Die Quelle ist alternativlos

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Die Versteigerung der Quelle am Dienstag dient nur einem Zweck: die jetzigen Mieter juristisch sauber auf die Straße zu setzen. Und das wird wohl klappen, denn in Nürnberg gibt es keinen, der mal Risiko geht oder Überraschungscoups landet (Nachtrag 9.6.2015: Erwartungsgemäß bekam SonaeSierra den Zuschlag für 16,8 Millionen). Doch, was passiert mit den jetzigen Nutzern, die gerne mal unter dem Begriff „Künstler und Kreative“ gehandelt werden, auf der Straße?

Dort treffen sie dummerweise auch noch auf die „Künstler und Kreativen“, die in der AEG heimatlos werden, weil dort die Uni bauen wird. Es dürfte also auf Nürnbergs Straßen auf einen Schlag eine ziemliche K+K-Übervölkerung geben. Außer: Es findet sich eine Lösung. Die eine wäre, die Stadt Nürnberg würde endlich einmal die Brisanz erkennen und selber aktiv werden (helfen kann man hier). Die andere wären – und darauf scheint offenbar die Stadt zu setzen – räumliche Alternativen im Stadtgebiet, wo die K+Ks unterkommen können.

Hier kann der Leerstandsmelder weiterhelfen, auf den mich dankenswerterweise mein Nürnberger Bloggerkollege Sugar Ray Banister gestoßen hat. Dort sind derzeit 35 Leerstände im Stadtgebiet aufgelistet. Vieles davon ist für die K+Ks wohl ungeeignet. Manches, wie etwa der „Deutsche Hof“, wird bereits bebaut. Fürs Volksbad oder den Kaufhof am Aufseßplatz dürften sich hingegen andere Nutzungen empfehlen. Es bleibt daher nicht viel übrig. Ohnehin liegt Nürnberg bei den Leerständen – zumindest was die Meldungen angeht – im Vergleich zu anderen Städten ganz weit hinten.

Das bestätigt auch Silvia Kuttruff, Leiterin der städtischen Wirtschaftsförderung: „Wir haben hier eine relativ geringe Leerstandsquote.“ Die rund fünf Prozent bei den leerstehenden Büroflächen falle praktisch unter „normale Fluktuation“. Die Daten, die im Leerstandsmelder hinterlegt sind, hält sie – abgesehen von etlichen falschen Eigentumsverhältnissen – für weitgehend korrekt. „Das sind auch die uns bekannten Leerstände.“ Allerdings sei eben vieles davon bereits in der Vermarktung. Eine kleine Zahl von Immobilien, so räumt sie ein, wurde allerdings auch noch nicht gemeldet.

Ob da nun eine Lösung für die K+Ks dabei sei? Da hält sich Kuttruff bedeckt. Stattdessen verweist sie auf eine Personalie. Ein Kreativmanager soll es richten. Zumindest für den dürfte sich in den städtischen Liegenschaften ein Arbeitsraum finden, von dem aus er dann den Mangel verwalten kann. So wie es aussieht, ist die Quelle nämlich alternativlos.

3 Kommentare in “Die Quelle ist alternativlos

  1. Danke für den Beitrag! Es bleibt hoffentlich nicht bei den 35 gemeldeten Leerständen in Nürnberg. Es gibt noch etliche mehr, die noch nicht dokumentiert sind. Hier würde ich hoffen, dass sich noch ein paar Leute an der Dokumentation beteiligen würden. Ob die Flächen in der Vermarktung sind oder nicht, spielt erstmal keine Rolle. Es geht beim Leerstandsmelder auch darum, ein Gefühl für die urbanen Flächen und deren Nutzung zu bekommen. Und es gibt ja immer noch die Möglichkeit einer Zwischennutzung solange die eigentliche Vermarktung nicht durchgeführt wurde.

  2. Danke für den klugen Beitrag. Es ist schön, dass wenigstens jetzt noch die Debatte entstanden ist, um die es uns von Anfang an ging. Und die ist eben nicht, dass ein paar weltfremde „Künstler“ sich wünschen, dass die Stadt ihnen einen Elfenbeinturm schenkt.

    Es geht hier um Stadtentwicklung, darum, dass wir Kreative in der Region brauchen. Es kann nicht sein, dass unsere klugen Köpfe in andere Städte abwandern, wo man das erkannt hat.
    Insofern ist auch das Feigenblatt, das Sonae jetzt hervorzaubert, ein „Kreativzentrum“ in der Quelle, eine Nebelgranate. Wir können uns ja schwer für ein paar Jahre einfrieren lassen, bis Sonae ihr „Einkauszentrum plus irgendwas“ fertiggebaut haben.
    Denn deren Zuschlag bei der Versteigerung morgen bedeutet, dass wir auf jeden Fall in ein paar Monaten raus sind. Dann ist das „Kulturzentrum“ das ja bereits in der Quelle existiert, tot. Und wir zerstreuen uns in alle Winde. Ist dann eher was für die AEGler, die auch irgendwann auf der Straße sitzen.

    Wir pflegen übrigens auch keine besondere Feindschaft mit Sonae Sierra. Wir finden nur, dass deren Konzept von Anno Tobak ist und Nürnberg etwas Besseres verdient hat.

  3. Der zurückgebliebende Kreative in Nürnberg sieht sich möglicherweise nach einer anderen Stadt um, die ihm mehr bietet als Nürnberg. Folglich steht eine neue Berlin-Fluchtwelle an.
    Bin gespannt ob die lokalen Zeitungen dann immernoch Artikel bringen mit Überschriften ala „Nürnberg ist das neue Berlin“.

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