Wo lässt die CSU Dissertationen schreiben?

Nun hat auch die Uni Konstanz ihren Plagiatsfall. Zweifelhaft ist allerdings, ob es sich „nur“ um einen Betrugsfall handelt oder ob auch ein öffentliches Interesse vorliegt. Die (Nicht-)Verfasserin der Dissertation ist nämlich keine aktive Politikerin, sondern lediglich die Tochter eines bekannten Politikers. Allerdings stammt dieser aus dem gleichen Umfeld wie Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und da wird das Ganze dann doch interessant und es drängen sich Fragen auf wie: Stecken CSU-Parteinetzwerke dahinter? Welche Rolle spielt die Hanns-Seidel-Stiftung? Wer versorgt hier den zu wissenschaftlichen Eigenleistungen offenbar unfähigen Parteinachwuchs mit akademischen Weihen?

Bei der Uni Konstanz ermittelt man inzwischen gegen die Autorin. Über Twitter oder Facebook kursiert bereits ihr Name. Andere tun sich mit der Veröffentlichung härter, weil – wie gesagt – nicht klar ist, ob besagtes öffentliche Interesse gegeben ist.

Die Dissertation ist Im Netz allerdings frei verfügbar. Hier ein paar Textbeispiele. Links der Text der Dissertation, rechts die Originale, die ohne Quellenhinweis übernommen wurden:






Hier die Links zur Doktorarbeit und zu den Originalen (1, 2, 3, 4)

Und hier der Link zum dazu gehörigen Wiki.

18 Kommentare in “Wo lässt die CSU Dissertationen schreiben?

  1. Also bei Freiherr Karl-Theodor Guttenberg genannt Googleberg sind bis jetzt auf über 94% der Seiten Plagiate gefunden worden. Über 62% der Zeilen des Kerntextes sind Plagiatbehaftet. Da sind wir doch mal gespannt, wie viele Tage die Dame durchhält, bis sie ihren Titel, vorläufig oder ganz zurückgibt oder ob die Universität Konstanz schneller als Buyreuth ist und sie den Titel, vielleicht bevor sie selbst aktiv wird, aberkannt bekommt.

  2. Ein bayerischer Ministerpräsident muss jahrzehntelang Parteiarbeit leisten, muss im Dienste der Bürger Politik und Interessensvertretung machen, muss sein Leben der politischen Arbeit unterordnen. Er ist oft auch abends und an Wochenende unterwegs. Da fehlt einfach die Zeit, sich um die Kinder zu kümmern.
    Dass die Partei dafür einen Ausgleich schafft, befreundete Hochschullehrer um Hilfe bittet und ihrerseits Bildungs- und Erziehungslücken schließt, ist doch nur nachvollziehbar und verständlich.
    Im Gegensatz zu anderen Parteien ist die Union dankbar für das, was ihre Großen für sie geleistet haben. Insofern geht es hier nicht um Plagiate oder Urheberschaften, sondern darum, wie wir mit verdienten Politikern und deren Kindern und Familien umgehen.

    • jawolll – und Töchter von Ministerpräsidenten die Rechtsanwältinnen sind, die Erbrecht, Nachfolge & Stiftungen Handels- und Vertragsrecht als Fachgebiet angeben, sollten den Dr. Titel gleich vererbt bekommen.

      „Leistung muss sich wieder lohnen!“

      Ist nicht der Vater verantwortlich mit ein paar anderen Amigos für den desaströsen Kauf der Hypo Group Alpe Adria?

    • Stimmt, bei diesen Plagiaten geht es gar nicht um Plagiate, sondern um familienfeindliche Hetze gegen Unions-Politiker!
      Seid Ihr eigentlich alle noch zu retten? Wer auf dem Niveau von „Unions-Freund“ argumentiert, kann wirklich alles rechtfertigen! Jemand, der sich akademische Titel – für die andere lange und mühevoll arbeiten – erschleicht, ist niemand, der „sein Leben der politischen Arbeit unterordnet“, sondern ein egozentrischer Betrüger, dessen restliche „Arbeit“ aller Wahrscheinlichkeit nach von ähnlichen Motiven geleitet und von vergleichbarer Qualität ist. Keinen Fetzen öffentliche Verantwortung wäre ich als Bürger bereit, solchen Politikern zu übertragen.

    • Ich möchte auch einmal dieses Gefühl der absoluten geistigen Leere spüren, aber nur für wenige Minuten und nur unter strengster Bewachung und auch nur dann, wenn absolut sichergestellt ist, dass ich anschließend wieder ein normaler Mensche bin.
      Leider ist Dummheit noch nicht strafbar.

