Das Leck im Tiergarten

xIm Nürnberger Tiergarten gibt es ein Leck. Eigentlich sogar mehrere. Manche möchten uns glauben machen, es handele sich dabei um ein menschliches Leck, eine Art Whistleblower, der Geheimpapiere öffentlich und so den Tiergarten schlecht macht. Doch diese Version dient offenbar nur dazu, von anderen Dingen (Lecks!) abzulenken.

Die den Tiergarten verklagende Tierschutzorganisation Peta hat offensichtlich ganz legal Akteneinsicht von der Staatsanwaltschaft bekommen und unter diesen Akten war eben auch besagtes „Geheimpapier“ dabei. Ein Geheimnis war das, was da drin stand, höchstens für die Nürnberger Stadträte. Aber die sollen ja abnicken und nicht kritisch nachfragen.

In der Vergangenheit haben sie schon Millionenbeträge für die Einrichtung am Schmausenbuck locker gemacht. Am Freitag dürfen sie sich, sofern sie Mitglieder des Kulturausschusses sind, wieder mit dem Tiergarten beschäftigen. Genau, im Kulturausschuss! Dort sitzen eher harmoniebedürftige Freunde der hehren Kunst, die dann mit „Cats“ oder „Dschungelbuch“ versuchen müssen, eine intellektuelle Brücke von der Hochkultur zum Tiergarten zu schlagen.

Kritisch mit dem Tiergarten setzt sich im Stadtrat eigentlich nur der ÖDP-Vertreter Thomas Schrollinger auseinander. Zuletzt äußerte sich Schrollinger zu den – trotz Lagune – schlechteren Besucherzahlen im Tiergarten:

„Ich wurde belächelt, als ich es vor Jahren gewagt habe, die mit einem anhaltend hohen Besucherstrom kalkulierte Finanzierung der Delfin-Lagune in Frage zu stellen. Alle Bedenken, dass dieses Projekt nicht nur ethisch sondern auch finanziell äußerst heikel ist, wurden achselzuckend ignoriert. Zuerst wurden die geplanten Baukosten mit zusätzlich sieben Millionen deutlich überschritten und nun bleibt die Stadt bei der Refinanzierung auf den Rechnungen sitzen. Die Befürchtung, dass am Ende doch städtische Haushaltsmittel herhalten müssten, wurde von den anderen Fraktionen bislang kopfschüttelnd abgewehrt, wird nun aber leider wahr. Die Bürger werden für die Lagune nun doppelt zur Kasse gebeten: Über den Stadtsäckel und durch das Kombiticket des Tiergartens!“

Doch warum steht der ÖDP-Stadtrat in Nürnberg so einsam da? In Duisburg (dem anderen Ort, an dem in Deutschland noch Delfine gehalten werden) wurde das Delfinarium von Piraten und Grünen vehement bekämpft (letztlich vergeblich). Hier kam von dieser Seite kaum etwas. Der Tiergarten scheint sakrosankt. Vielleicht liegt das daran, dass er kein normaler Zoo, sondern eben „der Tiergarten“ ist 😉

Als der Tiergarten wegen des Geheimpapiers und des toten Eisbärbabys letzte Woche kurzfristig nicht ganz so optimal dastand, haben die Grünen immerhin eine Presseerklärung verschickt. Die begann mit dem Satz:

Tiere haben ein Anrecht auf ein artgerechtes Leben ohne unnötiges Leiden.

Richtig. Leider stellte sich bei der weiteren Lektüre heraus, es ging in dem Antrag um Wildtiere in Zirkussen, die nicht artgerecht gehalten werden und um die sich die Stadtverwaltung kümmern solle. In Nürnberg helfen sie eben alle zusammen, wenn der Tiergarten bedroht ist…

Ich bin mal gespannt, ob diese Tiergartenfreunde-Allianz bröckelt, wenn erst der Hintergrund für Tiergartendirektor Dag Enckes Lamento bekannt wird. Wenn sich herausstellt, dass das Prestigeprojekt Lagune zur Leckbeseitigung mehrere Monate geschlossen werden und die Stadt die Kosten dafür übernehmen muss. Ob sie dann immer noch auf die Zirkusse deuten oder endlich einsehen, dass die Delfinhaltung ein Fehler und der Tiergarten damit überfordert ist? Ob sie dann noch von Elefantengehegen faseln oder zugeben müssen, dass für solche Träume nun wirklich kein Geld mehr vorhanden ist?

