Als Lokalredakteur fühlt man sich derzeit gerne zerrieben, zum Beispiel zwischen WWW-Ansprüchen und Bratwurstjournalismus. Bratwurstjournalist sein will man nicht, zerrieben werden natürlich auch nicht. Von einem weltweiten Interesse ist man dennoch meilenweit entfernt. Die lokale Nachrichtenlage gibt das halt selten her. Insofern kann man verstehen, dass mancher Lokalschreiber dem Netz nicht unbedingt mit Hoffnung und Zuversicht begegnet, dass er sogar glaubt, hier werde an seiner eigenen Zukunft gesägt.
Solche Ängste könnten sich aber als unbegründet erweisen. Das Lokale entwickelt sich zu einem neuen Trend im Web.
Nehmen wir etwa die lokalen Blogs. Die firmierten vor etwa zwei Jahren noch als “Stadtblogs” (auch dieses Blog zählt ja in weiterem Sinn dazu), schafften dann aber doch nicht den rechten Durchbruch. Zu gering waren die Zugriffszahlen, zu gering war aber auch die Zahl der Aufregerthemen. Inzwischen ist jedoch das Potenzial gewachsen. Zum einen haben mehr Leute technisch und intelektuell Zugang zu Blogs. Zum anderen sehnen sich die User nach der anfänglichen Euphorie, mit der gesamten Welt kommunizieren zu können, inzwischen wieder nach Nähe und Überschaubarkeit. Außerdem haben nicht wenige erkannt, dass man auf lokaler Ebene eher etwas bewegen kann als dort, wo sich Millionen andere tummeln.
So wird jetzt immer häufiger auf das hier schon aus der Diskussion um den Bratwurstjournalismus bekannte Heddesheimblog Bezug genommen und dieses als Zukunft des Lokaljournalismus abgefeiert (hier oder hier), obwohl es im Prinzip eigentlich nichts wirklich Neues ist. Neu ist aber, wie erwähnt, das Umfeld. Inzwischen ist man auch abgeklärter, was den Gegensatz etablierte Printjournalisten und innovative Blogger angeht. Statt alte Streitereien aufleben zu lassen, ist man inzwischen bereit zu erkennen, dass da manches einfach “systembedingt” ist: So führt schon der Druck, jeden Tag drei oder vier Printseiten mit lokalen Meldungen füllen zu müssen – und das meist mit bescheidenem Personal – dazu, dass man auf leicht zu verarbeitende Verlautbarungen zurückgreifen muss, will man nicht (worst case für jeden Printredakteur) mit weißen Flecken in der Zeitung erscheinen. Ein Blogger bloggt dagegen einfach nicht, wenn nichts los ist. Insofern kann auch ein herkömmlicher Lokaljournalist die Zukunft der Lokalblogs – schon aus dem eigenen Erleiden solcher Zwänge heraus – durchaus rosig sehen.
Allein, bis dahin ist es noch ein weiterer Weg. Das was etwa im Frankenwiki zur Zeit unter “fränkische Blogs” eingetragen ist, dürfte die Region publizistisch kaum abdecken. Und sollte sich irgendwann in Kulmbach, Pettstadt oder Veitshöchheim aufraffen und das Lokalbloggen anfangen, dann ist er möglicherweise ganz froh, wenn ihm ein etabliertes Medium zu Bekanntheit und Reichweite verhilft. Übrigens hält auch Jeff Jarvis nichts von derartigen Gegensätzen und fordert Verleger und Blogger zur Kooperation auf.
Mehr lokalisieren, das ist aber auch auf anderen Plattformen angesagt. So wird man auf Twitter (später vielleicht auch auf Facebook) schon bald auf einem Blick erkennen können, worüber das lokale Umfeld gerade am meisten debattiert. Bislang werden dort die angesagtesten Themen nur auf internationaler Ebene angezeigt. Allerdings gibt es jetzt auch schon etliche Lokalisierungen (an weiteren wird gearbeitet). Das schaut dann so aus:

Was Nürnberg angeht, sei hier an die jüngsten U-Bahnpannen erinnert. Die hatten in der vorletzten Woche zunächst lediglich die Follower von im Tunnel festsitzenden iPhone- oder Blackberry-Besitzern mitbekommen. Künftig würde dann “U-Bahn” als Topthema im Nürberger Großraum angezeigt und jeder wüsste gleich: Ahh, die haben wieder einmal Probleme mit ihrer Fahrerlosen.
Natürlich bekommen das die Leser von beispielsweise NZ_Online auch jetzt schon mit. Aber das ist höchstens ein weiterer Beleg dafür, dass das Lokale im Netz einen Aufschwung erfährt und dass Verlage und User zusammenarbeiten sollten.

Anna W. 27th Januar 2010 11:42
Nach anfänglicher Skepsis finde ich es toll, dass ich im Internet so schnell die neuesten Nachrichten erfahren kann, besonders da ich am Lande wohne und sonst etwas “hinterher” war.
Allerdings finde ich es schade, dass die Nürnberger Zeitung oder auch die Nürnberger Nachrichten zum Beispiel bei “google news” – wo man immer die neuesten Schlagzeilen findet, gar nicht auftauchen. Dort hat man den Eindruck, die Region Nürnberg gibt es gar nicht.
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