Die drei kleinen Schweinchen – ganz ohne Wolf!

Na, wenn die keinen Knuddel-Faktor haben: Minischweine bereichern ab sofort als neue Art den Kinderzoo des Tiergartens Nürnberg: ein Eber und zwei Sauen. Im Alter von sieben beziehungsweise fünf Monaten bringen sie gerade mal knapp Kilogramm auf die Waage. In Nürnberg sind sie schon im vergangenen Spätherbst eingetroffen. Zuerst mussten sie aber in die Quarantänestation, die sich außerhalb des Tiergartens – auf Gut Mittelbüg bei Schwaig – befindet. Jetzt durften die Schweinchen in den Haustierstall im Tiergarten umziehen. Oft werden diese Tiere als „Minipigs“ oder „Teacup pigs“ bezeichnet. Feste Rassestandards existieren bei diesen Tieren nicht. Die Neulinge im Tiergarten stammen von einer Privatzüchterin, es handelt sich um Forsthofer Minipigs. Die wurden zunächst aus afrikanischen und asiatischen Zwergwildschweinen gezüchtet, später kamen kleine weiße Laborschweine und kleine bunte Wiesenauer Minischweine in die Zucht mit hinein. Die Tiere haben eine Schulterhöhe von nur 30 Zentimetern und werden höchstens zwölf Kilo schwer. Es gibt sie in Rosa, Dunkelgrau und in gescheckter Ausgabe. Ich glaube, die Mini-Säue und -Eber werden ein echter Knüller im Kinderzoo, denn ich erinnere mich noch gut an den riesigen Hype um den Erfolgsfilm mit Schweinchen Babe. Und als „Wolf“ muss ich natürlich auch an „Fiedler“, „Pfeifer“ und „Schweinchen Schlau“ aus dem Walt-Disney-Film denken, in dem das alte englische Märchen leicht variiert wurde. Gefiel mir persönlich viel, viel besser als „Babe“!

Zootiere werden älter, die zweite!

Über die Studie, dass Zootiere älter werden als ihre Artgenossen in der Wildnis, habe ich hier ja schon geschrieben, als sie gerade erschienen war. Nun habe ich aber im Tiergarten Nürnberg nachgefragt, was man daraus  für die Zooarbeit herausziehen kann. „Wir fühlen uns bestätigt, nehmen die Studie aber auch als Ansporn, unsere Tierhaltung noch weiter zu verbessern“, sagt der stellvertretende Tiergartendirektor Helmut Mägdefrau. Das Foto von Dieter Wegener zeigt den Silberrücken Fritz. Er ist zwar noch ein Wildfang (1963 aus Kamerun), hat aber fast sein ganzes Leben im Zoo verbracht – seit 1970 im Nürnberger Tiergarten. Mittlerweile hat er fast 54 Jahre auf dem Buckel.

Die Verfasser der Studie haben herausgefunden, dass 84 Prozent der über 50 untersuchten Säugetierarten in zoologischen Gärten ein höheres Alter erreichen als in freier Natur. Lange Zeit war es schwierig, die Geburts- und Todesdaten von Tieren in der Wildbahn zu bestimmen. Inzwischen haben Wissenschaftler jedoch genügend statistisches Material darüber gesammelt, um einen Vergleich in Sachen Lebensdauer zwischen ihnen und Zoobewohnern derselben Art ziehen zu können.

Auffallend ist: Arten mit schnellem Lebensrhythmus – das heißt etwa: frühe Geschlechtsreife, starke Vermehrung und viele Stressfaktoren – werden im Zoo deutlich älter als Wildtiere derselben Art. Dagegen ist bei Tieren, die „von Natur aus“ eine höhere Lebenserwartung haben, sich erst später und weniger stark vermehren sowie eine längere Tragezeit haben, der Unterschied zwischen der Lebenserwartung im Zoo und in Freiheit eher gering. An Beispielen erklärt: Primaten werden im Zoo sehr alt und können im Freiland sogar noch älter werden. Dasselbe gilt für Flusspferde und Elefanten; vor allem Elefantenkühe scheinen – altersmäßig betrachtet – kaum Vorteile von einer Haltung in Menschenobhut zu haben. Kaninchen oder Wallabys hingegen besitzen in Zoos wesentlich mehr Aussichten, zum Methusalem zu reifen, als draußen in der Natur.

