Kirche: Einfach mal danke sagen!

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Post vom Amt, das bedeutet normalerweise: Du musst zahlen. Dieser Tage bekam aber manch einer Post vom Kirchensteueramt (Bild), in denen sich das Amt dafür bedankte, dass man im vergangenen Jahr brav seine Kirchensteuer berappt hat. Ein bisschen blöd, dachte ich zunächst. Wird so der Zahler, dem seine Kirchesteuer sonst gleich unauffällig vom Gehalt abgebucht wird, erst darauf gestoßen, dass er austreten könnte – zumal ja inzwischen auch noch bei den Kapitalerträgen die Kirchensteuer draufgeschlagen wird? Langsam werden die Kirchenmitglieder so auch überschaubar und die Portokosten für Dankesschreiben halten sich in Grenzen.

Dass man es jetzt mit Charme und Freundlichkeit versucht, ist auf der anderen Seite aber vielleicht auch ein Weg, wie man der grassierenden Pampigkeit in der Bundesrepublik Einhalt gebieten könnte. Wie wäre es denn, wenn die Finanzminister Schäuble und Söder und der Intendant des Bayerischen Rundfunks Wilhelm auch mal einfach Danke sagen würden? Würden wir dann nicht ein bisschen bereitwilliger unsere Zwangsabgaben abdrücken? Nachdem die alle drei auch noch einer Partei angehören, die sich christlich nennt, könnten die von der Kirche vielleicht wirklich mal was lernen. Wohlan!

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Wo die Steine reden und wo nicht

Dokuzentrum
Wie geht es mit dem Reichsparteitagsgelände weiter? Diese Frage wird woanders erheblich intensiver diskutiert als in Nürnberg. Gestern nahm das Thema zum Beispiel breiten Raum im ARD-Kulturmagazin Titel, Thesen, Temperamente ein.

Mit diesem Beitrag ist die Diskussion mittlerweile bei Wiederherstellung des Originalzustandes angelangt. Angefangen hat sie, ausgelöst durch einen Zeit-Artikel des Geschichts-Professors Norbert Frei, beim Abriss der maroden Gebäude.

Die Stadt Nürnberg und Oberbürgermeister Ulrich Maly sind hingegen gegen eine Abriss und wollen das Gelände “trittfest” machen. Was Maly gern damit begründet, dass “Steine Geschichte erzählen” oder – weil solche Sätze im Lateinischen noch eine andere Wirkmächtigkeit besitzen:
Saxa loquuntur.

Da wundert man sich allerdings, warum die Saxa am Dutzendteich sprechen und am Bahnhofsplatz nicht. Beim Hauptpostgebäude, das bereits in Nürnbergs Zentrum die nur äußerlich massive NS-Architektur repräsentiert, tut man sich mit dem Abriss nicht so schwer. Da stehen aber halt ökonomische Interessen dahinter.

Die Frage ist nur, tun sie das nicht auch, wenn wir über den Erhalt des Reichsparteitagsgeländes reden. Die NS-Bauten am Dutzendteich haben für den Städtetourismus in Nürnberg einen nicht unwesentlichen Stellenwert. Vielleicht wird das Thema bei uns deswegen so niedrig gehängt, weil man sonst irgendwann nicht über Saxa, sondern über Pecunia reden müsste.

Da kotzt das Autorenherz

krimine
Offiziell soll das im Riva-Verlag erschienene Buch “Da kotzt das Texterherz” erst am nächsten Montag erscheinen. Aber schon jetzt finden sich auf der Bestellseite von Amazon rund 50 Verrisse (gut, ein wahrscheionlich aus dem “Autoren”-Umfeld stammender, Jubelartikel ist auch dabei).

Dass Leute ein Buch verreißen, das noch gar nicht erschienen ist, mutet ungewöhnlich an. Hier ist es aber anders: Die Kritiker kennen den Inhalt. Sie haben ihn den “Autoren” oft sogar selbst geliefert oder haben ihn zumindest bereits in der Facebook-Gruppe gelesen, die ebenfalls “Da kotzt das Texterherz” heißt. Aus der stammen nämlich die Beiträge in dem für 9,99 Euro angebotenen Taschenbuch.

