Für die VAG gelten andere Regeln

ÖPNV
Sagen wir mal so: In punkto Problembewusstsein unterscheiden sich wir Normalmenschen und die Mitarbeiter der VAG doch erheblich. Dass bei der VAG keinem Bedenken gekommen sind, als sie sich auf das Telekom-Angebot einließen, ist schon erstaunlich. Den Stadtrat zu informieren, noch nicht einmal das hielten sie für notwendig. Wobei ich zunächst vermutete, die VAG habe angenommen, im Nürnberger Stadtrat habe eh keiner von der Thematik eine Ahnung. Via Twitter musste ich mich aber belehren lassen, dass zumindest in den kleinen Parteien dafür sehr wohl Sachkompetenz vorhanden sei.

Bei den Akteuren der Handyüberwachung handelt es sich allerdings um Telekom und VAG. Die haben schon deshalb weniger Unrechtsbewusstsein, weil sich keiner an sie rantraut. weiter lesen

Müllpädagogen – völlig losgelöst

muell
Blöd, wenn mühsam angelerntes Wissen plötzlich obsolet wird. Da haben sich Millionen von Deutschen jahrzehntelang in die sachgemäße Mülltrennung reingefieselt, und jetzt wird das offenbar gar nicht mehr gebraucht. Angesichts einer Recyclingquote von gerade mal 30 Prozent, sagte der Chef des Münchner Abfallwirtschaftsbetriebs Helmut Schmidt unlängst, man müsse die Bürger nicht mehr länger quälen mit Sortieren oder Becherauswaschen.

Allerdings: das ist München. Auf dem fränkischen Land werden derweil noch die Daumenschrauben angezogen. Zum Beispiel im Landkreis Erlangen-Höchstadt. Da sind zwei Abfallberater jeweils 50 Stunden pro Woche unterwegs um in den Tonnen zu wühlen, ob da vielleicht was drin ist, was nicht reingehört. Wo sie fündig werden, wird ein grellgelber Hinweis aufgeklebt (Bild), damit das ganze Viertel gleich sieht: Hier wohnt er, der Müllfrevler. weiter lesen

Obacht, Sie verlassen den Mainstream!

gez
Wie sehr meine Pressekollegen ihre eigenen Interessen hintanstellen, das erkennt man sehr schön beim Thema Öffentlicher Rundfunk. Anstatt zum Beispiel über den Anti-GEZ-Aktionstag vorletzte Woche zu berichten und die Infostände in der Fußgängerzone abzulichten, brachten sie: Nichts! Gut, der Andrang war (siehe Bild) eher mau. Andererseits, wenn nicht darauf hingewiesen wird, kommt eben auch keiner.

Dabei ist für die lokalen und regionalen Zeitungen – zumindest online – der Hauptgegner mittlerweile längst die jeweilige Rundfunkanstalt. Mit dem schönen Wort “trimedial” verschleiern die Öffentlich-Rechtlichen, dass sie sich das Geschäft mit den regionalen Nachrichten im Netz einfach so gekrallt haben, obwohl es dafür kaum eine Rechtfertigung durch den Rundfunkvertrag gibt. Wer für ein Zeitungsportal arbeitet, muss sich inzwischen nicht nur mit dieser – oft wesentlich besser ausgestatteten – Konkurrenz auseinandersetzen, er finanziert diese auch noch unfreiwillig mit. Refinanzierungsmodelle werden freilich ad absurdum geführt. Es gäbe für uns also gute Gründe, diesem Finanzierungsmodell, aber auch den öffentlich-rechtlichen Sendern generell etwas reservierter gegenüberzustehen. Da braucht es gar nicht die eigene, meist negativ ausfallende Kosten-Nutzen-Rechnung (wenn ich die 7,99 Euro für Netflix als Grundlage nehmen würde, wären für mich etwa 2 Euro für die Öffentlichen adäquat).

Doch was machen wir? weiter lesen

Varoufakis ist der neue Franz Josef

Es kommt nicht so oft vor, dass Bundestagsabgeordnete die Medien mit Stellungnahmen bombardieren, wenn gerade keine Wahlen anstehen. Am Wochenende meldeten sich die örtlichen CSU-Abgeordneten plötzlich reihenweise. Offenbar gab es Klarstellungsbedarf. Zunächst ließ Dagmar Wöhrl mitteilen, dass sie gegen die Griechenlandhilfen stimme.

Nach vielen Sondersitzungen in dieser Woche,Fachgesprächen und intensiven Studiums derneuen Unterlagen konnten meineZweifel an der Ernsthaftigkeit der griechischen
Reformvorschläge nicht ausgeräumt werden.

