Jul

28

2010

Twinisterin Schröder war da

Veröffentlicht von vip in der Kategorie Journalisten, NĂŒrnberg, Print, Twitter | 11 Kommentare

FotoDas sind Paradigmenwechsel, die muss man erst einmal verdauen. Während ihre Vorgängerin als Familienministerin, Ursula von der Leyen, einfach nur kaum Ahnung vom Internet hatte, twittert ihre Nachfolgerin Kristina Schröder (allerdings noch unter ihrem Mädchennamen Köhler) schon seit Januar 2009 . Am heutigen Mittwoch war sie erstmals in Nürnberg und nutzte gleich die Gelegenheit, die hiesigen Twitterer zum Twabendessen ins Strandhaus am Dutzendteich zu laden. Dort ließ sie sich auch bereitwillig ausfragen. Nett und freundlich war sie aber nur zu Twitterern und Bloggern, nicht aber zu Printjournalisten. “Bevor Sie da was abdrucken, lassen Sie das bitte von meinem Büro autorisieren”, ließ sie mich wissen, nachdem sie bemerkt hatte, dass ich mitunter – man will ja richtig zitieren – mitgeschrieben hatte.

Auf meinem Zettel hatte ich Sätze stehen, wie “Ich twittere um zu zeigen, was ein Abgeordndeter den ganzen Tag so macht”, “Zeit ist für Familien mindestens genauso wichtig wie Geld” oder “Wenn ein Mann eine Auszeit nimmt, steht er nicht mehr unter Weichei-Verdacht”… Also bestimmt nichts, wofür man eine Wahlniederlage riskiert oder gar zurücktreten müsste. Aber die Ministerin hat halt nicht mit Twitter und dem Netz, sondern mit Print schlechte Erfahrungen gemacht.

Foto2“Die Printpresse hat für Twitter kein Verständnis”, sagt sie. Wenn sie versuche, Inhalte auf 140 Zeichen zu destillieren, dann bekomme das bestimmt so ein Holzmedienangestellter in der falschen Hals und drehe ihr einen Strick draus.

Die Kürzung des Elterngeldes für Mini-Jobber und die darauf folgende massive Kritik ist allerdings nicht auf eine Verdichtung auf 140 Zeichen zurückzuführen. Das haben die Medien offenbar schon richtig verstanden, wobei Schröder die Idee, bei solchen Vorschlägen künftig erst einmal im Netz die Resonanz abzutesten, nicht schlecht findet.

Nichstdestotrotz ist sie eben trotzdem reserviert, wenn sie Leute entdeckt, die noch mit Block und Stift hantieren. Dagegen hat sie keinerlei Probleme, wenn Twitterer das Twabendessen im Strandhaus mitfilmen und das dann ins Netz stellen. Gegen Tweets, die der Twitterwelt den Verlauf der Veranstaltung kund tun, hat sie ohnehin nichts einzuwenden. Die sind ja sogar gewünscht. Zum einen bringen sie ihr möglicherweise zusätzliche Follower, zum anderen verbessern sie ihr Standing bei der Netzgemeinde.

Die, das hat übrigens auch Köhlers Parteifreundin Dagmar Wöhrl erkannt, hat für Politiker durchaus Potenzial. Im vergangenen Jahr hatte sich Wöhrl noch als “Privatperson” zu einer ähnlichen Veranstaltung ihres SPD-Kontrahenten bei der Bundestagswahl dazugesellen müssen. Inzwischen übernimmt sie solche Treffen selber, kredenzt – auf Steuerzahlerkosten - Häppchen und Getränke und lädt sogar “Stargäste” ein. Und wenn sie dann auch noch mit ihrem “Stargast” im Duett singt “Twitter ist ein tolles Medium”, dann ist alles in Butter. Außer man arbeitet als Printjornalist.

Aber hier bin ich ja Blogger und daher muss ich -gottseidank- nichts authorisieren lassen.

Ach so: Von dem Event im Strandhaus hat Köhler natürlich auch ihre fast 9800 Twitterfollower informiert: “Bin gerade beim Twabendessen als das sich das Twittagessen entpuppt hat…” Sowas könnte mancher Printjournalist sicher schöner formulieren, aber wenn er es erst autorisieren lassen muss, dann ist es für Twitter natürlich längst zu spät.