In der Selbstdarstellung der Gruppe heißt es unter anderem:
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Werden wir Metropole für unmoderne Musik?

Gasteig_Philharmonie
Es ist bei Städten wie in großen Firmen: Wer global mitmischen will, der kann sich irgendwann nicht mehr mit der Bespaßung der Nachhut aufhalten. In München merken das gerade die Klassikfreunde, denen jetzt nur noch ein Umbau statt des versprochenen Neubaus kredenzt wird.

Auch im bayerischen Städteranking gibt es Vorhut und Nachhut. Bleiben wir bei der Musik. Da dauert es zwaroft auch bis zu 50 Jahre ehe der in München ansässige Bayerische Rundfunk amerikanische Schlager in sein erstes Programm aufnimmt. Seinem Nürnberger Ableger gönnt er jedoch Musiksparten erst, wenn sie noch ein bisschen abgetragener sind. Seit der vergangenen Woche werden Schlager und Oldies für den Digitalkanal “Bayern plus” aus Nürnberg gesendet. Da halten es die BR-Leute offenbar wie mit dem Tatort: Wenn sich der erste Hype gelegt hat und ein paar Jahrzehnte ins Land gegangen sind, dann kann man auch mal die Franken berücksichtigen. weiter lesen

Darf die Stadt noch Hoeneß-Würste kredenzen?

20130212 _ B _hoeneß _Dass die EU neue Vergaberichtlinien erlassen hat und die Bundesregierung diese jetzt umsetzt, ist nicht unbedingt die Brüllermeldung. Dass demnach künftig jemand, der sich wegen Wirtschaftsdelikten strafbar gemacht hat, keine öffentlichen Aufträge mehr erhalten soll, ist dagegen schon etwas interessanter. Zumal, wenn man an Uli Hoeneß und seine Nürnberger Bratwurstfabrik denkt.

Dürfen dann Howe-Bratwürste bei Veranstaltungen der Stadt Nürnberg oder anderer öffentlicher Träger noch kredenzt werden? Bekanntlich hat Steuersünder Uli Hoeneß die Wurstfabrik zusammen mit seinem Spezi Werner Weiß 1985 gegründet – daher auch der aus den Nachnamensanfängen zusammengesetzte Firmenname Howe. Sechs Jahre vor der Gründung hatte Metzgerssohn Hoeneß – eigentlich als Retter ausgeliehen – dem 1.FC Nürnberg zu einem seiner vielen Abstiege verholfen und dabei offenbar genügend freie Zeit, um solche Geschäftsideen zu entwickeln und mitzubekommen, dass “Nürnberger Bratwürste” in Nürnberg produziert werden müssen. weiter lesen

Na sowas: Grüne sind auf ihren OB sauer

NZ-buergerreise
In Nürnberg wird weider mal über Verkehrspolitik gestritten. Leider werden aber nur die uralten Brötchen aufgewärmt. Der Ausbau des Frankenschnellwegs zum Beispiel (wobei ich hier die Vermutung habe, dass da die Befürworter langsam – aber berechtigterweise – Angst vor der eigenen Courage bekommen) oder die Öffnung des Hauptmarktes für Fahrradfahrer. Wer schon mal durch die Altstadt radeln wollte, weiß, was das für ein Quatsch ist, dass man mittendrin (übrigens nicht nur am Hauptmarkt) absteigen soll. Ich bleibe da immer sitzen und fahre halt etwas langsamer und rücksichtsvoller. Aber gut, wir leben in Deutschland und da muss dann wohl eine ordentliche Regelung her.

Womit wir bei den Nürnberger Grünen wären. Die fühlen sich jetzt ausgerechnet von ihrem Wunschpartner SPD und ihrem sonst so verehrten OB Ulrich Maly hinters Licht geführt.

