Wenn der BR mal selber recherchiert

Mag sein, dass auch der Bayerische Rundfunk sparen muss. Im Vergleich zu vielen anderen Medien geht es ihm finanziell aber nachgerade glänzend. Da kann er auf “die Herausfordeungen des Internets” schnell mal mit einem Neubau reagieren. Und wenn es trotzdem noch irgendwo zwackt, wird halt die Geheimwaffe Kurt Beck aktiviert und an der Gebührenschraube gedreht.

Neid liegt mir dennoch fern. Ich freue mich immer, wenn es Kollegen gut geht. Nur sollte vielleicht auch die Kundschaft etwas davon haben. Beim BR-Studio Franken habe ich da meine Zweifel. Dort begreift man sich als Nachrichtendienst für Franken und haut beispielsweise über Twitter täglich locker mal 20 Meldungen mit Links auf die eigene Webseite raus. Für die Follower ist das sicher nicht verkehrt, haben sie doch so immer einen guten Überblick, was in ihrer Heimat los ist. Dass sich der BR die Meldungen bei den Lokalzeitungen oder bei anderen privaten Anbietern zusammenschnorrtsucht, die einfach ein bisschen umschreibt und dann als eigene verkauft, das kann einem egal sein. Wichtig ist schließlich der Service und bei Urheberrechten und geistigem Eigentum ist ja ohnehin etliches im Fluß. Andererseits gehört es im Internet eigentlich zum guten Ton, dass man auf seine Quellen wenigstens verlinkt. Aber scheinbar will man beim BR “die Konkurrenz” lieber unerwähnt lassen. Die soll bei ihren Leisten bleiben und sich nicht auch noch im Netz tummeln.

Hin und wieder, das muss man ehrlicherweise eingestehen, recherchiert der BR für unsere Zwangsabgabe aber auch noch selber. Zum Beispiel wenn er mitbekommt, dass in der Nähe des Nürnberger Flughafens ein bläulich schimmernder Eiszapfen in einen Vorgarten fällt. Da schwärmt dann gleich ein TV-Team aus, macht Interviews, transportiert den Zapfen zum Flughafen, befragt den Flughafensprecher zu dem “Skandal” und kehrt – weil der Flughafensprecher leider überhaupt nicht kooperiert und die BR-Vermutung, bei dem Ding handele es sich um die gefrorenen Überbleibsel aus einem Flugzeugscheißhaus, einfach widerlegt – mit einem geschmolzenen Zapfen und einem ebenso geschmolzenen Skandal zurück. Trotzdem wird die Geschichte über das “kiloschwere Geschoss vom Himmerl” auf allen BR.Kanälen trimedial verbreitet. Bringt schließlich Klicks und hält einem die Konkurrenz vom Leib. Der geschieht es schließlich recht, wenn sie so blöd ist, sich kein so gutes Geschäftsmodell einfallen zu lassen wie die Zwangsgebührenfinanzierung.

5 Kommentare in “Wenn der BR mal selber recherchiert

  1. Hm, wer weiß, vielleicht war das der Anfang einer Kampagne zur Schließung des Nürnberger Flughafens?
    … Aber nein, wenn ich mir die Geschichte noch mal durchlese:
    Das kann doch eigentlich nur ein Faschingsscherz sein, oder?

  2. Das stört mich auch ganz massiv an den “Qualitäts-Journalisten” – die kapieren einfach nicht, dass die Verlinkung der Quellen zu einem Online-Artikel einfach dazugehört, das ist ja eines der wesentlichen Features des www – die Verlinkung ermöglicht nicht nur eine solide Untermauerung der eigenen Berichterstattung, sondern bietet dem Leser auch die Möglichkeit, sich selbst ein Bild zu machen – das wegzulassen gleicht also schon einer Informations-Verschleierung. Die Quellen MÜSSEN immer verlinkt sein, anders ist überhaupt keine Glaubwürdigkeit herzustellen – kapieren viele “Profis” immer noch nicht.

    Und wenn dann da 2000 mal “dpa ticker” als Quelle steht, dann ist das eben auch ein wichtiger Hinweis für den Leser.

    Das WWW von Akademikern geschaffen worden, die das Prinzip des Quellenverweises verinnerlicht hatten – immer noch erschreckend, wie wenig Journalisten dieses Prinzip scheinbar grundlegend nicht begreifen.

    So, und jetzt zeigen Sie mir bitte mal drei Online-Artikel Ihres Arbeitgebers, in denen dieser Praxis entsprochen wird – ich lese nz-online.de normalerweise nicht, weil ich nicht aus der Region bin, konnte aber in einige überregionalen Berichten zu politischen Themen auf die Schnelle KEINEN EINZIGEN Link zur Quelle finden – na hoffentlich war das nur eine Ausnahme.

    Ansonsten stimme ich natürlich zu, dass aus öffentlichen Geldern bezahlte Journalisten ganz besonders gute Arbeit abliefern sollten – private Medien verkommen ja leider mehr und mehr zu reinen Werbeblättchen oder zu Propaganda-Multiplikatoren diverser Lobby-Verbände – umso wichtiger ist es, eine aussergewöhnliche Einrichtung wie den öffentlich-rechtlichen Rundfunk “sauber” zu halten – fundierte Kritik zur Verbesserung des Systems ist da notwendig und wichtig!

    Den konstruktiven Teil Ihres Beitrags liefern Sie sicherlich noch nach – oder war das jetzt schon alles? Da sind Sie dann aber nicht ganz so weit weg von den investigativen Eiszapfen-Reportern… ein bisschen mehr darf es schon sein, denn auch Ihnen geht es doch sicherlich um die Verteidigung der Pressefreiheit und unserer demokratischen Grundwerte – oder fehlinterpretiere ich Ihre Motivation?

    • Zeitungsseiten verlinken fast nie auf externe Seiten. Das finde ich auch nicht gut. Bei Zeitungen kann ich aber verstehen, warum die so handeln, schließlich wollen und müssen sie mit ihren Webauftritten Geld verdienen. Bei einer Rundfunkanstalt, die Gebühren eintreibt, ist das nicht der Fall. Die könnte das anders handhaben und mit gutem Beispiel voran gehen.

  3. Zeitungsseiten verlinken fast nie auf externe Seiten. Das finde ich auch nicht gut. Bei Zeitungen kann ich aber verstehen, warum die so handeln, schließlich wollen und müssen sie mit ihren Webauftritten Geld verdienen. Bei einer Rundfunkanstalt, die Gebühren eintreibt, ist das nicht der Fall. Die könnte das anders handhaben und mit gutem Beispiel voran gehen.

    Für mich ist *keine* der beiden Alternative auch nur denkbar.

    Verdammt, haltet Euch an die schon lange (mind. ~40 Jahre alte) Regeln, die das iNet damals schon aufstellte, und die (u.a. von Piraten) heute wieder eingefordert werden.

    d.h. iNet ist *nicht* in erster Linie dazu da, um Umsätze zu generieren (“auch”), sondern dazu, die, Menschen Kommunikation und Information zu erleichtern (und nicht zu erschweren)

    -von einem, der diese Zeiten live erlebt hat-

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


acht − = 0

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>