Die Toten vom Schwarzwald: “Akte X” in der Provinz
10. Februar 2010 von vanessa
Die Straße führt schnurstracks durch ein dichtes Waldgebiet. Am Straßenrand stehen mit Pentagrammen bemalte Steine und an den Bäumen sind Tierschädel festgebunden. Wer steigt denn gerade hier aus, um eine Pinkelpause einzulegen? Wohl keiner, was auch besser ist. Frag nach bei Katharina Auerbach (Anna Schudt). Die Frau verschwindet spurlos, ihre Mitfahrerin Inka (Nadja Uhl) wartet vergeblich auf dem Beifahrersitz.
Mit dem mysteriösen Verschwinden beginnt der ZDF-Krimi „Die Toten vom Schwarzwald“, der am vergangenen Montag Premiere hatte. Dann folgt der Auftritt von Matthias Auerbach (Heino Ferch), der frisch geschiedene Gatte der Verschwundenen.
Der arbeitet als Forensiker beim LKA und schafft es mit seinem linkischen Habitus in Rekordzeit, die Bewohner des angrenzenden Kaffs gegen sich aufzubringen. Regisseur Thorsten Näter versucht mit einigem Geschick, den Flair von „Akte X“ in die deutsche Prärie zu transportieren.
Auch an unerwarteten Wendungen mangelt es bei „Die Toten vom Schwarzwald“ nicht. Wo einst Professor Brinkmann Mühselige und Beladene heilte, herrscht heute purer Aberglaube.
Die Nachtvögel krächzen, junge Männer mit Inzestgesichtern vollführen Drohgebärden und ein irres Mütterlein brabbelt Unverständliches in der hiesigen Mundart. Matthias prallt hier auf eine Wand des Schweigens und fällt irgendwann über eine mumifizierte Leiche. Diese ist seit Jahren tot und hat die gleiche DNA wie seine Ex-Frau.
Das Motiv des Beamten wiederum resultiert aus einem schlechten Gewissen: Denn das seine Ehe in die Brüche ging, daran ist Matthias offenbar nicht ganz unschuldig.
Einzig Inka, die sich als kürzlich zugezogene Dorfschullehrerin entpuppt, hält zu dem neugierigen Fremden. Gemeinsam versuchen sie, Licht ins Dunkel zu bringen. Doch was anfangs durchaus gruselig daherkommt, entpuppt sich peu á peu als provinzielles Kasperletheater. Schnell ist nämlich klar: Der Teufel im Schwarzwald ist ein machtsüchtiger Lokalpolitiker.
Ewald Beierlei (farblos: Joachim Bißmeier) ist Hauptarbeitgeber und Bürgermeister in Personalunion. Ein Dorfpate mit dunkler Vergangenheit und Hang zu gruseligen Mythen. Denn einst soll der Leibhaftige persönlich einen Pakt mit den Schwarzwäldlern eingegangen sein. Satan gewährte der Legende nach Schutz vor den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges. Dafür gehörte ihm ab jetzt jedes zweitgeborene Kind eines Zwillingspärchens.
Insgesamt zeigt „Die Toten vom Schwarzwald“ nichts Neues aus der Provinz. Hier wird gerne vertuscht und, wenn nötig, auch gemordet. Die Auflösung ist nach der Hälfte des Streifens ein offenes Geheimnis. Dafür gibt es einen dicken Punktabzug, wie auch für einige Dummheiten des Drehbuchs.