Einen Schluss erlaubt die Studie übrigens nicht: Dass es Zootieren besser geht als Tieren in freier Natur, wie Helmut Mägdefrau sofort einräumt: „Das Empfinden von Tieren ist nach wie vor für uns Menschen nicht messbar.“ Ob Tiere die Zoohaltung als Einschränkung oder gar als Gefangenschaft interpretieren, weiß niemand. Doch er weist gleichzeitig auf etwas anderes hin: Das Ergebnis der Untersuchung fiele noch eindeutiger zugunsten von Zootieren aus, wenn deren Todesursache in jedem Fall mit in die Rechnung einfließen würde: „Die Verfütterung von Zootieren wurde dabei nicht erfasst.“ So sei die Altersgrenze etwa bei manchen Antilopenarten in Zoos nicht genau zu ermitteln, denn als Futtertiere sterben sie meist nicht eines natürlichen Todes, sondern werden abgeschossen.
Dann gibt es wiederum Tierarten, bei denen das Ergebnis der Studie für Laien erstaunlich, aber für Fachleute durchaus erklärbar ist. Rehe zum Beispiel werden in Zoos nicht alt. „Die sind äußerst schwer zu halten, weil sie eben das Durchstreifen von Waldgebieten brauchen und mal da, mal dort an einem Ast knabbern wollen. Das können wir ihnen nicht bieten“, sagt der stellvertretende Tiergartenchef. Notfalls heißt das dann für einen Zoo auch, die Haltung einer bestimmten Art aufzugeben.

Erkenntnisse, die man dabei erlangt, können auch dem Schutz der Tiere in freier Wildbahn zugute kommen. Gerade bei Wiederansiedlungsprojekten für bedrohte Arten wie die Przewalskipferde habe sich gezeigt, dass der ursprüngliche Lebensraum für die Erhaltung der Art gar nicht ideal ist. Das liegt vor allem am Menschen, der diese Gegenden für die betreffenden Tiere einfach zu stark verändert hat. „Viele Tierarten überleben heute nur noch im Kulturland“, sagt Mägdefrau. Die Forscher haben noch eine weitere Erkenntnis gewonnen, welche die Lebenserwartung der Tiere beeinflussen kann: Die Tatsache, ob es sich um Fleisch- oder Pflanzenfresser handelt. Fleischfresser leben demnach im Zoo länger, zeigen aber auch eher Verhaltensauffälligkeiten als in der Natur.
Helmut Mägdefrau zieht aus der Untersuchung folgenden Schluss: „Wenn die Lebenserwartung im Zoo nicht höher ist als im Freiland, ist was faul. Dann muss die Haltung verändert werden.“ Heutzutage hätten die Zoos da einen großen Vorteil: „Sie sind gut miteinander vernetzt und können Informationen schnell und leicht weitergeben. Es ist nicht mehr so wie früher, als noch jeder vor sich hingewurstelt hat.“ Und das kommt schließlich den Tieren am meisten zugute.

Geschenktipp für den Valentinstag

Der Valentinstag steht wieder einmal bevor. Für alle, die am 14. Februar keine Blumen oder Süßigkeiten verschenken wollen, aber auch noch keine andere Idee haben, hätte ich einen Buchtipp: „Das letzte Nashorn“, ein Tier-Roman von Lodewijk van Oord.

Dazu ein kleiner Abstecher in die Kunstgeschichte: Das „Rhinocerus“ von Albrecht Dürer war ein echter Genie­streich. Denn der Meister hatte noch nie ein Nashorn zu Gesicht bekom­men, als er 1515 einen Holzschnitt mit diesem Titel anfertigte. Ein solches aus Indien stammendes Tier war im selben Jahr per Schiff in Lissabon gelandet, als Geschenk eines Sultans an den portugiesischen Gouverneur.

