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Bei RTL heißen sie „rüstiger Hühnerwirt” oder „sportlicher Schweinebauer“, bei SAT.1 „romantischer Burggraf” und „attraktiver Gutsherr”. Nach den Bauern, befinden sich jetzt auch wieder die Grafen auf Freiersfüßen. Das der Brautschau zugrundeliegende Procedere gleicht sich. Nur geht es bei „Gräfin gesucht“ nicht um Misthaufenumgraben und Traktorfahren, sondern um Besuche in der Nobel-Disco und Frühstück in Paris.

Zuerst bekommt der nichtadelige Dokusoap-Fan einen Eindruck davon, wie Fürsten dürsten und Grafen schlafen. Wieder stehen vier ausgewählte Blaublüter zur Wahl. Darunter Johann Friedrich Carl Einar Graf Villavicencio-Margheri. Der hat weniger Vornamen als Bundeswirtschaftsminister von und zu Guttenberg. Doch Johann sei alter spanischer Adel, wie uns SAT.1 verrät. Er mimt den Gentleman im Quartett und bewohnt ein Herrenhaus in Schleswig-Holstein. „Zu so einem Termin geht man frisch gewaschen“, sagt er. Mit Termin meint Graf Johann das sogenannte Speeddating, bei dem sich zehn Gräfinnen in spe anpreisen dürfen.

Doch auch modisch hat der 48-Jährige einiges zu bieten. Unter dem grünbraunen Sakko trägt er ein zartrosa Button-down-Hemd. Eine dunkelgrüne Hose, blaue Socken und braune Schuhe runden das Ensemble ab. Ob der Graf vielleicht farbenblind ist? Diese Frage stellt keine der Damen, die auf der Casting-Couch in einem Hotel Platz nehmen. „Jetzt wird es spannend“, wird dem Zuschauer suggeriert. Dieser Hinweis war sicher nötig, denn gemerkt hätte dies wohl nicht jeder.

Graf Johann lächelt huldvoll, als ihm eine Verehrerin ein Buch über Charles Darwin schenkt. Eine andere singt mit lasziven Augenaufschlag „Just the two of us“. SAT.1 hat sich große Mühe gegeben, eine breite Palette an Frauentypen aufzufahren. Darunter eine russische Krankenschwester, eine alleinerziehende Mutter, ein persisches Ex-Modell, eine Abstinenzlerin mit Esoterikfimmel und ein Schweizer Balletthase.

Der Gegenentwurf zum kultivierten Johann ist Christoph, der „Graf vom Tegernsee“. Der 26-jährige Jungunternehmer sucht eine, „die man schon mal ins P1 mitnehmen kann, die auf den Tischen tanzen will”. Vor jeder Werbepause und während es Abspann kann der TV-Zuschauer an einem Gewinnspiel teilnehmen. Die Frage lautet: „Was trägt der traditionsbewusste Adelige?“ A: Nasenring oder B: Siegelring? So stellt man sich Bildungsfernsehen vor.

Am kommenden Sonntag beginnen dann auch Tilo und Moritz so richtig zu balzen. Letzterer wirkt, als hätte man ihn bei „Bauer sucht Frau“ versehentlich nicht genommen. „Ich bin zu nett für diese Welt und komme mehr als Kumpeltyp an”, lautet seine Selbsteinschätzung. Außerdem wohnt er bei seiner Mutter, die ihren Sohn mit heruntergezogenen Mundwinkeln stumm beobachtet.

Dazu keine Szene aus der Serie, sondern lieber einmal Nicolai Gedda mit “Komm,Zigan” aus “Gräfin Mariza”:

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Letzter Ausweg Wrestlingring: Der Mann kniet auf dem Boden. Er schnauft, stöhnt, kotzt, blutet und begeistert Kritik wie Publikum. Die Rolle als abgehalfterter Gladiator in „The Wrestler“ hat Mickey Rourke ein Comeback beschert. Der galt in den 80ern als der neue Brando, dann erfolgte der Absturz. Von solchem Ruhm konnten die zehn amerikanischen C-Promis ihre gesamte Karriere lang nur träumen.