Danach meldete sich Peter Gauweiler und signalisierte ebenfalls Ablehnung.

Die politischen Entscheidungsträger des Euro-Raums müssen also zu einer grundlegenden Korrektur ihrer Rettungspolitik bereit sein. Das Eingeständnis mit dieser Politik auf das falsche Pferd gesetzt zu haben und einen neuen Kurs ausarbeiten zu müssen, würde der Politik nicht schaden. Ganz im Gegenteil würde es dazu führen, dass die Menschen wieder Vertrauen in die politische Klasse zurückgewinnen.

Wöhrl und Gauweiler, da war doch was? weiter lesen

Kirche: Einfach mal danke sagen!

kirche
Post vom Amt, das bedeutet normalerweise: Du musst zahlen. Dieser Tage bekam aber manch einer Post vom Kirchensteueramt (Bild), in denen sich das Amt dafür bedankte, dass man im vergangenen Jahr brav seine Kirchensteuer berappt hat. Ein bisschen blöd, dachte ich zunächst. Wird so der Zahler, dem seine Kirchesteuer sonst gleich unauffällig vom Gehalt abgebucht wird, erst darauf gestoßen, dass er austreten könnte – zumal ja inzwischen auch noch bei den Kapitalerträgen die Kirchensteuer draufgeschlagen wird? Langsam werden die Kirchenmitglieder so auch überschaubar und die Portokosten für Dankesschreiben halten sich in Grenzen.

Dass man es jetzt mit Charme und Freundlichkeit versucht, ist auf der anderen Seite aber vielleicht auch ein Weg, wie man der grassierenden Pampigkeit in der Bundesrepublik Einhalt gebieten könnte. Wie wäre es denn, wenn die Finanzminister Schäuble und Söder und der Intendant des Bayerischen Rundfunks Wilhelm auch mal einfach Danke sagen würden? Würden wir dann nicht ein bisschen bereitwilliger unsere Zwangsabgaben abdrücken? Nachdem die alle drei auch noch einer Partei angehören, die sich christlich nennt, könnten die von der Kirche vielleicht wirklich mal was lernen. Wohlan!

YouTube Preview Image

Wo die Steine reden und wo nicht

Dokuzentrum
Wie geht es mit dem Reichsparteitagsgelände weiter? Diese Frage wird woanders erheblich intensiver diskutiert als in Nürnberg. Gestern nahm das Thema zum Beispiel breiten Raum im ARD-Kulturmagazin Titel, Thesen, Temperamente ein.

Mit diesem Beitrag ist die Diskussion mittlerweile bei Wiederherstellung des Originalzustandes angelangt. Angefangen hat sie, ausgelöst durch einen Zeit-Artikel des Geschichts-Professors Norbert Frei, beim Abriss der maroden Gebäude.

Die Stadt Nürnberg und Oberbürgermeister Ulrich Maly sind hingegen gegen eine Abriss und wollen das Gelände “trittfest” machen. Was Maly gern damit begründet, dass “Steine Geschichte erzählen” oder – weil solche Sätze im Lateinischen noch eine andere Wirkmächtigkeit besitzen:
Saxa loquuntur.

Da wundert man sich allerdings, warum die Saxa am Dutzendteich sprechen und am Bahnhofsplatz nicht. Beim Hauptpostgebäude, das bereits in Nürnbergs Zentrum die nur äußerlich massive NS-Architektur repräsentiert, tut man sich mit dem Abriss nicht so schwer. Da stehen aber halt ökonomische Interessen dahinter.

Die Frage ist nur, tun sie das nicht auch, wenn wir über den Erhalt des Reichsparteitagsgeländes reden. Die NS-Bauten am Dutzendteich haben für den Städtetourismus in Nürnberg einen nicht unwesentlichen Stellenwert. Vielleicht wird das Thema bei uns deswegen so niedrig gehängt, weil man sonst irgendwann nicht über Saxa, sondern über Pecunia reden müsste.

Da kotzt das Autorenherz

krimine
Offiziell soll das im Riva-Verlag erschienene Buch “Da kotzt das Texterherz” erst am nächsten Montag erscheinen. Aber schon jetzt finden sich auf der Bestellseite von Amazon rund 50 Verrisse (gut, ein wahrscheionlich aus dem “Autoren”-Umfeld stammender, Jubelartikel ist auch dabei).

