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2011

Frankenschnellweg: Das Volk macht den Mund auf

Im Herbst 2013 ist in Bayern Landtagswahl. Die SPD hat mit Christian Ude endlich mal jemanden, den auch eine Mehrheit der Wähler kennt und ein bisschen weiß-blaue Volkstümlichkeit verkörpert. Er ist aber auch einer, der die überkommene Auffassung vertritt, politische Erfolge müssten in Stein gemeißelt sein. Dass er immer noch einen Schnurrbart trägt (im vorigen Jahrhundert war das eine Grundvoraussetzung, um bei den Sozialdemokraten was zu werden), beweist eine gewisse modische Resistenz, die der Münchner gerne als miasanmia durchgehen lässt.

Da wird man bei der CSU schon unruhig. Aber man erkennt auch die Chancen. Während Ude das weiß-balue Terrain abzugreifen versucht, für München eine weitere S-Bahn und eine dritte Startbahn verlangt, erinnert sich die Union plötzlich um die vernachlässigte Klientel im Norden, jenseits der Donau und überlegt sich, wie sie Kasper zum Schwarz wählen bringen kann, ohne sich allzugroß krumm legen zu müssen. Also veranstaltet man erst einmal eine Kabinettssitzung in Nürnberg. Bei der verspricht man dann dies und jenes und schon jubeln die ewig Benachteiligten und ihre Vorsprecher, hüpfen vor Freude und frohlocken: Der König ist hier, der König ist hier und er will uns was abgeben!
“Moment”, möchte man fragen: “Hat er euch schon was gegeben?” “Nein, aber bald! Unsere Frankenröhre hat er gar zu seiner Herzensangelegenheit gemacht. Bei den Kosten fürs Reichsparteitagsgelände will er seine Freundin Angie fragen, ob die nicht auch was zahlt, und für die Universität und die Fachhochschule wurde auch was in Aussicht gestellt….”

“Soso! Und wann wird denn mit dem Bau der Herzensangelegenheit begonnen?” “Schon 2013!” “Aha, vor oder nach der Landtagswahl?” “Mmmh! Haben wir vergessen zu fragen!”

Spätestens hier sollte man dieses Terrain verlassen und sich um Dinge kümmern, die einem etwas bringen. Wenn es schon Politik sein soll, dann sollten es wenigstens Parteien sein, wo man sich noch einbringen kann. Ich habe mir da die Frankenpartei herausgesucht. Zum einen weil sie sich wenigstens bemüht, etwas für Franken zu tun und nicht wie SPD oder die Grünen nur um der Macht willen dem unseligen Vorbild des Erlanger Innenministers Joachim Herrmann folgt. Zum anderen weil sie trotzdem nur wieder das Gleiche will, wie die Münchner und deswegen das fränkische Hinterherhinken nur zementiert. Die Frankenpartei begrüßt nämlich, dass Seehofer nun doch den Frankenschnellweg ausbauen will. Wenn München eine dritte Startbahn bekäme, müsse Nürnberg auch seine in den Stadtteilen St.Leonhard und Schweinau angesiedelte Frankenröhre bekommen.

Meiomei! Da muss man doch helfen, dachte ich. Immerhin stieß ich mit folgendem Vorschlag zur Güte (schließlich will niemand einen neuerlichen Religionskrieg) auf Wohlwollen:

Wir sollten nicht Gerechtigkeit bei der Betonzuteilung fordern, sondern lieber nach einer eigenen fränkische Lösung suchen, so könnte doch die Tunnelhälfte in St.Lebkounghard aus steinharten Lebkuchen und die in Schweinau aus abgezullten Schäufele errichtet werden.

Die Reaktion der Frankenpartei via Twitter will ich euch nicht vorenthalten:

“Des wärs! Bürgerinitiativen könnten sich dann durch ein Fressgelage des ungewollten Baus entledigen. Das Volk macht den Mund auf!”

6 Kommentare zu “Frankenschnellweg: Das Volk macht den Mund auf”
  1. Frankenblog 6th Oktober 2011 15:11

    “Aha, vor oder nach der Landtagswahl?”
    :-) Sehr treffend! Der Franke ist hier immer wie dieser berühmte Esel, dem man die Karotte vor die Nase hängt, damit er läuft!!! Würden wir “nach oben” sehen, würden wir den Faden sehen, der alles wieder wegzieht! :-D

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  2. charlie 7th Oktober 2011 08:26

    Treffend beobachtet und kommentiert. Endlich mal wieder ein Beitrag der lächeln lässt, wenn die politischen Meldungen eigentlich zum Weinen sind.
    Mein Kommentar zum steinernen Lebkoungtunnel wäre allerdings: Das Volk frisst wieder mal alles!

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  3. B. Freud 7th Oktober 2011 22:53

    Die SPD steckt so knietief im Gestern, da passt Christian Ude exakt dazu. Sein Politikstil stammt noch aus den 60er-Jahren. Bei einem Oberbürgermeister fällt das nicht unangenehm auf, da es hier vorwiegend um Bierfassanzapfen oder Faschingsprinzenbegrüßen geht. Ein Spitzenkandidat für ein Bundesland, noch dazu eines, das ziemlich heterogen ist, sollte aber ein bisschen mehr auf der Höhe der Zeit sein.
    Während die SPD sich zwischen Gestern und Vorgestern bewegt, zeigt die CSU gerade, dass sie entwicklungsfähig ist. Sogar von den Piraten scheint sie zu lernen – gerade auf dem sehr internettigen Parteitag in Nürnberg zu erkennen.
    Die SPD lernt es offenbar nie. Rückständiger ist inzwischen nur noch die NPD.

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  4. M.Treml 8th Oktober 2011 14:53

    Bevor in Nürnberg das Problem FRankenschnellweg gelöst wird, werden die in München den gesamten Mittleren Ring untertunneln, und S – und U-Bahnen nach Berchtesgaden und Garmisch bauen.
    Nur eine Änderung der politischen Verhältnisse bei der nächsten Landtagswahl – zu Gunsten der einzigen fränkischen Partei – wird zuverlässig daran etwas ändern. Das Postenverteilen und die Arroganz der herrschenden Staatsregierung muss beendet werden. Franken will seine Gelder hier im Land ausgeben, nicht für die dritte Startbahn und allen möglichen Schicki Micki – noch mehr Museen u.Theater – in Oberbayern.

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    hahe Reply:

    Ich habe mal – mehr aus Jux – die Bevölkerungszahlen der Bundesländer angeschaut. Ein eigenes (17.) Bundesland Franken wäre von der Einwohnerzahl in Deutschland an 7. Stelle. Länder, wie Sachsen-Anhalt, Meck-Pomm, Schleswig-Holstein, Brandenburg, Thüringen usw. wären teils deutlich kleiner. Meck-Pomm hat etwa die Einwohnerzahl von Mittelfranken.
    Also so unrealistisch wäre ein eigenes Franken gar nicht. Finanziell stände ein selbständiges Franken ganz sicher besser da als unter der Besatzungsmacht Oberbayern.

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  5. hahe 13th Oktober 2011 13:31

    In der Metropole Schwäbisch Gmünd wird derzeit ein Tunnel unter der Stadt gebaut, um eine Bundesstraße aus dem Stadtverkehr zu entfernen.
    Das Ding kostet etwa 230 Mio. Da frag ich mich schon, wo das Finanzierungsproblem für den Frankenschnellweg sein soll.
    Nachdem ja Bayern finanziell nicht schlechter ds steht als Baden-Württemberg, kann die Antwort ja nur lauten, dass das Geld hier an anderer Stelle versickert, sprich in Oberbayern.

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