Was ist ein Bratwurstjournalist?

Nrnberge2„Besser online“, so lautete eine Veranstaltung des Deutschen Journalistenverbandes am vergangenen Wochenende in Mainz. Ich selber war zwar – aus verschiedenen Gründen – nicht dabei. Weil sich die Teilnehmer jedoch bemühten (beispielsweise über Twitter), das Geschehen auch den Daheimgebliebenen nahezubringen, erfuhr ich von einer neuen Begrifflichkeit: dem Bratwurstjournalisten.
Als Nürnberger wurde ich da natürlich sofort hellhörig. Meinten die etwa uns? Nein! Trotzdem gab es natürlich Erklärungsbedarf.

Ich bat also Hardy Prothmann, der den Begriff kreiert hatte, zum Interview. Prothmann schrieb früher für die Frankfurter Rundschau, den Focus und die Zeit und betreibt jetzt das Heddesheimblog, ein Lokalblog für das badische Städtchen Heddesheim. Derartige Blogs bezeichnet Prothmann übrigens als „die Zukunft des Lokaljournalismus„.

Du bist der Erfinder des Begriffs Bratwurstjournalist, wie bist Du darauf gekommen?

Hardy Prothmann: Ganz einfach. Ich habe mich über einen Artikel im Mannheimer Morgen geärgert, weil ich mich als Leser verarscht fühle, wenn ich einen dieser Sätze serviert bekomme: „Für das leibliche Wohl war gesorgt.“ Im Gespräch mit meiner Frau habe ich über diese Form von „Journalismus“ geschimpft und suchte nach einem griffigen Wort, um diese Form von lokaljournalistischem Autismus bildhaft zu packen. Um das „leibliche Wohl“ zu konkretisieren, habe ich eine Metapher gesucht. Da es auf fast jedem Fest Bratwürste gibt, fiel mir dann Bratwurstjournalismus ein.

Was zeichnet einen Bratwurstjournalisten aus?

Hardy Prothmann: Der typische Bratwurstjournalist schreibt immer dieselben blöden, langweiligen, ausgelutschten Formulierungen, wie man sie täglich in fast jeder Lokalzeitung lesen kann.

Gibt es einige typische Redewendungen der Bratwurstjournalisten?

Hardy Prothmann: Jede Menge. Meine Definition ist: „Der Wettergott war gnädig, die Bratwurst lecker, das Bier kühl.“ Die Langfassung könnte so lauten: „Obwohl die Aussichten nicht gut waren, zeigte sich der Wettergott letztlich doch gnädig und grüßte mit Sonnenstrahlen die Festbesucher – sehr zur Freude der zahlreichen Gäste. Auch für das leibliche Wohl war gesorgt: Wie es sich für ein zünftiges Fest gehört, löschten viele mit kühlen Gerstensaft ihren Durst und ließen sich natürlich wie jedes Jahr die leckeren Bratwürste schmecken.“ Die handelnden Personen sind meist „voll des Lobes und Dankes“, da wird „unterstrichen“, „betont“ und „hervorgehoben“, „sich gefreut“ und „scherzhaft angemerkt“, „sich erinnert“ und „erklärt“. Im Kern handelt es sich dabei um aufgepumpte Phrasen, also Bratwurstpoesie.

Wie wird man Bratwurstjournalist?

Hardy Prothmann: Indem man guckt, wie andere zuvor „berichtet“ „gebratwurstet“ haben und diesen Stil knallhart kopiert. Dann braucht es noch einen betreuenden Redakteur, der den Mist so abnimmt oder vielleicht sogar damit außerordentlich zufrieden ist. Die wichtigste Charaktereigenschaft aber ist ein ausgeprägter Hang zur Selbstverliebtheit, gepaart mit Liebedienerei. Anders kann ich mir nicht erklären, wie jemand, ohne rot zu werden, solch geschwurbelte Sätze schreiben kann.

Warum Bratwurstjournalist und nicht Bierjournalist oder Canapee-Journalist?

Hardy Prothmann: Geht auch. Genauso wie „Schnittchenesser von der Hauptversammlung“. Bratwurstjournalismus klingt aber für mich besser. Aber das ist eine Geschmacksfrage.

Wie ist Dein Verhältnis als Lokalblogger zu den Bratwurstjournalisten?

Hardy Prothmann: Ich sage höflich guten Tag und denke mir meinen Teil.

Was gibt es bei Euch eigentlich für Bratwürste, schmecken die überhaupt?

Hardy Prothmann: Na klar schmecken die. Dazu zitiere ich einen Vorabbericht:

„Heute abend lädt die Redaktion traditionell wie jedes Jahr wieder zu ihrem allseits bekannten und beliebten internationalen Novemberfest „Es geht um die Worscht“ ein.
Natürlich ist – wie der Festname schon vermuten läßt – für Speis und Trank gesorgt. „Nachdem im letzten Jahr die Feuerwürste in der Gunst der Gäste ganz oben rangierten, wollen wir doch mal sehen, ob nicht vielleicht die Thüringer oder auch die Nürnberger Bratwürste dieses Jahr am Besten munden“, betonte der Komitee-Vorsitzende Hardy Prothmann im Vorfeld.
„Ich freue mich ganz besonders, dass wir neue Sponsoren begrüßen dürfen, die die Spezialitäten direkt importieren“, erklärte Prothmann dieser Zeitung. Natürlich ließ es sich der bekennende Bratwurstliebhaber nicht nehmen, sich bei allen Helfern nochmals herzlich zu bedanken. „Ohne deren herausragendes Engagement wären die vielen, schönen Feste der Vergangenheit nicht möglich gewesen“, erinnert sich Prothmann voll des Lobes und des Dankes.
Mit Blick auf das kommende Fest kündigt er einen spannenden Wettbewerb an: „Die einzig wahre Bratwurst kommt für mich natürlich aus meiner Heimat – der schönen Pfalz.“ Ob sich aber die Pfälzer Bratwurst gegen die harte Konkurrenz aus Thühringen und Nürnberg wird durchsetzen können – entscheiden letztlich die Gaumen der erfahrenen Schiedsrichter – die sich Wurst für Wurst munden lassen und die Bissen mit kühlem Gerstensaft aus dem Fass herunterspülen werden.
Wie gewohnt entsenden die Heddesheimer Vereine wieder ihre Spezialisten. Auch die Koryphäe Hannes Gutfleisch wird wieder dabei sein. Er hält seit 15 Jahren den Rekord, allein am Geruch insgesamt 14 (von 20!) verschiedene Bratwurstsorten zu identifizieren. Auf Platz zwei liegt Else Gerstner, die immerhin schon 11 Sorten erkannte.
Bleibt nur zu hoffen, dass es der Wettergott wie auch in der vergangenen Jahren wieder gut mit den Festbesuchern meint.“

