 4,4 Prozent mehr als 2016 und 5,6 Prozent mehr als der Wert im Fünf-Jahres-Durchschnitt. Und dabei gab es 2017 nicht einmal eine besonders große Attraktion wie in den beiden Jahren, als es noch mehr Besucher waren: 2008 war Eisbärenbaby Flocke ein absoluter Publikumsmagnet, 2011 die Eröffnung der Lagune.

Bei der Pressekonferenz zur Jahresbilanz 2017, die die Zooleitung heute abgehalten hat, war auch das Thema Artenschutz ein Punkt, dem man viel Bedeutung beimaß. Mit vier ausgewilderten Habichtskäuzen stieg die Gesamtzahl des aufgezogenen Nachwuchses des Tiergarten-Zuchtpaares bei dieser Tierart auf 32 Jungvögel seit 2003. 14 dieser Jungen wurden an den Nationalpark Bayerischer Wald abgegeben, 13 in das Biosphärenreservat Wienerwald und in das Wildnisgebiet Dürrenstein (Österreich). Fünf weitere junge Habichtskäuze gingen an Zuchtstationen. Im Naturpark Zillertal konnten zur Blutauffrischung drei Steinböcke im
Bereich der Greizer Hütte ausgewildert werden. In der Sierra Cazorla wurde wieder ein Bartgeier des Tiergartens ausgewildert, allerdings starb er zwei Monate später. Die Obduktion ergab, dass er einen Leberschaden hatte – wodurch, ist bisher noch nicht bekannt, dazu laufen noch Untersuchungen. In diesem Reservat haben auch schon früher ausgewilderte Bartgeier die ersten zwei Jungvögel erfolgreich aufgezogen. Der 2013 aus dem Tiergarten beigesteuerte Geier hat seit kurzem einen Partner und mit diesem ein Nest gebaut.

Auch bei ganz anderen Tieren, nämlich den Zieseln, erprobt man Wiederansiedlungsprojekte bzw. versucht man, den Bestand zu erhalten. So wurden aus dem Tiergarten im vergangenen Jahr 22 Ziesel zu einer kleinen Restpopulation auf einen Golfplatz bei Karlsbad in Tschechien gebracht. Sie sollen die Zahl der dort ansässigen Tiere verstärken und für eine Blutauffrischung sorgen. Für die Wiederansiedlung des Wisents in Spanien stellte der Tiergarten Nürnberg vier Tiere zum Aufbau der Zuchtgruppen zur Verfügung. Und noch ein großes Freilandprojekt gibt es: Die Wiederansiedlung der Kulane in der zentralkasachischen Steppe von Altyn Dala. Dafür wurden Kulane aufwändig aus dem 1200 Kilometer entfernten Nationalpark Altyn Emel umgesiedelt.

Ich denke, diese Projekte zeigen alle eindrucksvoll, wie Zoos zum Artenschutz und zur Artenvielfalt einen großen Beitrag leisten können. Die Zoobesucher sehen diese Leistung  erst mal nicht – deshalb muss man immer wieder darauf hinweisen, dass auch das zur Arbeit von modernen Tierparks gehört. Ich freue mich, dass der Tiergarten Nürnberg dabei schon so gute Erfolge erzielt hat.

Schwedischer Zoo tötet Junglöwen

Dieses Löwenpaar im Tiergarten Nürnberg (Foto: dpa) ist schon alt und wird mit Sicherheit nicht mehr für Nachwuchs sorgen. Trotzdem bleibt es bis zum Tod im Tiergarten. Anders verfahren da skandinavische Zoos – überzählige Tiere werden da häufig einfach getötet. So auch in einem Zoo in Südschweden, der damit jetzt wieder für Schlagzeilen sorgt, weil dort über mehrere Jahre hinweg immer wieder junge Löwen getötet wurden – insgesamt neun gesunde Jungtiere, wie die Zooleitung einräumt.

Die Aggression in der Gruppe ist laut dem Zoodirektor zu groß geworden, da habe man sie eben töten müssen. Das war besonders heikel, weil die jungen Löwen schon Namen bekommen hatten und den Besuchern damit als Individuen bekannt waren. Für problematisch halte ich außerdem, dass die Löwenbabys dem Publikum noch stolz präsentiert wurden. Später dann waren sie plötzlich „Überschusstiere“ und passten nicht mehr in den Tierbestand des Zoos. Der Direktor argumentiert damit, dass es für eine Löwenherde wichtig sei, Junge zu bekommen, um natürliche soziale Verhaltensweisen auszubilden. Später habe man versucht, Platz in anderen Zoos und Tierparks für den Löwennachwuchs  zu finden, allerdings ohne Erfolg. Für die eineinhalb Jahre alten Löwen gab es nirgends Platz.

Zoos – das muss man zugeben – sind da in einem gewissen Dilemma: In der Wildnis verlassen Junglöwen die Familienherde spätestens dann, wenn die älteren Tiere sie nicht mehr akzeptieren. In einem Zoo geht das natürlich nicht; man kann den Nachwuchs nur an andere Zoos abgeben. Doch gerade männliche Tiere sind oft schwer zu vermitteln.

Ich kann zwar die Aufregung nicht verstehen, wenn skandinavische Zoos angegriffen werden, weil sie regelmäßig tote Zootiere vor den Augen des Zoopublikums sezieren. Darüber habe ich ja in meinem Blog auch schon geschrieben, zum Beispiel hier. Da kann ich nichts Schlimmes dran finden. Aber eine Tierart bewusst zu züchten, nur um den Nachwuchs dann schnell wieder umzubringen – das halte ich denn doch für übertrieben. Wozu gibt es das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP)? Mit dessen Hilfe kann sich jeder Zoo vorab informieren, wie es bei einer bestimmten Art mit Individuen in europäischen Zoos aussieht. Da wäre es bestimmt ersichtlich gewesen, dass man – zumindest männliche – Junglöwen später nicht loswerden kann. Da keimt bei mir dann schon der Verdacht, dass man nur mit niedlichen „Katzenbabys“ Besucher anlocken wollte und das Tierwohl hintangestellt hat. Was meint Ihr?