Nahostdemos und das Schweigen im Walde

In der Zeitung liest man nichts davon, im Polizeibericht ebenfalls nicht. Im Netz dafür umso mehr. Auch in Nürnberg gab es am Samstag Demos im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt. Für Israel demonstrierte ein eher bescheidenes Häuflein von etwa 20 Leuten:

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Etwa 3000 kamen zur Anti-Israel-Demonstration. Und die löste dann bei vielen mindestens Befremden aus. Am Plärrer begann die Demo mit zunächst mit 600 Teilnehmern und einem auf arabisch verlesenen Vers aus dem Koran. Transparente wie “Kindermörder Israel” oder “Allah sieht und bestraft alles” sind auf dem Video von der Demo zu sehen:

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Vom Plärrer ging es über den Frauentorgraben zum Hauptbahnhof. Die Teilnehmerzahl wuchs dabei nach und nach auf 3000 an. Im Bahnhof wurden die Filialen von MacDonald´s und Burger King gestürmt. Gleichzeitig wurde zum Boykott aufgerufen. Aber nicht, weil dort gesundheitsschädliches, dick machendes Junk-Food verkauft wird, sondern – und das muss man sich in Nürnberg mit seiner Geschichte erst einmal geben – angeblich weil die Konzerne von Juden betrieben werden (Nachtrag: inzwischen stellt sich heraus, bei dem Boykott ging offenbar um die Schließung eines Burger-Lokals in der West Bank).

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Auch andere haben mit solchen antisemitischen Tendenzen Probleme (die Linkspartei zum Beispiel). In Städten wie “Berlin (“Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein)” oder Essen (“Scheiß-Jude brenn!”) mag manches noch eklatanter ausgefallen sein.

Dennoch: Zumindest für das Anliegen der Palästinenser dürfte es wohl besser sein, wenn keiner über Demos wie die am Samstag in Nürnberg berichtet.

Nachtrag: Wie die Nürnberger Polizeipressestelle mitteilt sei die angemeldete Palästinenserdemo friedlich verlaufen. Am Platz vor dem Hauptbahnhof wurde die Veranstaltung für beendet erklärt. Eine Gruppe von mehreren Hundert Demonstranten sei dann daber noch in den Bahnhof gestürmt. Die dort zuständige Bundespolizei habe das Geschehen aber im Griff gehabt. Mit dabei seien auch etwa 30 Salafisten gewesen, die aber sowohl von den Veranstaltern als auch von der Bahnhofspolizei zurückgehalten wurden. Aussagen wie “Boykottiert jüdische Unternehmen” seien der Polizei nicht zu Ohren gekommen. Deshalb könne auch nicht wegen Beleidigung oder Volksverhetzung ermittelt werden.

Wöhrl und die Cum-Ex-Deals

Dagmar WöhrlDer deutsche Bundestag hat neue Transparanzregeln und legt inzwischen die Nebeneinkünfte der Abgeordneten offen. Ganz vorne mit dabei ist unsere Nürnberger CSU-Abgeordnete Dagmar Wöhrl. Das meiste Geld macht sie mit der Nürnberger Versicherungsgruppe. Bei der Nürnberger Krankenversicherung erreicht sie Stufe 4, bei der Nürnberger Lebensversicherung Stufe 6 und bei der Nürnberger Beteiligungsgesellschaft sogar Stufe 8. Das macht (hier die Stufenaufschlüsselung) insgesamt fast eine Viertelmillion Euro, die da von der Nürnberger aufs Konto der Nürnbergerin fließt.

Nun ja, das kann man vielleicht als lokale Wirtschaftsförderung ansehen. Gleiches fällt bei der Bank Safra Sarasin schon schwerer. Die sitzt nämlich in der Schweiz. Wöhrl ist dort nach wie vor Verwaltungsrätin und gibt dafür Einnahmen der Stufe 6 (bis 75.000) für 2013 und der Stufe 4 (bis 30.000) für 2014 an.

Oh, Einkommensverluste, wie kommt´s? Das fragte ich mich und schrieb Frau Wöhrl an, ob das eventuell mit den Cum-Ex-Geschäften und den Schwierigkeiten, die die Sarasin-Bank damit hat, zusammenhängt oder ob sie gar einen langsamen Ausstieg aus ihrer umstrittenen Tätigkeit vorbereite.