Heute scheut sie der Erfolg wie der Teufel das Weihwasser. Deshalb zwängten sie sich in Ringerklamotten und erlernten die Kunst von „Elbow Smash”, „Hip Toss” oder „Body Slam”. In jeder Folge wird einer von ihnen vom Hof gejagt. Dem Sieger winkt der gülden glänzende Gürtel von „Celebrity Championship Wrestling“. Doch natürlich geht es den Teilnehmern darum, wieder in der Unterhaltungsindustrie Fuß zu fassen.

Als Zeremonienmeister fungiert Wrestling-Ikone Hulk Hogan. Der verkörperte als Aktiver die Rolle des amerikanischen Helden und forderte seine Anhänger dazu auf, „zu trainieren, ihre Gebete zu sprechen und Vitamine zu sich zu nehmen“. Sein Privatleben vermarktet der heute 56-Jährige in der TV-Reality-Soap „Hogan Knows Best“, die wie „Celebrity Championship Wrestling“ von MTV produziert wird. Als Nebendarsteller in „Rocky 3 – Das Auge des Tigers“ vermöbelte Hogan Sylvester Stallone. Jetzt bekam er es mit dessen jüngerem Bruder Frank zu tun. Der hatte bisher als Sänger einen Hauch von Erfolg. Er sei „alt, aber schnell“, charakterisiert sich der bald 60-Jährige.

Als Kind der Hauptdarstellerin fungierte Erin Murphy in der legendären TV-Serie „Verliebt in eine Hexe”. Heute ist sie Mutter von sechs Söhnen. Ihr glaubt man es, wenn sie sagt, sie hätte schon größere Schmerzen als beim Wrestling aushalten müssen.

Das bekannteste Gesicht gehört Dennis Rodman. Der war der Paradiesvogel des US-Basketballs und rüpelhaftes Verhalten gehörte seit jeher zu seinem Habitus. Nikki Ziering darf teilnehmen, weil sie mal mit einem Darsteller aus „Beverly Hills, 90210″ verheiratet war. Die Blondine schminkt sich lieber, als den Anweisungen der Experten zuzuhören.

Die zehn Wrestling-Novizen werden in zwei Teams aufgeteilt. Brutus „The Barber” Beefcake und „Nasty Boy” Brian Knobs, beides Veteranen aus unzähligen Ringschlachten, sorgen für das Basiswissen. Dem über zwei Meter großen Rodman scheint es Spaß zu machen, einen ehemaligen Kinderstar durch den Ring zu werfen. Am Ende erfolgt die Nagelprobe vor johlendem Publikum. Fast alle offenbaren Talent, nur Tiffany nicht. Das ehemalige Teenie-Idol schleppt heute beträchtliches Übergewicht mit sich herum und Hulk Hogan fordert sie wenig charmant auf: „Get out of my ring!” (Verlass den Ring!) Die Popsängerin trägt dies mit Fassung, „ich hatte Spaß“ lautet ihr lakonischer Kommentar.

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Böse Zungen behaupten, auf dem Tanzparkett bewege ich mich ungefähr so leichtfüßig wie „Godzilla“. Mit dem Satz des Pythagoras enden spätestens meine Mathematik-Kenntnisse, und würde ich mir Schlittschuhe umschnallen, wäre der Oberschenkelhalsbruch programmiert. Doch Schämen war gestern. Heute geht man offensiv mit seinen Schwächen um. Vielleicht verhelfen sie einem ja zu Kurzzeitruhm im Trash-Fernsehen. Pro 7 zeigt nämlich neuerdings Menschen, die in einer bestimmten Disziplin auf ganzer Linie versagen. „Deutschlands schrecklichste…“ heißt diese Castingshow für Talentlose.

Den Anfang machten desaströse Autofahrer. Da wird beim Einparken der Hintermann gerammt und das Brems- mit dem Gaspedal verwechselt. Ungefähr so unterhaltsam wie eine Bremsspur in der Unterhose. Da bei Pro7 das Klischee seit jeher seinen Sendeplatz hat, ließ man ausschließlich Frauen um den Titel kämpfen, den eigentlich keiner haben will. Darunter Denise, 28, Studentin aus Köln. Partner Benjamin hat sie bei der Sendung angemeldet, weil er sich als Beifahrer von Denise immer ganz doll fürchtet. Normalerweise ein Grund für eine sofortige Trennung. Claudia, Typ üppige Blondine, lenkt mit der Haarspraydose und der Lockenbürste in der Hand. „Das Auto ist meine mobile Schönheitsstation“, gesteht die 40-Jährige.

