Rettet den Bratwurstjournalismus!

Mit ihren Relevanzkriterien haben die Wikipedia-Platzhirsche jetzt auch den Begriff Bratwurstjournalismus auf die Löschliste gesetzt. Bekanntlich wurde der Urheber des Begriffs hier in diesem Blog erstmalig dazu interviewt. Allein die Kommentare dazu zeigen, dass den Sachverhalt, für den Hardy Prothmann diesen Begriff kreierte, ganz offensichtlich viele kennen. Und wenn etwas relevant ist, dann ist es doch: Griffige Bezeichnungen für etwas zu finden, das die Menschen ganz offensichtlich beschäftigt. Anderherum besteht genau darin auch der Informationsbedarf, den Wikipedia ja angeblich stillen will. Wenn irgendwo ein neue Begriff auftaucht, den ich vielleicht noch nicht kenne, dann schaue ich den dort nach. Die nach Schulpädagogensicht als relevant eingestuften Begriffe kennt man doch meistens ohnehin.

Warum einige dieser (beleidigten) Leberwurst-Enzyklopäden genau dies anders sehen wollen, verstehe ich nicht. Das muss wohl an ihrem Wesen liegen. Vielleicht ist nicht ausreichend für ihr leibliches Wohl gesorgt. Wie auch immer. Im Franken-Wiki der NZ ist der Begriff jedenfalls schon länger unbeanstandet aufgeführt. Wenn Wikipedia aus eigenem Unvermögen solchen kleineren Wikis den Aufschwung ermöglicht, soll es mir auch recht sein.

Auf jeden Fall sollte jeder mithelfen, dass der Bratwurstjournalismus weiterleben kann.

9 Kommentare in “Rettet den Bratwurstjournalismus!

  1. Pingback: Bratwurstjournalismus ist absolut relevant « AdClicks-Agent.de

  2. Ich kenne ein paar dieser Leute aus dem realen Leben und kann daher sagen: Wer Humor hat, schreibt nicht fûr Wikipedia.

  3. Marcus Schwarze outet sich als Autor des Bratwurstjournalismus-Eintrags auf Wikipedia und bringt die für WP eher peinliche Diskussion in seinem Blog auf den Punkt. http://bit.ly/8PV5Ra Abslout lesenswert!

  4. Ehrlich gesagt finde ich es ja eher peinlich, „mit Schalk im Nacken“ (Marcus Schwarze) die Wikipedia und ihre Autoren vorführen zu wollen.

    Steht das Wort „Bratwurstjournalismus“ schon im Duden oder im Brockhaus? Wird es dort jemals stehen? Nein? Warum denn nicht?

    Aber so ist es eben: Wikipedia-bashing ist in Blogs gerade en vogue. Schade eigentlich!

  5. Guten Tag!

    @vip Leberwurst-Enzyklopäden ist bockstark :-).
    @Tobi Sperber Kenne keinen – aber das scheint so zu sein.
    @tellit5 Yep. Kannte Herrn Schwarze bislang nicht, sein Stil gefällt mir.
    @Uli Walter In welchem „Brockhaus“ wollen Sie nachschlagen? In dem, der eingestellt wurde? Manchmal folgt die Pein auf die Peiniger anderer Peinlichkeiten ganz schnell… Ich versichere Ihnen, im „Brockhaus“ wird das Wort sicher niemals stehen 😉

    Ich kann nur sagen. Wikipedia ist eine Quelle von vielen. Nicht jede Quelle weiß alles, muss sie nicht, kann sie nicht, wird sie nicht.
    Ob der „Bratwurstjournalismus“ nun dort gelöscht wird oder probehalber bestehen bleibt oder Bleiberecht bekommt, ist mir ehrlich gesagt, vollkommen Wurscht.
    Lustig finde ich, wie die Löschdiskutanten sich hier gegenseitig eins „Überbraten“. Ich wusste davon vorher nichts. So habe ich wieder was gelernt.

    Ich wäre nie auf die Idee gekommen, den Bratwurstjournalismus in Wikipedia zu definieren. Jetzt ist er da und da ich verantwortlich für die ganze Aufregung bin, dachte ich, ich bringe mich da anständig mit ein.

