Nordspange? Ich brauche nicht einmal eine Südspange!
8. Februar 2010 von vip
Man kommt sich vor wie in einer Kleinfamilie, die kein Geld hat für Weihnachtsgeschenke. Wer sagt es den Kindern, dass es nichts mehr gibt? Wer erklärt ihnen, dass da kein Weihnachtsmann Wohlverhalten belohnt, sondern dass das Geschenkewesen wesentlich vom Einkommen der Eltern abhängig ist? Die Väter überlassen sowas gerne den Müttern, bis ihnen dann einfällt, dass das keine gute Idee sein könnte, weil die das mit dem Hinweis verknüpfen könnten, der Alte hätte halt “was Gscheits” lernen sollen, dann hätte er auch was auf dem Konto. Also bringt es der “Alte” den Kleinen dann doch lieber selber schonend bei, was aber auch wieder ein Fehler ist, denn nun kann die Mutter sagen: Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte es sehr wohl Geschenke gegeben, aber sie habe sich ja nicht durchsetzen können und der “Alte” habe halt andere Prioritäten und an Abmachungen halte er sich eh nicht…
Die Rede ist von der Nordspange.
Moment, wird jetzt der eine oder andere fragen, da geht es doch gar nicht ums Geld, da geht es um Denkpausen, um Wahlversprechen, ja gar um Koalitionsgrundlagen, so habe iman das doch überall lesen können…
Dann mal ganz langsam: Wenn es nicht ums Geld geht, und die Nordanbindung des Nürnberger Flughafens an die A3 wurde schon vor zwei Jahren mit 60 Millionen Euro veranschlagt, was sollte dann das ganze Katastrophengeschrei des Städtetages oder unseres Stadtkämmerers? Warum sagt denn keiner: Wir können das nicht mehr zahlen, sorry, tut uns leid? Vielleicht, weil dann jemand antwortet: Ja, wenn es schon nicht mehr für die 60 Millionen der Nordspange langt, wie wollt ihr dann die 260 Millionen für den Ausbau des Frankenschnellwegs aufbringen?
Wenn von Denkpause die Rede ist, dann heißt das doch, dass man jetzt nicht Pause vom Denken machen will, sondern Pause vom Handeln, um neu nachdenken zu können. Mal abgesehen davon, dass es auch Leute gibt, die um denken zu können, nicht alles stehen und liegen lassen müssen, sondern es schaffen, während ihrer alltäglichen Verrichtungen gleichzeitig noch zu denken, verstehe ich die CSU-Aufregung dennoch nicht. Erst recht dann nicht, und damit bin ich bei den beiden letzten Punkten, wenn behauptet wird, hier würden Koalitionsvereinbarungen gebrochen. Das Gemeinderecht sieht – und darauf hat die CSU bei anderen Gelegenheiten, wenn es halt gerade gepasst hat, immer wieder hingewiesen – Koalitionen auf Kommunalebene gar nicht vor. Deshalb gibt es auch gar keinen Koalitionsvertrag, sondern lediglich Konsenspapiere. Weshalb sollten diese nicht wieder auf den Prüfstand gestellt werden können, wenn es neue Gegebenheiten erfordern? Es sei denn: Es gibt sie gar nicht diese neuen Gegebenheiten und das mit der Finanznot (siehe Video unten) ist alles nur Zweckgejammere – beispielsweise um Verdi bei den Tarifverhandlungen zu drücken.

Natürlich weiß ich auch, dass jetzt wieder das Argument kommt, gerade in der Krise müsse die öffentliche Hand investieren, um die Wirtschaft anzukurbeln. Um zu wissen, wer da wen ankurbelt und warum das vor allem immer die Baubranche ist, könnte es ganz gut sein zu wissen, dass der Nürnberger CSU-Chef Markus Söder mit der Mitgesellschafterin der Baumüller KG verheiratet ist und dass Söder-Spezi und Ex-CSU-Stadtrat Volker Meyer dort als Unternehmenssprecher fungiert. Allerdings ist Söder keineswegs jener Sonderfall, als der er immer wieder gerne hingestellt wird. Wer die Verflechtungen zwischen Kommunalpolitik, Stadtverwaltung und Bauindustrie studieren will, wird sogar auf offiziellen Unternehmensseiten fündig.