Es gab damals nur vage Beschrei­bungen und Skizzen des seltsamen Lebewesens mit dem spitzen Horn auf der Nase. Dürer setzte die Schilderun­gen so gelungen um, dass das Ergeb­nis der Wirklichkeit verblüffend nahe kam. Das echte Panzernashorn sollte unterdessen von Portugal weiter nach Rom reisen. Auf dem Seeweg versank es mitsamt dem Schiff, und so hatten die Menschen in Europa lange Zeit auch gar keine Gelegenheit, den Holz­schnitt und eine Tuschezeichnung von Dürer mit dem wahren Erscheinungs­bild zu vergleichen.

Für Lodewijk van Oords Roman „Das letzte Nashorn“ lieferte dieser kunstgeschichtliche Hintergrund so etwas wie ein Leitmotiv. Der holländi­sche Autor, der in Madrid zur Welt kam und bisher länger im Ausland gelebt hat als in den Niederlanden, landete dort mit seinem Erstlings­werk einen großen Erfolg. Bei uns ist das Buch zwei Jahre später erschie­nen. Eigentlich ist van Oord Lehrer und unterrichtete eine Zeitlang in Afrika. Das hat ihn – neben Dürer – wohl auch zu dem Buch inspiriert.

Die Geschichte spielt im Zoo von Amsterdam, wo ein neuer, jung-dyna­mischer Direktor die Rettung einer vom Aussterben be­drohten Nashorn­art beschließt. Da­für kreiert er auf dem Zoogelände „Afrika an der Am­stel“ und engagiert eine Nashorn-Fach­frau aus Südafrika. Mit dem aus dem Berliner Zoo einge­flogenen Nashorn­ Bullen Albrecht (!) und einer Medien-Offensive, wie sie die (Zoo-)Welt noch nicht erlebt hat, beginnt nun ein Wett­laufmit der Zeit, um die Tierart durch gezielte Zucht zu erhalten.

Der Autor erweist sich als profun­der Kenner der Aufgaben, aber auch der Probleme von modernen zoologi­schen Einrichtungen. Er weiß, wie Tierschutzaktivisten ticken, die mal mehr, mal weniger erfolgreich versu­chen, Zoos das Leben schwer zu machen. Und er baut philosophische und ethische Fragen – etwa die nach unserem Umgang mit (Zoo-)Tieren – sehr unterhaltsam in die Handlung ein. Der Leser wird genau wie die Romanfiguren bis zur letzten Seite auf die Folter gespannt.

Wer Tiere und Zoos liebt, wird die­ses Buch verschlingen. 

A „Zar“ is born!

Man könnte meinen, der Fasching hat jetzt sogar schon im Tierreich Einzug gehalten. Dieses Raubkatzenbaby wäre demnach ein Tiger, der sich als Löwe verkleidet hat – oder umgekehrt. Im Ernst: Es handelt sich bei dem Tier um einen sogenannten Liger, eine Kreuzung  zwischen Löwe und Tiger. Er besitzt das beige Fell eines Löwen und hat im Gesicht die Zeichnung eines Tigers. Das seltene Exemplar hat in einem Wanderzoo bei Rostow am Dom (Südrussland) das Licht der Welt erblickt und heißt – typisch russisch – Zar. Das passt, denn seine Tiger-Mama heißt Prinzessin, sein Löwen-Vater Cäsar. Und als ob das ganze Arten-Kuddelmuddel nicht schon genug wäre, auch das noch: Eine Ziege aus dem Wanderzoo ist als Amme für den kleinen Zar eingesprungen und säugt ihn.

Liger gelten als die größten Raubkatzen der Welt. In der Wildnis kommen sie praktisch nicht vor, weil Tiger bekanntlich nur in Asien leben und Löwen in Afrika – abgesehen von den ganz wenigen Persischen oder Indischen Löwen. Solche wiederum kann man immerhin im Nürnberger Tiergarten sehen. Momentan soll es weltweit nur rund 20 Liger geben. Einer davon heißt Herkules und lebt – na klar, dort, woll alles „great“ ist seit Trump – in den USA. Er ist laut Guinness-Buch der Rekorde derzeit die größte Raubkatze der Welt: 418 Kilogramm bringt er auf die Waage und ist 3,33 Meter lang. Mal sehen, ob ihn der vor zweieinhalb Monaten in Russland geborene Zar nicht eines Tages verdrängt, wenn er erst mal erwachsen ist!