Moderiert wird der TV-Totalschaden von einem, der sich im Castingdschungel perfekt zurechtfindet. Giovanni Zarrella nahm einst selbst bei „Popstars“ teil und wurde Mitglied von Bro’Sis. Nach dem schnellen Ende der Retortenband bandelte der Italo-Schwabe mit dem „Modell“ Jana Ina an und Pro7 porträtierte den Alltag der Turteltauben in der zehnteiligen Soap „Frisch verheiratet!“. Und weil das so schön war, folgte als Nachklapp die Schwellbauch-Doku „Jana Ina & Giovanni – Wir sind schwanger!“.

Jetzt darf Zarrella sich an einer Humoreske über nervige Stimmen aus dem Navigationsgerät versuchen. Sein Gesichtsausdruck verrät: Er selbst findet das auch nicht lustig. Dann setzt sich Linda hinter das Steuer, und alle zuvor gezeigten Verkehrssünden verlieren abrupt ihren Schrecken. Wenn der 58-Jährigen ein Wagen entgegenkommt, lässt sie aus Panik das Lenkrad los und schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Wo andere in drei Zügen wenden, braucht Linda 21. Dabei, lamentiert Linda, fahre sie doch bereits seit über 30 Jahren.
Die Hilflosigkeit ist derart schlecht gespielt, dass sie vielleicht sogar echt ist. Am Ende gewinnt Linda den Titel „Deutschlands schrecklichster Autofahrer“ mit immensem Vorsprung. Ihre Freude hält sich in Grenzen. Die des Zuschauers auch.

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Im Weltraum geht es bisweilen tierisch ernst zu: Dafür sorgen schon die Vertreter der pseudo-religiösen Science Fiction, die gedankenschwer in den Weiten des Universums herumstreifen. Klassische Filme aus dieser Gattung sind etwa „Der Tag, an dem die Erde still stand“, „Silent Running – Lautlos im Weltraum“ oder Stanley Kubricks „2001“. Das dick aufgetragene Pathos des letzteren Films brachte schon vor einigen Jahrzehnten einen jungen Regisseur namens John Carpenter dermaßen auf die Palme, dass er eine bitterböse Satire darauf drehte: Die Billigproduktion nannte sich „Dark Star“ und zog sämtliche hehren Weltraum-Klischees durch den Kakao – mit einem außerirchischen Gummiball-Monster, durchgeknallten Astronauten und neurotischen Raketen mit künstlicher Intelligenz. Eine Zeit lang war es dann richtig in Mode, sich über bräsige Science Fiction lustig zu machen, sowohl im Film wie auch in der Literatur. Das genialste Produkt dieser Ära ist zweifelsohne „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams.

Weniger Anspruch, mehr Zoten

Weitaus weniger anspruchsvoll, dafür aber schön derb ist die Animations-Serie „Tripping the Rift“, die zu später Stunde auf DMAX zu sehen ist. Die Handlung dreht sich um die Abenteuer einer Raumschiff-Besatzung, die wie fast alle anderen Personen in der Serie aus Versatzstücken der großen, bunten SciFi-Welt zusammengebacken wurde: Der depressive Roboter wirkt wie eine Kreuzung aus Marvin (Per Anhalter durch die Galaxis) und C3PO (Star Wars), die dralle Sex-Androidin hat ein Vorbild in der deutsch-kanadischen Realfilm-Weltraumserie „Lexx“.

Auch die Abenteuer der Crew setzen sich aus Versatzstücken der einschlägigen Filme und Literatur zusammen: Da wird eine Reise zum Anfang des Universums unternommen (bei Douglas Adams ist es das Ende) oder es geht um einen geheimnisvollen Monolith, bei dem zweifelsohne Stanley Kubricks „2001“ Pate stand.