67 Kommentare in “Was ist ein Bratwurstjournalist?

  1. Mist – jetzt habt ihr mit euren sprachlichen Spitzfindigkeiten meinen „Besser Online“-Bericht kaputtgekrittelt! Er sollte eigentlich so lauten:

    „Der Siegeszug des Internet ist nicht mehr aufzuhalten, daher war „Besser Online“ in puncto Besucherzahlen gut aufgestellt. Im ZDF-Konferenzzentrum luden bequeme Stühle zum Verweilen ein, die lebhaften Podiumsdiskussionen fanden regen Anklang. Höhepunkt des bunten Treibens war die Mittagspause: Im Foyer ließ sich die muntere Gästeschar eine Vielfalt an kulinarischen Genüssen wohl munden. Danach konnten sie auf der üppigen Grünfläche ein paar Minuten lang die Seele baumeln lassen. Beim Schlusspodium ließen es sich die Veranstalter nicht nehmen, allen Beteiligten ihren herzlichsten Dank auszusprechen.“

  2. Der Journalistenverband ist doch quasi der Hort für den Bratwurstjournalismus. Da wurde doch der Spruch erfunden: Was du im Magen nach Hause tragen kannst, ist noch keine Bestechung. Entsprechend wohlgenährt waren dann auch die aktiven Funktionäre.
    Wundert mich, dass ausgerechnet dort jetzt der Widerstand aufkeimt.

  3. *lach* In Nürnberg, Stadt der Reichsbratwursttage, gibt es selbstverständlich keinen Bratwurstjournalismus. Dort heißt es Gänsebratenjournalismus.

    (Den eingeladenen Damen und Herren von NN, NZ Abendzeitung etc. sei auf diesem Wege für die demnächst wieder stattfindende Veranstaltung bei Herrn Maly bereits „Guten Appetit“ gewünscht) .

  4. Pingback: In eigener Sache: Berichte über das heddesheimblog | Das heddesheimblog

  5. Sehr schön zusammengefasst. Ich glaube allerdings nicht, daß Selbstverliebtheit, sondern Faulheit die hervorstechendste Eigenschaft dieser Sorte von Schreibern ist. Es ist halt viel leichter, zu schreiben „Die bereits über den Kreis hinaus bekannte Schülerband ‚Schlibbesser Schnuffis‘ heizte auch an diesem Abend wieder kräftig ein“, als sich mal zu überlegen, wie man so ein Konzert originell und anschaulich beschreiben könnte.

  6. Oh, das können die Profis in Ministerien und Apparaten auch:

    „Hautnah dabei: Eine Übung unter der Sonne Spaniens ist sicherlich etwas Besonderes.“

    Hautnah dabei

  7. Sehr schön ist ist auch „… und verbringt nun seinen wohlverdienten Ruhestand im sonnigen Süden.“
    Und richtig blödsinnig sind die aus allen Nähten platzenden Räume, als wären es zu sehr aufgeblasene Zelte. Dabei ist es nur aufgeblasenes Deutsch hinter dem sich journalistische Ahnungslosigkeit verbirgt.
    Der Witz an der Sache ist, dass Verlage dafür Geld verlangen und es auch erhalten.

    Ich nenne diese unsäglichen Wiederholungen nichtssagender Formulierungen Stanzen. Im Übrigen trifft der Bratwurstjournalisten-Eintrag sehr schön auf die Stanzerei der Zeitung zu, die ich seit bald fünf Jahren beobachte, die Ostsee-Zeitung.

    Danke für das unbeabsichtigte Mir-Beistehen!

  8. Diese Art Stil wird von Wolf Schneider schon seit Jahren angeprangert. Wie man’s besser macht, kann man in seinen Büchern nachlesen.

  9. Bei aller Sympathie für das Projekt von Hr. Prothmann – aber es ist ja nicht so, dass es Probleme bereitet, in seinem eigenen Blog eine Bratwurst zu finden: http://heddesheimblog.de/2009/11/24/ordensfest-der-grumbe-bianca-i-ist-im-amt/

    E mag dem Anblick der „bezaubernden neuen Prinzessin Bianca I.“ geschuldet sein, „die die immer strahlende Manuela I. ablöst“, aber dieser Text ist weniger ein „buntes Proramm für alle Sinne“ als vielmehr genau der sprachiche Alptraum, den Prothmann bei anderen kritisiert.

  10. Eine Wendung, wo’s mir immer wieder hochkommt und trotzdem viel genutzt wird ist auch „das Tanzbein schwingen“…

  11. Da hilft nichts – manche Themen und Blattlinien laden einfach unweigerlich zum Bratwurst-Journalismus ein. Irgend ein Text muss ja zwischen Bildern und Anzeigen stehen 😉

  12. Passend dazu, zitiere ich gerne Max Goldt:

    „Genauso unpassend ist das Adjektiv, welches unvermeidbar auftaucht, wenn nach einem Erdbeben oder einem ähnlichen Unglück nach Überlebenden gesucht wird. Wie geht die Suche vor sich? Natürlich „fieberhaft“. Dabei will man doch stark hoffen, dass es Fachleute und besonnene Helfer sind, die einigermaßen kühlen Kopfes und in Kenntnis der bergungslogistischen Notwendigkeiten die Menschen suchen, und nicht, dass da irgendwelche emotional aufgeweichten Gestalten wie im Fieberwahn in den Trümmern herumwühlen. Verzichten können die Medienleute auf Adjektive nicht, denn sie sind zur Erzielung eines vollmundigen Verlautbarungssingsangs notwendig. Könnte man aber nicht mal einen angemessenen Ausdruck benutzen? Ich glaube nicht.

    Wir werden niemals folgenden Satz im Radio hören: „Nach Überlebenden wird fleißig gesucht.“ Dabei wäre „fleißig“ inhaltlich wie stilistisch ideal. Es ist weder abgedroschen floskelhaft noch zu auserlesen und hat daher nicht den geringsten ironischen Beiklang. Schriebe jedoch ein Journalist diesen Satz, so wäre es vollkommen sicher, dass sein Redakteur das passende Wort „fleißig“ streichen und durch das vollkommen unpassende „fieberhaft“ ersetzen würde. „

  13. Wie Franco in Kommentar 11 sagte: Prothmann produziert selbst sprachliche Albträume, die er bei anderen kritisiert. Das von ihm als die »Zukunft des Lokaljournalismus« überschätzte http://heddesheimblog.de/ ist auf der Startseite überschwemmt von Werbung, die linken und rechten Spalten bersten vor Links und der meistgelesene Artikel ist eine selbstmitleidige Jammer-Arie, weil ihm jemand ein Brett mit Nägeln unter den Reifen gelegt hat. Wenn das die Zukunft des journalistischen (?) Bloggens ist, dann gut Nacht Herr Prothmann.

