iPad: Zum Angeben zu verschmiert

Eigentlich wird um das Gerät zu viel Gedöns gemacht. Wahrscheinlich ist das eine Art Nachklapp-Gedöns, weil Apple-Produkten in der Vergangenheit oft nicht die Aufmerksamkeit geschenkt wurde, die sie verdient haben. Sei´s drum! Nachdem ich seit ein paar Tagen ein iPad besitze und dies auch im Redaktionsalltag nutze, will ich hier mal meine Erlebnisse schildern, was dran ist an dem Gerät, wofür man es brauchen kann und wofür nicht.

Gekauft habe ich es mir eigentlich, weil mich 2 Dinge beim iPhone immer geärgert hatten: Das kleine Display und die dürftige Akkulaufzeit. Beides ist beim iPad behoben. Der Akku reicht für etwa 10 Stunden Betrieb, das Display ist für Spiele und das Lesen von Texten natürlich deutlich besser als beim iPhone.

Wer aber noch gar kein iPhone besitzt, der leidet auch nicht unter dessen Defiziten und für den sind diese demnach auch keine Kaufgründe fürs iPad. Den interessieren vielleicht eher dessen Eigenschaften als Statussymbol. “Hast Du jetzt auch diese Penisverlängerung?”, meinte ein Kollege. Sowas durften sich früher Porschefahrer anhören.

verschmiertJedenfalls scheint das ein ganz wichtiger Aspekt zu sein. Gehört hat nämlich fast jeder davon, und nachdem es das Gerät (noch) nicht im Mediamarkt oder bei Aldi gibt, haben viele das Bedürfnis, das legendäre Teil wenigstens mal anzulangen. Gleichzeitig beschweren sich die gleichen Leute, dass das Display so verschmiert sei. Womit sie recht haben. Das iPad wird schnell zum Schmuddelteil und dient daher nur noch bedingt zum Angeben. Da lobt man sich solche Kollegen, die nur verächtlich draufblicken und einfach dreist behaupten, sie hätten ihr iPad schon seit Weihnachten und würden es mittlerweile kaum noch nutzen (später merken sie dann wohl, dass sie iPod und iPad verwechselt haben, können es aber nicht mehr zugeben).

Und wie sieht es mit den positiven Auswirkungen auf die Zukunft der Zeitung aus? Das, was es z.Zt. als App gibt, haut noch niemanden um. Die Welt-App stürzt nach vier oder fünf Seiten regelmäßig ab. Den Spiegel habe ich mir schon wegen der hohen Kosten (3,99 Euro) nicht geladen. Im Prinzip stehen die ePaper, die die meisten deutschen Tageszeitungen anbieten und die natürlich via Safari auch auf dem iPad laufen, den Apps nicht so viel nach. Man vermisst eigentlich nur die komfortable Blätterfunktion und das problemlose Einkaufen im iTunes-Store. Ob App oder ePaper: Das iPad hat allerdings nur Taschenbuchformat. Schon daher ist es für 1:1 übernommene Zeitungsseiten eher suboptimal.

Auch für den Redaktionsalltag taugt es nur bedingt. Es ist zum Mitnehmen zu groß. Für richtige Präsentationen ist es nicht geeignet. Der Bildschirminhalt wird nämlich nicht über den Beamer abgebildet. Das läuft nur bei Filmen oder via Keynote. Dafür kann man in Kleingruppen schnell und gut mal etwas vorführen – vor allem Videos (allerdings wird Flash bekanntlich nicht unterstützt).

Doch das sind jetzt nur die Argumente für die Vernünftler unter uns. Das iPad spricht nämlich eher die rechte Gehirnhälfte an. Deswegen ist die Frage etlicher Kollegen, ob da auch eine Textverarbeitung verfügbar sei (ja, es gibt Pages für 7,99 Euro, habe ich aber noch nicht geladen), falsch gestellt. Viel richtiger wäre die Frage, ob das Handling von RealRacing passt (ja, Superautorennspiel!).

Neben den Spielen begeistern mich aber am meisten die Möglichkeiten, das iPad zum Musikmachen einzusetzen. Das liebevoll gemachte Accordeon gibt da auch Anfängern einen guten Eindruck in die Möglichkeiten des iPads.

Weitere Empfehlungen für Apps (wird ergänzt):

Brushes: Malprogramm, das Spaß macht.
Weather HD: lokales Wetter, einfach, aber stilvoll
Good Reader: Zum Lesen von PDF-Dokumenten
Akinator: Errät, an wen du gerade denkst.
FingerBeat: Rhythmus-Tracks aufnehmen
Sipgate: Kostenlos telefonieren.
iBone XL Posaunen-Karaoke

4 Kommentare in “iPad: Zum Angeben zu verschmiert

  1. Täusche ich mich, oder verkommt Apple gerade von der Kultmarke für die IT-Avantgarde zu einer richtigen Lachnummer für Angeberarschlöcher?

  2. @vip Natürlich nicht. Wenn man über bestimmte Dinge schreibt, muß man sich auch damit beschäftigen. Nicht jeder Porschefahrer ist unbedingt ein Angeber.

    Ganz subjektiv habe ich nur den Eindruck, dass seit einiger Zeit jeder Trottel in meiner Umgebung, der noch weniger Ahnung von IT-Geschichten hat als ich, mit irgendwelchen Apple-Geräten herumhantiert, um so irgend eine Art von IT-Kompetenz vorzutäuschen.

    Und die Engführung der Apple-Geräte, den Content nur über eigene Apple-Kanäle beziehen zu können hat ja wohl auch wenig mit der großen freiheitsschaffenden Wirkung des Netz zu tun, auf die die Netzgemeinde so abfährt. Hat eher was mit monopolartigen Konzernstrukturen zu tun. Früher war Apple das Protestsymbol gegen das Monopol Intel/Microsoft in der Computerwelt. Heute hat der Börsenwert von Apple den von Microsoft überholt.

    An Stelle der Apple-Marketingleuten würde ich mir da ernsthaft Sorgen um den Wert der Marke Apple machen.

  3. Dennoch bleibt festzuhalten, dass ein Apple-Computer viel benutzerfreundlicher ist, als andere. Die Kompatibilität der Apple-Geräte untereinander ist schlichtweg genial. Wenn manch einer damit “angibt”, das schon früher als andere erkannt zu haben, darf er meinetwegen ruhig stolz darauf sein. Ich selbst habe es auch erst vor drei Jahren gemerkt und mache kein Gedöns, sondern erfreue mich einfach an einer leichteren Handhabbarkeit meiner Arbeitsgeräte. Wenn es Leute gibt, die mit ihrem neu erworbenen Wissen angeben, muss ich lächeln, aber sollen sie doch. Es gibt schlimmere Small-Talk-Themen.

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