Das alles wäre eine ganz nette Idee, aber leider fehlt der Serie ganz einfach der subtile Witz, der manche ihrer Vorbilder auszeichnet. Meistens erschöpfen sich die Dialoge stattdessen in plumpen Anspielungen und noch plumperen Zoten, die „Tripping the Rift“ immerhin die Warnung „Diese Sendung ist nicht für Zuschauer unter 16 Jahren geeignet“ einbrachte. Wobei die meisten der angesprochenen Teenies ohnehin ziemlich schnell gelangweilt wegzappen dürften.

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Mann, wie originell: Zwei Tischtennisspieler liefern sich ein fetziges Duell, das plötzlich die Gesetze der Schwerkraft sprengt. Wie bei „Matrix“ bleiben die beiden mitten in der Bewegung in der Luft hängen, wechseln urplötzlich die Perspektive und bieten auch sonst noch einige „unmögliche“ Kapriolen. Obwohl sich das Ganze im Fernsehen abspielt, stecken dahinter keine Animationen, Blue-Screen-Techniken oder andere Special Effects, sondern das gute alte „Schwarze Theater“. Unsichtbare, in Schwarz gekleidete Helfer und ein dunkler Raum, der Hilfsmittel wie Schnüre und Tricks wie zu Beinen „umgewandelte“ Arme kaschiert, sorgen für die fast perfekte Illusion.

Angesichts dieser tollen Darbietung ist die Jury um Detlef D! Soost und Monrose-Sängerin Senna völlig von den Socken: Die Tischtennis-Truppe zieht problemlos ins große Finale ein und freut sich entsprechend tierisch.

Offenbar befinden wir uns in einer Art Talent-Show, aber einen der bei uns noch nicht geläufigen Art: „Mascerade“ nennt sich das Konzept, bei der die Kandidaten versuchen, mit ausgeflippten Verkleidungen und ausgefuchsten Choreografien ungewöhnliche Illusionen zu erzeugen.

Das Ergebnis kann sich zum Teil wirklich sehen lassen: Weißgekleidete Menschen schweben von oben herab und verbiegen sich zu einem riesigen Haufen Softeis, eine bunte Kindertruppe verwandelt sich in eine gigantische Salami-Paprika-Pizza, und ein Mädchen tanzt vor sechs Spiegeln, die in Wirklichkeit gar keine sind, sondern Rahmen mit lebendigen „Kopien“ der Vortänzerin.

Ein durchaus kurzweiliges Konzept, wenn auch die unvermeidliche „DSDS“-Jury-Masche etwas nervig ist. Immerhin beschränken sich die Juroren auf kurze und knackige Ansagen ohne großes Tamtam und bleiben fast immer positiv.

Allerdings ist nicht alles so originell, wie es scheint: Die Tischtennisnummer zum Beispiel war fast 100prozentig aus Japan abgeguckt, wo „Mascerade“ schon längst mit großem Erfolg läuft. Bei uns ist es immer dienstags um 20.15 Uhr auf Pro 7 zu sehen.

Hier die Sieger der ersten Show: “Das tanzende Mädchen”
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Sam (Bret Harrison) war zu faul für die Uni. Jetzt trägt er eine Schürze und ein albernes Namensschild und werkelt in einem Baumarkt. Doch dies ist nicht das größte Problem im Leben des Twen. An Sams 21. Geburtstag gesteht ihm sein Vater: Als er todkrank war, hat er die Seele seines Erstgeborenen an den Teufel verkauft.

Es folgt der dramatische Auftritt des Höllenfürsten (Ray Wise): Der trägt Designeranzüge, hört am liebsten italienische Gassenhauer und steht auf fettes Essen. „Ich bin echt froh, dass ich keine Arterien habe“, erklärt er mit einem Lächeln.

Sam soll künftig für Luzifer aus der Hölle entflohene Seelen einfangen. Nicht gerade sein Wunschjob. „Reaper – Ein teuflischer Job“ ist eine schwarzhumorige Tragikomödie. Mark Gordon („Grey’s Anatomy”) fungiert als Produzent des Spaßes, Kevin Smith („Clerks“, „Dogma“) als Regisseur und Berater.
Der Hades-Azubi bekommt praktische Superkräfte wie Telekinese, dass er die fiesen Untoten wieder an ihren Ursprungsort zurückschicken kann. Und eine Art Tischstaubsauger zum Transport der bösen Seelen. Was der Zuschauer noch erfährt: Die Hölle ist gar nicht so weit weg, wie man vielleicht denkt. Orte, die den Menschen gemeinhin als Hölle auf Erden erscheinen, erweisen sich folgerichtig auch als Portal. So die örtliche KFZ-Zulassungsstelle, wo während der Pilotfolge eine Mitarbeiterin des Teufels den Staubsaugerinhalt entgegen nimmt.

