Das muss man sich mal vor Augen führen: Da kommt von einer Stadtverwaltung seit langem überhaupt kein Lebenszeichen, höchstens Gejammer über fehlende Finanzen, und dann darf endlich einmal was Vorzeigbares präsentiert werden: Es ist ein Logo! Der Berg hat gekreißt! Jetzt wird endlich alles gut, schließlich besitzt die Stadt ein innovatives Corporate Design.
Blöderweise besitzen das andere Städte schon längst. Absetzen kann man sich damit kaum. Höchstens weniger unangenehm auffallen. Und ob der Schub dann so groß ist, dass Prozesse künftig schneller laufen, mag bezweifelt werden. Zweieinhalb Jahre dauerte es immerhin von der Ausschreibung bis zur Einführung. Zahlreiche Dienststellen mit gut bezahlten Mitarbeitern waren beteiligt, so dass man auf die genannten 100.000 Euro Kosten noch einiges drauf legen kann. Die Mitarbeiter hätten ja in der Zwischenzeit – wie der Franke sagt – “aa was erberdn” können.
Schon vor einem Jahr war Oberbürgermeister Ulrich Maly mit dem Logo an die Öffentlichkeit getreten, mit sehr negativer Resonanz. “In einem langwierigen Prozess wurde auf glatte Linien verzichtet, um Dynamik zu suggerieren”, lobte damals der Presseamtsleiter das vorläufige Ergebnis.Diese Dynamik fehlte dann irgendwie.
Es dauerte nochmal ein Jahr, um dem neuen Logo den letzten Schliff zu geben. 
Und voilá: Heraus kam das, was ich seinerzeit schon vorgeschlagen hatte: Man rückte das Logo stärker in Richtung Stadtpartei (oder stehen S und P in SPD etwa für etwas anderes?). Allerdings wandelte man das ursprünglich geplante Pink (Bild links) in ein SPD-Rot (Bild oben) um. Für so etwas braucht es offenbar eine gewisse Schamfrist.
Dabei, aber das nur am Rande, hätte die Stadt so viele Möglichkeiten gehabt, sich einen Haufen Geld, einen Haufen Sitzungen und ein letztlich doch bescheidenes Ergebnis zu sparen: Sie hätte einfach nur die Bürger am Entstehungprozess beteiligen müssen (wie unter anderem hier vorgeschlagen). Unter denen gibt es – das weiß ich zufällig – etliche, die mindestens genauso gut sind, wie die Braunschweiger Agentur “wirDesign”.
Aber immerhin, und das ist doch schon einmal ein Anfang, hat die Stadt einen Bürgervorschlag aufgegriffen: meinen ;-)
Nachtrag: Unabhängig davon kommt – wenn man sich beispielsweise hier die Kommentare so anschaut – das Stadtlogo generell eher schlecht an.
Noch ein Nachtrag:
Auf Facebook wurde inzwischen die wahre Aussage des Logos aufgedeckt. Dies soll dann auch der Grund sein, warum es Dynamik ausstrahlt. Um diese heimliche Botschaft zu erkennen, muss man das Logo allerdings auf den Kopf stellen und dann auf sich wirken lassen. Im übrigen noch eine Info aus dem Rathaus, die ich einfach unkommentiert weiter gebe: Die 100.000 Euro seien nicht der Preis für das Logo, sondern der für das “Gesamtpaket”, das die Stadt von “wirDesign” geliefert bekommen hat. Dazu gehören unter anderem die unterschiedlichen Einsatzweisen für das Logo und eine nicht unerhebliche Zahl von Sitzungen, die im Lauf der langen Entwicklungszeit zusammen gekommen sind.
Weiterer Nachtrag: Wenn die Nürnberger Kreativen erstmal im Schaffensprozess drin sind, dann werden Ideen auch ohne Honorar weiterentwickelt und sogar noch mit anderen Themen, wie etwa der von Oberbürgermeister Maly geforderten Sperrzeitverlängerung verknüpft. Hier der Entwurf von Gymmick (wobei ich der Meinung bin, dass beim “Popstandort” ein P fehlt):

tellit5 5th Juli 2011 14:17
meinen allerherzlichsten Glückwunsch, lieber Herr Vipraum! ;)
vip Reply:
Juli 5th, 2011 at 14:29
Danke! Warte aber trotzdem noch drauf, dass mir die SPD eine Kiste Barolo rüberwachsen lässt.
tellit5 Reply:
Juli 5th, 2011 at 14:36
Ist ja wohl das Mindeste!
charlie 6th Juli 2011 08:58
Also, mich erinnert das Logo auch ein wenig an das der Firma Lebkuchen-Schmidt! Ebenfalls rot und mit der Burg. Die freuen sich bestimmt auch über den Wiedererkennungseffekt!
Aber warum da so viel Geld bezahlt werden musste, und warum das gar so lang gedauert hat, versteh ich auch nicht!
“Dynamik zu suggerieren” – hihi! – Aber die Betonung liegt ja wohl auch auf “suggerieren”!