    So insgesamt bekomme ich den Eindruck, dass die Schreiberlinge mehr Zeit damit verbringen, Kollegen zu dissen, anstatt auf die Qualität ihrer eigenen Arbeit zu achten. Da motzt der Prothmann über Kollegen vom Mannheimer Morgen und der Schmiechen twittert abfälliges über Schirrmacher. Unter uns Fotografen konnte ich derlei noch nicht beobachten. Aber ich nenne es mal »natürliche Selektion«: stecht euch die Reifen auf und haut euch die Köpfe ein, je weniger übrig bleiben, desto weniger Reizüberflutung und Infomüll müssen die Mitmenschen ertragen.

  14. Guten Tag Herr von Staudach!

    Auch Ihre Meinung ist eine Meinung.

    Tatsächlich greifen Sie aber einen Mitarbeiter an „sprachliche Alpträume“ – und bleiben einen Beleg schuldig.

    Und wenn Sie etwas gegen Werbung auf einer erfolgreichen Seite haben, dann empfehle ich Ihnen, aus Solidarität doch Ihre drei Fotokalender zu verschenken.

    Und dass man einer Internetseite vorwirft, „sie berste vor Links“, verwundert mich dann doch bei jemandem, der doch eifrig beim Reizüberfluten und Infomüll erzeugen auf Twitter & Co. mitmacht.

    Und wahrscheinlich gehören Nagelbretter für Sie zum Alltag. Ich habe den Eindruck, Sie tragen so eins vor dem Schädel.

    Und dass Sie „unter uns Fotografen“ „derlei“ noch nicht beobachten konnten, haben Sie mit Ihrem Kommentar gerade selbst widerlegt.

    Wenn Sie zu sensibel für dieses Geschäft sind, sollten Sie schnell umschulen, sonst wird aus Ihrer Wut noch ein Magengeschwür.

    Einen schönen Tag wünscht
    Hardy Prothmann

  15. Wirklich echten Brawurstjournalismus findet man bei uns. Wir sind gerne Brawurstjournalisten. Haben uns aber auf Fußball spezialisiert.

    Mit wurstigen Grüßen aus Hamburg

    fussballwurst.de – Verein zur Steigerung der Bratwurstkultur auf dem Fußballplatz

  16. Ich möchte mich herzlich bei allen Anwesenden dafür danken, dass für mein leibliches Wohl (= schallendes Gelächter) auf so vorzügliche Weise gesorgt wurde!

  17. Nuna, Herr Prothmann,
    Sie haben ja völlig recht, zurückzukeilen, und meines Erachtens sollte man auf Kritik ausgerechnet von Seiten der Knipser gar nicht näher eingehen, aaaaber:
    „Die teils artistischen Aufführungen begeisterten zu Recht die rund 250 Gäste“ oder „die Guggemusiker ließen es bei ihrem Auftritt richtig krachen“ klingt wirklich wie frisch aus der Phrasendreschmaschine. Da sitzt Ihr Blog durchaus im Glashaus (<- übrigens natürlich auch total verboten!)

  18. Pingback: Schlechter Stil am Bierstand und an der Tastatur « Wir müssen nicht gut finden, was ein anderer sagt, schreibt, denkt, aber um unserer eigenen Freiheit willen, müssen wir es ertragen.

  19. Und wie immer „zur lieben Weihnachtszeit“ werden sicherlich auch in diesem Jahr die „leuchtenden Kinderaugen“ nicht fehlen. Das lässt sich dann auch fotografisch super dokumentieren (notfalls mit dem Bild vom letzten Jahr) und fertig ist der Bericht über dieses ekelhaft glühweinselige Fassadenidyll namens Weihnachtsmarkt. Scheiß Schmalzgebäckschreiberei.

  20. Ehrlich gesagt: Ich weiß auch nicht, warum gerade alle Hardy Prothmann feiern – auch wenn er mit seiner Kritik an den „Bratwurst“-Formulierungen natürlich Recht hat. Wenn ich die Informationen auf heddesheim.de nämlich richtig deute, dann sitzt er ausgerechnet im Gemeinderat des Ortes, über den er da schreibt. Eigentlich ein klassischer Interessenskonflikt! Und so jemand redet davon, dass der Lokaljournalismus zu großen Teilen „qualitativ minderwertig“ sei. Und fühlt sich dann den Kollegen auch noch überlegen. („Ich sage höflich guten Tag und denke mir meinen Teil.“) Oder täusche ich mich, und das ist ein anderer Hardy Prothmann da im Gemeinderat?

    Ich will gar nicht in Abrede stellen, dass die Zukunft des Lokalen – wahrscheinlich – im Internet liegt. Aber das hier wieder einmal erwähnte Blog ist unter solchen Umständen ja nicht gerade ein leuchtendes Beispiel.

  21. Guten Tag!

    Das Bohren dicker Bretter gehört für mich seit 18 Jahren zum Geschäft. Seit Mai 2009 sind die Bretter besonders dick, den seitdem bin ich back-to-the-roots wieder im lokalpolitischen Geschäft.

    Ganz schlaue Kommentatoren, die allesamt ein wenig feige sind, hauen hier hinter Pseudonymen versteckt, ordentlich auf den Putz.

    Sollen sie. Es gibt trotzdem eine Antwort.

    Begonnen hat Franco (Kommentar 11), der behauptet, auch im heddesheimblog eine Bratwurst finden zu können.
    Schnell wechselt er zwischen der Berichterstattung über eine Karnevalsveranstaltung zu der über ein Schulfest und fügt ein, dass wir „sprachiche Alpträume“ (sic!) produzieren.

    Als Redaktion nehmen wir dazu Stellung. Bianca I. ist eine wirklich „bezaubernde Prinzessin“. Sie ist attraktiv, uneitel und sehr sympathisch.
    Wo Sie, Franco oder wer auch immer, darin einen „sprachlichen Alptraum“ erkennen, erschließt sich uns nicht.

    Auch „von Staudach“ entdeckt „Albträume“, ohne jedoch einen Beleg zu nennen.

    Ob die Berichterstattung über Schulfeste oder Karnevalsveranstaltungen per se als „Alptraum“ oder „Albtraum“ von frustrierten Pseudonymen betrachtet werden, ist relativ gleich.

    Beide Themen gehören nicht zur Kür des Investigativen Journalismus und werden nur selten Themen der deutschlandweiten, großen Debatte werden.

    Aber beide Berichte auf dem heddesheimblog sind kein Bratwurstjournalismus, sondern genau, zutreffend und für die örtliche Öffentlichkeit relevant.

    Für die Menschen vor Ort sind sie wichtig.

