So wird das nichts mit den E-Autos

Stromtankstelle für ElektroautoE-Autos kann man durchaus kritisch sehen. Keine Frage! Die Bundesregierung hat sich dennoch dazu entschlossen, deren Verkauf jetzt doch ein bisschen vehementer anzukurbeln. Unternehmensberater sehen im neuen Elektromobilitätsgesetz sogar schon den Durchbruch. Vorausgesetzt die Kommunen ziehen mit und setzen die Privilegien für Elektroautos (Fahren auf Busspuren, eigene Parkplätze, Sondernummernschilder…) um.

In Nürnberg kam die Ablehnung prompt. Als “unsinnig und kontraproduk­tiv” bezeichnete Frank Jülich, Lei­ter des städtischen Verkehrsplanungs­amts, das neue Gesetz. Der Vorrang auf Busspuren müsse den öffentlichen Bussen vorbehalten bleiben, um die Pünkt­lichkeit des Nahverkehrs zu sichern. Elektroautos seien zudem immer noch zu wenig marktfähig, um Autos mit Verbrennungsmotor zu ersetzen. Jülich: „E-Autos sind eher Zweit- und Dritt­autos. Im Moment bringen sie zusätzli­che Kfz in die Stadt, statt den Flächen­verbrauch zu stoppen.“
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Nürnberg ist langweilig und das ist gut so

xDa kommt er wieder, der Langweiligkeits-Vorwurf. In Nürnberg kann man fast die Uhr danach stellen und wenn sich dann Meldungen wie das Ende des Opernballs paaren mit Bauerntheater-Vergleichen angesichts der FCN-Jahreshauptversammlung oder mit der Präsentation moderner Errungenschaften, die obwohl um Jahre zu spät auch nicht richtig funktionieren, dann ist es halt wieder soweit,

Das Prädikat ““langweiligste Großstadt Deutschlands” verfolgt uns schon seint mehr als 20 Jahren. Inzwischen kam “das Duisburg Bayerns” hinzu. Die Duisburger sind uns dabei immerhin insofern voraus, als es deren Traditionsverein bereits in die 3. Liga geschafft hat. Da will unserer mit seinen festzementierten Vorstand (institutionalisierte Langeweile, auf ewig Bader!) erst noch hin.

Freilich: Werden Gelsenkirchen oder Dortmund wegen ihrer Fußballvereine als Städte interessanter? Wird München liebenswerter durch den FC Bayern? Insofern kann man hier Entwarnung geben. Auch das Ende des Opernballs dürfte 99,9 Prozent der Weltbevölkerung am Sitzfleisch vorbei gehen. weiter lesen

Fränkische Piraten: Jetzt erst recht!

piratenNiedergang, Austrittswellen, Grabgesänge: Die einst so hoffnungsvollen Piraten scheinen mausetot zu sein. Und wenn bei einer Partei dann noch Stern-Reporterin Laura Himmelreich auftaucht, dann ist das Ende ohnehin nah.

Nicht so bei uns. Die Franken halten das Piratenfähnchen weiterhin hoch. Zwar schwinden auch hier die Mitgliederzahlen. Aber unsere Piraten-Parlamentarier denken weder an Austritt noch ans Aufhören.

Der Nürnberger Stadtrat Michael Bengl konstatiert:

In Nürnberg und in Mittelfranken gibt es keine Anzeichen einer Austrittswelle oder einer Entzeitstimmung.
Vielmehr konzentrieren wir uns hier auf die anstehenden Themen in der Kommunalpolitik und ich freeu mich, dass wir uns bei den anstehenden Haushaltsberatungen hier in Nürnberg konkret einbringen können

Es seien vielleicht einige Köpfe abhanden gekommen. Besonders um Anke Domscheidt-Berg tut es Bengl leid. Von ihr hätten die Piraten enorm profitiert. Aber die grundsätzlichen Themen blieben schließlich bei der Partei: weiter lesen

Drittligist in spe will neues Stadion

nnBeim Nürnberger Zweitligisten läuft einiges schief. Das wird an anderer Stelle bereits ausführlich beschrieben. Dass man dort aber auch erstaunlich wenig Gefühl für den richtigen Moment entwickelt, das konnten die Leser der Nürnberger Nachrichten (Artikel leider nicht online) heute erleben. Dort wird auf mehr als einer halben Seite der Wunsch des 1.FCN nach einem neuen Stadion dargelegt. Finanzvorstand Ralf Woy schwärmt da von der Atmosphäre in Dortmund und träumt von einer rot-schwarzen Wand, die die Clubspieler nach vorne peitscht.

