Rechte werben im Fürther Amtsblatt

Heute lasse ich meine Kollegin Ute Wolf hier mal zu Wort kommen. Ihr Thema passt besser in den Vipraum als in ihr Tierblog.

In Fürth kann die rechtsextreme Tarnorganisation „Bürgerinitiative Soziales Fürth“ (BiSF) nicht an den Kommunalwahlen am 16. März teilnehmen: Sie hat nicht die dafür nötigen Unterschriften zusammenbekommen. Fürths OB Thomas Jung jubelte, als das maue Ergebnis von nur 135 Unterschriften für die BiFS feststand. „Rechtes und rassistisches Gedankengut“ werde in Fürth eben „weder unterstützt noch geduldet“, meint der Fürther OB.

So erfreulich das Scheitern der BiFS auch ist, darf man allerdings eines nicht vergessen: Im Fürther Stadtrat sind die Republikaner bereits vertreten, denen rechtsextremes und rassistisches Gedankengut auch nicht fremd ist. Seit 1990 sitzt der 55-jährige Diplom-Betriebswirt Claus-Uwe Richter in dem Gremium und führt auch bei der Kommunalwahl 2014 als Oberbürgermeisterkandidat die Stadtratsliste seiner Partei an. Auch wenn es sich bei ihm um einen eher gemäßigten REP-Vertreter handeln mag – diese Partei steht nun eben mal für nationalistische Rechtsaußen-Politik.

Umso erstaunlicher mutet ausgerechnet in Fürth, das sich so gern tolerant und weltoffen gibt, folgendes an: In der „StadtZeitung„, dem offiziellen Amtsblatt der Kleeblattstadt, glänzen die REP mit den meisten Wahlanzeigen. Die Stadt als Herausgeberin weist zwar ausdrücklich darauf hin, dass man verpflichtet sei, „die Anzeigen aller zur Wahl zugelassenen Parteien und Gruppierungen zu veröffentlichen“.
Mag sein, aber es hinterlässt einen unguten Geschmack, wenn man sich die Ausgabe 2 dieses Blattes vom 29. Januar genauer anschaut: Die REP sind dort mit Abstand mit den meisten Anzeigen vertreten, sechsmal erscheinen sie mit dem sinnigen Slogan „REP – Richtig Ehrliche Politik“ jeweils mit einer Anzeige, die etwa ein Achtel einer Seite einnimmt. Die Partei des Fürther Oberbürgermeisters, die SPD, hat dagegen nur eine halbseitige Anzeige mit ihrem OB-Kandidaten und eine Viertelseite mit dem SPD-Stadtratskandidaten Ayhan Yesil geschaltet. Ansonsten gibt es nur noch eine Mini-Anzeige der Freie-Wähler-Stadträtin Heidi Lau. Und das war´s dann schon mit der Werbung der demokratischen Parteien. Die CSU kommt gar nicht vor – ein Zeichen dafür, dass sie angesichts des übermächtig scheinenden Thomas Jung schon aufgegeben hat? uwo

5 Kommentare in “Rechte werben im Fürther Amtsblatt

  1. Erstaunlich: In Fürth gibt es noch die Republikaner. Ich dachte eigentlich, die wären alle inzwischen bei der AfD. Die beiden Parteien nehmen sich was rechtes Gedankengut angeht nichts.

    Noch erstaunlicher: In Nürnberg ruft der DGB zum Kampf gegen Rechts auf und nennt dabei die NPD-Tarnorganisation „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ genauso wie die AfD. Weiß die Stadt Fürth nicht, was ihr DGB treibt? Gibt es zwischen DGB und SPD ein Kommunikationsproblem? Ich dachte immer, zwischen die passt kein Blatt.

  2. Auch wenn eine Partei „nationalistische Rechtsaußenpolitik“ vertritt, hat Sie das Recht für Ihre Position zu werben. Sie hat nach dem Grundgesetz sogar die Pflicht Ihren Beitrag an der politischen Willensbildung zu leisten. Warum sollte die Stadtzeitung Ihr das nicht ermöglichen?
    Ich glaube die Bürger sind schlau genug sich selbst ein Bild zu machen. Dank der sachlichen und neutralen Berichterstattung der Fürther-Nachrichten und der NZ sollte das ja kein Problem sein.

    • Guten Tag, Herr Republikaner 🙂

      Zum Glück sind die meisten Bürger tatsächlich schlau genug, um sich selbst ein Bild zu machen. (In Zahlen, anhand der letzten Wahlperiode: 97,96 % der Wähler).

      Freundliche Grüße!^^

  3. Von dem Herrn Richter hört und liest man, ausser den Aussagen zu den Haushaltsberatungen einmal jährlich, während der ganzen Legislaturperiode nichts. Da hat man mal einen „Volksvertreter“ von Rechtsaussen, der keinen Schaden anrichtet und dann bekommt er mit so einem Zeitungsartikel die Aufmerksamkeit, die er nicht verdient. Schade.

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