    Meine Kritik über „Bratwurstjournalisten“ zielt auch genau darauf. Bratwurstjournalisten konzentrieren sich auf die Bratwurst, die oft im eigenen Magen landet. Dort wird oft die eigene Eitelkeit verdaut.

    Ist sie dort gut angekommen, fällt der Bericht gut aus und wird hochgeschwurbelt. Passt etwas nicht, gibt es Dresche.

    Das hat nichts mit Journalismus zu tun, sondern mehr mit persönlichen Befindlichkeiten oder denen des Chefs, für den diese Phrasendrescher schreiben.

    Wenn Sie genau aufgepasst haben, dann lesen Sie im heddesheimblog etwas über den Abbruch einer Aufführung, weil ein junges Mädchen die Nerven verloren hat.

    Diese Information steht nicht im Mannheimer Morgen oder einer anderen Zeitung. Wir haben nachgefragt – der Vereinsvorsitzende hat geantwortet – auch, wenn es „im nicht danach war“.

    Zu Hanne (Kommentar 20): Wenn in einem Artikel des heddesheimblogs steht, dass die Tänzerinnen der „Hellesema Grumbe teils artistische Einlagen gebracht haben“, dann können Sie davon ausgehen, das dem so war.

    Der Verein existiert erst im 14. Jahr. Eines der Tanzmariechen ist deutsche Meisterin, Vize-Europameisterin und vielfache Landesmeisterin im Rock’n Roll.

    Als junger Journalist habe ich in Mannheim über jede Menge „Fasnacht-Veranstaltungen“ berichtet und weiß deshalb, dass die „Grumbe“-Tänzerinnen top sind.

    Ebenso, wenn es die „Gugge so richtig krachen lassen“. Die sind so laut, dass ich nur noch mit Ohrstöpseln vor Ort bin. Guggemusik ist eben laut und kracht. Falls Sie das noch nicht gehört haben – kommen Sie nach Heddesheim.

    Gleichzeitig ist „Guggemusik“ etwas, was wir gerne unterstützen, weil die Musik Menschen zusammenführt. Die meisten können keine Noten lesen: Auf ihren Zetteln stehen Zahlen für die Finger, die sie auf ihrem Instrument drücken sollen. „Guggemusik“ ist Party, ist laut, macht Krach und allen, die darauf stehen, einfach nur Spaß.

    Und zum Ende komme ich wieder zu den „dicken Brettern“. „a_sic“ (bescheutes Pseudo) fragt sich, wieso alle gerade den Prothmann feiern?

    Das ist ausgemachter Blödsinn. Niemand feiert mich.

    Es interessieren sich nur viele für meine Arbeit und überlegen sich, inwieweit das heddesheimblog ein Modell für die eigene Arbeit sein könnte.

    Diese Arbeit hat nichts damit zu tun, dass ich „ausgerechnet“ im Gemeinderat sitze.

    Diese Tatsache ist eher hinderlich – weil „Pseudos“, die keinen Namen und kein Gesicht und keine Verantwortung haben, daraus einen „Interessenkonflikt“ konstruieren wollen.

    Einfach so. Aus schlechter Laune heraus oder aus Neid.

    Das heddesheimblog will überhaupt kein „leuchtendes Beispiel“ sein. Das heddesheimblog berichtet. Basta. Ob das gefällt oder nicht.
    Und es hat etwas gegen „Phrasendrescherei“. Beispiel gefällig? „Aber das hier wieder einmal erwähnte Blog ist unter solchen Umständen ja nicht gerade ein leuchtendes Beispiel.“

    Einen schönen Tag wünscht
    Hardy Prothmann

  22. wesentlich ist doch nicht, dass H.P. auch in einigen Beiträgen irgendwelche Phrasen ablädt. Wesentlich ist was ganz anderes: das wichtige lokale Themen (nein, keine Vereinsfeste) wie Industrieansidlungen, verhalten von Bürgermeistern und anderen Politikern kritisch betrachtet werden.

    Der MannheimerMorgen geht jeder kritischen Betrachtung aus dem Weg und ist wenn schon ein Sprachrohr der Kommunallpolitik.

  23. Lieber Herr Prothmann,
    Nunächst mal: Ich finde es hervorragend – das ist völlig ernst gemeint -, dass sie so leidenschaftlich für Ihr Blog eintreten.
    Ich weiß, wie es ist, jedes Jahr wieder über die gleichen Karnevalsveranstaltungen zu berichten, das habe ich nämlich in meinen Anfangsjahren zur Genüge gemacht, wenn auch im Rheinland, wo derlei Vergnügungen recht eigentlich das ganze Jahr über stattfinden. Und ich stelle auch gar nicht in Abrede, dass es da artistische Einlagen gegeben hat. Aber „begeisterten zu Recht die rund 250 Gäste“ ist faul formuliert. Es muss irgendwo rein, wieviele Leute da waren, ok. Aber die Formulierung „begeisterten zu Recht“ ist erstens missverständlich, da sich das „zu Recht“ auf die Tänzer bezieht, und damit letztlich sinnlos ist. Und zweitens ist sie abgegriffen. Warum nicht z.B. ein wörtliches Zitat von einem der begeisterten Besucher? Lockert den Text auf und kommt ohne Behauptung des Berichterstatters aus.
    Will sagen: Wenn man sich an so einen Text nochmal in Ruhe dransetzt, kann man mit dem redaktionellen Läusekamm immer noch ganz schön viel rausholen.

  24. O, ich bin überhaupt nicht neidisch. Als Journalist halte ich es nur mit meinem ganz persönlichen Ethos für unvereinbar, gleichzeitig Politik zu machen und darüber auch noch kritisch berichten zu wollen. Aber das darf jeder für sich entscheiden, vielleicht ist das auch eine altmodische Sicht. Ich glaube nur, dass diese Hintergrundinformation in der Berichterstattung über das Blog erwähnt werden muss. Gerade deshalb, weil die Onlinegemeinde dem Printbereich schnell mal Klüngel vorwirft. (Ist jetzt sehr pauschal formuliert.) Ich will einfach für eine differenzierte Betrachtung werben, die ewige Rechthaberei auf beiden Seiten ist unerträglich. Ist das nicht eine zu respektierende Meinung?

  25. Pingback: Tages-Links vom 25. November 2009 | bertdesign.de

  26. Es fehlen die Alternativen. Meckern kann jeder, aber ich finde nirgendwo in dem Artikel ein Gegenbeispiel. Selbst wenn, das wäre doch, kaum geäußert, der nächste ewig wiederholte Bratwurstfall. Die Sprache hat eben ihre Grenzen, die Zeitung überdies auch.

