Ein OB im Überschwang
10. Dezember 2009 von vip
Wer in einer städtischen Dienststelle arbeitet, bezahlt die Sicherheit nicht selten mit Langeweile. Unlust macht sich dann gerne im Dienst breit und die Bereitschaft, Zusatztätigkeiten zu übernehmen sinkt. Die Stadt tut sich daher immer schwerer, aus ihren Reihen Wahlhelfer zu finden, zumal die Aufwandsentschädigung von 65 bis 70 Euro für den ganzen Tag nicht gerade üppig ist. Auch die übrige Bevölkerung rennt dem Wahlamt nicht unbedingt die Bude ein.
Erhöhen kann man das Entgelt schwer, den Kommunen geht es schließlich auch nicht mehr so besonders gut. Aber bei den Worten braucht man noch nicht zu sparen, da kann man weit ausholen und die Arbeit so im historischen Kontext verankern, dass beim nächsten Mal keiner mehr fragen wird “Was bekomme ich?” sondern nur “Auf welcher Seite werde ich im Geschichtsbuch erwähnt?”
Gschmarri? Nein! Nicht, wenn man das jetzt an die Wahlhelfer verschickte Dankesschreiben des Nürnberger Oberbürgermeisters Ulrich Maly liest:

via , vielen Dank!
3 Kommentare zu “Ein OB im Überschwang”


Ich find, der Brief ist ne nette Geste, oder hab ich was übersehen?
Ich hab den Brief auch bekommen, oute mich hiermit also als unverbesserlicher Wahlhelfer im Dienste der Demokratie. Verwunderlich ist nur, dass bisher meist vor Weihnachten ein Schreiben des Wahlamtschef Wolf Schäfer kam. Schon über diese Schreiben habe ich mich immer geärgert, weil die Produktion und der Versand solcher sinnloser Schreiben für an die 3000 Empfänger sicherlich mehrere Tausend Euro kostet. Für den Gegenwert eines solchen Schreibens könnte die Stadt Nürnberg jedesmal ein soziales oder kulturelles Projekt mehr in der Stadt fördern bzw. bezuschussen. Und für das Engagement wird einem schon in den anderen Schreiben, die man so als Wahlhelfer bekommt, mehrfach gedankt.
Das Schreiben ist übrigens nicht orginal von Maly unterschrieben, so was macht heute jeder mittelmäßige Farblaser, das Schreiben ist eine Massendrucksache. Warum also dieses Schreiben diesmal von Maly? Für mich liegt die Antwort auf der Hand: Eigenwerbung des OB auf Kosten der Stadtkasse. Finanziell schwierige Zeiten stehen bevor, ob intern in der Stadtverwaltung oder auch bei der Bevölkerung. Da kommt jede Gelegenheit recht, sich bei einer größeren Bevölkerungsgruppe lieb Kind zu machen, auf Stadtkosten.
Sehe ich ganz ähnlich. Die Unterschrift ist kein original (wäre bei 3000 Wahlhelfern wohl auch nur zusätzliche Verschwendung von Steuergeldern). Mehr als Werbung kann es kaum sein – eine nettere Geste wäre, das Geld wirklich sozial zu investieren und auf elektronischem (also billigerem) Wege die Wahlhelfer darüber zu informieren, was in ihrem Namen gespendet etc. wurde.
Gruß
Dennis Schmolk