Stadt bietet der AfD Zuflucht

Blöd, wenn man anderen gute Ratschläge erteilt und sich dann selber nicht dran hält. Das gilt im Augenblick für die Stadt Nürnberg. Mit ihrem Menschenrechtsbüro beteiligt sie sich nämlich an der Allianz gegen Rechtsextremismus und hat da Gastronomen und Hoteliers Hinweise gegeben, wie sie Rechtsextreme erkennen und ausbremsen können, wenn diese bei ihnen Veranstaltungen abhalten wollen.

Im Nürnberger Marientorzwinger ist man da auf offene Ohren gestoßen. Unlängst wurde dort eine AfD-Veranstaltung daraufhin abgesagt. Im Bratwurst-Röslein fand zunächst eine AfD-Wahlveranstaltung statt, eine weitere wurde dann allerdings ebenfalls gecancelt. Am vergangenen Dienstag sollte dort AfD-Bundesvorstandsmitglied Marcus Pretzell auftreten. Das Bratwurst-Röslein blockte aber aufgrund der Negativ-Erfahrungen beim ersten AfD-Treffen ab. Die AfD ließ den Veranstaltungshinweis dennoch auf ihren Webseiten stehen. Wohl um Aktivitätsnachweise präsentieren zu können.

Die mit rechten Thesen gegen die EU wetternde „Alternative für Deutschland“ tut sich offensichtlich schwer, noch Veranstaltungsorte zu finden. Doch jetzt springt ausgerechnet die Stadt Nürnberg in die Bresche. So wird die nächste, für den 17. Mai geplante, AfD-Veranstaltung in der Meistersingerhalle stattfinden. Dort liest der ehemalige Katzenkrimi-Autor Akif Pirincci aus seinem Buch „Deutschland von Sinnen“. Pirincci hat schon das ZDF geleimt, das es zunächst ganz nett fand, dass sich ein Türke mit Deutschland beschäftigt und einen sich immer aggressiver ausbreitenden Islam kritisiert. Als er dann aber nachlegte und gegen die „rot-grün-versiffte Politik“ vom Leder zog, sexuelle Abartigkeiten, Gutmenschentum oder „uns ewig auf der Tasche liegende Analphabetenhorden“ dafür verantwortlich machte, dass Deutschland nicht mehr das ist, was es einmal war, da verbannte das ZDF das Interview aus seiner Mediathek. Bei YouTube ist es freilich noch zu finden.

Nun liest der Autor auf Einladung der AfD in der Meistersingerhalle. Vor 200 ausgewählten Gästen (Zutritt nur bei vorheriger Anmeldung). Dass ihm ausgerechnet die Stadt Nürnberg ein Forum bietet, ist den Beteiligten schon ein bisschen peinlich. „Ein Privater kann sagen, du gefällst mir nicht, wir sind dagegen verpflichtet, jeden zuzulassen, wenn er nicht die freiheitliche Grundordnung in Frage stellt oder die Stadt Nürnberg gefährdet“, sagt Petra Baierlipp von der Meistersingerhalle. Die AfD sei eine zugelassene Partei. Zudem gehörten dieser auch Leute wie Hans-Olaf Henkel an, bei denen auch die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender keine Probleme sähen, sie in Talkshows einzuladen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Meistersingerhalle ihre Veranstaltungen ins Netz stellt und somit Ausreden wie, „wir sind schon voll“, schnell ad absurdum geführt werden könnten.

Immerhin hat das Rechtsamt der Stadt Nürnberg inzwischen erkannt, dass auch die eigenen Veranstalter konkretere Handreichungen brauchen. Deswegen wurden neue Allgemeine Geschäftsbedingungen entworfen, die allerdings noch vom Stadtrat verabschiedet werden müssen. Demnach können auch antisemitische, rassistische, homophobe oder fremdenfeindliche Äußerungen als Begründung herangezogen werden, einem Veranstalter abzusagen. Bei der Meistersingerhalle kam die Mail mit diesem Hinweisen allerdings nicht an. Genauer gesagt wurde sie dort nur einem Mitarbeiter persönlich geschickt, der derzeit im Krankenstand ist.