    Ein solcher Schreibstil befriedigt mitnichten die Vorstellungen desjenigen, der ihn benutzt. Er befriedigt vielmehr die Vorstellungen der Leser, wie eine Berichterstattung auszusehen hat, und damit dann die Wünsche des Verlegers nach Auflagensteigerung. Wenn also mit Bratwurstjournalismus Arbeitsplätze gesichert werden und etwa 5% der Leser mit dem Stil unzufrieden sind – wessen Wort gilt dann? Wer nichts über Volksfeste lesen will, greift ohnehin zu anderer Lektüre. Hier machen sich Leute über Medien lustig, die sie gar nicht kaufen.

    Will der Autor also einen anderen Lokaljournalismusstil, muss er die Leserschaft verändern, also am bundesdeutschen Bildungssystem ansetzen. Viel Spaß dabei! Meine Unterstützung hat er.

  27. Guten Tag!

    @Hanne

    Das ist in der Tat eine Herausforderung. Unser Mitarbeiter hat zuerst nur Bratwurstjournalismus produziert. Zitat: „Ich schreib ja genau den gleichen Mist wie der Mannheimer Morgen – aber so kenn ich das halt.“

    Redaktionell bearbeite ich die Texte von Mitarbeitern entschieden, aber so sanft wie möglich. Dann wird darüber gesprochen und beim nächsten Mal solls besser werden.

    Wenn dann mal der Geruch von Bratwürsten im Text hängenbleibt, kann ich damit im Einzelfall leben.

    Was ich verwerflich finde, ist Bratwurstjournalismus als Methode. Und die findet hier vor Ort eben täglich und meines Erachtens vorsätzlich im MM statt.

  28. Guten Tag!

    @ a_sic

    Sie schreiben: „Als Journalist halte ich es nur mit meinem ganz persönlichen Ethos für unvereinbar, gleichzeitig Politik zu machen und darüber auch noch kritisch berichten zu wollen. Aber das darf jeder für sich entscheiden, vielleicht ist das auch eine altmodische Sicht. Ich glaube nur, dass diese Hintergrundinformation in der Berichterstattung über das Blog erwähnt werden muss.“

    Die Tatsache, dass ich ein partei- und fraktionsloser Gemeinderat bin, wird nicht verschwiegen.

    Auf dem heddesheimblog finden Sie unter Artikel die Rubrik „Gläserner Gemeinderat“, in der ich mich als Gemeinderat äußere.
    Zum Thema Journalist und Gemeinderat sind einige Texte bei uns veröffentlicht worden.

    Die Arbeit eines Gemeinderats ist ehrenamtlich. Zudem gehöre ich keiner Partei an und bin somit auch kein Politiker.

    Der Bürgermeister und die Parteien nutzen das Amtsblatt sowie das Internet zur Informationsübermittlung an die Bürger.

    Seit ich im Gemeinderat sitze und gut vorbereitet viele Fragen stelle, ist der Zuhörerraum fast immer gut gefüllt. Die Bürger kommen auf mich zu und sagen: „Endlich wird hier nicht nur abgenickt, sondern es kommen mal Diskussionen auf.“ Die Bürger erleben meine „Doppelrolle“ also nicht als Problem – im Gegensatz zu den Parteien.

    Ihre Sicht ist keine altmodische, sondern eine typisch deutsche. Es geht im Hintergrund dabei immer um die Frage, was ist erlaubt und was ist verboten. Und angeblich um einen objektiven Journalismus.

    Im anglo-amerikanischen Journalismus wird hingegen ein sehr subjektiver Journalismus gepflegt. Ergebnis: Das ist ehrlicher und spannender. Gleichzeitig wird die subjektive Perspektive aber nicht versteckt, wie im so genannten objektiven Journalismus, und damit für die Rezipienten transparent gemacht.

    Diesen Stil pflege ich auch auf dem heddesheimblog.

    Bevor Sie also irgendetwas kritisieren, sollten Sie sich erst schlau machen.

    Beste Grüße
    Hardy Prothmann

  29. Herr Prothmann, ihre Kommentierverhalten mit dem Drang unbedingt das letzte Wort haben zu wollen, entwertet nicht nur den originalen Artikel sondern stellt ihn auch in Frage.
    Was Sie hier als kleiner Kläffer so treiben würde ich übrigens als Pudeljournalismus bezeichnen.

    mit freundlichen Grüssen aus Berlin,
    K. Moersch

  30. Dann geb ich doch auch mal meinen Senf zum Bratwurstjournalismus (dass vorher noch niemand dieses Wortspiel gespielt hat… unglaublich):
    „Bratwurstjournalismus“ in meinen Augen ist insbesondere die Verwendung von Adjektiven, weil da gerade eins hinpasst. Der „wohlverdiente Ruhestand“ ist ein klassisches Beispiel. Hat oft was von Zeilen schinden. Diese Art von Journalismus wirkt auf mich inhaltsleer – würde mich manchmal interessieren, ob es jemand merken würde, wenn man mal zwei Artikel einfach vertauscht und Fotos und Überschrift beibehält…
    Im Heddesheimblog habe ich mal ein wenig geblättert, diese Art von Journalismus lese ich dort tatsächlich nicht – auch wenn es Formulierungen gibt, die sich „typisch“ lesen. Der Glashaus-und-Steinewerfer-Vorwurf zieht hier meiner Ansicht nach nicht.
    Dennoch, Herr Prothmann: Ich habe bei Ihren Kommentaren den Eindruck, dass Sie ein wenig zu dünnhäutig auf Kritik reagieren.

  31. Wir befinden uns nun mitten in einer Diskussion, die mit dem Phänomen des „Bratwurstjournalismus“ zwar längst nichts mehr zu tun hat, die aber trotzdem an ein paar spannende Grundsatzfragen rührt.

    Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Von einem subjektiven Journalismus halte ich nicht viel. Schlimmstenfalls führt dieser geradewegs zu einer Berichterstattung wie sie der „Nachrichtensender“ Fox praktiziert – viel Meinung und ein stark verzerrtes Bild der Realität. Das geht sogar bis hin zur bewussten Manipulation von Bildern. (Sie haben das Beispiel mit Amerika gebracht!) Und dann ist es eben kein subjektiver Journalismus mehr, sondern Propaganda.

    Letztlich läuft alles auf die Frage hinaus, ob Sie das Schreiben nicht als Werkzeug benutzen. Als gezieltes Mittel, um bestimmte Interessen durchzusetzen oder deren Wahrnehmung in der Öffentlichkeit zu verändern. Dann handelt es dabei nämlich schlicht um eine Verlängerung der Politik (und das hat mit einer Parteizugehörigkeit nichts zu tun). Sie selbst formulieren ja das Postulat, ein richtiger Journalist müsse die Dinge kritisch hinterfragen. Sind Sie dazu noch in der Lage, wenn Sie eine Entscheidung im Gemeinderat mitgetroffen haben? Zum kritischen Hinterfragen gehört ergebnisoffenes Recherchieren!