Einen willigen Helfer findet Sam in seinem Kumpel Sock (Tyler Labine). Der wirkt wie eine junge Version des Filmkomödianten Jack Black und schlägt kleine Kläffer gerne mit der Autotüre nieder. Als ihm Sam von seinem Malheur erzählt, lautet Socks Antwort: „Mir ist noch nie so was Cooles passiert.“
Ansonsten bietet die US-Serie eine Melange aus gelungener Satire und leicht brachialer Komik. Sam ist zu allem Überfluss auch noch unglücklich verliebt, was bereits bei der Pilotfolge etwas zu sehr auf die Tränendrüsen drückte.

Doch einen Grund gibt es sicherlich, „Reaper – Ein teuflischer Job“ zu mögen: Ray Wise. Bekannt wurde der 62-Jährige durch David Lynchs brillante Serie „Twin Peaks“. Wise spielt darin Leland Palmer, der seine eigene Tochter tötet. Keiner sonst besitzt ein solch süffisantes Zahnpastalächeln. Um Sam die Dringlichkeit seiner Mission klar zu machen, lässt er einen Mann von seiner Eismaschine überrollen. Als diese eine breite rote Spur auf der Eisfläche hinterlässt, bemerkt der Teufel augenzwinkernd: „Der hat seinen Vertrag auch nicht erfüllt.“ — (immer montags um 22.15 auf Pro7)

Thomas Susemihl

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Was machen Menschen alles für ein paar tausend Euro und einen Abklatsch von TV-Ruhm? Sich im „Big Brother“-Container nackt präsentieren? Sich von Dieter Bohlen beschimpfen lassen oder bei irgendeiner Kuppelshow zugeben, dass man mit 43 Jahren noch Jungmann ist? Das Pro 7-Format „WipeOut – Heul nicht, lauf!“ dreht die Schmerzskala kalt lächelnd zwei Nummern höher.

Sie heißen Diego, Maik, Sarah oder Ivo, fallen in riesige Schlammpfützen, kotzen fast im „Killer-Kreisel“ und lassen sich von mechanisch gesteuerten Boxhandschuhen in die Weichteile hauen. Da sehnt sich der Zuschauer ehrlich nach der x-ten Ausgabe von „The next Uri Geller“. Wer bei „WipeOut“ gewinnt, erhält 10000 Euro. Eine verschärfte Form von „Spiel ohne Grenzen“ für echte Masochisten.
Doch der körperliche Schmerz wäre hier gar nicht einmal das Schlimmste.

Als noch unerträglicher entpuppen sich die Kommentare. „WipeOut hat den härtesten Parcours der Welt. Dagegen sind die Marines und die Fremdenlegion Weicheier“, erklärt stolz Matthias Opdenhövel. Er verkörpert den Typ des bebrillten Schwiegermutterlieblings, der gerne böse wäre. Folgerichtig macht er sich über kleinwüchsige Kandidaten lustig und begleitet schmerzhafte Bauchplatscher mit Sätzen wie „Hoffentlich macht er jetzt nicht den Schreihals“ oder „Hat gekniffen, die Flöte!“

Die angesprochenen Diegos und Maiks wissen offensichtlich nichts von den eingestreuten Beleidigungen: Nach der demütigenden Bewältigung des Parcours schreit einer voller Adrenalin: „Bei mir dreht sich alles, aber supergeil supergeil.“

