Nürnbergs entspannte Schnarchzapfen

Lok Foto: Günter Distler Motiv: Söder stellt Ergebnisse für Zugangsprüfung für Fernmeldeturm vor; ehemaliges Quelle-Gelände
“Mutlos und ohne Vision” werde hier eine Chance zur Stadtgestaltung vertan, sagt Simon Emmerich in seinem Beitrag über das Nürnberger Quelle-Gelände. Noch ist die Sendung, die im BR-Kulturmagazin Capriccio lief, in der Mediathek zu sehen.

Gut, das ist aktuelle Söder-Linie. Insofern versteht man, warum sich der BR hier mal kritisch geriert. Der Finanzminister lässt bekanntlich ungern eine Gelegenheit aus, den Nürnberger OB Maly und seine Genossen als mutlose Schnarchzapfen darzustellen. Da macht sein ehemalige Arbeitgeber, der BR, gerne mit. Die Schnarchzapfen stellen das in den ihnen etwas zugänglicheren Medien wiederum als Entspanntheit und Gelassenheit dar.

Während sich aber die einen streiten, ob die Haltung der Stadt relaxt oder feige ist, dürfen sich die derzeitigen Quelle-Nutzer fragen, wo sie künftig bleiben sollen. Leichter wird die Suche nach Alternativen nicht, wenn auch noch die derzeitigen AEG-Nutzer auf den Markt drängen. Im AEG-Fall ist übrigens der Finanzminister mit im Boot und vertreibt sie mit seinen Uni-Plänen.

Freut sich denn keiner über den Mindestlohn?

ARCHIV dpa - Bildfunk
Der Streit um den Mindestlohn geht weiter. Am 1.Mai wird er auch das Hauptthema auf den verschiedenen DGB-Veranstaltungen sein.

Blöderweise krankt es jedoch an der journalistischen Begleitung dieses SPD-Herzensanliegens. Seit Wochen versuchen Kollegen händeringend jemanden zu finden, der sich über den mittlerweile geltenden Mindestlohn freut. Auch die Gewerkschaften müssen passen. Niemand will sich von der Presse dazu interviewen lassen. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Bei den Spargelhelfern dürften es mangelnde Deutschkenntnisse sein. Bei anderen ist es vielleicht drohender Ärger mit dem Arbeitgeber. Andere wiederum freuen sich vielleicht gar nicht, weil bei ihnen beispielsweise zwar der Lohn höher, dafür aber die Stunde länger geworden ist.

Für die SPD und die Gewerkschaften ist das Ganze natürlich ärgerlich. Da hat man endlich einmal das Gefühl, Zukunft zu gestalten und seiner Klientel etwas Gutes zu tun, doch keiner zeigt sich dankbar und bricht in Jubel aus.

Aber, wie gesagt, es geht nicht nur um die SPD. Wer also jemand kennt, der ein gutes Wort über seinen Mindestlohn verlieren möchte, oder wer vielleicht selber dankbarer Nutznießer dieser Reform ist: Bitte bei mir melden (peter.viebigATpressenetz.de)!

Ruinen des Bürgerwillens

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Gestern kam Nürnberg in der Sendung “extra3″ nicht besonders gut weg. Die “bodenlose” Brücke über die Breslauer Straße ist ja auch für jeden Normaldenkenden als realer Irrsinn zu verstehen. Dass dann die beiden städtischen Interviewpartner auf die Frage, ob man die Brücke denn überhaupt brauche, schallend lachen, dürfte den Steuerzahler erst recht empören. Dazu kommen noch etliche Bürger zu Wort, die das Ganze als hirnverbrannt geißeln.

Hier ist der Beitrag ab Minute 12:05 zu sehen:

So weit, so schlecht. Leider waren es vor gut 25 Jahren genau diese Bürger (im Einzelfall natürlich andere), die die damals 1,3 Millionen Mark teure Brücke unbedingt haben wollten. Das damals als Mini-Golden-Gate-Brücke bezeichnete Bauwerk wurde von den Anwohnern gefordert, nachdem dort einige Jahre zuvor ein Kind tödlich verunglückt war, als es versuchte den Bus zu erreichen. Dass an der gleichen Stelle ein Ampelübergang vorhanden ist, wussten die Anwohner.

Nur ein paar Meter weiter an der U-Bahn-Haltestelle Messezentrum ist übrigens eine weitere Ruine des Bürgerwillens zu besichtigen. Dort sollte unbedingt eine WC-Anlage gebaut werden. Inzwischen wurde sie mangels “Beschiffung” still gelegt.