    Auf den Vorwurf, meine Argumentation sei „typisch deutsch“, werde ich jetzt mal nicht eingehen. Diese Formulierung erzeugt bei mir ja eher immer Heiterkeit.

    (Ist das jetzt endgültig zu OT?)

  32. Subjektiver Journalismus muss ja nicht sofort zu Fox führen. Es reicht doch der Schritt vom objektiven „so war es“ zum subjektiven „so habe ich es erlebt“. Das kann man auch pflegen, ohne in einen naiven Ich-Erzähler zu fallen.
    Noch mehr OT: Ist man erst dann Politiker, wenn man in einer Partei ist oder nicht auch schon, wenn man Mitglied eines Gremiums wie eines Gemeinderates und damit politisch aktiv ist?

  33. Guten Tag Herr Moersch!

    Sie treffen recherchefrei eine falsche Aussage.

    Ich bin überzeugt davon, nicht das letzte Wort zu haben – ich tausche nur gerne wohl begründete Meinungen aus.

    Spätestens nach meinem mit Sicherheit eintreffenden Tod werde ich danach kein letztes Wort mehr haben.

    Obwohl Sie mir vorwerfen ein „kleiner Kläffer“ zu sein, bestätigen Sie mir Originalität.

    Wahrscheinlich meinten Sie originell, aber das ist nicht wichtig.

    Sie halten mich also für einen Pudeljournalisten. Das ist interessant.

    Woran machen Sie das fest? An meinen Locken? An meiner Rasur? An meiner Züchtung? Oder habe ich am Ende eine pudelige Formulierung verwendet?

    Ich vermute, Herr K. Moersch, dass Sie mehr von Pudeln oder auch vom „Pudeln“ verstehen als ich.

    Wenn Sie der Überzeugung sind, dass „mein Kommentierverhalten“ etwas „in Frage stellt“, dann habe ich einen einfachen Vorschlag für Sie: Fragen Sie!

    Das ist oft schwerer, als plumben Nonsens von sich zu geben.

    Ebenfalls mit freundlichen Grüßen ins schöne Berlin

    Hardy Prothmann

  34. Guten Tag!

    @ daniel

    „Der “wohlverdiente Ruhestand” ist ein klassisches Beispiel. Hat oft was von Zeilen schinden. Diese Art von Journalismus wirkt auf mich inhaltsleer – würde mich manchmal interessieren, ob es jemand merken würde, wenn man mal zwei Artikel einfach vertauscht und Fotos und Überschrift beibehält…“

    Brillante Idee. Aber leider auch eine banale. Viele Zeitungsleser, vor allem ältere, wollen das nicht merken. Denn, was in der Zeitung steht, ist ja „wahr“. Andere und das werde immer mehr, bestellen die „Zeitung“ ab.

    „Im Heddesheimblog habe ich mal ein wenig geblättert, diese Art von Journalismus lese ich dort tatsächlich nicht – auch wenn es Formulierungen gibt, die sich “typisch” lesen.“

    Danke für die Kritik. Es gibt ganz sicher „typische“ Formulierungen. Wir haben auch nicht den Anspruch, jedesmal die „Welt“ neu zu beschreiben, aber jedesmal ein neuer Aspekt, das sollte drin sein. Die Welt und die Menschen ändern sich – das bietet Stoff.

    „Der Glashaus-und-Steinewerfer-Vorwurf zieht hier meiner Ansicht nach nicht. Dennoch, Herr Prothmann: Ich habe bei Ihren Kommentaren den Eindruck, dass Sie ein wenig zu dünnhäutig auf Kritik reagieren.“

    Ich reagiere überhaupt nicht „dünnhäutig“ auf Kritik.

    Was hier geschrieben wurde, könnte mir den Buckel runterrutschen. Was hat Nürnberg mit Heddesheim zu tun, bis auf den Bratwurstjournalismus?

    Nichts.

    Ich reagiere nicht „dünnhäutig“, wie Sie vermuten, sondern ich mache mir viel Arbeit mit der Kommentierung – um Werbung für einen besseren Journalismus zu machen.

    Ich will einen „guten“ Journalismus machen – damit sage ich nicht, dass ich der beste Journalist aller Zeiten bin. Ich strenge mich aber an. Tun Sie das auch?

    Wenn @hanne schreibt: „zu Recht“ sei Bratwurstjournalismus, denke ich spätestens nach dieser Meinung darüber nach und diskutiere das mit der Redaktion.

    Und, ach so, da war noch was:

    „Ist man erst dann Politiker, wenn man in einer Partei ist oder nicht auch schon, wenn man Mitglied eines Gremiums wie eines Gemeinderates und damit politisch aktiv ist?“

    Gegenfrage:
    „Ist man erst dann Politiker, wenn man in einer Partei ist oder nicht auch schon, wenn man als Redakteur Teil eines Gremiums ist wie zum Beispiel der Bundespressekonferenz oder diverser Hauptversammlungen oder Hinterzimmergesprächen oder Flugbegleitungen und damit politisch aktiv ist?“

    Denken Sie mal scharf drüber nach.

    Beste Grüße
    Hardy Prothmann

  35. Guten Tag!

    @ a_sic

    „Letztlich läuft alles auf die Frage hinaus, ob Sie das Schreiben nicht als Werkzeug benutzen. Als gezieltes Mittel, um bestimmte Interessen durchzusetzen oder deren Wahrnehmung in der Öffentlichkeit zu verändern. Dann handelt es dabei nämlich schlicht um eine Verlängerung der Politik (und das hat mit einer Parteizugehörigkeit nichts zu tun). Sie selbst formulieren ja das Postulat, ein richtiger Journalist müsse die Dinge kritisch hinterfragen. Sind Sie dazu noch in der Lage, wenn Sie eine Entscheidung im Gemeinderat mitgetroffen haben? Zum kritischen Hinterfragen gehört ergebnisoffenes Recherchieren!“

    Wieso unterstellen Sie mir, dass ich „bestimmte Interessen“ durchsetzen will? Weil ich das tue? Dann liegen Sie richtig.

    Ich setze „bestimmte Interessen“ durch. Nämlich die einer transparenten Information der (Heddesheimer) Öffentlichkeit.

    Auf dem heddesheimblog ist das umfangreichste Interview zur geplanten Ansiedlung der Firma „Pfenning“ erschienen.

    Das heddesheimblog hat sehr früh allen Parteien angeboten, sich in die Diskussion einzubringen. Von 88 Gemeinderatskandidaten haben das genau 3 genutzt – diese 3 wurden mit fantastischen Ergebnissen gewählt.