11 Kommentare zu “Twinisterin Schröder war da”
  1. Wolferl 28th Juli 2010 23:11

    Nette Geschichte. “Journalist fällt unangenehm auf, weil er auf einem Treffen der IT-Gemeinde Notizen analog mit Stift und Papier macht”. Da macht man sich natürlich verdächtig, mit dem neuen I-Pad wär das nicht passiert. Wobei die Frau Ministerin offenkundig noch nicht kapiert hat, dass es viel gefährlicher ist im Netz Unsinn zu verbreiten als auf bedrucktem Papier. Da muss Muttis Mädchen noch was lernen.

  2. Sandra C. 29th Juli 2010 00:24

    9700 Follower ist zwar nicht schlecht, eine Wahl gewinnt frau damit aber noch nicht. Aber wenn Sie überall die Twitterer mit Fingerfood auf Steuerzahlerkosten bestechen, dann klappt das schon noch, Frau Schröder/Köhler!

  3. [...] NZ-Blogger Vipraum schrieb: Twitteristin Schröder war da [...]

  4. GĂŒnter 29th Juli 2010 09:50

    Naja, wenn die Umfragewerte unter 30% fallen greift man halt nach jedem Strohalm. Da hab ich, wie zu erwarten, nichts versäumt. Ich mag es nicht wenn mir Politiker/innen in meiner Freizeit ins Essen quatschen, noch nicht mal wennÂŽs nix kostet.

  5. digest readers' 29th Juli 2010 11:14

    Twinisterin war da – nette Fortführung der Wortspielereien mit Twitter, wie twabendessen etc. – egal, ob man da nun hingeht oder nicht. Aber ist es nicht – anders, als meine Vorschreiber meinen – so, dass jeder sein Abendessen selbst bezahlt und nicht die Steuerzahler? Und wie ist das sonst noch so, wenn kein Promi da ist, oder lassen die sich das nie entgehen? Plauder mal a weng aus dem Twähkästchen!

  6. vip 29th Juli 2010 11:37

    @digest readers Die Twinisterin und die Twabgeordnete haben das Strandhaus als Location herausgesucht (Schröder hatte zuvor einen Termin im nahe gelegenen Guthmanns). Nachdem sich etliche Twitterer beklagt hatten, das Strandhaus sei ihnen zu teuer, haben die beiden “Fingerfood” spendiert und dafür gesorgt, dass das Essen an diesem Abend günstiger angeboten wurde.
    Das Twabendessen findet ansonsten monatlich in wechselnden Lokalen statt und jeder zahlt seine Zeche selber.
    Hier gibts übrigens noch weitere Bilder aus dem Strandhaus: http://www.twabendessen.org/2010/07/29/14-twabendessen-am-28-juli-2010/

  7. [...] dokuemtiert ist, der zur Authorisierung wörtlicher Zitate aufforderte. Und im VIP-Raum war die  Twinisterin Schröder [...]

  8. vip 30th Juli 2010 17:14

    Ich habe “auf Steurzahlerkosten” rausgenommen. Frau Wöhrl hat die Bewirtungskosten, wie sie betont, aus der eigenen Tasche bezahlt.

  9. Michael van Laar 30th Juli 2010 17:23

    @vip: Wären digital notierende Printjournalisten denn OK gewesen? Oder fällt das unter „Vorspiegelung falscher Twatsachen“?

  10. vip 30th Juli 2010 20:16

    @Michael van Laar Wahrscheinlich hätte schon ein Twiktiergerät gereicht ;-)

  11. Wortspielereien: Putin Und Der FrĂƒÂŒhlingsfrosch – DiePresse.com | Buzzinusa 9th August 2010 01:53

    [...] geht nach hinten los – Eltern …Das traurige Ende der Arbeitsargentur – SEO.deVip-Raum » Blog Archive » Twinisterin Schröder war da &nbsp &nbsp &nbsp      You May Also LikeLivermore Woman Arrested On 67 Sex Charges [...]

Copyright © 2009-2010 Nürnberger Zeitung · Vip-Raum

Powered by Wordpress