Typisch halbstark: Aldan

Anatevka – die Älteren werden sich noch an das vor vielen Jahren äußerst populäre Musical dieses Namens erinnern  – heißt das junge Buntmarderweibchen im Nürnberger Tiergarten, das im vergangenen Jahr seine Eltern Gorbi und Alisa verloren hat, wie ich vor ein paar Tagen schon im Beitrag über das vergangene Tiergarten-Jahr  geschrieben habe. Alisa starb im November 2016 an einem Tumor, Gorbi im Mai an Altersschwäche.

Nun ist die knapp zweijährige Anatevka nicht mehr allein im großen Gehege gegenüber dem Raubtierhaus: Aldan aus dem Tierpark Berlin ist ihr neuer Partner, er kam am 13. Januar an den Schmausenbuck. Gestern hat man sie zum ersten Mal zusammengelassen. Wer sich ein wenig Zeit am Gehege von Anatevka und Aldan nimmt, kann immer wieder die für Marder typischen Rufe der beiden hören. Die Tiere stoßen sie aus, um untereinander Kontakt aufzunehmen. Mit Erfolg, wie das Foto zeigt. Aldan wird Ende März ein Jahr alt – und er benimmt sich wie ein echter Halbstarker. Im Pressetext des Tiergartens heißt es: „Anatevka und Aldan verstanden sich vom ersten Moment an sehr gut. Sie spielen zusammen und jagen sich über die Tieranlage.“ Die beiden sollen das neue Zuchtpaar werden. Allerdings: Die Geschlechtsreife erreichen Buntmarder erst im zweiten Lebensjahr. Also dürfte es sich bei Aldan noch mehr um spielerische Annäherungsversuche handeln. Auf dem Foto ist übrigens nicht er derjenige, der in der „typisch männlichen“ Position zu sehen ist, sondern Anatevka. Buntmarderweibchen sind halt emanzipiert!

Das Tiergarten-Jahr 2016

Während die meisten deutschen Zoos ihre „Inventur“ für die Medien immer schon um den Jahreswechsel durchführen, lässt sich der Nürnberger Tiergarten stets etwas mehr Zeit für seinen Jahresrückblick. Heute war es wieder so weit. Und das Interesse der Journalisten ist auch diesmal wieder groß gewesen, was das Interesse der Bevölkerung ja durchaus widerspiegelt. Auf dem Weg zur Pressekonferenez sind wir bei den Grauen Riesenkängurus vorbeigekommen, die munter in ihrer verschneiten Anlage herumhüpften.

Große Höhepunkte gab es 2016 für den Zoo am Schmausenbuck nicht. Es war ein Jahr ohne wirklich attraktiven Nachwuchs (siehe unten), aber zum Glück auch eines ohne ganz schlimme Nachrichten. Zumindest, wenn man vom „Dauerbrenner“ undichte Delfinlagune absieht, die für teures Geld saniert werden muss. Deshalb wird jetzt auch das nicht-öffentliche Delfinarium II (hier im Bild) für rund 1,2 Millionen Euro renoviert, um Große Tümmler oder Seelöwen ausquartieren zu können, wenn es bei der Lagunen-Reparatur zu laut oder zu staubig wird. Erfreulicher Ausblick für das neue Jahr: Rechtzeitig zu den Osterferien soll die Außenanlage der Totenkopfäffchen fertig saniert sein; dort ziehen dann – als neue Tierart – Sumpfmeerschweinchen mit ein. Und für den Herbst ist die Fertigstellung des Wüstenhauses angekündigt, das durch den Umbau des alten Flusspferdhauses entsteht.