Dem humorigen Herrn Opdenhövel zur Seite gestellt wurde ein Mann, wegen dem man schon früher bei der Sat 1-Fußballsendung „Ran“ den Ton abdrehte: Werner Hansch, das fleischgewordene Ruhrpott-Klischee. Der ehemalige Sportreporter wird bald 71 Jahre alt.
Da er bei „WipeOut – Heul nicht, lauf!“ mitmacht, drängt sich der Verdacht auf, dass die Rente vielleicht doch nicht ausreicht.
Die Kandidaten interviewt eine üppige Blondine namens Charlotte Engelhardt. Diese entpuppt sich als erstaunlich zurückhaltend. Hat Frau Engelhardt vielleicht als einzige der TV-Täter einen leichten Anflug von Skrupel?
Produziert wurden die acht Teile dieser als Show betitelten Frechheit in Argentinien. Wahrscheinlich waren dort die zum Einsatz gebrachten Tortur-Instrumente billiger. Die Kandidaten traktiert der sogenannte „Sweeper“, ein Metallarm, der den Menschen so richtig kräftig in die unteren Regionen haut. Dies tut sicherlich weh. Doch am Zuschauer begeht „WipeOut – Heul nicht, lauf!“ echte Körperverletzung.
Wer leiden will: „WipeOut – Heul nicht, lauf!“ jeden Dienstag um 20.15 Uhr auf Pro 7.

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Unzufrieden mit dem Fernsehprogramm? Wie wäre es denn stattdessen mit einer Runde Videogucken auf dem Computer? Nein, nichts Schlüpfriges, die Rede ist hier von ganz „normalen“ Spielfilmen, TV-Serien oder Dokumentarstreifen.

„Ja, aber das kostet doch Geld“, mag jetzt mancher einwerfen, aber damit liegt er nur bedingt richtig. Zwar stimmt dieses Argument, wenn man aktuelle Filme sehen will, doch es entwickelt sich auch ein immer breiteres Umsonst-Angebot, sozusagen Privatfernsehen auf dem PC.

Auch auf dem Portal Videoload.de, das von T-Online betrieben wird, gibt es nun eine gebührenfreie Ecke, hier zu erreichen.

Neben den wohl unvermeidlichen „Bikini-Hasen on Tour“ tummeln sich hier immerhin auch einige ansehenswerte Musik- und Spielfilme sowie Tierdokus.
Bei den Filmen findet sich zwischen zahlreichen wohl zu Recht ziemlich unbekannten Namen auch etwa „American History X“, in dem es um Rechtsradikalismus geht, „Les Miserables“ mit Gerard Depardieu und – nicht zu vergessen – die Verfilmung von Ralf Königs Kult-Comic „Kondom des Grauens“.

Bei den Serien stößt man auf eine hochinteressante Mischung aus Unterwasser-Doku, Jesus-Legenden und auch eine Krimi-Reihe von Robert Altman. Besonders gut bedient werden aber vor allem zwei Fraktionen: Die Musikfans, denen eine volle Ladung an Konzert-Mitschnitten geboten wird, und die Freunde von Extremsportarten, für die gleich eine eigene Abteilung geschaffen wurde. „Die lustigsten Momente und die schlimmsten Stürze“ beim BMX-Radfahren gibt es hier zu besichtigen, ein anderer Streifen über dieses offenbar stark gesundheitsgefährdende Hobby trägt gleich den Titel „No Front Teeth“. Zahnlos und trotzdem glücklich, kann man da nur sagen.

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Kandidaten zum Verbraten

Es gibt zurzeit zwei äußerst erfolgreiche Formate im deutschen Fernsehen: Das eine nennt sich «Casting-Show», das andere ist «Irgendwas-mit-Kochen». Bei RTL2 hat man die beiden populären Formen der Abend-Unterhaltung nun zur ersten Koch-Casting-Show verknüpft: Die Premiere von «Restaurant sucht Chef» ist am Montagabend über Deutschlands Bildschirme geflimmert. Die Zutaten sind zwar nicht ausgefallen, das fertige Gericht ist aber trotzdem – oder gerade deswegen – genießbar.

Die Sendung will den Traum vieler Köche erfüllen: ein eigenes Restaurant. In diesem Fall lockt ein edles Wirtshaus im schicken Münchner Stadtteil Schwabing. Zwischen dem attraktiven Preis und den Kandidaten steht jedoch – wir haben’s vermutet – eine Reihe von Aufgaben, die die Köche früher oder später unter Druck setzen, sie dem Stress aussetzen und im Idealfall an den Rand des Nervenzusammenbruchs treiben werden. Die Weichen dafür stellt eine Jury von ausgebufften Profis, die eigentlich ganz nett sind, aber immer das grimmige Poker-Gesicht aufsetzen, wenn einer der Gastro-Aspiranten vorkochen muss. Dann folgt das bekannte Grillen und Verbraten der Kandidaten.