Dass der Club sich durch ein neues Stadion zusätzliche Einnahmen erhofft, ist bekannt. Dass er Pläne dafür ausbaldowert auch. Am kommenden Freitag tagt der Werkausschuss Frankenstadion und wird dort einen Verlust für das Stadion von einer Million Euro zur Kenntnis nehmen müssen, versehen mit der Prognose, dass aufgrund des Abstiegs die Einnahmen künftig nochmal geringer ausfallen werden. Dazu stehen einerseits bauliche Investitionen an, andererseits wünscht sich der Club-Vorstand, die Stadt solle sich finanziell am Neubau eines reinen Fußballstadions beteiligen. Eventuell könne sie dann 2024 bei der Europameisterschaft ein paar Spiele abgreifen.

Dass sich die Clubführung ebenfalls wenig um Befindlichkeiten in der Einwohnerschaft schert, wundert eigentlich nicht mehr. Es gibt also ein über den Fußball hinausgehende öffentliches Interesse daran, dass bei der Jahresmitgliederversammlung am 30. September beim Club etwas realitätsbezogenere Leute in den Aufsichtsrat (oh, Moment, da sitzt ja schon ein Stadtvertreter drin) und damit in den Vorstand kommen.

Zwei Stadien in der Stadt finanzieren und dann spielt da ein Regionalligaverein, das tendiert gewaltig in Richtung Lachnummer.

Die Grünen wollen mal wieder was verbieten

SPD BundesparteitagDie Nürnberger Grünen scheinen die Ausbootung durch die SPD überwunden zu haben und wenden sich wieder ihrer Kernkompetenz zu: dem Verbieten lassen. Diesmal wollen sie, dass die Stadt ein Werbeverbot für Tabakwaren erlässt. In Berlin, Heidelberg, Bergisch-Gladbach, Karlsruhe, Biberach oder Vaterstetten sowie in anderen EU-Ländern gebe es das auch schon.

Grünen-Fraktionschef Achim Mletzko zur Begründung:

Durch das Werbeverbot von Tabakwaren entsteht die Möglichkeit, die gesundheitlichen Folgen des Rauchens zu reduzieren. Neben den schädlichen Wirkungen auf das Herz-Kreislauf-System und die Atemwegen stellt der Tabakkonsum auch das größte bekannte Krebsrisiko dar. 25-30% der Krebsfälle stehen mit dem Rauchen in Verbindung.

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Der Franke, zum Troll prädestiniert?

trollEuch muss ich es nicht erzählen: Franken ist kein Sprungbrett zum Weltruhm. Der Satz stimmt freilich nur teilweise. Mitunter ist ein solcher Pessimismus nur in falschen Vorstellungen darüber begründet, wo es zum Weltruhm geht.

Nehmen wir einmal Uwe Ostertag. Der Mann ist bei Onlineredakteuren und -mitarbeitern längst eine feste Größe. Er kommentiert fast alles, was die Nachrichtenportale berichteten und fast jedesmal sind die Beiträge grenzwertig und es muss entschieden werden, löschen wir das oder lassen wir es laufen. Ostertag ist das, was man einen Troll nennt.

Jetzt wurde Ostertag dank der FAZ einem breiteren Publikum bekannt. Und das weiß nun auch: Der Troll wohnt in Ochsenfurt. Also im hintersten Franken. Er ist also gleich mehrfach benachteiligt und daher zum Troll prädestiniert. Schade, dass die FAZ diese multiplen Benachteiligungen ausblendet und nur darauf eingeht, dass Ostertag gehbehindert und alleinerziehend ist. Aber das ist vielleicht auch besser: So bleibt das unter uns. weiter lesen

Der BR und sein Ärger mit den Provinzdeppen

tatortManchmal sind einem die eigenen Landsleute und die eigenen Kollegen peinlich. Da möchte man laut in die Welt rufen: Entschuldigung, bitte ignorieren, es gibt hier noch andere, nur bekommen die den Mund nicht auf!

Wenigstens im Vipraum möchte ich dagegenhalten. Nein, mich interessiert es nicht die Bohne, dass zurzeit in Nürnberg ein Film gedreht wird. Auch nicht, wenn der zu der – aus unerfindlichen Gründen – erfolgreichen Tatort-Reihe gehört. Und nein, ich halte es auch nicht für eine Aufwertung Frankens, wenn dieser Landstrich als ziemlich letzter in Deutschland auch seinen eigenen Tatort bekommt. Das ist wie bei abgenudelten Musicals, bei Bands, die kaum einer mehr hören will, die gehen schlußendlich auf die Dörfer und verdienen sich da ihr Gnadenbrot. Die Deppen dort sind meistens blöd genug, sich im Ruhm mitzusonnen und merken gar nicht, wenn das ein längst vergangener, völlig verblasster ist.
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Als die Politik einmal nicht vor Karstadt kuschte

Kaufhausserie   Kaufhof  und  KarstadtDer neue Karstadt-Eigentümer Rene Benko will deutschlandweit 15 bis 20 Filialen schließen. Als 11. September soll über die Sanierungspläne beraten werden. Auf einer “sehr stark gefährdet” ist auch das Kaufhaus in Nürnberg-Langwasser aufgeführt. Eröffnet wurde dieses am 23. Oktober 1969, also knapp neun Jahre vor dem zweiten Nürnberger Karstadt an der Lorenzkirche.

