Wo die Steine reden und wo nicht

Dokuzentrum
Wie geht es mit dem Reichsparteitagsgelände weiter? Diese Frage wird woanders erheblich intensiver diskutiert als in Nürnberg. Gestern nahm das Thema zum Beispiel breiten Raum im ARD-Kulturmagazin Titel, Thesen, Temperamente ein.

Mit diesem Beitrag ist die Diskussion mittlerweile bei Wiederherstellung des Originalzustandes angelangt. Angefangen hat sie, ausgelöst durch einen Zeit-Artikel des Geschichts-Professors Norbert Frei, beim Abriss der maroden Gebäude.

Die Stadt Nürnberg und Oberbürgermeister Ulrich Maly sind hingegen gegen eine Abriss und wollen das Gelände „trittfest“ machen. Was Maly gern damit begründet, dass „Steine Geschichte erzählen“ oder – weil solche Sätze im Lateinischen noch eine andere Wirkmächtigkeit besitzen:
Saxa loquuntur.

Da wundert man sich allerdings, warum die Saxa am Dutzendteich sprechen und am Bahnhofsplatz nicht. Beim Hauptpostgebäude, das bereits in Nürnbergs Zentrum die nur äußerlich massive NS-Architektur repräsentiert, tut man sich mit dem Abriss nicht so schwer. Da stehen aber halt ökonomische Interessen dahinter.

Die Frage ist nur, tun sie das nicht auch, wenn wir über den Erhalt des Reichsparteitagsgeländes reden. Die NS-Bauten am Dutzendteich haben für den Städtetourismus in Nürnberg einen nicht unwesentlichen Stellenwert. Vielleicht wird das Thema bei uns deswegen so niedrig gehängt, weil man sonst irgendwann nicht über Saxa, sondern über Pecunia reden müsste.