  3. Hm, komisch, ich war mal Ende der 90iger Jahre auf einem Seminar der Seidel Stiftung in Wildbad Kreuth. Da hat dann eine Dozentin abends beim Biere erzählt, dass eine Menge CSUler zu der Zeit ihren Doktor von der juristischen und/oder philosophischen Fakultät der Uni Würzburg geschenkt bekommen haben und dass deswegen CSUintern vom Dr. Würz gewitzelt würde. Ein paar Namen wurden auch genannt. Wenn ich ein bischen nachdenke fallen mir die vielleicht auch wieder ein, hahaha. 😉

    • Nachdenken! Nachdenken! Bitte alle Kraft ins Nachdenken legen! Vielleicht kann so dieser Netzwerkesumpf irgendeinmal trocken gelegt.
      Wenn ich nur daran denke was ich für meine Promotion an Professoraler Scheiße gefressen habe und wie meine Familie darunter gelitten hat, wird mir speiübel was in manchen Fachbereichen abgeht.
      (bin übrigens Dr. des Maschinenbaus)

  4. Wenn man jemanden wegen seiner Verdienste ehren will, kann eine Uni einen Dr. h.c. verleihen – wie es häufig genug geschieht. Eine Promotion hingegen darf es nur für eigene wissenschaftliche Leistung geben.
    Andererseits frage ich mich, nach den Zitaten im Artikel zu gehen, was ist daran wissenschaftlich?

  5. @Karl-Otto Eschrich Ich fände es auch am saubersten, wenn die unionsnahen Unis ihren Parteifreunden den Doktor h.c. nicht erst dann nachwerfen, wenn sie am Ende ihrer Karriere angekommen sind, sondern dann, wenn sie es am meisten baruchen. Am besten bekämen sie den Dr. h.c. gleich mit dem Eintritt in die Partei. Das würde deren Nachwuchsprobnleme lösen und vielelicht auch den einen oder anderen Intelligenten dazu bewegen, Mitglied zu werden. Denn auch unter intelligenten Menschen gibt es die Auffassung, dass man die Zeit und Energie, die man für eine Doktorarbeit aufwendet, sinnvoller einsetzen kann.

    Noch sauberer wäre dann freilich: aus dem h.c. ein c.s.u. zu machen. Also Dr. c.s.u. Dann wüssten die (helleren) Wähler wenigstens gleich was los ist und die schläfrige SPD dürfte in ein paar Jahren mit einem Doktor s.p.d. nachziehen (natürlich nur, wenn sie vorher der Union bei irgendeiner Sauerei behilflich ist).

    • Stutzig macht auch der Dank an den Zweitgutachter im Vorwort der Arbeit, einsehbar ebenfalls bei Google Books:

      http://books.google.de/books?id=mRFPKN3Gwl0C&pg=PR7

      „Ebenfalls danke ich Herrn Prof. Dr. Kai Hailbronner für die rasche Erstellung des Zweitgutachtens.“ Die Erstellung war offensichtlich so rasch, dass die Doktorantin nicht einmal den Vornamen ihres Zweitgutachters richtig mitbekommen hat. Prof. Dr. Kay Hailbronner, Experte für Staatsangehörigkeits- und Ausländerrecht, Rechtsberater und Prozessbevollmächtigter der Bundesregierung in den 90er Jahren, hat sich nicht unbedingt in Fragen des TK-Rechts verdient gemacht. Aber vielleicht war hier auch keine Sachkenntnis gefordert, sondern eben Geschwindigkeit bei der Abfassung des Gutachtens.

  6. ebenfalls Seite VII: lool

    Ganz besonders bedanken möchte ich mich bei meinem Mann, Olaf Saß, der mich während meiner nicht immer einfachen Doktorandenzeit in jeder Hinsicht unterstützt hat und mir auch bei Ausarbeitung und Kotrrektur der Arbeit überaus hilfreich zur Seite stand.

    Man beachte das neue Wort „Kotrrektur“ !!!

    Das Vorwort wurde dem Ehemann wahrscheinlich vorenthalten. :-))

  7. Hilfe, das ist doch keine wissenschaftliche Arbeit! Ich dachte immer, es ist schwierig Doktor zu werden, aber jetzt will ich das auch haben! @CSU: wie wär’s mit einem Deal, wenn ich eintrete, bekomme ich dann meinen Doktortitel?

  8. Pingback: Blog für wissenschaftliche Redlichkeit • Nächste Dissertationsaffäre nach Guttenberg braut sich zusammen

  9. Wer ein Buch schreibt steht nicht nur in der Bibliothek sondern mit dem Buch als Autorin im öffentlichen Interesse. Da die offensichtlichen Fehler dieser Arbeit nicht übersehbar sind, müsste nach meiner Ansicht allerdings auch den zwei Professoren eine Aufforderung mit Frist zur Stellungnahme zugehen.

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