Dass Leute ein Buch verreißen, das noch gar nicht erschienen ist, mutet ungewöhnlich an. Hier ist es aber anders: Die Kritiker kennen den Inhalt. Sie haben ihn den “Autoren” oft sogar selbst geliefert oder haben ihn zumindest bereits in der Facebook-Gruppe gelesen, die ebenfalls “Da kotzt das Texterherz” heißt. Aus der stammen nämlich die Beiträge in dem für 9,99 Euro angebotenen Taschenbuch.

In der Selbstdarstellung der Gruppe heißt es unter anderem:
weiter lesen

Werden wir Metropole für unmoderne Musik?

Gasteig_Philharmonie
Es ist bei Städten wie in großen Firmen: Wer global mitmischen will, der kann sich irgendwann nicht mehr mit der Bespaßung der Nachhut aufhalten. In München merken das gerade die Klassikfreunde, denen jetzt nur noch ein Umbau statt des versprochenen Neubaus kredenzt wird.

Auch im bayerischen Städteranking gibt es Vorhut und Nachhut. Bleiben wir bei der Musik. Da dauert es zwaroft auch bis zu 50 Jahre ehe der in München ansässige Bayerische Rundfunk amerikanische Schlager in sein erstes Programm aufnimmt. Seinem Nürnberger Ableger gönnt er jedoch Musiksparten erst, wenn sie noch ein bisschen abgetragener sind. Seit der vergangenen Woche werden Schlager und Oldies für den Digitalkanal “Bayern plus” aus Nürnberg gesendet. Da halten es die BR-Leute offenbar wie mit dem Tatort: Wenn sich der erste Hype gelegt hat und ein paar Jahrzehnte ins Land gegangen sind, dann kann man auch mal die Franken berücksichtigen. weiter lesen

Darf die Stadt noch Hoeneß-Würste kredenzen?

20130212 _ B _hoeneß _Dass die EU neue Vergaberichtlinien erlassen hat und die Bundesregierung diese jetzt umsetzt, ist nicht unbedingt die Brüllermeldung. Dass demnach künftig jemand, der sich wegen Wirtschaftsdelikten strafbar gemacht hat, keine öffentlichen Aufträge mehr erhalten soll, ist dagegen schon etwas interessanter. Zumal, wenn man an Uli Hoeneß und seine Nürnberger Bratwurstfabrik denkt.

Dürfen dann Howe-Bratwürste bei Veranstaltungen der Stadt Nürnberg oder anderer öffentlicher Träger noch kredenzt werden? Bekanntlich hat Steuersünder Uli Hoeneß die Wurstfabrik zusammen mit seinem Spezi Werner Weiß 1985 gegründet – daher auch der aus den Nachnamensanfängen zusammengesetzte Firmenname Howe. Sechs Jahre vor der Gründung hatte Metzgerssohn Hoeneß – eigentlich als Retter ausgeliehen – dem 1.FC Nürnberg zu einem seiner vielen Abstiege verholfen und dabei offenbar genügend freie Zeit, um solche Geschäftsideen zu entwickeln und mitzubekommen, dass “Nürnberger Bratwürste” in Nürnberg produziert werden müssen. weiter lesen

Na sowas: Grüne sind auf ihren OB sauer

NZ-buergerreise
In Nürnberg wird weider mal über Verkehrspolitik gestritten. Leider werden aber nur die uralten Brötchen aufgewärmt. Der Ausbau des Frankenschnellwegs zum Beispiel (wobei ich hier die Vermutung habe, dass da die Befürworter langsam – aber berechtigterweise – Angst vor der eigenen Courage bekommen) oder die Öffnung des Hauptmarktes für Fahrradfahrer. Wer schon mal durch die Altstadt radeln wollte, weiß, was das für ein Quatsch ist, dass man mittendrin (übrigens nicht nur am Hauptmarkt) absteigen soll. Ich bleibe da immer sitzen und fahre halt etwas langsamer und rücksichtsvoller. Aber gut, wir leben in Deutschland und da muss dann wohl eine ordentliche Regelung her.

Womit wir bei den Nürnberger Grünen wären. Die fühlen sich jetzt ausgerechnet von ihrem Wunschpartner SPD und ihrem sonst so verehrten OB Ulrich Maly hinters Licht geführt.

Mit großer Irritation hat die Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen die Presseberichterstattung über die Bürgerversammlung in der Altstadt am vergangenen Donnerstag zur Kenntnis genommen. Bei der Diskussion über die Öffnung des Hauptmarktes für den Radverkehr wird der Oberbürgermeister dahingehend zitiert, dass mit ihm keine Öffnung des Hauptmarktes für den Radverkehr vorgenommen würde.
weiter lesen