    Deshalb habe ich beim Kollegen Schwarze meinen Senf zu seinem WP-Eintrag gegeben. Teils ist das schon übernommen worden.

    Zur Dokumentation auch hier, weil das vip-Interview wohl als Epi-Zentrum gesehen wird. Die „Bratwurst“ tauchte zum ersten Mal hier in einem Bericht von Miriam Bunjes, evangelisch.de, auf: http://bit.ly/Prnnc

    Öffentlich geäußert habe ich das Wort erstmalig beim DJV-Kongress Besser online: http://rdn-online.de/besseronline/

    vip hat dann mit mir das Interview geführt. Dann hat sich der „Bratwurstjournalismus“ selbstständig gemacht…

    Hier also meine Definition.

    Der Begriff „Bratwurstjournalismus“ bezeichnet einen meist durch lokale, journalistische Medien verbreiteten Sachverhalt ohne jeglichen Nachrichtenwert und von untergeordnetem Informationswert.

    Kennzeichnend für „Bratwurstjournalismus“ sind floskelhafte, belanglose oder auch metaphorische Formulierungen, die häufig durch Adjektive ergänzt werden.

    Dabei werden selbstverständliche Handlungen und Geschehnisse überstilisiert und als Pseudo-Nachricht dargestellt.

    Typische Beispiele für „Bratwurstjournalismus“ finden sich bei überwiegend nachrichtenarmen Ereignissen, beispielsweise Festen und Veranstaltungen auf lokaler Ebene:

    „Die Luft war vom Duft von dampfendem Glühwein, leckerer Bratwurst und köstlichen Plätzchen geschwängert…“, „der Wettergott hatte letztlich ein Einsehen und zeigte sich gnädig…“, „das Tanzbein wurde ausgiebig geschwungen…“, „für das leibliche Wohl war wie immer bestens gesorgt…“, „voll des Lobes und des Dankes zeigte sich ein zufriedener Bürgermeister…“, „erfreute die von der herrlichen Musik beseelten Gäste…“.

    „Bratwurstjournalismus“ ist somit ein systemkritischer Begriff, der alle Formen einer pseudo-informierenden journalistischen Darstellung umfasst.

    Geprägt wurde der Begriff 2009 durch den Journalisten Hardy Prothmann, der selbst lokaljournalistische blogs betreibt. Andere Journalisten griffen das Wort „Bratwurstjournalismus“ schnell auf und verbreiteten es über Online-Medien, Nachrichtenagenturen, Fachdienste, „social networks“ sowie blogs.

    Einen schönen Tag wünscht
    Hardy Prothmann

  6. Pingback: Bratwurstjournalismus bei Wikipedia gelöscht | Das heddesheimblog

  7. Na, da bin ich ja froh, dass die NZ oder NN, vor allem diejewiligen Lokalredaktionen Horte des Bratwurschtjournalismus sind.
    Ein schönes Beispiel findet sich ja heute bereits wieder im Kurzbericht über den Nürnberger Flughafen und was „Geschäftsleute finden“…

  8. Die Web-Site http://www.bratwurstjournalismus.de habe ich gestern registriert. Gegen die Wikipedialöschung muss man halt härtere Geschütze auffahren.

    Vielleicht sollte regelmäßig der Bratwurstjournalist des Jahres oder eine weibliche Vertreterin der Zunft gekürt werden.

    Statt einem Preisgeld gibt es eine fränkische Skulptur „Drei im Weckla“ die aus ökologischen Gründen kompostierbar ist. ;-))

    Der Pulitzer-Preis ist ja auch schon bei Wikipedia. 😉
    http://de.wikipedia.org/wiki/Pulitzer-Preis

    Oder hat jemand eine bessere Idee?

    Ich stelle die Domain gerne zur Verfügung und fang schon mal das Sammeln für den Bratwurstjournalistenpreis an. ;-))

  9. Beim „Forum Lokaljournalismus“ in Dortmund hatte mancher vielleicht noch Probleme, die Urheberschaft zuzuordnen, an der Relevanz des Begriffs Bratwurstjournalismus schien es dort aber keine Zweifel zu geben wie dieser Mitschnitt der Diskussion über zukünftige journalistische Berufsbilder beweist:
    http://www.blog-cj.de/blog/?p=2883

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