Zurück also zu Weihnachten: Mir braucht keiner eine Nordanbindung oder eine Frankenröhre schenken, was soll ich damit, wenn ich mir das Auto oder den Flug eh nicht mehr leisten kann? Wobei mir das Wohlergehen der Frau Karin Baumüller-Söder natürlich trotzdem am Herzen liegt. Man ist ja kein Unmensch, gerade vor Weihnachten.
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Zur Nordspange läuft übrigens im Nachbarblog “Senf dazu” gerade eine Abstimmung.
Nachtrag:
Der Hinweis, dass bei den genannten Bauprojekten keine städtischen Gelder, sondern Mittel von Bund und Land fließen, ist zwar richtig. Letztlich handelt es sich aber so oder so um Steuermittel, die auch anderweitig von oben nach unten verteilt werden könnten.
Aktuell kam gerade eine Stellungnahme von Stadtkämmerer Harald Riedel, in der er die Situation der Nürnberger Stadtfinanzen ein bisschen rosiger darstellt, als das von manchen Kritikern behauptet wird:
Die Stadt Nürnberg hat im Jahr 2009 keinen Euro Kassenkredit beansprucht. Unsere Liquidität ist bis Ende Januar aus dem guten Jahr 2008 so ausreichend gewesen, dass wir dies nicht benötigt haben. Im Gegenteil hatten wir im Lauf des Jahres sehr gute Liquiditätsstände, die die Anlage in Tagesgeldern erlaubt haben.
Dies habe ich auch dem Stadtrat im September berichtet und werde dies wieder tun. Im Rahmen eines neuen Quartals-Finanzbericht werde ich dem Ältestenrat ab Mai 2010 vierteljährlich auch über das Thema “Entwicklung der Kassenkredite” berichten. Hier gibt es nichts zu verheimlichen oder zu beschönigen.
Aus heutiger Sicht ist festzustellen, dass sich unsere Liquiditätslage natürlich im Lauf des Jahres 2010 verschlechtern wird. Wir sind aktuell jedoch weit davon entfernt, unseren genehmigten Rahmen ausschöpfen zu müssen.
Wir sind aktuell in der Umsetzung des 50 Mio. € Sparpakets, die laufenden Kürzungen für den Haushalt 2010 sind in der Umsetzung – wie vom Stadtrat beschlossen, und wir bereiten eine schwierige Haushaltsaufstellung 2011 vor. Ich habe den Oberbürgermeister und die Referenten über die Rahmenbedingungen informiert, so dass wir aktuell schon im internen Aufstellungsprozess am HH-Planentwurf 2011 arbeiten




Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
bei der Auseinandersetzung um die Nordanbindung (oder auch Nordspange) wird eines nie erwähnt: Die laufenden Unterhaltskosten, die eine realisierte Nordanbindung nach sich ziehen wird. Gerade die ca. 1,1 km Tunnel sind besonders kostenträchtig. Lichtsignalanlagen, Videoüberwachung, Entwässerung und Ventilation benötigen laufend Energie, und zwar Strom und der kostet, in Zukunft eher mehr als weniger. Und zwar jede Minute, Stunde, Tage und Jahre. Für die laufende Betriebsüberwachung ist eine unterirdische Leitzentrale vorgesehen. Hier sind dann laufend vermutlich 1-3 Aufsichtskräfte tätig. Die sind zu bezahlen. Das sind dann sicher die nachhaltigsten Arbeitsplätze, die durch die Nordanbindung entstehen.
