Fränkischer Missmut in der Anstalt
18. November 2009 von clemens
Gegen diesen fränkischen Missmut wirkt sogar der Lothar Dombrowsky von Georg Schramm wie eine ausgesprochene Frohnatur: Matthias Egersdörfer sorgte am Dienstag mit seinem Auftritt bei „Neues aus der Anstalt“ für eine neue Note im Flaggschiff der ZDF-Satire.
„Iiech komm aus Fädd“ führte er sich lokalpatriotisch ein und gab Einblicke in fränkische Konsonanten-Verweichlichung angesichts des Wortes „Derrordadei“ (auf hochdeutsch: Terrordatei). In die, so malte er sich aus, könne man leicht hineingeraten, falls einmal sein Name falsch verstanden und etwa mit „Mohammed Oktogan“ verwechselt würde. Kaum auszumalen, was dann so alles passieren könnte: Flugs wird man vom CIA in Gestalt eines Spezialagenten namens John Sinclair nach Rumänien geschleppt und gefoltert.
Der gewohnt grantelige Kulturförderpreisträger der Stadt Nürnberg erzeugte mit seiner dadaistisch angehauchten Performance einen deutlichen Kontrast zum Auftritt von Comedian Michael Mittermeier, der im Unterschied zum Egersdörfer aber nicht zum ersten Mal zu Gast bei Urban Priol und Georg Schramm war. Mittermeier weitete das Themenspektrum seines bekannten Stakkato-Stils auf die Politik aus uns bewältigte ohne größere Probleme den Sprung von Guido Westerwelle bis nach Guantanamo.
Warum auch nicht, dachte sich da mancher Zuschauer, das politische Kabarett muss ja nicht immer im eigenen Saft kochen. Was allerdings die Erich-Honecker-Parodie von Thomas Nicolai bezwecken sollte, dürfte den meisten schleierhaft geblieben sein.
Trotz aller Gastauftritte ist der Fokus in der „Anstalt“ immer mehr auf Urban Priol und Georg Schramm gerichtet, die in scheinbarer Mühelosigkeit auch am Dienstag wieder einen Parforceritt durch Wirtschaftskrise, neue Regierung und Opel-Sanierung hinlegten, dass die Zuschauer kaum noch thematisch hinterherhecheln konnten. In ihrer Satire-Liga sind sie damit momentan so ziemlich allein.