Die Antwort lautete:

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Die Gelben Seiten: ein Entsorgungsproblem

mueller2Gunther Oschmann hatte mit seinem Ausflug ins Zeitungswesen wenig Glück. Doch nun sieht man in den Nürnberger Wohngebieten: Auch mit dem Kerngeschäft seines Telefonbuchverlags scheint es dahin zu gehen. Die Gelben Seiten, teilweise angegammelt vom Regenwasser, türmen sich seit Tagen auf den Gehsteigen und in den Hausfluren. Manchmal erbarmt sich einer und legt ein anderes Papiermüllwerbefinanziertes Produkt drüber (Bild links). Manchmal greift auch die Hausverwaltung ein und befördert die herumliegenden Teile in die Papiertonne. Bei ganzen Paletten (unten) kapituliert allerdings auch der kräftigste Hausverwalter. Es sollen hin und wieder sogar Leute gesichtet worden sein, die sich eines der Telefonbücher mitgenommen haben. Aber die sind selten.

Mit den Gelben Seiten verhält es sich offenbar wie mit dem Gelben Sack. Beides steht für Abfallprobleme, die einer Lösung harren.

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Seit wann ist Menschenverachtung christlich?

Vielleicht spielt auch der nationale Fußballtaumel eine Rolle. Inzwischen trauen sich Leute mit Ansichten aus der Reserve, die einen erschaudern lassen. Und es sind keinesfalls nur die anonymen Hater mit niedrigem Bildungsniveau und verklemmter Feststelltaste.

Wer Belege dafür sucht, der findet sie unter den Facebook-Kommentaren zu den aktuellen Flüchtlingsaktionen in Nürnberg zuhauf. Zum Beispiel diesen hier:

zellner

Der Autor ist nicht irgendwer und dürfte sich auch bewusst auf einer Zeitungsseite geäußert haben. Das erhöht schließlich die Reichweite. Zellner war Stadtratskandidat der CSU und ist Geschäftsführer der CSU-Worzeldorf. Auf seiner Facebook-Infoseite gibt er zudem an, seine politische Einstellung sei die der CSU:

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Jetzt seid ihr dran!

Fühlen wie ein Minister

xWer nicht in der Zeitung auftaucht, ist nicht wichtig. Das weiß unser Heimat- und Finanzminister Markus Söder schon lange. In diesen Tagen taucht er dort mit der Lösung von Rechenaufgaben auf: Er stellt Mittelpunkte fest. Nein, selber berechnet hat er sie nicht, sondern die Bayerischen Vermessungsverwaltung. Aber die gehört schließlich zu seinem Ministerium.

Gemeinsam mit 3. Bürgermeister Klemens Gsell (links) hat Söder heute am Nürnberger Maffeiplatz, dem jetzt offiziellen Mittelpunkt Nürnbergs, eine Ehrentafel enthüllt. Zuvor hatte Söder schon andere Mittelpunkte der staunenden Öffentlichkeit präsentiert. So liegt der Mittelpunkt der EU in Westerngrund (Landkreis Aschaffenburg), der Mittelpunkt Deutschlands in Niederdorla (Thüringen), der Mittelpunkt Bayerns in Kipfenberg (Landkreis Eichstätt) und der Mittelpunkt Mittelfrankens in Heilsbronn (Landkreis Ansbach).

Wahrscheinlich hätte Söder, dem wohl am Nürnberger Dürer-Gymnasium nicht allzuviel mathematisches Selbstvertrauen (dafür umso mehr auf anderen Gebieten) vermittelt wurde, diese Mittelpunkte aber auch selber ausrechnen können. Im Grunde genommen kann das jeder Depp und zwar hiermit.

Wer also die Spannung nicht aushält, wo denn nun der Mittelpunkt von Fürth. Erlangen, Unterasbach oder Weinzierlein liegt: Einfach auf geomidpoint.com gehen und sich anschließend wie ein Minister fühlen.

Nachruf auf die Nordspange

Impressionen in BuchenbühlUnser OB kann Verhandlungsführung. Auch mit der Presse kann er. Zum Beispiel weiß er, dass die Lokalredakteure irgendwann in die Redaktion müssen, um ihre Berichte zu schreiben. Also lässt man dann den Klinikumschef erst einmal über eine Stunde lang reden, dann kommt noch ein Thema, zu dem jeder was zu sagen hat (Menschenrechte) und danach wird es dann zeitlich schon enger für die VAG-Tariferhöhung, die in phantasiefreier Regelmäßigkeit mit Kosten und Haushaltszwängen begründet wird. Der eigentliche Hammer muss dann erst ausgepackt werden, wenn die Medien – gezwungenermaßen – schon weg sind.