Bei einer öffentlichen Veranstaltung mit Herrn Wasmuth, dem Leiter des staatlichen Bauamtes (das ist die staatlche Stelle, die den Bau der Nordanbindung plant und vorantreibt), stellte ich die Frage, mit welchen laufenden Kosten für die fertige Nordanbindung denn zu rechnen sei. Die Antwort lautete 2 bis 2,5 % der Baukosten seien der übliche Satz. Auf die bisher genannten Baukosten von 60 Millionen Euro bezogen ergeben sich laufende Unterhaltskosten von 1,2 bis 1,5 Millionen Euro, jedes Jahr. Da sind die zu erwartenden Verteuerungen des Baus ebensowenig einbezogen, wie die Teuerung der Faktoren, die in die laufenden Kosten bestimmend eingehen.
Da heißt nichts anderes, als dass die politische Handlungsfähigkeit des Bundes auf finanzieller Ebene für die nächsten Jahrzehnte allein durch die realisierte Nordanbindung um mindesten 1,2 Mio , eher aber 1,5 Euro und mehr pro jahr geschmälert wird. Dieses Geld fehlt dann laufend für Bildung und Forschung. Dort aber liegt die Sicherung unserer Zukunft, nicht in der Anhäufung von Beton unter oder über der Erde. Und die Nordanbindung ist nur eines von vielen Projekten, um deren Verwirklichung, sprich Betonierung, zu streiten ist.
Unsere Politiker sollten endlich damit aufhören, unsere Zukunft in Beton festzulegen und statt dessen in Bildung, Forschung und Intelligenz investieren.
Und wir Bürgerinnen und Bürger sollten sie auf allen Ebenen ermutigen ( nicht nur bei der Wahl!!!), diesem Gedanken durch Handeln näher zu treten.
Wieder ein Prestige-Objekt der CSU, das Millionen verschlingt und ohne Notwendigkeit ist. Auf dem RMD-Kanal fährt zweimal am Tag ein Schiff vorbei, hat Milliarden gekostet. Wegen 10 Minuten Fahrtzeitverkürzung wurde für Milliarden eine ICE-Trasse über Ingolstadt neu gebaut statt die vorhandene über Augsburg zu nutzen. Damit die Landesbank auch mal zum Zug kommt, stimmte die CSU zu die HypoAlpeAdria zu kaufen und hat 3,7 Milliarden Euro Steuergelder in den Sand gesetzt. All das wegen des Prestiges und aus Großmannsucht. Im Zuge der CO2 Reduzierung sollte man weniger mit dem Flugzeug verreisen und lieber in Bezirken der CSU-Stammwähler Ober- und Niederbayern Urlaub machen. Von daher wird es weniger Passagiere am Nürnberger Flughafen geben und nicht zum Stau auf der Zufahrt kommen.
Es wird Zeit, das die CSU das Prestige-Denken aufgibt und sich wieder bewusst wird, was wirklich christlich und sozial ist. Sonst laufen ihr noch mehr Wähler davon.
Na, hier wird ja wieder fröhlich auf Vorurteil gemacht. Der eine ist gegen die Nordspange, um CO2 zu reduzieren (Schmarrn! Das ist heute bestenfalls ein GLAUBE, aber kein WISSEN, daß CO2 etwas mit dem Klimawandel zu tun hat, daß Klimawandel überhaupt so stattfindet – also: menschengemacht etc.), sollen doch die Nürnberger in ihrer Region ruhig weiter verarmen, weil die Wirtschaft schlechter dasteht als anderswo – oder wie?
Auf einmal kümmert sich der brave, linke Gutmensch selbst dann um Steuergelder, wenn es nicht die Nürnberger sind – die gleichen Steuergelder sind ihm aber herzhaft gleichgültig, wenn es um irgendeinen Schmarrn geht, der sein Herz erfreut. Wenigstens ein Hauch von Redlichkeit wäre hier von Vorteil! Nichts dagegen, wenn einer seine Meinung vertritt. Aber sie mit scheinbar höherer Moral zu rechtfertigen, die man aber nur dann gelten lassen will, wenn sie mit den eigenen Motiven übereinstimmt, aber dann nichts mehr von ihr wissen will, wenn sie einem gerade nicht paßt, das nenne ich heuchlerisch und verlogen.