Bleibt dran! Da kommt noch mehr. Wahrscheinlich auch in Sachen Öffentlichkeitsvernebelung.

7 Kommentare in “Das Leck im Tiergarten

  1. So ist es oft. In Hersbruck sind die Therme, die Citta-Slow-Bewegung und das Hirtenmuseum sakrosankt. Wer sich gegen die im Stadtrat herrschende Meinung äußert, wird zuerst totgeschwiegen und wenn das nicht mehr geht mit mäßigen Argumenten abgebügelt.

  2. Ob so ein Papier korrekt veröffentlicht werden darf, das wage ich noch zu bezweifeln, schließlich handelt es sich ja um ein laufendes Verfahren, bei dem es doch bis zur Entscheidung des Gerichtes noch um Verschwiegenheit geht. Oder ist die Beschwerde von PETA schon entschieden???

    Das sich dann wahrscheinlich ein Mitarbeiter dieser Organisation auch noch als Pressevertreter ausgegeben haben soll, ist wahrlich ein starkes Stück.

  3. Ein guter Kommentar, der die problematischen Aspekte benennt und die Nebelkerzen, die auch Kommentator „Bommel“ hier wieder wirft, enttarnt. Nicht der Inhalt des von Tiergartendirektor Encke verfassten Mängel- und Pannenberichtes bringt die Tiergartenunterstützer in Rage, sondern die Tatsache, dass über die Vorgänge öffentlich gesprochen bzw. geschrieben wird. Das finde ich scheinheilig.
    Auch für mich ist es unverständlich und enttäuschend, dass angesichts der wenig erfreulichen Nachrichten bis auf Stadtrat Schrollinger alle Lokalpolitiker auf Tauchstation gehen, auch diejenigen, die sich gegen den Lagunebau ausgesprochen hatten. Den Antrag der Grünen zur Wildtierhaltung in Zirkussen begrüße ich ausdrücklich, wünsche mir von ihnen aber auch ein kritisches Engagement bezüglich des Tiergartens. Die Entscheidung für die Fortführung der Delfinhaltung war unter Arten- und Tierschutzaspekten sowie in wirtschaftlicher Hinsicht ein großer Fehler. Es ist sehr zu hoffen, dass die damaligen Fehler nicht wiederholt und Gegenargumente nicht erneut ignoriert werden.

  4. Die Grünen haben sich auch von diesem Thema verabschiedet, auch weil es innerhalb der nun maßgebenden Personen genügend gibt, die die Tier- und insbesondere die Wildtierhaltung doch putzig für die Kinderchens finden. Engagierte Grüne in Sachen Tierrechte und Tierschutz finden sich da nicht mehr, und man möchte ja auch der SPD gefallen, um sich „Koalitionsfähig“ zu erweisen, sollte das Bündnis mit der CSU zerbrechen. Dabei stellt man sich sogar gegen Grundsatzentscheidungen der Gesamt-Grünen, die dieses Thema (noch) nicht aufgekündigt haben. Somit steht Schrollinger alleine da und wird zudem noch für seine Haltung belächelt. Anstatt aus den Fehlern zu lernen, wird man nun mit Vehemenz die Wieder-Haltung von Elefanten vorantreiben, weil es sich ja schließlich nicht gehört, dass ein Tiergarten keine Elefanten zeigt. 50 Mio. Euro stehen da im Raum; man darf davon ausgehen, dass diese Zahl ebenfalls falsch und herunter gerechnet ist, wie bei der Lagune, deren hohes Defizit nun die Bürgerinnen und Bürger bezahlen müssen. Man könnte auch einen anderen Weg gehen und sich auf einige wenige Tierarten beschränken und diese durch spannende Dokumentationen, die längst vorliegen – die BBC hat da mustergültig vorgearbeitet -, ergänzt präsentieren. Was nutzt es denn den Besucherinnen und Besuchern und den Kindern, wenn man belanglos für 5-10 Minuten feststellt, dass da ein Manati im Wasser ist, wenn man keine Zusatzinfos bekommt, die das Leben dieser Tiere umfassend darstellt? Da ist jede Sendung dazu auf ZDF_neo informativer, spannender und v.a. natürlicher.

  5. Klasse Kommentar! Schade, dass wir so etwas nicht in der Zeitung lesen dürfen. Dafür ist da jedes Vierteljahr das Tiergartenmagazin mit drin. Für die Tonne!

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