Und das war das Tiergarten-Jahr 2016 in Zahlen:

Zum Jahresende lebten 3802 Tiere aus 287 Arten am Schmausenbuck, davon 216 Wirbeltierarten mit 2727 Individuen.
Nachwuchs: sechs Alpenmurmeltiere, sechs Pelikane, vier Flamingos, regelmäßige Zucht von Seidenspinnen
Abgabe von Tieren: drei Große Tümmler (Kai, Noah und Arnie) nach Portugal und Lanzarote, zwei Kleine Pandas nach Köln und Kerkrade und ein Tiger nach Hannover
Nachwuchs: sechs Alpenmurmeltiere, sechs Pelikane, vier Flamingos, regelmäßige Zucht von Seidenspinnen
Todesfälle: ein männlicher Gepard und das Zuchtpaar der Buntmarder (Gorbi und Alisa). Für die Tochter der beiden kam ein Partner aus dem Tierpark Berlin nach Nürnberg.
Auswilderung: drei Habichtskäuze (seit 2003 gingen 14 dieser Jungvögel in den Nationalpark Bayerischer Wald, neun in das Biosphärenreservat Wienerwald und in das Wildnisgebiet Dürrenstein).
Führungen: Von der Zoopädagogik wurden 16.147 Teilnehmer (Kinder und Erwachsene) in 1412 Führungen und anderen Angeboten betreut. Außerdem gab es fast 40 Vorträge im Naturkundehaus.
Tierpatenschaften: 770 Tierpaten mit einer Spendensumme von 132.517 Euro. 470 Tierpaten (61 Prozent aller Paten) setzten ihre Patenschaft nach einem Jahr fort.
Besucher: 1.087.360 Besucher (3,3 Prozent weniger als 2015)

Weltältester Gorilla stirbt mit 60 Jahren

Colo, das älteste Gorillaweibchen der Welt, ist im Zoo von Ohio im Schlaf gestorben. Letzten Dezember hatte der Zoo noch ihren 60. Geburtstag gefeiert (Foto: Grahm S. Jones/Columbus Zoo and Aquarium/dpa). 60 Jahre – das passt hervorragend zu der Studie, über die ich hier schon geschrieben habe: Zootiere leben länger – auch wenn Zoogegner das nicht wahr haben wollen. Colo ist etwa 20 Jahre älter geworden als Gorillas sonst. Und: Sie hat noch einen weiteren Superlativ erreicht, denn sie war der erste Gorilla, der auch in einem Zoo geboren wurde. Ihr Name setzt sich aus den ersten Buchstaben von Columbus und Ohio zusammen. Colo galt als Botschafterin für diese Menschenaffenart, die in der Natur stark gefährdet ist. Laut dem Zoo-Verband AZA  werden 350 Gorillas in Zoos gehalten.

Die Gorilladame hat auch für ausreichend Nachkommen gesorgt: Sie selbst hat drei Junge geboren – Emmy, Oscar und Toni –,  woraus nicht weniger  als 16 Enkel, 12 Urenkel und drei Ur-Urenkel hervorgegangen sind. Woran genau Colo gestorben ist, will der Zoo noch herausfinden. Danach soll ihre Asche beigesetzt werden.

Der älteste Gorilla im Nürnberger Tiergarten ist übrigens Fritz, der 1963 geboren wurde und noch ein Wildfang ist; er stammt aus Kamerun. Und die Gorilla-Dame Fatou im Berliner Zoo wird in diesem Jahr 60.

Elsbeth – unsterblich, aber verschwunden

Mit der Kommunikation ist es so eine Sache – gerade in unserer sogenannten Kommunikationsgesellschaft. Sie klappt halt oft einfach nicht. Funktioniert umso weniger, je kürzer die Wege sind. Zum Beispiel der zwischen Nürnberg und Fürth. Für alle Auswärtigen: Die beiden mittelfränkischen Städte liegen nicht nur nebeneinander, sondern sind zumindest baulich längst zusammengewachsen. Trotzdem – oder gerade deshalb –  sind sie sich aus Tradition nicht grün.

Diese Woche haben die Fürther erfahren, dass eine ihrer Prominenten die Stadt verlassen hat. Dabei ging es um die berühmte Zwergflusspferddame Elsbeth. Dieses Tier hatte vor Jahrzehnten mit einem Zirkus in Fürth gastiert, war aber ausgebüxt und in den vorbeifließenden Fluss namens Pegnitz geflüchtet, wo sie erst nach tagelanger Suche aufgespürt und zum Zirkus zurückgebracht wurde. Der zog nach seinem Gastspiel weiter.