Bei der Nordspange geht es nicht um Prestige. Es geht dabei um eine Verbesserung des Nürnberger Flughafens auf dem Passagier-, aber auch dem Frachtbereich. Eine verbesserte Autobahnanbindung ist wichtig. Übrigens gäbe es dadurch auch weniger (Lkw-) Verkehr durch die Stadt (Hafen / Industriezentrum Süd). Ist das nichts?
So oder so, wir können eine Verbesserung der Infrastruktur haben, wir müssen sie nicht bezahlen, aber nein, der Herr Oberbürgermeister will drei Jahre nachdenken. Drei Jahre! Das erinnert an eine schlecht, sehr schlecht gemachte Drehbuchfassung für Warten auf Godot.
Übrigens: Es ist kein Nürnberger Bauvorhaben, sondern eines des Bundes. Zum Glück haben wir einen neuen Verkehrsminister.
Ramsauer, übernehmen Sie!
Von Glück kann man bei Herrn Ramsauer wahrlich nicht sprechen.
Der soll erstmal für Auslastung des RMD-Kanals sorgen, bevor Exporte über den Nürnberger Flughafen abgewickelt werden um eine Autobahnanbindung desselben zu rechtfertigen. Ich sehe mich weder links noch rechts, sondern beobachte neutral nach Gesichtspunkten des gesunden Menschenverstandes. Und leider muss ich zur Kenntnis nehmen, dass Lobbyisten und Amigos die CSU immer noch fest in der Hand haben. Dass Franz-Josef Strauß uns sein Prestigeobjekt RMD-Kanal beschert hat und er als einer der wenigen deutschen Politiker im Amt zum Millionär wurde, kommt ja nicht von ungefähr. Aber im 21. Jahrhundert könnte sich die CSU endlich von dieser Art der Politik abwenden und sich ihrer Grundwerte besinnen. Denn christlich und sozial wäre es sich vom Gedanken des ewigen Wachstums zu verabschieden – den wird es nie mehr geben. Und solange kein ständiger Stau die Flughafenanfahrt behindert, ist mehr als vernünftig auf die Autobahnanbindung zu verzichten. Nur weil sie die Nürnberger zumindest finanziell nichts kosten soll, muss man sie ja nicht zwanghaft bauen. Immerhin würden dafür auch Steuergelder ausgegeben werden. Geld das von uns Bürgern kommt, bzw. für das sich der Bund verschuldet. Es gibt wichtigere Ausgabemöglichkeiten oder auch das erstrebenswerte Ziel einen Haushalt ohne Neuverschuldung zu realisieren. Künftige Generationen würden es uns danken, wenn sie nicht für Schulden aufkommen, die für unvernünftige Bauprojekte wie eine Autobahnanbindung eines Provinzflughafens gemacht wurden.
Es wird langsam Zeit, dass auch eine christlich-soziale Union ethisch denken und handeln lernt und Großmannsucht und Prestigedenken aufgibt. Get real (wie es so schön in der Werbung heißt)!
Mehr in Bildung investieren, denn das ist der einzige Rohstoff den unser Land hat.
Warum ist es so selten, die eigene Meinung zu vertreten, ohne auf die Gruppe, die anderer Meinung ist, verbal loszugehen?
Das FJS-Bashing ist doch nun wirklich – na, zumindest nur ein Minimal-Ausschnitt der Realität. Freilich, niemand wird ernsthaft bestreiten, daß es bei ihm Unzulänglichkeiten, auch menschliche, gegeben hat. Aber zugleich bleibt doch eines, nämlich die Transformation Bayerns von einem der ärmsten Länder der (alten) BRD zu einem der wohlhabendsten, von einem Nehmerland zum Spitzenzahler innerhalb des Länderfinanzausgleichs. Selbst wenn es also bei FJS Dinge gegeben hat, die ihm nicht gerade zur Ehre gereichen – er hat sich wie kaum ein anderer um Bayern verdient gemacht, schlicht und ergreifend bezogen darauf, was er aus dem Land machte.