    Ich kann alle Entscheidungen im Gemeinderat tragen, egal, ob ich zustimme, ablehne oder mich enthalte. Denn als Gemeinderat bin ich nur meinem Gewissen unterworfen.

    Andere Gemeinderäte sind vielmehr ihrer Partei (nicht deckungsgleich mit der Landes- oder Bundespartei) unterworfen.

    Alle Entscheidungen im (Heddesheimer) Gemeinderat werden hier im heddesheimblog umfangreich dargestellt.

    Mit dem „gläsernen Gemeinderat“ gibt es eine in Deutschland einmalige Form des Umgangs mit der Lokalpolitik – offen, transparent und meinungsstark.

    Sie haben – aus welchen Gründen auch immer – noch nicht im Ansatz verstanden, dass Journalismus seit jeher „Interessen durchsetzen“ will.

    Mein Interesse ist Transparenz, Hintergrund und Information. Dafür stehe ich subjektiv und persönlich ein.

    Alles andere ist geheuchelt.

    Beste Grüße
    Hardy Prothmann

  36. Erstaunt stelle ich fest, dass Sie selbst im Phrasendreschen auch gar nicht so schlecht sind. Weiter gehe ich aber nicht mehr auf das Thema ein, da Sie wohl immer das letzte Wort behalten werden. „Meinungsstark“ heißt das also… Haben Sie überhaupt verstanden, worauf ich hinauswollte?

  37. @Hardy Prothmann:
    „Ich will einen “guten” Journalismus machen – damit sage ich nicht, dass ich der beste Journalist aller Zeiten bin. Ich strenge mich aber an. Tun Sie das auch?“
    Genau diese Formulierungen in Ihren Kommentaren lassen Sie in meinen Augen dünnhäutig erscheinen.
    Und Ihre Gegenfrage beantwortet meine Frage in keinster Weise.

  38. Interessant wird das Thema, wenn man es in Zusammenhang mit Bezahlinhalten bringt.

    Wir dürften uns wahrscheinlich einig sein, dass „der Leser“ für solche Berichte nicht bezahlen will. Allerdings: Im Lokalen, dort wo die Bratwurstjournalisten sich vorwiegend austoben, ist „der Leser“ immer gleichzeitig auch Akteur bzw. potenzieller Akteur.

    Wenn das eine Kaff seine Kirchweih veranstaltet, dann lesen das auch die Veranstalter, die im anderen Kaff demnächst eine durchziehen wollen. Die lesen dann „gnädiger Wettergott“ und denken: Den wollen wir auch haben.

    Oder nehmen wir Schulprojekttage: Wenn eine Schule einen veranstaltet und man berichtet von „fieberhaft arbeitenden Elftklässlern“, dann will die andere Schule bei ihren Projekttagen mindestens genauso fieberhaft rüberkommen.

    Das läuft nicht nach Leserinteressen, sondern nach Akteursinteressen. Nach dem Motto: Jeder sollte mindestens zwei Mal in sener Zeitung vorkommen (einmal für mehr oder weniger herausragende Leistungen und das andere Mal per Traueranzeige).

    Selbst wenn jemand nur deswegen interessant ist, weil er in den Ruhestand tritt, dann soll es wenigstens ein „wohlverdienter“ sein. Auch, dass sie ihr Handwerk „von der Pike auf“ gelernt habe, da legen solche Leute Wert drauf. Schreibst du dagegen „der geborene Analphabet war Zeit seines Lebens Autodidakt“, dann ruft der bei der Chefredaktion an und fragt, was „seine Zeitung“ gegen ihn habe.

    Es geht daher gar nicht darum, ob „man“ das lesen will. Es geht vielmehr um einen geheimen Pakt zwischen Lokalredakteuren, Lokalakteuren und Abonnementsverwaltung. Und dieser Pakt hat den Zeitungen jahrzehntelang komfortable Einkünfte gesichert. Es ist sozusagen eine besondere Form von Bezahlinhalt, die eben nicht nur Lesestoff beinhaltet, sondern auch das Anrecht, auf eine bestimmte Weise selbst zum Inhalt zu werden.

    Wenn das nun alles im Netz stattfinden soll, dann müssen die Verlage die Akteure durch einen anderen Pakt beteiligen. z.B.: Nur wer das ePaper mindestens fünf Jahre abonniert hat, hat ein Anrecht, in den „wohlverdienten Ruhestand“ treten zu dürfen. Problem dabei ist nur: Wenn man das so anpreist, ist der Pakt nicht mehr geheim und dann funktioniert er nicht.

  39. @vip Sehe ich auch so. Aber nur, weil es Abos sichert und weil das deine Akteure so wollen, braucht man doch nicht fortwährend unsinnige Worthülsen aneinander reihen. Die Mechanismen hast du aber schon richtig beschrieben.

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  41. @VIP: Ich hatte die ursprüngliche „Definition“ (wenn man es denn so hoch aufhängen mag) von Bratwurstjournalismus so verstanden, dass die Texter in erster Linie an ihre eigenen Interessen denken: Wenn Wurst und Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt lecker sind (und es beides umsonst gibt – schließlich ist man ja für die Zeitung da), dann gibt’s nen schönen Artikel, voll mit „Wettergott“ und „leibliches Wohl“-Platitüden. Das „Bezahlinhalte“-Problem („Person XY war Zeit ihres Lebens nie in verantwortungsvoller Position, hat nie herausragendes geleistet, ist allerdings seit 30 Jahren Abonnent und geht nun in Ruhestand.“) ist aus meiner Sicht wieder ein ganz anderes Phänomen. Beide schließen sich nicht aus, aber beide bedingen sich auch nicht.

  42. @Daniel „Definition“ hin oder her, der Witz an diesen Platitüden ist doch, dass da niemand dazwischen grätscht (außer vielleicht Hardy Prothmann ;-)) Die Chefredaktionen könnten ja auch mal mehr Sorgfalt und Sprachkraft einfordern. Stattdessen – und das erlebe ich häufiger (natürlich nie bei meiner Zeitung ;-)) – verfallen Chefredakteure oder Politikredakteure, die gerne Chefredakteure werden wollen, meist in einen noch verschärfteren Bratwurst-Slang, sobald sie einmal als Berichterstatter auf einem Lokaltermin sind.
    Da kann man jetzt natürlich sagen: Der Stil folgt der Bratwurst. Das glaube ich aber, wie oben länglich ausgeführt, nur teilweise.

    Im übrigen wäre dann die Bratwurst natürlich auch eine Art Bezahlinhalt, führt sie doch dazu, dass der damit Bezahlte einen speziellen Tonfall anschlägt und manches Unliebsame verschweigt.