Die Geschichte erfreut die Menschen heute immer noch. Über Elsbeth gibt es bereits Kinderbücher und sogar eine von Gudrun Kunstmann geschaffene Skulptur in Bronze. Die befand sich bis vor kurzem in einem Fürther Einkaufszentrum (das allerdings inzwischen fast leer steht). Das Foto oben zeigt Elsbeth, geschmückt mit Faschingsgirlanden in besagtem Einkaufszentrum. Voriges Jahr hat ein Immobilienunternehmen das Ding gekauft und will wieder Leben in die Bude bringen. Die Sprecherin des Unternehmens ließ die staunende Bevölkerung nun wissen, Elsbeth – respektive ihrer Skulptur – gehe es bestens. Sie sei vom Einkaufszentrum in den Nürnberger Tiergarten zurückgekehrt, dorthin, wo sie als Leihgabe einst herkam. Nun müsse die Plastik ihr Dasein nicht mehr im tristen Fürther Kellergeschoss fristen. Vielmehr komme sie im zooeigenen Flusspferdgehege zu neuen Ehren. Das Dumme ist nur: Es gibt dort gar kein Flusspferdgehege, auch kein Flusspferdhaus. Das frühere „Nilpferdhaus“ aus dem Jahr 1939, in dem aber niemals Zwergflusspferde gehalten wurden, soll ein „Wüstenhaus“ werden. Zwergflusspferde gab es einige Jahre lang im Tropenhaus des Tiergartens.

Elsbeth ist jetzt erst einmal hinter den Zookulissen verschwunden. Möglicherweise wird sie im Frühjahr von dort hervorgeholt. Denn im Rahmen eines Inklusionsprojekts will man Besuchern mit Sehbehinderung mehr Angebote zum Ertasten und Anfassen machen und zu diesem Zweck auch einige der eingelagerten Plastiken auf dem Zoogelände verteilen. Vorerst aber hat Elsbeth keinen guten Tausch gemacht, und schon gar nicht kam sie zu neuen Ehren.

So tierisch war das Jahr 2016

Der tierische Jahresrückblick ist in meinem Blog mittlerweile schon zur lieben Gewohnheit geworden. Ich muss mich da bei meinen Kollegen von den Presseagenturen bedanken, die auch eine Menge Material zusammengetragen haben. Für meine Leser habe ich die schönsten und komischsten Geschichten herausgepickt. Über das eine oder andere Ereignis habe ich schon im Laufe des Jahres geschrieben, manches klingt schier unglaublich – aber alles ist wahr.

Erst vor ein paar Wochen spielte sich die dramatische Rettungsaktion um ein Eichhörnchen in München ab. Der kleine Nager steckte in einem Gullydeckel fest, weil er zu viel Speck angesetzt hatte. Man sieht: Tiere können sehr menschliche Probleme haben. Zum Glück wurde dem Eichhörnchen sein Übergewicht nicht zur tödlichen Falle. Es wurde befreit!

Ähnlich anrührend ist das, was Faultier in Ecuador auf der Straße erlebt hat. Es klammerte sich verängstigt an einen Pfosten – warum, ist nicht bekannt. Die Polizei machte ihrem Ruf als Freund und Helfer alle Ehre und rettete das niedliche Tier. Später ließ man es in einem Wald wieder frei.

Ein großes Abenteuer dürfte Krake Inky erlebt haben, der spurlos aus einem Aquarium in Neuseeland verschwunden war. Laut Vermutung der Mitarbeiter in dem Aquarium hatte sich Inky eines Nachts durch ein Abflussrohr verdünnisiert – ein Rohr, das in den Pazifischen Ozean führt. Die Angestellten sahen am nächsten Morgen die nasse Spur auf dem Boden, die bis zu dem Rohr führte. Ob die Geschichte ein gutes Ende genommen hat, weiß niemand. Inky ist nicht wieder aufgetaucht.

Viele Menschen haben sich im zu Ende gehenden Jahr auch für den Wombat Derek interessiert, ein verwaistes Beuteltier-Baby in Neuseeland. Weil seine Mutter gestorben war, suchte man per Internet einen „Wombat-Kuschler“. Der Sieger durfte nach Neuseeland fliegen und dort für ein paar Tage Dereks Ersatz-Mama spielen. Und wenn wir schon bei niedlichen Tieren sind: In diese Rubrik gehören auch die ebenfalls elternlosen Fuchswelpen in Niedersachsen, für die es Rettung in einer Einrichtung für wilde Tiere gab.