Auch wenn also das Rezept für die neue Reihe aus althergebrachten Zutaten zusammengestellt worden ist, so ist «Restaurant sucht Chef» doch kein völlig fader Aufguss. Die Redaktion hat die Kandidaten so souverän vorsortiert, dass schon alleine die Verschiedenheit der Charaktere Unterhaltsamkeit in den kommenden sechs Folgen garantiert. Da ist die gewiefte Unternehmensberaterin, dort der fröhlich-runde ostdeutsche Italiener oder die völlig unterschätzte junge Mutter, die nur wegen der Schwangerschaft ihre Arbeitsstelle verloren hat.

Wie in den einschlägigen Vorsing-Shows fliegt das Amateur-Beiwerk in der ersten Runde raus. Mit den Rohdiamanten will die Jury in den kommenden Wochen weitermachen. Jetzt kommt aber die erste richtige Aufgabe. «Saltimbocca» soll aufgetischt werden: 15 Minuten Zeit für den Einkauf, 20 Minuten für die Zubereitung – und alles muss erschwinglich, kreativ und auf den Punkt gegart sein und dazu noch hübsch aussehen. Kein Wunder, dass die Prüflinge ins Schwitzen kommen.

Am Ende zeigt sich, dass es nicht nur aufs solide Arbeiten ankommt, sondern auch auf Ausstrahlung, Präsentation und charakterliche Eignung: Nervenstärke, Kritikfähigkeit und «Hinter-der-eigenen-Arbeit-Stehen» muss ein perfekter Gastgeber mindestens so gut beherrschen wie gutes Kochen.

Florian Heider

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So manch einer mag sich am Sonntagabend (15. Februar 2009) beim Zappen auf «Das perfekte Promi-Dinner» die Augen gerieben haben. «Das ist doch die Prostituierten-Mutti…!? Ist die nicht letzte Woche irgendwann gestorben?» (Wer seine Jugend in den siebziger und achtziger Jahren im Osten erlebt hat und den übergroßen Brüsten der Dame damit – rein medial – entgangen ist, kann da schon mal ins Schleudern kommen.) Aber ja, es ist Domenica Niehoff, die sehr lebendig auf Vox den Kochlöffel schwingt. Ungläubig starrt man auf den Bildschirm. Dann endlich darf Domenica sagen, wie sie die Nachspeise «Norma Jean im Obstgarten mit Schokoeierlikör» fand.

Gekocht hat dieses wabbelige Pudding-Wunderwerk in Form einer Nackten ihr Mitstreiter Andre Holst. Woher der Herr seine Prominenz hat, wissen wir nicht. Angeblich wurde er schon als Moderator, Entertainer, Journalist, Swingsänger und bei der Veranstaltung «Der Patient informiert sich» gesehen.

Die seit drei Tagen tote Domenica darf im Reality-TV posthum selbst kochen: Rinderbouillon mit Markklößchen; Tafelspitz mit Meerrettich und Rote-Bete-Salat. Und zum Finale steht frischer Obstsalat mit allem drum und dran auf ihrem Menüzettel. Dass dem Zuschauer dabei wohl eher der Titel «Der perfekte Leichenschmaus» einfällt und das eigene Abendbrot im Halse stecken bleiben könnte, glaubt der Sender Vox übrigens nicht. Im Gegenteil.

Aus «gegebenem Anlass» habe man die Folge ausgestrahlt, heißt es auf Anfrage der NZ. Das Programm wurde extra umgestellt. Von Hommage und Würdigung ist die Rede. «Wir haben gesagt: Wir können es jetzt senden, oder es landet für immer in der Schublade.» – Wenn Privatfernsehen trauert. – Und man habe ja schließlich auch einen neuen Vorspann gedreht, in dem die Mitkochenden ihrer Trauer Ausdruck verleihen durften. «Nur die Leute, die dann vom Tatort rübergezappt haben, haben das nicht gesehen.» Aber ein Trauerschleifchen war stets hinter dem Namen eingeblendet. Na dann.

Claudia Urbasek

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