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  47. Nach über 10 Jahren hauptberuflich freier Mitarbeit in der Lokalausgabe der hiesigen Tageszeitung war ich mir sicher, dass Selbstverständlichkeiten nicht in Texte hineingehören. Will sagen: Dass auf Neujahrsempfängen der Sekt in Strömen fließt, Hinz und Kunz dem Bürgermeister die Hand schütteln und vor Konzerten lange und intensiv vorbereitet und geprobt wurde, das ist dermaßen normal, dass es nichts Neues ergibt und auch nicht berichtenswert ist. Sollte aber der Herr Bürgermeister so viel von seinem Sekt genossen haben, dass er seine Ansprache nicht mehr halten kann und sich stattdessen auf’s Rednerpult erbricht, dass der Solist des Konzerts von einem begeistert in das Stück hineinapplaudierenden Publikum getragen zur Höchstform aufläuft – das muss im Text stehen, das ist Leben und lesenswert.

    Allerdings wird es in der Realität anders gesehen:
    Bitterböse Leserbriefe sind Berichten welche nicht mehr Selbstverständlichkeiten, sondern nur noch Besonderheiten extra erwähnten gefolgt und haben oben beschriebenen Bratwurstjournalismus regelrecht gefordert.

    Dazu kommt, dass es Lokalredakteure gibt, die sich lieber von Lehrern, Studienräten, Kriminalpolizisten, Rentnern, Pensionären, Ruheständlern und Privatiers beliefern lassen, anstatt hauptberuflich tätigen freien Journalisten mit diesen Honoraren ein auskömmliches Einkommen zu ermöglichen. Die Hobby-Schreiber lassen sich mit geringstmöglichen Zeilenhonoraren abspeisen, schließlich lässt ja bereits die Begrüßung der „Herren von der Presse“ die Brust des Profilneurotikers vor Stolz schwellen.
    Dass diese nebenamtlichen Billig-Schreiber mit ihren Floskeln und Phrasen weder zu einer lebendigen und aktuellen Schriftsprache, noch zu einem qualitativ hochwertigen, journalistisch professionell erarbeiteten Presseprodukt beitragen erklärt sich dann von selbst.

    Das Schlimme ist halt, dass die geringe, mittlerweile völlig überalterte Leserschaft der lokalen Tageszeitung sich mittlerweile völlig an diesen schlechten Stil gewöhnt hat und diese Art der Schreibe dann auch noch fordert.

    Abhilfe schaffen können nur die Redakteure, die darüber entscheiden, wer für welches Blatt Themen und Texte abliefern darf und dabei die Latte ausreichend hoch legen.
    Die Digitalisierung der Zeitungsproduktion und die Übermittlung von Texten und Bildern per Datenübertragung hätte hier eine Zäsur bringen können. Da hätten einige Altlasten abgstoßen werden können, da gerade oben beschriebene Semester anfangs den technischen Neuerungen nicht mehr folgen wollten. Damals haben viele Loalredakteure den Absprung vom Bratwurstjournalismus glatt verpasst. Und wer zu spät kommt, den bestraft das Leben…

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  51. @daniel
    Sie schreiben, meine Gegenfrage würde Ihre Frage „in keinster Weise beantworten“.

    Wenn Sie das so sehen, mache ich eine Aussage:
    Jede öffentliche Tätigkeit ist eine politische.

    @a_sic
    Sie schreiben: „Sie selbst formulieren ja das Postulat, ein richtiger Journalist müsse die Dinge kritisch hinterfragen. Sind Sie dazu noch in der Lage, wenn Sie eine Entscheidung im Gemeinderat mitgetroffen haben?“
    Auf alle Fälle. Ich habe mehrfach kritisiert, dass Entscheidungen im GR nicht nochmals überprüft werden, sondern es immer nur heißt: Der GR hat das so entschieden.
    Ich habe auch mehrfach kritisiert, dass der GR entscheidet, ohne selbst kritisch nachgefragt zu haben, sondern sich mit der Auskunft, die „Verwaltung hat die Vorlage geprüft“ zufrieden gegeben hat.

    Sie schreiben:
    „Zum kritischen Hinterfragen gehört ergebnisoffenes Recherchieren!“
    Haben Sie Zweifel daran, dass ich das nicht tue? Ich vertrete keine Partei oder eine andere interessenorientierte Vereinigung.
    Für das Ehrenamt bekomme ich eine „Entschädigung“ von 90 Euro pro Monat. Was war noch einmal Ihre Frage?

    Sie schreiben:
    „Auf den Vorwurf, meine Argumentation sei “typisch deutsch”, werde ich jetzt mal nicht eingehen. Diese Formulierung erzeugt bei mir ja eher immer Heiterkeit.“

    Schön, dass Sie was zu lachen haben. Das klang sonst nicht so durch in Ihren Kommentaren.

    Übrigens: Bei Kommentar 41 hatte nicht mehr ich das „letzte Wort“, sondern Sie. Das habe ich mit Kommentar 57 geändert.

    @michael
    Sie haben auf Markus Merz verlinkt. Ich kenne den Menschen nicht. Surfen Sie ein wenig und machen Sie sich selbst ein Bild, ob Sie dieser „Kritik“ folgen wollen. Es gilt Art. 5 GG.

    @Volker Peter
    Wir kennen uns auch nicht, aber Sie beschreiben die Situation offensichtlich aus Sicht eines „Insiders“ sehr gut.
    Vor allem die aufgeblasenen Titten der Profilneurotiker.

    Einen schönen Tag wünscht
    Hardy Prothmann

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  55. @57
    Herr Prothmann,

    Haben Sie eine inhaltliche Antwort auf den Vortrag von Herrn Merz?

    Wenn man Herrn Merz folgen möchte, wird der Erfolg des blogs übertrieben dargestellt, entweder weil sich der blogger nicht auskennt, oder weil er den Erfolg des blogs bewusst übertreiben möchte, um Relevanz für Werbung und für die Bloggerszene nachzuweisen. Für beide Seiten wäre eine Aufklärung interessant.

  56. Pingback: Vip-Raum » Blog Archive » Das Lokale, der neue Trend im Netz

  57. „Ob sich aber die Pfälzer Bratwurst gegen die harte Konkurrenz aus *Thühringen* und Nürnberg wird durchsetzen können – entscheiden letztlich die Gaumen der erfahrenen Schiedsrichter – die sich Wurst für Wurst munden lassen und die Bissen mit kühlem Gerstensaft aus dem Fass herunterspülen werden.“

    bitte bitte bitte korrigieren.

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  59. @57
    Herr Prothmann,

    sonst immer so ausführlich in der Antwort und jetzt so schweigsam.

    Wollen Sie wirklich den Verdacht erregen, wrongnumberjournalismus zu betreiben?

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