Elefantenhaltung zu teuer

Ab sofort ist auch der Zoo Rostock ein Zoo ohne Elefanten. Die letzte dort lebende Elefantendame wurde heute eingeschläfert: Sara ist 51 Jahre alt geworden – ein biblisches Alter für afrikanische Elefanten; sie war damit die älteste afrikanische Elefantenkuh in einem europäischen Zoo. Ich habe Sara bei einem Besuch des Zoos gesehen und hier im Blog auch schon über sie geschrieben. Sie war noch ein Wildfang aus Afrika und lebte schon seit 1964 im Rostocker Zoo, viele Jahre auch in einer kleinen Herde. Die letzte Artgenossin in ihrem Gehege war die Nürnberger Elefantendame Yvonne (von ihren Pflegern auch „Bibi“ genannt), die aber bald nach ihrem Umzug in den hohen Norden starb. Damit Sara wenigstens nicht ganz allein zurückblieb, hielten ein paar Kamerunschafe Einzug bei ihr. Beide Tierarten kamen gut miteinander aus, das konnte man genau beobachten.

Der Tod von Sara bedeutet gleichzeitig das Ende der Haltung dieser majestätischen Tiere in Rostock. Der Zoo kann die seit einiger Zeit erforderlichen Bedingungen dafür nicht bieten. Einen Um- bzw. Ausbau der Elefantenanlage kann sich die Hansestadt in Mecklenburg-Vorpommern nicht leisten – dafür wären Millionen nötig.

Da geht es dem Zoo an der Ostsee ganz ähnlich wie dem Tiergarten Nürnberg. Auch hier ist das Geld für die Einhaltung der heutzutage vorgeschriebenen Richtlinien nicht vorhanden. Sehr zum Bedauern vieler Tiergartenbesucher, die immer wieder betonen, wie sehr sie die Dickhäuter vermissen. Klar – Elefanten gehören zu den attraktivsten Zootieren überhaupt. Jeder findet auch, dass die Richtlinien für ihre Haltung zu Recht hoch angesetzt wurden. Aber die können nur noch wenige Zoos erfüllen – Zoos in öffentlicher Hand sind dabei klar im Nachteil. In Nürnberg dürfen wir trotzdem hoffen, dass wir irgendwann wieder graue Riesen am Schmausenbuck bewundern dürfen. Aber bis dahin wird wohl noch viel Wasser die Pegnitz hinunterfließen.

Hände weg von den "sanften Riesen"!

Von wegen „sanfte Riesen“: Elefanten sind viel gefährlicher, als es den Anschein hat. Jedes Jahr kommen Zoo-Tierpfleger durch Angriffe von Elefanten zu Tode oder werden schwer verletzt. Der Verein Elefanten-Schutz Europa hat eine Aufklärungskampagne gestartet, um auf dieses Thema aufmerksam zu machen, und spricht von einem „vertuschten Skandal in deutschen Zoos“.

Das Problem der Übergriffe von Elefanten ist nicht neu. Die Dickhäuter werden leicht aggressiv und drücken ihre Pfleger dann meist an die Wand. Die Statistik, die der Verein Elefanten-Schutz Europa aufmacht, liest sich verheerend: Seit dem Jahr 2000 sind in europäischen und US-amerikanischen Zoos 12 Elefantenpfleger bei solchen Vorfällen gestorben. Insgesamt hat man in US-amerikanischen Zoos bereits 22 tote und 204 verletzte Elefantenpfleger verbuchen müssen, in deutschen Zoos 12 Tote und 51 Verletzte. In 15 deutschen Zoos hat man seit 1990 mindestens einen, zum Teil mehrere schwere Zwischenfällen mit Elefanten registriert. Der Verein geht außerdem von einer hohen Dunkelziffer an Unfällen aus, bei denen die Verletzungen nicht tödlich ausgehen, und die deshalb verharmlost werden.

Der springende Punkt ist die Art der Elefantenhaltung: Man unterscheidet dabei „Direkten Kontakt“ bzw. „Hands on“, wobei Pfleger und Elefanten ohne trennenden Schutz miteinander in Kontakt treten, und „Geschützten Kontakt“ bzw. „Hands off“: Hier sind Mensch und Tier durch schützende Gitter, Zäune, Pfähle oder ähnliches voneinander getrennt. Die Intensität der Pflege beeinträchtigen solche Schutzvorrichtungen nicht, die Elefanten können entsprechend umgewöhnt werden.

Doch in der überwiegenden Mehrzahl deutscher Zoos, in denen Elefanten gehalten werden, beharrt man immer noch auf dem „Direkten Kontakt“, während die Zoos in ganz Europa schon weiter sind und zu 70 Prozent auf „Geschützten Kontakt“ umgestellt haben, um die Sicherheit ihrer Pfleger zu gewährleisten. In Deutschland sind nur Zoos, die erwachsene Bullen halten, zu „Geschütztem Kontakt“ verpflichtet – wohl weil man davon ausgeht, dass männliche Dickhäuter gefährlicher sind. Doch es ist erwiesen, dass rund 80 Prozent der Unfälle mit Elefantenkühen passieren.

