Freifunk, das echte Gratisnetz

Nach langem Dauerschlaf bewegt sich beim Gratis-WLAN inzwischen einiges in der Region. Telekom und KabelDeutschland versuchen massiv, Fuß zu fassen. So hat KabelDeutschland der Stadt Nürnberg gerade ihr Konzept aufs Auge gedrückt und die Telekom bietet mit Hilfe der Bahn inzwischen kostenloses Surfen auf Bahnhöfen an. Allerdings: Zum einen sind diese Angebote nur jeweils 30 Minuten kostenfrei, zum anderen liefert der Nutzer seine Daten an den jeweiligen Anbieter. Wenn man davon ausgeht, dass Daten bares Geld wert sind, ist die Bezeichnung kostenfrei also schlichtweg falsch.

Anders ist das beim Angebot von Freifunk Franken. Hier muss man nicht erst ein Anmeldeverfahren absolvieren und beispielsweise der Telekom Namen und Handynummer nennen. Man kann sich einfach einloggen. Zudem geht man nicht in ein DE-Netz, was auch manche Vorteile bietet.

Freifunk kann jeder einfach so nutzen und sich dabei an dieser Karte orientieren („Nester“ gibt es in Gostenhof und der Westvorstadt). Freifunk kann man aber auch unterstützen, indem man selber mit einem entsprechenden Router (hier eine Empfehlungsliste der Oldenburger Freifunker) Teil des Netzes wird. Die hiesigen Piraten haben dafür sogar ein Kontingent von Gratis-Routern zur Verfügung gestellt.

Um noch mehr über Freifunk Franken zu erfahren, habe ich Alexander Wunschik, einem der Initiatoren, ein paar Fragen gestellt:


Wie viele Leute machen derzeit in Nürnberg und in ganz Franken mit?

Die Freifunk Community in Franken ist ein loser Zusammenschluss von Interessierten aus dem ganzen Gebiet Franken und darüber hinaus. Kommuniziert wird hauptsächlich über die Mailingliste. Auf unserer Webseite sind etwa 50 Benutzer registriert, die zusammen etwa 100 Knoten betreiben. Das Kernteam besteht etwa aus 5 bis 10 aktiven Leuten. Alle Zahlen und eine schöne Übersicht findet man in unserem Monitoring Tool.

Wie läuft das mit den kostenlosen Routern?

Die Piraten in Nürnberg und Würzburg möchten das Freifunk-Projekt gerne unterstützen und haben zusammen 60 Freifunk-Router (40 idavon in Nürnberg) gekauft, die – soweit ich weiß – kostenlos an interressierte Bürger verteilt wurden. Wir von Freifunk-Franken waren an der Aktion nur in soweit beteiligt, dass wir die Geräte bestellt und eingerichtet haben. Prinzipiell steht es natürlich jedem frei, Freifunk zu unterstützen. Auch die Grünen in Nürnberg, sowie einige mittelständische Firmen haben schon Interesse angemeldet und wir sind immer gerne bereit bei solchen Aktionen zu helfen. Wir sind dabei parteiübergreifend aktiv.

Wie schnell ist die Verbindung?

Die Geschwindigkeit der Verbindungen hängt von vielen Faktoren ab. Wie viele Knoten müssen überwunden werden? Wie ist die Funkqualität zwischen den Routern? Welche Router wurden auf der Strecke eingesetzt? Zusätzlich zum netzinternen Verkehr ist das Freifunk-Netz durch einige Gateways mit dem Internet verbunden. Derzeit sind im Schnitt Internet-Verbindungen mit 3MBit/s möglich.

Wo und wie können sich „Normalnutzer“ einloggen?

Das Freifunk-Netz ist für jeden offen und absolut frei zugänglich. Wenn man das Freifunk-Signal „franken.freifunk.net“ empfängt kann man sich mit Handy oder PC ganz einfach ohne Passwort oder Login verbinden und ist sofort Teil des deutschlandweiten Freifunk-Netzes. Einige Freifunker betreiben netzinterne Services und bieten etwa die Möglichkeit, kostenlos VoIP-Telefonate zu führen oder Daten auszutauschen. Um diese experimentellen Dienste zu nutzen schaut man im Wiki nach und wendet sich am besten direkt an die entsprechenden Betreiber.

Wie weit reicht das Signal der Router?

Die Frage kommt häufiger, lässt sich aber leider nicht wirklich beantworten, weil die Sendereichweite absolut von den Umständen abhängt. Werden, wie zum Beispiel im Dorf Unfinden, Router auf dem Kirchturm installiert und mit speziellen Richtfunkantennen ausgestattet, sind Reichweiten von mehreren Kilometern möglich. Stellt man allerdings den Router mit der Standard-Antenne irgendwo in der Mitte der Wohnung auf, kann es sein, dass schon ein paar Zimmer weiter kein Empfang mehr da ist. Wir empfehlen deshalb immer die Router ans Fenster zu stellen, oder einfach einen zweiten Knoten zusätzlich aufzustellen um die Reichweite zu erweitern. Werden entsprechende Geräte auf den Dächern installiert, lassen sich ganze Stadtteile vernetzen, wie das in Berlin und Hamburg der Fall ist. Ein einfacher Richtwert ist: auf Sicht – zumindest wenn keine Störungen existieren.

Was muss ich tun, wenn ich mitmachen und einen eigenen Router aufstellen will?