So war das gestern mit der Beerdigung der Nordspange. Im April 2013 hatte ich da schon mal um eine Notschlachtung gebeten. Am Mittwochabend war es war es dann soweit: Die direkte Anbindung des Flughafens an die A3 wurde beerdigt. Das Lieblingsprojekt unseres Kurzzeitlandesvaters Günther Beckstein, der am liebsten noch während seiner Amtszeit den Spaten dafür geschwungen hätte. Ein lokaler Aufreger seit vielen Jahren. Aber auch ein knallblöder Unsinn angesichts der einbrechenden Fluggastzahlen. weiter lesen

Fahrrad und Nürnberg passen nicht zusammen

Am Dienstag wird bei der VAG gestreikt. Da muss der eine oder andere gezwungenermaßen umsteigen. Manchmal bringt der Wechsel der Perspektive neue Erkenntnisse. Dann hätte der Streik immerhin auch was Gutes.

In Nürnberg liegt nämlich verkehrspolitisch etliches im Argen. Zu behaupten, Nürnberg sei eine Autofahrerstadt ist allerdings falsch. In Sachen Vergrämung bemüht sich die Stadt durchaus um Gerechtigkeit. Bei den Radfahrern kommt allerdings auch noch Unkenntnis und fehlende Er”fahr”ung hinzu. Insofern jammern die Radler in Nürnberg – berechtigt – etwas lauter. Zum Beispiel auf der Facebookseite von Critical Mass Nürnberg (weitere Infos ). weiter lesen

Nürnberg geht “off air”

Inzwischen wird es nicht einmal mehr gemeldet, wenn sich im Großraum Nürnberg Sender verabschieden. Noch nicht einmal dann, wenn es sich dabei un das Franken Fernsehen handelt.

Dabei ist es doch um einiges bemerkenswerter, dass das fränkische Fernsehen nicht mehr im fränkischen Äther empfangbar ist, als wenn – ebenfalls zum 31.5. – Bibel TV, Channel 21/Euronews und QVC ebenfalls ihren Nürnberger Terrestrik-Laden dicht machen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil es sich bei Franken Fernsehen um einen Müller-Medien-Sender handelt, also um ein Projekt von Gunther Oschmann, der in letzter Zeit schon andere Läden dicht machen musste: die AZ-Nürnberg oder den Frankenreport. weiter lesen

Bekommt Nürnberg Pfandringe?

xIn der Bildzeitung war gar von “Mülleimern der Nächstenliebe” die Rede. Die Piraten sprechen lieber von Behältern der Menschenwürde. Ich würde die Pfandringe gerne etwas tiefer hängen. Die Bezeichnung – “Mischung aus Mülleimer und Getränkekiste” reicht erst einmal auch.

Pfandringe sind derzeit angesagt. Es gibt kaum ein deutsches Rathaus, das sich nicht damit beschäftigt bzw. beschäftigen muss. Dazu haben auch Getränkehersteller beigetragen, die offen den Slogan “Pfand gehört daneben” propagieren.

Anderenorts hat man schon reagiert. In Bamberg wurden Pfandringe bereits angebracht. Dort wurden sie von Bürgern angeregt. Gerne werden sie auch von kommunalen Piraten beantragt. In Nürnberg besorgte das die CSU. Genauer gesagt deren Stadtrat Marcus König. Vor seinem Innenstadtbüro habe er regelmäßig Leute beobachtet, die im Müll nach Pfandflaschen wühlen. Da würden solche Stahlmanschetten um die öffentlichen Abfallbehälter die Situation für die Flaschensammler, aber auch für das Stadtbild verbessern. weiter lesen

Posten nach Parteibuch

Anders als die unseriöse Kleinparteienkonkurrenz haben CSU und SPD in Nürnberg die Möglichkeit, verdienten Mitstreitern auch lukrative Posten in der Wirtschaft zu verschaffen. Zum Beispiel bei der Stadtreklame. Da schied jetzt Christian Vogel als Geschäftsführer aus, weil er Bürgermeister wurde. Der SPD-Stuhl in der Doppelgeschäftsführung war demnach vakant. Für die CSU besetzt ihn weiterhin Georg Sorger.

Inzwischen wurde die Nachfolge geregelt. Die Wahl fiel – nicht sonderlich überraschend – auf Katja Strohhacker. Und weil die Stadtreklame wider allen äußeren Eindrücken nicht zur Stadt gehört wird in der Pressemitteilung der Stadtreklame weder die Parteizugehörigkeit Strohhackers, noch ihre langjährige Stadtratstätigkeit erwähnt, sondern lediglich ihr Studium der Betriebswirtschaft, ihre Mitarbeit bei den Firmen Quelle und Sellbytel und ihre zuletzt freiberufliche Tätigkeit als Business Coach.

Manche haben offenbar gleichere Chancen:

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