StUB: Euer Volk mag euch nicht

StUB-Förderung
Erfolgsorientierte Menschen wie Ulrich Maly, Markus Söder oder Joachim Herrmann (im Bild: Söder und Herrmann beim Trommeln für die StUB) hüllen über Niederlagen gerne den Mantel des Schweigens. Deswegen werden sie jetzt wohl schnell wieder zum Tagesgeschäft übergehen (beispielsweise Gipsbüsten in alten Tempeln bei Donaustauf aufstellen) und das Votum zur Stadt-Umland-Bahn unter “verknöcherte Landbewohner” ablegen. Genauso wie der eine oder andere Kommentator in der Zeitung oder wie hier auf Twitter: weiter lesen

TTIP: Maulkorb für den Stadtrat

demoVor einem halben Jahr hat der Nürnberger Stadtrat einen einstimmigen Beschluss zum Freihandelsabkommen TTIP gefasst. Da bei dem Abkommen auch kommunale Interessen berührt seien, sollten sie da wenigstens gehört werden, meinten die Stadträte. Nun, das sollen sie offensichtlich nicht. Und nicht nur das: Der Beschluss des Nürnberger Stadtrats war, nach Stand der Dinge, gar nicht rechtmäßig, also illegal.

Ein Gutachten des Bundestages verpasst nämlich den Stadtparlamenten in Sachen TTIP einen Maulkorb (“Reden über TTIP verboten“). Das Gleiche gilt auch für Leute, die die Begründung für den Maulkorb lesen wollen. Auch das ist verboten.

Der Nürnberger ÖDP-Stadtrat Thomas Schrollinger ist über diese Entwicklung empört: “Anstatt die Bedenken der Mehrheit der Bürger und der Kommunen ernst zu nehmen und endlich den Verhandlungen die nötige Transparenz zu geben, sollen Diskussionen darüber im Keim erstickt werden.” Offenbar wachsen mit dem zunehmenden Widerstand gegen TTIP auch die Restriktionen. Schrollinger: “Wir dürfen uns durch schweigendes Hinnehmen solcher Gutachten in so wichtigen Aufgaben der kommunalen Daseinsvorsorge nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Noch bestimmen wir selbst, über was wir in unserem kommunalen Gremium sprechen wollen und über was nicht.”

Es ist also für Zündstoff gesorgt, wenn am kommenden Samstag auch in Nürnberg gegen TTIP protestiert wird. Die Demo beginnt um 11 Uhr am Jakobsplatz. Bei der Kundgebung um 12 Uhr vor dem Heimatministerium wird auch OB Ulrich Maly sprechen. Bin gespannt, welche Worte er für seinen Parteifreund und TTIP-Befürworter Sigmar Gabriel findet.

Wie der Dadord Franken meuchelte


Eigentlich wollte ich nichts mehr zum Frankentatort (Dadord) schreiben. Der wurde – um es vorsichtig zu formulieren – medienmäßig ohnehin überbetreut. Aber angesichts des Jubels, der mir jetzt entgegenschwappt, muss ich doch mal die Frage stellen: Haben sie euch allen ins Hirn gebrunzt?

Das war doch 90 Minuten gequirlte Langeweile. Ungefähr das, wie das, was der 1.FCN gerade abliefert. Am Anfang fiel mal ein Schuss, dann sah man aber nur Leute vergeblich klingeln und mit dem Auto die Fürther Straße entlang brettern. Fast 60 Minuten dauerte allein die Vorstellungsrunde (ah, der Herr Kommissar kommt aus Oldenburg, wie interessant). Und dazwischen wurden völlig sinnfrei Stadtansichten eingeblendet oder mal kurz Flaneure (in Zeitlupe) an der Fleischbrücke abgelichtet. Aber das notgeile Nürnberg (Regisseur Färberböck: “Die Stadt hat zu mir gesagt: Nimm mich!”) ist halt auch mit wenig zufrieden. Scheinbar auch viele Kollegen. Aus lauter Angst, die fürnehmen Filmschaffenden könnten wieder jahrzehntelang einen Bogen um ihre Noris machen, scheinen sie dem Tatort sogar in nicht vorhandene Öffnungen zu kriechen.

Gut, ich weiß nicht, ob die Tatorte sonst besser oder schlechter sind (ich schaue dieses Format normalerweise nicht), aber auf Twitter, das mir gut über die vielen Längen hinweghalf, teilten auch andere meine mangelnde Begeisterung:
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Wenn das Petra Kelly wüsste

Plätze der Stadt
Normalerweise werden die Ostermärsche eher unter Protestfolklore abgehandelt. Nürnberg pflegt solche Traditionen besonders gern. Der Franke, wenn er sich mal bewegt hat, ist halt treu.

Diesmal war es aber anders. Diesmal wurde auch dem letzten klar: Die Grünen haben sich von derartiger Folklore verabschiedet.