Mitmachen ist mittlerweile wirklich einfach. Auf einem von den Freifunkern unterstützen Router wird eine spezial Firmware, wie ein Update, eingespielt. Anschließend ist der Router einsatzbereit und kann sich sofort mit seinen Nachbarknoten vernetzen. Wo keine Nachbarknoten verfügbar sind, kann die Entfernung über eine Internetverbindung überbrückt werden. Unterstützte Router gibt es bereits ab 18 Euro im Handel. Man sollte sich dann noch im Netmon einen Benutzeraccount anlegen und den neuen Knoten eintragen. Eine Anleitung zur Installation eines Knotens gibt es im Netz. Ist einem das Aufspielen der Firmware trotzdem zu kompliziert kann man sich auch einfach an einen Freifunker wenden. Wir helfen immer gerne.

Ach so, falls jemand rechtliche Bedenken hat, hier werden diese entkräftet.

Einen kurzen Überblick über Freifunk bietet auch dieser Arte-Beitrag.

4 Kommentare in “Freifunk, das echte Gratisnetz

  1. Freifunk ist eine tolle Sache. Leider bleiben unter dem Strich aber rechtliche Bedenken (jedenfalls bei mir).

    Das von Ihnen (auch mir bekannte) verlinkte Freifunk-Wiki kann meine Bedenken leider nicht „entkräften“. Denn die Rechtslage ist meiner Ansicht keineswegs eindeutig.

    Unter http://freifunk.net/worum-geht-es/haufige-fragen/ schreiben die Freifunker selbst:

    „Haftung – AUS UNSERER SICHT GILT: verantwortlich ist immer, wer die unerlaubte Handlung vollführt, nicht wer den Accesspoint bereitstellt, dagegen spricht die sogannte Mitstörerhaftung, die wir ablehnen.“

    Egal wie die rechtliche Lage ist: Wenn es wegen illegaler Tätigkeiten über den Knoten ein rechtliches Problem gibt, werden sich Geschädigte/Behörden zunächst über die IP an den Betreiber des Knotens wenden (wenn die Anfragen nicht z.B. über das TOR-Netzwerk anonymisiert wurden).

    Fazit: Der Betrieb von Freifunk ist wohl legal (und wünschenswert). Die rechtliche Lage ist aber nicht eindeutig. Wer einen offenen Knoten betreibt, muss aber damit rechnen, juristischen Ärger zu bekommen, auch wenn er am Ende evtl. Recht bekommt.

    Zumindest für mich gilt: Ein „Aus unserer Sicht“ zusammen mit einer Mitstörerhaftung, „die wir ablehnen“ trifft zwar meine Zustimmung. Sie kann aber nicht genügen, meine eigenen Bedenken zu „entkräftigen“, wenn es darum geht, einen eigenen Knoten zu betreiben.

    Schade, dass die Rechtslage so ist. Die Idee des Freifunks sollte eigentlich viel größere Verbreitung finden.

    • Im Prinzip ist das nichts anderes als das von der Telekom angebotene „WLAN to Go“. Deshalb frage ich mich, warum Haftungsfragen da anders gehandhabt werden sollten. Wäre also Freifunk illegal, dann müsste die Telekom das auch sein.

  2. Freifunk an sich ist nicht illegal, ebensowenig wie die Variante von der Telekom (oder jedes offene Wlan eines Cafes).

    Im Prinzip haben Sie recht, die Haftungsfrage sollte (theoretisch) dieselbe sein. Zwei Dinge gebe ich aber zu bedenken.

    Die erste ist rein psychologischer Natur. Die Hemschwelle, die Telekom abzumahnen/verklagen dürfte viel höher liegen, wegen ihrer Reputation als Weltkonzern und ihrer juristischen Stärke. Eine Privatperson mit geringem Organisationsgrad ist da viel schneller abgemahnt.

    Zweitens wird sich auch die Telekom Gedanken über die Juristerei gemacht haben. Und da habe ich meine Zweifel, ob die beiden Angebote dann auch wirklich vergleichbar sind.

    Oder ob bei der Telekom ein filternder Proxy (wie Squid) den „dubiosen“ Verkehr nicht schon von vorneherein rausfiltert. (ist aber spekulativ – kann das jemand bestätigen/falsifizieren?)

    Eins ist aber auf jeden Fall verschieden: Beim telekom-Modell muss man ja soweit ich weiß die Handynummer als Eintrittskarte abgeben (sprich: Man muss sich identifizieren).

    Das heißt, hier ist dem Nutzer auch klar, dass er nicht (so richtig) anonym surft. Man könnte es auch so sagen: Mit dieser Methode hat die Telekom wohl immer die Möglichkeit, juristischen Ärger auf den Anschlussinhaber abzuwälzen.

    Also: Der Betrieb beider Modelle ist imho legal, die HAFTUNGSFRAGE ist aber eine ganz andere. Die Freifunker verzichten ja ganz bewusst auf eine Identifizierung, weil sie ein „wahrhaft freies“ Netz befürworten. Deshalb (und wegen dem ersten Grund) steht der Betreiber eines Freifunkknotens viel mehr in der juristischen Schusslinie (zumindest solange das Problem der „Störerhaftung“ nicht zweifelsfrei geklärt ist).

  3. Bei Freifunk Franken wird der gesamte Verkehr zum/ins Internet über einen Rechner im Ausland (Rumänien) geleitet. Und nur dessen IP-Adresse erscheint dann evtl. in irgendwelchen Logs. Auch wenn die IP Adresse des lokalen Benutzers im Prinzio bei diesem Gateway abgefriffen werden könnte – was solls? . Das ist dann eine lokale IP-Adresse des Benutzers, nicht die des Betreibers des Freifunkknotens. Und um dessen Haftunsprobleme geht es ja schließlich hier oder ?

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