Volksbad – ein Beispiel für Wählerbetrug
22. November 2009 von vip
Was hat die Rettung des Nürnberger Volksbads mit den Steuersenkungsplänen der FDP zu tun? Bei beiden handelt es sich um Wahlkampfversprechen, die nicht einzuhalten sind.
Seit 15 Jahren steht das Volksbad am Nürnberger Plärrer leer. Das schöne, fast 100 Jahre alte Jugendstilgebäude erlebte danach noch ein paar Ziwschennutzungen (Sauna, Erotikmesse etc.), gammelt aber seit längerem vor sich hin. In den drei Kommunalwahlen, die in dieser Zeit stattfanden, wurde von den Parteien alles Mögliche versprochen, um dem Wähler zu signalisieren: Gib uns deine Stimme, dann kannst du schon bald wieder im Volksbad deine Runden drehen.
Zunächst gewann der CSU-Bewerber Ludwig Scholz mit seinem Bekenntnis zum Jugendstilbad die OB-Wahl, danach warf sich SPD-Vertreter Uli Maly vehement für das Bad in die Bresche (”Da habe ich schwimmen gelernt”). Bei der letzten Wahl wurde das schon zunehmend schwierig. Mit einem verquasten und offenbar nicht tragfähigen Stiftungsmodell versuchte er sich da über die Wahl zu retten: Stifter sollen Volksbad retten

Beim Tag der offenen Tür im September schwante schon vielen Nürnbergern, dass das vielleicht die letzte Gelegenheit sein könnte, das alte Bad noch einmal von innnen zu besichtigen:
Am vergangenen Freitag kam dann ziemlich verschämt die Mitteilung, das Vergabeverfahren für das Volksbad werde endgültig eingestellt. Jetzt wird zwar noch von “Wundern” gefaselt, aber letztlich heißt das doch: Wenn einer das Grundstück haben will, dann kann er dort abreißen und was Neues hinstellen. Wenn keiner das Grundstück haben will, dann wird spätestens dann abgerissen, wenn der erste herunter fliegende Ziegel einen Passanten getroffen hat.
Und der Denkmalschutz, immerhin ist das doch ein bewahrenswertes Gebäude, wie man etwa
hier oder hier nachlesen kann? Der war schon eines der ersten Krisenopfer (siehe z.B. den Fall Milchhof). Wobei es natürlich dann auch Krisengewinnler gibt. Das ist die Firma Doblinger, die eine 1a-Seegrundstück ohne Altlasten bekommen hat bzw. der Käufer des Volksbades, der dort vielleicht ein Parkhaus hinstellen kann und dem die Stadt dann sogar noch dankbar sein muss, dass er sie von einer einsturzgefährdeten Altlast befreit.
Im Österreichischen gibt es das Sprichwort: “Warum zum Schmiedl gehen, wenn man auch zum Schmied gehen kann.” Unser Problem ist leider: Es stehen nur die Schmiedl zur Wahl. Die dann allerdings immer so tun, als ob sie im Aufsichtsrat der Schmiede sitzen würden.
1 Kommentar zu “Volksbad – ein Beispiel für Wählerbetrug”




Hm, jeder Hausbesitzer weiß, dass durch Leerstand eine Immobilie nicht besser wird. Der OB hatte das zur Chefsache erklärt, lese ich. Ziemlich trauriges Ergebnis für eine Chefsache, oder?
Wieso kann man nicht die kreativen Köpfe in der Region mal mehr einspannen, als Investorengruppen anzubaggern, die sowieso nur auf hohe Renditen anspringen. Was ist mir Fördertöpfen zur Sanierung, danach müsste sich das Bad ja nur einfach selbst tragen, statt hohe Gewinne abzuwerfen. Warum geht das bei x privaten Wellnessoasen, nur bei einem solchen Objekt nicht??? Sorry, aber unter Chefsache verstehe ich echt was anderes.