9 Kommentare in “Stadt bietet der AfD Zuflucht

  1. Vielleicht wäre eine inhaltliche Auseinandersetzung sowohl mit der AfD als auch mit einer Lesung sinnvoller, als irgendwelche „konkreteren Handreichungen“, die den Bürokratismus aufblähen.
    Anderswo geht das auch.

    http://www.sueddeutsche.de/kultur/schriftsteller-akif-pirinci-liebe-landsleute-1.1919409

    Ich kann mich an Zeiten erinnern, in denen die Grünen als linksradikal beschimpft wurden und sich dort alle möglichen Gestalten tummelten.
    Bei den derzeitigen Blockparteien, die sich praktisch nicht mehr unterscheiden, tun neue Parteien – und vor allem eine Auseinandersetzung mit der gebetsmühlenartigen Alternativlosigkeit gut. Mit ihrer Entwicklung sollte man sich kritisch auseinandersetzen, sie jedoch nicht von Anfang an mit Etiketten versehen und womöglich gar noch auf einen Index setzen!
    Eine solche Vorstellung von Demokratie finde ich erschreckend! Sorry. Gerade auch in diesem Blog!

  2. Die AfD ist eine 1-Thema-Partei. Europa, sonst ist da nichts. Deswegen tummeln sich dort neben Leuten mit berechtigter Kritik am Euro und der EU auch die Stammtischstänkerer, die früher alles besser fanden. denen die ganze Richtung nicht mehr passt. Die bösen Mainstreammedien, die Ausländer, die alles übernehmen, die Schwulen, die plötzlich heiraten dürfen, die Alibifrauen, die ihnen vor die Nase gesetzt werden, das Wetter, das auch schon mal besser war, und, und, und.

    Die AfD sollte sich klar als Europaskeptiker-Partei positionieren und dann nur bei Europawahlen antreten. Stattdessen versucht sie auch andere Themen zu besetzen und öffnet damit zweifelhaften Gestalten Tür und Tor.

    Den Herrn Pirincci finde ich dabei noch nicht einmal so schlimm. Er ist eher ein Dieter Nuhr für Bildungsferne. Damit gehört er jedoch ins Unterhaltungsprogramm und nicht auf eine Wahlveranstaltung. Dass die AfD das nicht erkennt, disqualifiziert sie aufs Neue.

    Also noch mal: Bleibt beimn Euro und lasst die Finger von Themen, von denen ihr keine Ahnung habt!

  3. Was soll denn ein Gastwirt tun, wenn auf Facebook oder Twitter gleich zum Boykott seines Lokals aufgerufen wird, nur weil er seinen Nebenraum an die AfD vermietet hat? Der lässt die nicht mehr rein! Die AfD mobilisiert nämlich weitaus weniger Menschen als vielfach angenommen. Im Bratwurst-Rösle waren es nicht einmal 20. Da ist es doch logisch, wenn den Betreiberbrüdern die „demokratisch aufrechte“ Masse wichtiger ist als diese paar AfD-Freunde, die wahrscheinlich auch noch den ganzen Abend an einem kleinen Bier herumzullen.

    Hier geht es nur ums Geld. Genauso ist es bei der Stadt. Die Meistersingerhalle ist alles andere als ausgelastet. Wenn einer frech ist, behauptet er, die Stadt hat die Wirte nur deshalb gegen die AfD aufgehetzt, um selbst den Reibach zu machen.

  4. Was recht unverständlich ist, ist der Umgang mit der AfD wegen einzelner Spinner. Man erwartet, dass sich die Partei verhält, wie eine seit knapp 70 Jahren bestehende Altpartei. Das ist nach gut einem Jahr einfach nicht möglich. Und wenn man sich die Gründung der Grünen anschaut, ist diese nicht schmerzfreier von Statten gegangen. Hier verweise ich nur auf einen der Gründer der Grünen, Baldur Springmann, mit NSDAP-Vergangenheit oder dem „Kindersexskandal“, der erst letztes Jahr thematisiert wurde. Noch heute tummeln sich bei den Grünen Leute wie Volker Beck, der damals zum Unterstützerkreis dieser Personen gezählt werden kann.

    Auch die anderen Parteien haben mit fragwürdigen Querköpfen zu kämpfen, hier verweise ich einfach mal auf Martin Hohmann (ehemals CDU), der in seiner Rede zum Tag der deutschen Einheit 2003 von den Juden als Tätervolk gesprochen hat.