Nun wird also auf einmal von links, wenn ich den Vorredner ‘heavymeister’ mal dort bestandorten darf, das Ziel des ausgeglichenen Haushalts ausgegeben. Ich weiß noch recht gut, wie aus der gleichen Ecke geschrien wurde, als Stoiber einen ausgeglichenen Haushalt anstrebte und dann auch tatsächlich vorlegte – da war Bayern nach damaliger Ansicht von links/grün so gut wie am Abgrund. Und nun ist’s auf einmal ein hehres Ziel…
Links will Geld immer stärker verteilen als rechts. Das ist so, es sind zwei verschiedene Politikansätze, und darüber kann man immer wieder aufs Neue streiten – Streit hier im positiven Sinne gemeint. Aber über eine Sache kann man doch nicht wirklich verschiedener Meinung sein: Darüber, daß Infrastrukturmaßnahmen einen dauerhaften Mehrwert für die Gesamtheit bilden, während Staatsausgaben, die im konsumtiven Bereich landen, ohne bleibenden Gegenwert einfach weg sind. Daher sind Infrastrukturmaßnahmen immer wichtig, und in schwierigeren Zeiten von herausragender Bedeutung. Die Auseinandersetzung sollte daher eigentlich um die Frage gehen, ob die Nordanbindung etwas bringt – infrastrukturell – oder ob nicht. Die FACHLEUTE sind hier einer Meinung; niemand bestreitet ernsthaft den Nutzen. Bestritten wird von den seriösen Gegnern vielmehr die Kosten-Nutzen-Relation sowie der Eingriff in die Umwelt. Das sind Aspekte, über die man REDLICH diskutieren kann. Platte Platitüden wie beispielsweise die Aufforderung, sich vom Gedanken des ewigen Wachstums zu verabschieden, sind nicht nur erstens überholt (vom ‘Club of Rome’, der derlei Unfug schon in den 1970ern prophezeite, hört man zurecht und konsequenterweise seit vielen Jahren gar nichts mehr – vermutlich war nur sein eigenes Wachstum beschränkt…), sondern auch zweitens falsch – kein auch nur halbwegs ernstzunehmender Wirtschaftswissenschaftler behauptet derlei – und drittens eine fast nur in Deutschland vertretene Auffassung. Der Rest der Welt weiß, daß Wirtschaftswachstum dauerhaft möglich ist, natürlich auch Rezessionen vorkommen können, und handelt entsprechend. Der deutsche Pessimismus allerdings, vielleicht gepaart aus uralten inneren Vorbehalten gegen freie Systeme – Freiheit des Individuums, Freiheit der Wirtschaft unter dem Primat der Sozialverträglichkeit -, macht einen auf Miesepeter und verkündet gern das Ende des Autos, das Ende des Wirtschaftswachstum, das Ende der Wälder, das Ende der Gletscher, und muß dann erkennen, daß sich der Rest der Welt ebenso wie die Welt selbst darum nicht weiter schert.
Nicht zaghaft sein, nicht den eigenen Pessimismus auf andere übertragen, sondern mutig Dinge angehen – das ist wie immer das Gebot der Stunde.
Und zum Schluß, mit dem Versuch, fair auf die anderer Meinung zuzugehen: Was wäre, wenn die Nordanbindung gebaut würde, aber sich nicht so auswirken würde, wie angenommen? Dann hätten wir eine Straße zuviel und einige Millionen Euro an Löhnen und Gehältern hier in der Region ausbezahlt. Toll wäre das Ergebnis nicht, aber auch kein Desaster. Was aber wäre, wenn die Nordanbindung nicht gebaut wird, und sich im Nachhinein herausstellt, daß damit der Flughafen Nürnberg effektiv beschädigt wurde, wenn Eurowings und Lufthansa noch mehr Arbeitsplätze abbauen als schon geplant, wenn Nürnberg nicht mehr das Eurowings-Drehkreuz wäre, wenn Nürnberg kein Luftfracht-Zentrum mehr wäre, wenn unter der schlechteren Marktlage des Flughafens die Messe, unser wirtschaftliches Glanzstück, leiden würde, darunter dann wieder die Hotels und Gaststätten und der Tourismus…?