Noch ein tierisches Happy-End: Zwei Papageien, die in einem Loch in der Außenwand eines Wohnhauses in Düsseldorf gebrütet hatten, sahen dieses Loch plötzlich verschlossen. Jemand hatte es mit Bauschaum gefüllt. Die Vogel-Eltern pickten und hackten so lange an der Fassade herum, bis sie ihre Küken befreien konnten.

Wie eng Freud´und Leid auch in der Tierwelt zusammenliegen, zeigte sich in der Stuttgarter Wilhelma. Dort feierte man erst den 50. Geburtstag von Hannibal, dem wohl ältesten Zwergflusspferd der Welt  – sechs Wochen später starb er dann. Sein Alter kann man getrost als „biblisch“ bezeichnen, denn es entsprach ungefähr 140 Menschenjahren.

Im Karlsruher Zoo fand Papagei Douglas eine neue Bleibe. Er wurde einst durch den Film „Pippi in Taka Tuka Land“ berühmt, in dem er allerdings Rosalinda hieß. Seine Berühmtheit nützte ihm jedoch wenig: Weil es in einem schwedischen Zoo keinen Platz für ihn gab, sollte er eingeschläfert werden. Karlsruhe zeigte sich gnädig.

Weil mit dem Ende des alten Jahres ja auch ein neues beginnt, zum guten Schluss hier noch etwas Zukunftsweisendes: Die Orang-Utan-Damen Sinta und Conny in der Wilhelma setzen in Sachen Liebe auf Video-Dating. So wurden sie mit Männchen in Hamburg und Belgien verkuppelt. Ob das nun ein Fortschritt ist, wenn Tiere es den Menschen gleichtun, oder eher eine Gefahr – die Zukunft wird es zeigen. Deshalb: Auf die Zukunft, auf das Jahr 2017!!!

Tierisches Sahnehäubchen

So – die Weihnachtsfeiertage sind vorbei, und wir befinden uns mittendrin in der Zeit, die man gemeinhin als die „zwischen den Jahren“ bezeichnet. Kinder haben Ferien, und viele Erwachsene müssen in diesen Tagen auch nicht arbeiten. Für alle, die nicht verreist sind,  habe ich einen Tipp: ein Besuch im Manatihaus des Nürnberger Tiergartens. Denn dort gibt es jetzt etwas besonders Schönes zu bestaunen: neue Schmetterlinge. In der tropischen Halle fliegen 25 Arten von Schmetterlingen frei umher. 16 dieser ursprünglich aus Mittelamerika stammenden Arten haben sich bereits erfolgreich in ihrer neuen fränkischen Heimat vermehrt.

Der Tiergarten bestellt alle zwei Wochen Insektenpuppen bei Kleinbauern in Costa Rica. So können die Zoobesucher immer bunte Falter auch beim Schlüpfen beobachten. Um welche es sich handelt, kann man im Manatihaus auf Informationstafeln nachlesen. In Mittelamerika werden aber wesentlich mehr verschiedene Arten gezüchtet. Als Weihnachtsüberraschung hat der Tiergarten Schmetterlingspuppen von anderen Arten bekommen, die jetzt – zwischen Weihnachten und Silvester – schlüpfen sollen. Für Interessierte ist auf der Homepage des Tiergartens die Liste mit den aktuell gelieferten Schmetterlingsarten zu finden.

So, und nun noch eine Quizfrage: Wer weiß, woher der Name „Schmetterling“ kommt? Ich will meine Leser nicht zu sehr auf die Folter spannen und liefere die Antwort deshalb gleich mit: Der Begriff ist vom ostmitteldeutschen „Schmetten“ abgeleitet. Das entspricht dem fränkischen „Schmand“, also Rahm. Schmetterlinge naschen nämlich gerne auch Sahne. In der englischen Sprache findet sich das im Wort „butterfly“ wieder. Und der Tiergarten betrachtet die Schmetterlinge zur Weihnachtszeit als „Sahnehäubchen“ für die Besucher.