Nürnberger AfD-Chef fällt in Ungnade

PG: AfD Programmvorstellung„“Wir stehen klar gegen jede Form von Extremismus“, hatte der Nürnberger AfD-Kreisvorsitzende Martin Sichert noch geschimpft, nachdem er Strafanzeige gegen den DGB gestellt hatte. Der, wir erinnern uns, hatte im Kommunalwahlkampf ein Transparent am Gewerkschaftshaus ausgerollt, auf dem stand: „Keine Nazis in den Nürnberger Stadtrat!“ – darunter durchgestrichen die Logos der Bürgerinitiative für Ausländerstopp und der AfD.

Der DGB, genauer gesagt die Gewerkschaft verdi, hatte sich damals auf Äußerungen Sicherts bezogen, der in Nürnberg nicht nur den Kreisvorsitz inne hat, sondern auch als Spitzen- und OB-Kandidat auftrat, dann aber mangels Unterstützerunterschriften nicht zur Wahl zugelassen wurde.

Jetzt hat sich offenbar auch AfD-Chef Bernd Lucke die damals noch umstrittene und von der AfD vehement bekämpfte Verdi-Sichtweise zu eigen gemacht und den Parteiausschluss von Sichert und eines weiteren AfDlers angekündigt. Lucke: „Solche Meinungen und Gesinnungen sind völlig untragbar. Sie werden in der AfD nicht geduldet.“

Lucke bezog sich auf dem AfD-Parteitag in Ingolstadt speziell auf die Äußerung Sicherts, beim 2. Weltkrieg hätten die „zwei größten Massenmörder gesiegt“. „Und Sie haben meines Wissens nicht Adolf Hitler gemeint“, sagte Lucke.

Sichert war aber auch anderweitig durch rechtsextreme Äußerungen aufgefallen. So hatte er etwa Wehrmachtsgeneral Erwin Rommel als eine „der ehrenhaftesten Gestalten des 2. Weltkriegs“ bezeichnet und behauptet Angela Merkel stünde auf einer Stufe mit Rommel, sie habe dem DDR-System genauso gedient wie dieser der NS-Diktatur.

Aber offenbar waren es nicht die in jeder Beziehung inaktuellen geschichtsrevisionistischen Äußerungen Sicherts, die den Parteichef nun zum Durchgreifen zwangen. Vielmehr hatte Sichert sich schon nach der später für ungültig erklärten Wahl zum Landesvorsitzenden im Juni 2013 mit der Parteiführung angelegt. Unter anderem schrieb er da: „Die AfD hat ein großartiges Wahlprogramm, ich stehe immer noch zu 100% dahinter. Aber mit diesem Personal kann man das nicht erreichen.“

Es sieht also eher so aus, als ob Lucke weniger eine Säuberung der AfD von Rechtsextremen vorantreibt als vielmehr Leute, die an seinem Stuhl sägen, kalt stellt (mir fielen hierzu auch ein paar historische Vergleiche aus der NS-Zeit ein. Aber das überlasse ich anderen ;-)).

Andererseits scheint Sichert auch was seinen Ehrgeiz und seine Art Parteikarriere zu machen ein spezieller Fall zu sein. Ich hatte hier im Blog schon das Vergnügen mit ihm. Doch auch bei konkurrierenden Parteien kennt man ihn. Der 34-Jährige war nämlich zuvor schon Mitglied der SPD, ehe er dann die FDP beehrte, bis er das sinkende Schiff in Richtung AfD verließ. Vielleicht klopft er demnächst bei der CSU an…

Von Sichert selbst habe ich bislang leider keine Stellungnahme erhalten.

5 Kommentare in “Nürnberger AfD-Chef fällt in Ungnade

  1. Die Strukturen in der AfD funktionieren. Sie schließen ungewollte Leute aus. Das ist gut so. Als die Grünen sich etablierten, hat das nicht funktioniert, sehr viele aus dem Kommunistischen Bund sind damals zu den Grünen gegangen und heute noch drin. Die AfD ist die einzige Partei, die bzgl. Euro die Interessen deer Bürger vertritt und Merkel und Schäuble davon abhalten kann, unseren gesamten Wohlstand zu verspielen