Ich sage ja nicht, daß das alles allein an der Nordanbindung hängt – aber es hängt mir ihr zusammen. Zwei, drei relevante Entscheidungen für oder gegen den Flughafen machen hier den Unterschied.
Also: Bauen.
(Und im übrigen: die ‘Einwände’ der Stadt Nürnberg sind unerheblich. Bauherr ist der Bund, Herr des Verfahrens die Regierung von Mittelfranken, Grundstückseigentümer der Landkreis Erlangen-Höchstadt – also, was muß einen die Nürnberger ‘3-Jahres-Denkpause’ kümmern? Nichts, sie ist rechtlich nicht relevant. Überhaupt, wenn einer schon drei Jahre denken will – na, so baut man nichts auf, so richtet man zugrunde. Vor lauter Denken nicht zum Handeln zu kommen, ist ein typischer Fehler deutscher Lahmar***igkeit. Solche Leute haben noch nie eine Sache voran gebracht. Wir sind das Land der Bedenkenträger. Damit, werter Vorredner, schafft man wirklich kein Wachstum. Aber wer sagt, daß diese Haltung tonangebend sein muß?
Sehr geehte oder geehrter Dame oder Herr Freud,
ihren Ausführungen zu folge gehen Sie davon aus, dass für die Besucher der Messe ein Vorteil entstünde, wenn sie vom Flughafen aus via Nordanbindung und Autobahn zur Messe fahren könnten. Es gibt jedoch eine U-Bahn-Verbindung mit einmal Umsteigen am Hauptbahnhof um konkurrenzlos schnell zur Messe zu gelangen.
Wissen Sie übrigens, dass 86 % der Fracht, die per LKW an den Flughafen gefahren wird, von dort auch wieder per LKW weiter transportiert wird? Würden dese 86 % über das trimodale Verkehrszentrum im Hafen umgeschlagen, entfiele wieder ein Argment für eine Nordanbindung. Und der häufig beschworene Verkehrsberuhigungsnutzen für die Straßen in Ziegelstein (nicht nur für den Bierweg) könnte auch eintreten. Und aus dem tri- würde ein quadro-modales Verkehrszentrum – vermutlich einzigartig in Europa.
Das mit der Flughafen-Messe-Anbindung der U-Bahn ist
a) unbestreitbar wichtig
b) nur für einen Teil der Besucher eine tatsächliche Lösung
Letzteres erkennt man leicht daran, daß die Parkplätze am Flughafen meistens voll sind, daß dort die meisten Leihwagen vermietet werden und daß am Taxistand oft kaum weniger Taxen stehen als am Bahnhof – will sagen: der Individualverkehr ist von großer Bedeutung. Man mag sich ja meinetwegen wünschen, daß mehr Menschen die U2 nutzen sollten, aber man kann sie dazu nicht zwingen und auch nicht erziehen – das wird nicht funktionieren. Wenn eine andere Messe sich um eines der Nürnberger Messe-Highlights bemüht und gegenüber dem Ausrichter mit einer Top-Verkehrsanbindung punkten kann, während zugleich die Nürnberger Messe schwächer angebunden ist, dann kann das ein Aspekt sein, der zu einem Verlust wichtiger, für die gesamte Stadt wichtiger Messen führt. Was ich sagen will: Weder die Politik noch die Bürger können sich ausruhen. Man muß – wie in einem Unternehmen – ständig an den Aufgaben dran bleiben. Was würde wohl aus Siemens werden, wenn dort für, sagen wir: drei Jahre, nichts Neues entwickelt werden würde? Richtig, Siemens wäre Vergangenheit. Deswegen geht es darum, bei allen sich stellenden Aufgaben am Ball zu bleiben. Wieviele Menschen werden wohl nach dem Bau der Nordspange künftig auf der A3 überhaupt erst den Nürnberger Flughafen richtig wahrnehmen, ihn vielleicht dann gezielt nutzen? Man weiß es nicht – aber man weiß eines: mehr als heute.
