Kante geben, wählen gehen!
18. August 2009 von vip
Dass zum Beispiel die bayerische Landtagswahl für die CSU ziemlich in die Hose gegangen ist, hat einen einfachen Grund: Das Wetter war nicht so, dass die vorwiegend älteren Unionswähler vor die Türe wollten. Wäre das Wetter schön gewesen, wären sie erst in die Kirche gegangen, dann überwältigt von Weihrauch, frommen Reden und betörenden Liedern ins Wahllokal gegangen und hätten – natürlich bar jeglicher rationaler Überlegung – ihr Kreuzchen dort hingemacht, wo es hingehört und wo sie es gerade gesehen hatten: bei Christus hinten drauf.
“Blöde bin ich, Augen zu, heute wähl ich CSU!”, hatten vor Jahren mal oppositionelle Bayern gereimt. Aber sie hatten unrecht. Das nüchterne, überlegte Wählen bringt uns auch nicht weiter. Da muss man sich gar nicht einmal die bayerische FDP ansehen, sondern nur in der Geschichte umtun. Oder in anderen Bundesländern, wo der Gang zur Wahlurne am Ende eines Prozesses langwieriger Abwägungen und ausgeklügelter Testverfahren steht. Gebracht hat das selten etwas. Fast immer keimte schon kurz nach der Wahl die Unzufriedenheit und man kam zu dem niederschmetternden Fazit: Verwählt! Diese traurige Fetsstellung mussten all jene treffen, die wieder einmal auf die Versprechen während des Wahlkampfes hereingefallen waren. Und das waren nicht wenige. Aber auch den anderen ging es selten anders. Diejenigen, die sich nach einer erfolgreichen Legislaturperiode auf die Schulter klopfen und sagen konnten, da hst du aber mal gut abgestimmt, die konnte man an wenigen Fingern abzählen, die hätten nicht annähernd die 5-Prozent-Hürde geschafft.
Es könnte also leicht sein, dass wir falsch an die Sache herangehen. Nein, nicht die Politiker, die agieren ja schon anders, versprechen lebenslanges Glück, ewig währenden Wohlstand, ja sogar einen Arbeitsplatz für jeden und einen Mann auf dem Mond. Vielmehr sollten wir Wähler umdenken. Da kann uns die neu gegründete Initiative “Betrunken wählen!” den Weg weisen. In deren Präambel heißt es unter anderem:
Wir glauben, dass allein der Suff die Wahlkabine zum Altar der Aufrichtigkeit gerinnen lassen kann.
Der Suff an der Urne könnte zudem jenen Schuss Unberechenbarkeit bringen, der “das Kartenhaus der Hochrechnung zum Einsturz bringt” und somit wenigstens den Wahlabend zu einem unvergesslichen Fernsehereignis macht. Der Kater danach stellt sich ohnehin ein. Also, warum nicht vorher ein bisschen Spaß haben?
Protagonist dieser Initiative ist übrigens jemand, den wir hier sehr gut kennen und der uns damit zeigt, dass Horst Schlämmers bessere Medienpräsenz eigentlich durch nichts begründet ist: der fränkische Comedian Matthias Egersdörfer. Ich will hier also etwas Ausgleich schaffen.
5 Kommentare zu “Kante geben, wählen gehen!”


sommer 2009 – zwei sachen nerven:
- ‘horst schlämmer’, die figur war nie witzig, wird es auch nie sein, trotz medienrummel bis zum st. nimmerleinstag
- ‘das internet ist ein rechtsfreier raum’. das internet ist alles andere als ein rechtsfreier raum. schon mal jemanden per mail beleidigt oder eine bestellte ware nicht bezahlt? oder wegen fehlerhaftem impressum einen schrieb von einem abmahner bekommen?
dann lieber den vip-raum lesen und demnächst meister egersdörfer live erleben dürfen :-)
Wenn der Horst Schlämmer schon der beliebteste Politiker wäre, wenn er zur Wahl stehen würde, warum tritt dann nicht der Egersdörfer wirklich an. Den würde ich wählen: Der behauptet wenigstens nicht nüchtern zu sein.
Guten strammen Tag,
wer schonmal proben will:
öffentliche Probe für die Bundestagswahl:
06.09. ab 12.00 Uhr in der katana, Wilhelm-Spaeth-Str. 18, Nürnberg
Es wird auch eine Live-Version des “Soundtracks zum Urnenwank” eingesungen. Musikalische Leitung: Martin Staeffler.
Das aktuelle video hier: betrunken-waehlen.de
Katanistische Grüße!
[...] hier noch den Bezug zur (ebenfalls wahlversprechens-, aber nicht wahlerbrechens-freien) Initiative “Betrunken wählen” herstellen, zumindest mit diesem Bild (es stammt ebenfalls von meinem Kollegen Roland [...]
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