    Und ich erinnere an die Linkspartei bzw. ehemals PDS, die mit ihrer Stasivergangenheit mitnichten aufgeräumt hat. Erinnert werden muss auch an ein Flugblatt 2011 der Linkspartei aus Duisburg, wo in einen Davidstern ein Hakenkreuz integriert wurde.

    Daher kann ich nur empfehlen, mit der AfD nicht päpstlicher wie der Papst umzugehen. Man sollte mit ihr zudem auf sachlicher Ebene in den Diskurs eintreten.

    Und wenn ich mir das Europaprogramm durchlese, muss ich sagen, ist es nicht populistisch, sondern einfach eine Mischung aus liberal und konservativ. Meiner persönlichen Meinung nach kann man aber das CSU-Europaprogramm durchaus als populistisch bezeichnen, da hier durch die Konkurrenz der AfD tatsächlich Positionen übernommen wurden, die sich ohne AfD so dort nicht wiederfinden würden. Hier wird also ohne innere Überzeugung aus reiner Reaktion gehandelt. Dementsprechend ist es Populistisch.

  5. Es ist heute Mode geworden, gegen alles zu trillern was nur eine Handbreit neben dem Mainstream befindet, egal ob links oder rechts oder sonstwas.
    In eurer Lächerlichkeit befeuert ihr gerad das, was ihr zu verhindern trachtet. Primitiv + Erbärmlich.

  6. Man weiss garnicht, was schlimmer ist: Die Selbstverständlichkeit, mit der solche Blogs geschrieben werden oder ihr wirrer Inhalt.

    Ein Schriftsteller liest aus seinem Buch. Also eine Buchlesung. Und für die Wirren, die jedes Jahr pünktlich über Bücherverbrennungen vor 70 Jahren „nie wieder“ heulen, ist das ein Anlass, um eine Bücherlesung zu verbieten (ich weiss natürlich mit welcher schrängen Begründung: Um Bücherverbrennungen, wie vor 70 Jahren, präventiv zu verhindern, die kämen, wenn die Buchlesung stattfindet, also zur polizeilichen Gefahrenabwehr und Gesellschaftshygiene).

    Aber, ehrlich Leute, setzt euch zu Gustl in den Stuhlkreis, belästigt Leute, die eine Buchlesung besuchen nicht, träumt weiter von einem „Hygieneinstitut“, das böse Gedanken aussortiert und tröstet euch damit, dass mit dem geliebten ARD/ZDF so was ja schon existiert, auch wenn nur ihr den Mist sehen wollt, ist doch schon was, oder?

  7. haha! doof, doofer. afd-fußvolk! euer führerpersonal ist schon längst auf distanz zu diesem piripiri getreten. die wissen, was das für einer ist. zumindest ahnen sie es.
    euer geliebter autor wird nämlich bei der nächsten gelegenheit seine maske vom gesicht reißen und dann ist es günther wallraff oder einer seiner nachkommen. dann wird er „deutschland von sinnen part two“ schreiben und ihr kommt alle drin vor. als große vollidioten vor dem herrn, die für so einen scheiß ihr geld zu amazon oder in den buchladen getragen haben. den anonymen afd-finanziers hat er dann auch sauber das geld aus der tasche gezogen.
    wartet es nur ab!

  8. Ich war gestern bei der Lesung in der Meistersingerhalle. Pirincci hat dort lediglich seine Kapitel über den öffentlöich-rechtlichen Rundfunk vorgelesen )“Mit dem Arschloch sieht man besser“). Das konnte eigentlich fast jeder unterschreiben, außer vielleicht die Angestellten von ARD und ZDF. Vorwerfen konnte man Pirincci höchstens seine mangelnden Vorlesequalitäten.

    Man muss also schon andere Textstellen kennen, um ihn als homophoben und frauenfeindlichen Hassprediger titulieren zu können. In der Meistersingerhalle hatte der Wolf jedenfalls Kreide gefressen.

  9. Ich kann Akif Pirincci’s Buch “Deutschland von Sinnen” nur empfehlen – einmal an den ungewöhnlichen Stil gewohnt, sagt er, was man als Deutscher eben in dieser verlogenen Republik nicht mehr aussprechen darf. dafür in dieser Presse nun JEDEN Tag Berichte über die auch so „traumatisierten“ Flüchtlinge, die Leute nervt es inzwischen sowas!

    Und, was die AfD betrifft, sieht die Sache nach den letzten 3 Wahlen doch wohl erheblich anders aus, und das ist gut so!

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