Wenn die Eifel Feuer spuckt
20. Oktober 2009 von clemens
Ein Vulkanausbruch mitten in der Eifel? Das hört sich doch so ähnlich an wie ein Tsunami auf der Zugspitze, spöttelten Kritiker, als sie von den RTL-Plänen zum bislang teuersten deutschen Katastrophen-Fernsehfilm hörten, der eben dieses Horrorszenario zum Inhalt hat. Um solchen Nörgeleien die Luft aus den Segeln zu nehmen, wurde nicht nur der Katastrophen-Zweiteiler abgedreht, sondern auch noch eine Doku in Auftrag gegeben, die wissenschaftlich untermauern soll, dass es unter den so friedlich scheinenden Maaren immer noch bedrohlich brodelt.
Um es vorweg zu nehmen: Dieser Dokumentarfilm war eigentlich das Beste von allem, denn er war angenehm nüchtern, erweckte durchwegs den Anschein, dass hier ordentlich recherchiert wurde und war auch fast überhaupt nicht auf Panikmache getrimmt. Damit unterschied man sich schon einmal um Welten von unsäglichen Formaten wie “Galileo Mystery” auf Pro 7.
DerVulkan- Zweiteiler hingegen hinterließ trotz aller pyrotechnischen Anstrengungen und einem hingeklotzten Star-Aufgebot einen eher lauen Eindruck. Klasse statt Masse, hatte hier wohl die Devise geheißen, und beim Casting galt offenbar die Devise “Viel hilft viel”. Wie kann man ansonsten auf die Idee kommen, Schauspieler, Stars und Sternchen dermaßen wild durcheinanderzumixen, dass Katja Riemann, Katharina Wackernagel, Yvonne Catterfeld und Jenny Elvers Elbertzhagen im selben Film auftreten?
Eigentlich sind sie aber alle nur schmückendes Zierwerk, denn stets im Mittelpunkt des Geschehens steht der katastophengestählte Matthias Koeberlin, der schon in etlichen ähnlichen Filmen für die Retter-Rolle besetzt war. Hier spielt er einen ehemaligen Feuerwehrmann, dem der selbstlose Einsatz für andere dermaßen in Fleisch und Blut übergegangen ist, dass er sich gegen Ende auch gerne für die anderen aufopfert und zurückbleibt, weil ansonsten der Hubschrauber zu schwer wäre.
In den meisten Dingen hält sich der Zweiteiler an die ehernen Regeln des Katastophengenres: Im Feuersturm tritt der wahre Charakter der Menschen zu Tage, und vermeintliche Schwächlinge mausern sich auf einmal zu Helden des Alltags. Wie üblich sind die eigentlich zuständigen Behörden und Einsatzkräfte zuerst ignorant und besserwisserisch, hinterher dann völlig mit der Situation überfordert.
Schließlich bietet die feurige Kulisse den optimalen Hintergrund, um zwischenmenschliche Konflikte auszutragen. Hier ist nur wirklich alles vertreten: Der fiese Banker, der seine Kunden ausnimmt, der naive Dorfbüttel, der von bösen Jugendlichen aufs Gemeinste getrietzt wird, eine ungetreue Ehefrau, eine traumatisierte Geliebte und noch vieles mehr. In ihnen allen brodelt soviel Konflikt-Potenzial, dass einem die allgegenwärtige Vulkan-Lava irgendwann fast schon wie ein wohltemperiertes Wellness-Bad vorkommt.