Wolferl 6th Juli 2011 10:46
Für mich schaut es ja so aus als hätte man einige Burgansichten des Nürnberger Künstlers Toni Burghart “recycelt”. Um nicht schon wieder das Wort “Plagiat” bemühen zu müssen. Aber der Burghart´s Toni war ja eh der Liebling der Nürnberger SPD-Spitze. Die Trottel von der Nürnberger CSU merken ja nicht mal wie sie verarscht werden.
Milano88 7th Juli 2011 12:56
Ein neues CD (Corporate Design)kann unter Umständen viel Geld kosten. Geloht hat sich diese Investition, wenn das Image, was man “suggerieren”möchte auch ankommt.
” Dynamik” ist Kraft und die Kraft einer Stadt kommt aus der Stadt selber, aus der Mitte, aus dem Menschen, die in ihr leben und arbeiten…. Somit ist die Stärkung des Standortes ein wichtiger Bereich in diesem Imageauftritt. Leider hat hier das städtische Marketing komplett versagt, wenn die Damen und Herren der kreativen Höhenflüge so wenig Vertrauen in die heimischen Agenturen haben, um den Auftrag an ansässige Werbeateliers zu vergeben.
Das Logo an sich ist so schlecht gar nicht, auch wenn es drucktechnisch sicherlich schwer zu verarbeiten ist, aber diese kreative Meisterleistung hätten sicherlich auch “unsere” Agenturen geschafft.
ich 11th Juli 2011 12:36
Ist interessant, wie viele Städte (auch kleine) für so was Geld ausgeben. Wofür braucht eine Stadt sowas?
Frank Wasabi 11th Juli 2011 17:30
Wenn die Stadt mehr als zwei Jahre braucht, um diesen Prozess durchzuziehen, dann wird das natürlich teuer.
Zudem ist das Logo nach meinem Empfinden zu hoch. Das haben die Grafiker wohl selbst bemerkt, weshalb der Sinwell-Pimmel nun so kurz geraten ist, dass er niemanden beeindruckt.
collega 11th Juli 2011 17:57
http://www.nordbayern.de/nuernberger-zeitung/stadtleben/nurnberg-eine-stadt-auf-speed-1.1352915
Wolferl 12th Juli 2011 17:36
Hihi, der Sinwellpimmel politisch ganz korrekt mit Pariser.
boggo 15th Juli 2011 08:46
Zur Erklärung des Logos:
Erst lange Stagnation,
dann ein bisschen Mittelalter
und das dicke Ende kommt zuletzt.
Damit auch jeder weiß, worum es sich handelt hat man auch noch NÜRNBERG darunter geschrieben.
Sugar Ray Banister » NĂĽrnberg und das Image 30th Juli 2011 11:23
[...] will sich die Stadt auch als Marke verkaufen, klappt nur nicht wenn Realität und Werbung etwas auseinanderklaffen. Egal was es zu sein gibt, [...]
nurnbergerin 29th August 2011 09:31
Wenn man ein Logo in Auftrag gibt, dann wird es nicht nur nach Arbeitsaufwand, sondern auch nach Verbreitungshäufigkeit bezahlt, wenn nicht sogar eine Lizenz darauf noch zusätzlich liegt – denn bei den ganzen Japanern, die zum Christkindlesmarkt kommen muss man sagen – das Logo ist recht günstig. Schön finde ich es auch nicht – der lange strich hat für mich etwas von Mauer und damit ist Nürnberg vermauert???? Zudem die Burg so wegzuschneiden und die klassischen Ecktürme, die Nürnberg (Innenstadt) umgeben auch gleich zu streichen. Aber es wird immer Gegner zu jedem Vorschlag geben. Die Bevölkerung einzubeziehen ist ganz schwierig, weil es dann noch mehr Meinungen gibt. Auch die Regelung, wer entscheiden darf und wer nicht ist immer schwer.
Ein gutes Logo ist für mich ein quadratisches, eines, was Offenheit und Gastfreundlichkeit zeigt, eines was das “alte” Nürnberg und das Moderne zeigt (Messe, Industrie aber eben auch Kultur, Oper…)
Nürnberg hat zumindest mit den Farben, die Wappenfarben (weiß/rot) aufgenommen, auch wenn dieser Farbton recht angrifflustig ist.
Es kommt zumindest überzeugender, als bei manch anderen kleineren Städten, die den Anfangsbuchstaben nehmen und ein Rechteck dahinter setzen.
Warum war eigentlich kein Slogan mit bei der Logoentwicklung dabei???
Matthias 8th September 2011 15:51
Lieber Autor, könntest du bitte deinen Beitrag ergänzen dass das Logo ein IDEENKLAU der SPÖ Wien ist?
Hier das offzielle Logo der SPÖ Wien: http://www.stadt-wien.at/uploads/pics/SP_Wien_Logo.gif
Unfassbar, das man Nürnberg so abzocken konnte.