Der steht ganz offensichtlich nicht zur Disposition. Und das ist nicht nur auf die optimale Innenstadtlage zurückzuführen. Wenn es nämlich nach Karstadt gegangen wäre, dann stünde an der Nürnberger Lorenzkirche ein Klotz aus Sichtbeton, an Bunker und Parkhäuser erinnernde Einheitsarchitektur – also so wie die allesamt kränkelnden oder bereits verblichenen früheren Kaufhausbauten in Nürnberg.

karst18Doch auch aus einem anderen Grund lohnt sich der Blick zurück (auf den übrigens auch Karstadt setzt mit seinem Hinweis auf die Gründung im Jahr 1881). Als das Kaufhaus an der Lorenzkirche geplant wurde, gab es in der Nürnberger Kommunalpolitik noch Visionen, Grundsätze, politisches Rückgrat und einen gewissen Abstand zum Kapitalismus in der Mehrheitspartei. Und wahrscheinlich dürfte Rene Benko den Nürnberger Stadträten, aber auch den damals erstmals größer in Erscheinung tretenden Altstadtfreunden dankbar sein, dass sie nicht willfährig den Wünschen seiner Vorbesitzer gefolgt und auch deren Erpressungsversuchen nicht erlegen sind. weiter lesen

Wer will für 450 Euro Gänse beunruhigen?

xSo werden in Nürnberg Probleme gelöst! Vor einem Jahr kredenzte (es standen Wahlen an) der Nürnberger CSU-Politiker Markus Söder dem Wöhrder See einen Strand. Immerhin 15 Millionen wurden vom Freistaat in die Aufpeppung des Sees gesteckt. Doch dummerweise ist der trotzdem nicht badetauglich und wird von Vögeln okkupiert. Diese Vögel haben zudem keinerlei Respekt vor dem massiven Steuergeldereinsatz des Freistaats und scheißen sogar noch drauf.

Zur Problembehebung hatte Finanzminister Söder auch gleich den Zuständigen ausgemacht: SÖR. Dieser Servicebetrieb ist in Nürnberg sowieso für jede Scheiße verantwortlich. Doch blöderweise hat SÖR und die dahinter steckende Stadt Nürnberg die Zuständigkeit glaubhaft widerlegen können. Sogar der Landesbund für Vogelschutz (“Mitvögeln!”) mischte sich ein und meinte, das mit den Vogelkot hätte man sich eigentlich denken können. weiter lesen

Haderthauer als Schirmherrin abgesetzt

Chrysanthemenball 2011 am 24.02.2011 im Bayerischen HofBeim Chrysanthemenball im Februar 2011 war die Welt noch in Ordnung. Im Hotel Bayerischer Hof in München durfte die damalige Sozialministerin Christine Haderthauer nicht nur Ministerpräsident Horst Seehofer vertreten, sondern bei der feierlichen Scheckübergabe an den Verein Kindertafel-Glockenbach, zu dessen Gunsten der Ball veranstaltet wurde, auch stolz verkünden, dass sie seit 2008 dessen Schirmherrin ist. Sie kümmerew sich somit also – indirekt – ebenfalls um Kinder, die in der reichen Stadt München an der Armutsgrenze leben.

Auch der 130 Mitglieder zählende Verein war damals froh, eine Ministerin als Schirmherrin zu besitzen. Selbst wenn die praktisch nie auftauchte.

Doch jetzt hat die Kindertafel die Schirmherrin von ihren Verpflichtungen entbunden. “Ich frage mich, wie die aus dieser Nummer wieder rauskommen will”, konstatiert der Vereinsvorsitzende Ulrich Ludwig. Am Dienstag habe er einen Beitrag in Report-Mainz zur Modellautoaffäre gesehen, danach war für ihn endgültig klar: “Hier geht es um unsere Glaubwürdigkeit, wir müssen reagieren.”

Zuvor hatte Ludwig von seinen Vereinsmitglieder den Auftrag erhalten, den Fall zu beobachten und dann entsprechende Schritte einzuleiten. Schließlich stehe das Ansehen des Vereins auf dem Spiel. “Wir wollten vorher weg sein und nicht auf einen Rücktritt warten”, kommentiert Ludwig. Allerdings fragt er sich inzwischen auch, warum “der Horst Seehofer da so lange zögert”.

Ludwig hat sofort die Staatskanzlei über die Aufhebung der Schirmherrschaft informiert. Ein Antwort bekam er nicht. “Die haben wahrscheinlich andere Sorgen.”