Ihr Beitrag, aspettante, geht von Menschen oder einer Welt aus, wie Sie Ihrer Meinung nach vielleicht sein sollte – aber nicht von der Welt wie sie ist. Ihr Ansinnen, die Menschen auf den ÖPNV zu verweisen, funktioniert niemals dadurch, daß sie sie durch eine bestimmte Straßenverkehrssituation dazu drängen wollen, sondern nur dadurch, daß der entsprechende ÖPNV immer besser und wettbewerbsfähiger wird (so fehlt, einmal frei gedacht, zum einen eine umstiegsfreie Verbindung Flughafen-Messe [ja, die Menschen sind eben bequem - und die, die aus dem Ausland kommen, die im Streß sind, die Termine im 15-Minuten-Takt sortiert, die dürfen auch wirklich bequem sein; man kann nicht ernsthaft von ihnen das Studieren der Umsteigesituation erwarten!], es fehlt eine U-Bahn rings um den Altstadtring zwecks optimaler Hotel-Anbindung usw. usf. Auch haben die am Flughafen ankommenden oft Gepäck, und da gibt’s schöneres als damit durch U-Bahnhöfe zu wandern.
Ich will diese genannten neuen U-Bahnen nicht fordern, aber ich will festhalten: daß sie nicht vorhanden sind, reduziert die Attraktivität des vorhandenen ÖPNV. Und die erhöhen sie nicht, indem sie die Straßenanbindung auf dem Niveau von 1977 belassen.
Man könnte natürlich trotzdem den ÖPNV verbessern. Die Taxis, die ihm ja formal zugerechnet werden, sind beispielsweise so ein Punkt. New York, JFK: Angekommen und aus den Terminals tretend, stehen die Taxen in einer Reihe, ein ‘dispatcher’ kümmert sich darum, daß Einzelreisende oder Paare ein normales Taxi, etwas größere Gruppen ein SUV als Taxi bekommen. Der Fahrpreis nach Manhattan beträgt $ 45, egal wohin, zuzüglich Tunnel- oder Brückengebühr. Wir übertragen das mal auf Nürnberg: Ein Flughafen-Bediensteter steht vorne am Taxistand, kümmert sich darum, daß die Angekommen dem zuweilen etwas arg fränkischen Charme der Taxerer nicht allzu sehr ausgesetzt sind (mich fragte mal einer, zu dem ich mit zwei Japanern einstieg, wo ich denn mit meinen ‘Schlitzaugen’ hin wolle – nun ja, die beiden leben in Düsseldorf, sprechen also Deutsch, und waren mäßig amüsiert), weist darauf hin, daß aufgrund einer Vereinbarung zwischen der Stadt Nürnberg und den diversen Taxi-Verbänden die Fahrt beispielsweise 20 € kostet, egal ob Messe, Bahnhof, Christkindlesmarkt, und kümmert sich vielleicht noch ums Gepäck. Das wäre doch mal etwas! Hierfür sich einzusetzen, das bringt etwas.
Oder die VAG kriegt ihre U-Bahn wieder mal in den Griff. Das wäre doch auch etwas.
SO stärkt man den ÖPNV. Nicht durch das Unterlassen einer vernünftigen Anbindung an die Autobahn.
Im Übrigen, um auf Ihren Namen hier zurückzukommen: mit aspettare, also warten, hat man im Wettbewerb der Städte untereinander, in dem wir stehen, freiwillig oder nicht, noch nie etwas anderes gewonnen als den Abstieg. Das kann man doch nicht wollen.
Eigentlich war der Umweltminister Söder bisher in meinen Augen nicht soooooooo schlimm, will er doch auch keinen Donauausbau… Aber nun lese ich diese familiären Verquickungen bei der Nordspange und bin entsetzt. Gilt denn nur noch der eigenen Vorteil, das ist leider auch für andere Politiker zutreffend, einfach erbärmlich !!!