Aus der verpflichtenden Umstellung auf „Geschützten Kontakt“ wurde bei uns möglicherweise auch deshalb noch nichts, weil eine ganze Reihe von Pflegern den „Direkten Kontakt“ wollen, in der (leider manchmal irrigen) Meinung, sie würden ihre Tiere genau kennen und könnten einschätzen, wie gutmütig sie sind. Außerdem kostet es natürlich, wenn man entsprechende Schutzmaßnahmen einbaut – und kein Zoo der Welt wird für so etwas gern Geld ausgeben, wenn es ihm an allen anderen Ecken und Enden fehlt.

 

Ein rabenschwarzer Tag

Das ist heute ein rabenschwarzer Tag für die beiden großen Zoos in Bayern, den Tierpark Hellabrunn (München) und den Nürnberger Tiergarten: Zwei Tierbabys sind tot!

loewenbabyBeginnen wir, weil er uns einfach näher ist, mit dem Tiergarten Nürnberg. Von dort wurde heute der Tod des Löwenbabys gemeldet, das erst am 4. Juni geboren worden war und von dem ein paar Tage danach ein Foto an die Öffentlichkeit gelangt war, das ich hier gezeigt habe. Das Kleine ist offenbar schon am 10. Juni gestorben, die Nachricht wurde aber erst heute gemeldet. Der Tiergarten steht vor einem Rätsel: Die Löwenmutter namens Keera hat anscheinend die Aufzucht ihres Jungen einfach abgebrochen. Warum, weiß man derzeit noch nicht.

Auf jeden Fall kann es nicht daran gelegen haben, dass sie unerfahren ist. Denn sie hat im Tiergarten schon zwei gesunde Töchter geboren und aufgezogen. Die beiden leben jetzt in Berlin, wo Keera während des Raubtierhaus-Umbaus im Nürnberger Tiergarten vorübergehend untergebracht war. Ihr allererstes Baby, das ebenfalls in Nürnberg zur Welt kam, hatte Keera allerdings auch schon nicht großgezogen. Es könnte sein, dass Löwenmütter, wenn ihr Wurf nicht größer ist als ein Baby, die Aufzucht als zu aufwändig empfinden und es deshalb gleich sein lassen. Denn in der Natur hat ein einziges Jungtier kaum eine Überlebenschance.
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Es gibt keine Geheimnisse mehr!

LoewenbabyEs gibt Informationen, die ein Zoo eigentlich lieber nicht nach draußen geben möchte, sondern erstmal unter Verschluss hält. Meist zum Wohl der Tiere, wie auch jetzt wieder im Nürnberger Tiergarten: Dort hat Löwendame Keera Nachwuchs. Mindestens ein Junges kam zu Welt, vielleicht auch mehrere, wie hier nachzulesen. Um die Löwin und ihren Nachwuchs keinem Besucherrummel und damit Unruhe auszusetzen, solange das Kleine bzw. die Kleinen noch nicht überm Berg ist/sind, hat die Zooleitung das freudige Ereignis erst mal verschwiegen.

Doch wie das so ist in unserer multimedialen Wunderwelt: Heutzutage kann so etwas, und sollte es noch so gut gemeint sein, einfach nicht mehr funktionieren. Jemand kriegt per Zufall die Geburt selbst mit oder entdeckt das Tierbaby kurz danach, schon ist ein Foto gemacht – meist per Handy. Und das Bild geht dann unter Umständen um die ganze Welt. Oder die Nachricht wird schnell getwittert, und schon ist das vermeintlich wohl gehütete Geheimnis keines mehr, sondern das Gegenteil, eine sich rasend schnell verbreitende Nachricht. Zoo-Gegner wittern natürlich sofort Verdacht. Warum meldet der Tiergarten so was nicht? Stimmt da womöglich etwas nicht, soll etwas vertuscht werden, ist das Baby gar krank? Schnell schießen in so einem Fall Spekulationen ins Kraut.

So war es auch heute in Nürnberg. Die Pressesprecherin des Tiergartens wurde durch den Anruf einer Boulevardzeitung überrascht, der ein Foto vom neugeborenen Löwenbaby vorlag und die nun Informationen darüber haben wollte. Die Zoosprecherin wusste selbst noch nichts von dem freudigen Ereignis und musste sich erst einmal kundig machen, um wenigstens ein paar dürre Informationen zusammenzukratzen.

Obiges Foto, das Zoobesucher Michael Knierieme gemacht hat, ist von der Qualität her eine Katastrophe und wäre früher nie in irgendeinem Medium abgedruckt bzw. gezeigt worden. Heute aber wird es allein durch seinen Neuigkeitswert interessant, egal ob das Löwenbaby nur ganz winzig hinter dem Baumstamm zu sehen ist und von der Mutter lediglich ein Stück Schnauze – wohl mehr zufällig! – ins Bild geraten ist. Schöne neue Medienwelt, kann ich da nur sagen!