Mit großer Irritation hat die Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen die Presseberichterstattung über die Bürgerversammlung in der Altstadt am vergangenen Donnerstag zur Kenntnis genommen. Bei der Diskussion über die Öffnung des Hauptmarktes für den Radverkehr wird der Oberbürgermeister dahingehend zitiert, dass mit ihm keine Öffnung des Hauptmarktes für den Radverkehr vorgenommen würde.
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Datenträger für die Ewigkeit

xManchmal schwappt auch bestens verkaufte Euphorie nicht richtig über. Zum Beispiel die, die Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle und das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege jetzt per Pressemitteilung zu verbreiteten versuchten. “Das visuelle Gedächtnis Bayerns ist gesichert”, jubelten die Genannten da. Das Amt habe “eine Vorreiterrolle” übernommen bei der Aufbewahrung “wichtiger Bildinformationen” für “kommende Generationen”. 100.000 Fotos wurden auf GlassMasterDiscs festgehalten. Diese sollen gegen Hitze, Licht, Feuchtigkeit oder Staub unempfindlich sein und so die Jahrhunderte überdauern. Auf dass die vom Landesamt seit 1863 fotografierten bedeutsamen Bauten Bayerns auch noch in ferner Zukunft die Leute beeindrucken.

Nur: Werden sie dann noch die notwendigen DVD-Player besitzen, um die Discs lesen zu können? weiter lesen

Microsoft schwärzt einen Nürnberger an

Arbeit am ComputerObwohl Microsoft seinen Cloudspeicher OneDrive als privat bezeichnet, hat ein dort hochgeladenes Bild für einen Nürnberger jetzt erhebliche juristische Konsequenzen. Neben vielen anderen Dateien hatte der Mann auch eine Datei heruntergeladen, die von Microsoft beim Scannen als kinderpornografisch erkannt wurde. Der Softwarekonzern meldete dies an das US-amerikanische Center for Missing & Exploited Children, Über die amerikanische Polizei wurde schließlich das Bundeskriminalamt in Wiesbaden verständigt.

Vor wenigen Tagen hat nun das Amtsgericht Nürnberg einen Durchsuchungsbeschluss erlassen und bei dem Nürnberger eine Hausdurchsuchung veranlasst. Dabei wurde dessen gesamte Hardware beschlagnahmt. weiter lesen

Ticketsharing bei der VAG

ticketWen die VAG mit ihren automatisierten Preiserhöhungen nervt, der kann sich jetzt ein bisschen Linderung verschaffen. Paul Blotzki aus Fürth hat eine kleine Bastelvorlage ins Netz gestellt, mit der Fahrscheine geteilt werden können.

Bekanntlich gilt ein Fahrschein 90 Minuten. So lange dauert aber keine Fahrt, weshalb üblicherweise noch eine Menge Restzeit zum Verfahren bleibt. Man steckt also seinen Fahrschein in die jeweilige Tasche und jemand, der in die entsprechende Richtung fahren will, nimmt ihn sich und fährt dann kostenlos.

Bei der VAG ist man darüber natürlich wenig amused. Eine VAG-Sprecherin verweist darauf, dass jeder Einzelfahrschein nur für eine Person und eine Fahrt gelte. Freilich muss sie einräumen, dass der Kontrolleur nicht feststellen könne, wer den Fahrschein gekauft hat und ob er schon einmal benutzt wurde. Auf jeden Fall sei es aber nicht zulässig, im VAG-Bereich Plakate oder Zettel ohne Genehmigung aufzuhängen. Selbst wenn diese angeblich einem guten Zweck dienen. Sobald VAG-Mitarbeiter solche Aushänge entdecken, würden sie unverzüglich entfernt.

(via reddit)

Dresden ist gleich nebenan

kik
Da geht man arglos seinen Wochenendeinkäufen nach, denkt Dresden ist weit weg und dann das: Journalistenbashing auf dem Parkplatz, Lügenpresse-Vorwürfe per Großplakat, tiefe Risse im eigenen Berufsbild.

Um den Verkauf eines schlechten und an neuen Erkenntnissen kaum leidenden Buches geht es da offensichtlich gar nicht so sehr. Da schwappt mittlerweile ein amorphes Missbehagen aus dem Netz in die reale Welt. weiter lesen