  2. „Angela Merkel … habe dem DDR-System genauso gedient …“ – meines Wissens als hohe FDJ-Funktionärin und im Rahmen der Deutsch-Sowjetischen-Freundschaft. – Das ist das Körnchen an Wahrem, das einmal genauer journalistisch investigativ recherchiert gehört und was leider komplett untergeht in dem übrigen unsäglichen Konglomerat! Leider, leider,leider! Und daran sieht man exemplarisch das Problem der AfD:
    Vorhandenes Gutes, das von der Konkurrenz totgeschwiegen wird, kann medial nicht durchdringen, da sich die Konkurrenz solche Steilvorlagen aus dem rechten Spielfeldrand nicht entgehen lässt und eben kaltschnäuzig „verwandelt“…
    Fazit: „Weiter so!“ und – wie beim Fußball – nach Kräften Steilvorlagen verhindern und das schöne, eigene Spiel ohne Fehler durchbringen – dann klappts auch mit gelungenen Spielzügen, Toren und Siegen 🙂

  3. Es wäre interessant, diesen Typ von Polit-Karrieristen einmal nachzugehen. Da würde sich manches erklären, was uns an der heutigen Politik nervt. Leute wie Sichert, die möglichst schnell nach oben kommen wollen und dabei die Parteien wie die Hemden wechseln, wären sicher gut als Forschungsobjekte geeignet.
    Ich denke, auch dieses unsägliche Zurechtrücken der Nazizeit, als ob das irgendetwas mit anstehenden politischen Entscheidungen zu tun hätte, entspringt dem Kalkül, verbitterte, alte Wähler zu ködern und sich selber in die Schlagzeilen zu bringen.
    Sichert, und das ist das eigentlich Schlimme, ist leider kein Einzelfall.

  4. Sichert ist einfach nur peinlich. Er schrieb auch mal auf Facebook über einen Vergewaltiger: „Der gehört kastriert, zur Frau umoperiert und dann nach Marokko abgeschoben. Das ist die einzige Form ihm klar zu machen, was er da getan hat.“ Auf einen Hinweis an Sichert, das seine Äußerungen gegen das Grundgesetz verstoßen („die Würde des Menschen ist unantastbar; Recht auf körperliche Unversehrtheit“) löschte Sichert diesen Kommentar.
    Anfang 30, ohne familiäre Verantwortung oder echte berufliche Führungserfahrung, 1 x bei der SPD, 2 x bei der FDP und nun (noch) bei der AfD. Wer braucht solche „Politiker“? Was sind das nur für Nürnberger AfD-Mitglieder, die so jemanden wählen und stützen?

  5. Für Lucke ist Martin Sichert der Inbegriff des Feindbildes. Denn Martin Sichert ist vielen in der Nomenklatura der AfD ein Dorn im Auge. Auch im mittelfränkischen Vergleich ist er mit deklassierendem Abstand erfolgreich, was Mitgliederzufriedenheit, Neumitgliederzuwachs und vor allem was den AfD-Stimmerfolg bei der EU-Wahl anbetrifft. Die Zahlen belegen es. Lucke und Vasallen wissen, daß Martin Sichert ihnen schon bald auf politischer Bühne gefährlich werden kann und wird. Das muß mit allen Mitteln unterbunden werden.

    Lucke ignoriert die Faktenlage. Dass ein Mensch seines Intellektes dies nicht bewußt tut, darf bezweifelt werden. Gleichzeitig verbeisst er sich auch instinktiv in diesen innerparteilichen Gegner, da er mitsamt Hofstaat spüren muß, diesem nicht gewachsen zu sein. Die Kunst falschen Zitierens wird so oder so gern verwendet. Mit Polen gibt es mindestens ein EU-Land, welches Kastration von Sexualstraftätern erlaubt und auch durchführt. Dazu kann aber ein Martin Sichert nichts. Der Anti-Rechts-Reflex der breiten Masse wird durch solche Täuschung leider befriedigt. Luckes Gefolgsleute haben ohnehin keine Wahl und müssen sich parteiintern durch Singen dieses Liedes prostituieren.

    Hinter dieser Nebelgranate bleibt Schlimmeres verborgen. Auch die Presse hat sich bislang blenden lassen durch geschickte Lancierungen innerparteilicher Debatten und Schriftwechsel. Nicht lanciert wird, daß bereits das erste Parteiausschlussverfahren gegen Martin Sichert seitens Lucke völlig im Sande verlief, denn es fehlte und fehlt ganz einfach die Substanz. Anders als bei anderen Fällen in Bayern, die aber erkennbar gewollt unberührt bleiben sollen. Der Verdacht kommt auf, Lucke spielt das Spiel guter Bulle, böser Bulle nicht nur aus einem Grund.

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