Bereits im Vorfeld gab es Ärger. Grünen-Fraktionschef Achim Mletzko hatte sich echauffiert, die Veranstalter hätten in ihrem Aufruf den Freiheitsdrang der ukrainischen Bevölkerung als faschistische Tun abqualifiziert. Damit hatte er den Aufruf des Friedensforums aber absichtlich fehlinterpretiert.

Gleichzeitig hat er freilich auch Klarheit geschaffen: Bellizisten haben auf Friedensmärschen nun wirklich nichts verloren. Insofern dürften manchem altgrünen Romantiker endlich die Augen aufgegangen sein. Spätestens dann als die Grünen bei der Veranstaltung am Ostermontag ausgepfiffen wurden.

Zeit also, sich wieder mal mit den Nürnberger Grünen zu beschäftigen. weiter lesen

Der Co-Pilot und die Lügenpresse

dschihaEigentlich wollte ich ja meinen Mund halten. Aber eine kleine Anmerkung zu dem laufenden Journalisten-Bashing (millionenfach auf Twitter oder Facebook, zusammengefasst beispielsweise hier) muss ich jetzt doch loswerden.

Von wem wollt ihr denn Infos, wenn ihr “die Medien” und “die Journalisten” samt und sonders in die Tonne tretet? Vielleicht von Michael Mannheimer, einem der ganz vorne dabei ist, wenn es gegen die Lügenpresse geht?

Mannheimer, der unter anderem von der Wügida als Redner engagiert wurde, hat jetzt “die Wahrheit” über den Co-Piloten der verunglückten Germanwings-Maschine ans Licht gebracht. Der 27-Jährige, so schreibt Mannheimer auf Facebook, sei Dschihadist und kurz vor dem Unglücksflug zum Islam konvertiert. Beweise? Muss man nicht haben. Blöderweise hat der Lügenpresse-Kritiker seine Behauptung aber mit dem Bild eines völlig Unbeteiligten untermauert und behauptet, das sei der Co-Pilot Wahrscheinlich hat er deswegen seinen Beitrag inzwischen gelöscht. Aber es gibt einen Screenshot davon. Im Netz geht schließlich nichts verloren.

Dass auch angeblich seriöse Medien das falsche Bild veröffentlicht haben (das ZDF hat sich danach wenigstens entschuldigt) unterstützt vielleicht das negative Bild, das manche Medien derzeit bieten, macht Mannheimers Gegenöffentlichkeit aber nur unwesentlich besser.

…aber wahrscheinlich kommt jetzt irgendjemand daher und behauptet, dass es sich bei ihm um einen V-Mann des Verlegerverbandes handelt.

Für die VAG gelten andere Regeln

ÖPNV
Sagen wir mal so: In punkto Problembewusstsein unterscheiden sich wir Normalmenschen und die Mitarbeiter der VAG doch erheblich. Dass bei der VAG keinem Bedenken gekommen sind, als sie sich auf das Telekom-Angebot einließen, ist schon erstaunlich. Den Stadtrat zu informieren, noch nicht einmal das hielten sie für notwendig. Wobei ich zunächst vermutete, die VAG habe angenommen, im Nürnberger Stadtrat habe eh keiner von der Thematik eine Ahnung. Via Twitter musste ich mich aber belehren lassen, dass zumindest in den kleinen Parteien dafür sehr wohl Sachkompetenz vorhanden sei.

Bei den Akteuren der Handyüberwachung handelt es sich allerdings um Telekom und VAG. Die haben schon deshalb weniger Unrechtsbewusstsein, weil sich keiner an sie rantraut. weiter lesen

Müllpädagogen – völlig losgelöst

muell
Blöd, wenn mühsam angelerntes Wissen plötzlich obsolet wird. Da haben sich Millionen von Deutschen jahrzehntelang in die sachgemäße Mülltrennung reingefieselt, und jetzt wird das offenbar gar nicht mehr gebraucht. Angesichts einer Recyclingquote von gerade mal 30 Prozent, sagte der Chef des Münchner Abfallwirtschaftsbetriebs Helmut Schmidt unlängst, man müsse die Bürger nicht mehr länger quälen mit Sortieren oder Becherauswaschen.

Allerdings: das ist München. Auf dem fränkischen Land werden derweil noch die Daumenschrauben angezogen. Zum Beispiel im Landkreis Erlangen-Höchstadt. Da sind zwei Abfallberater jeweils 50 Stunden pro Woche unterwegs um in den Tonnen zu wühlen, ob da vielleicht was drin ist, was nicht reingehört. Wo sie fündig werden, wird ein grellgelber Hinweis aufgeklebt (Bild), damit das ganze Viertel gleich sieht: Hier wohnt er, der Müllfrevler. weiter lesen