Karstadt: Es ist ein Jammer!

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Es kann ja auch für Journalisten manchmal nicht verkehrt sein, die Nachrichtenlage mit eigenem Erleben zu konfrontieren. Und weil mir gerade das Druckerpapier ausgegangen war, dachte ich mir heute, geh doch mal zu Karstadt, dem geht es gerade nicht gut, der kann den Umsatz brauchen.

Derart konsumwillig eingestimmt, stolperte ich schon am Eingang über reduzierte Herrenschuhe (möglicherweise aus den Lagerbeständen von „Fashion Hero“). Kann man vielleicht zuschlagen. Aber schon an der Schuhgrößenangaben scheiterte ich. Da waren nur die amerikanischen Größen angegeben und weit und breit keine Umrechnungstabelle. Wahrscheinlich ist das die Globalisierung und die Neuorientierung auf ein internationales Publikum. Ich ließ also das mit den Schuhen, zumal auch das eventuell hilfreiche Personal mit der Umsetzung neuer Konzepte (Karstadt 2018?) beschäftigt war und sich nicht um profane Schuhgrößenprobleme kümmern konnte.

Doch im Vergleich zur Schreibwarenboutique war das im Herrenschuhbereich noch ein laues Lüftlein. Hier war anscheinend ein Warenpräsentationsguru eigens aus den USA eingeflogen worden, der den unfähigen fränkischen Verdi-Mitgliedern zeigen sollte, wie man Büttenpapier und edle Tintenfüller am verkaufsträchtigsten platziert. Dazu mussten die hiesigen Karstadt-Beschäftigten erst einmal alles, was irgendwie provinziell wirken könnte, in – im Weg stehende – Wägelchen packen, um dann weiter den Anweisungen des Präsentationsexperten zu lauschen. Von dem lernten sie unter anderem, dass es nicht Schreibwaren, sondern Fournitures heißt.

Wenn der so viel weiß, mutmasste ich, kann er mir vielleicht auch sagen, wo ich mein Druckerpapier finde. Doch der Guru schaute mich nur mitleidig an, drehte sich mit einem „gibt es hier nicht“ um und widmete sich wieder seinen verunsicherten Zuhörern.

Ich ging dann zum Kaufhof. Da stand schon unten auf der Infotafel „3.Stock: Druckerpapier“. Das ist wenigstens ein Service. Gerade wenn es heiß ist, will man nicht noch einmal unverrichteter Dinge in Kaufhausdachgeschosse tigern.

Was Karstadt angeht, muss ich leider sagen: Ihr seid auf dem falschen Trip und zwar sowas von.

2 Kommentare in “Karstadt: Es ist ein Jammer!

  1. Danke für diesen Beitrag! Leider macht man allzu oft im Einzelhandel derartige Erfahrungen. Und dann wundert selbiger sich, dass die Leute online einkaufen … Dabei ist es der Service, der mich zum Beispiel in einen Laden gehen lässt.

  2. Wollte diese Woche im Schlussverkauf neue Wanderschuhe kaufen: bei Karstadt gab es nur eine Hand voll reduzierter Schuhe, die wie Restposten auf einem Regal zusammen gepackt standen. Der Verkäufer hat fleißig zu tun gehabt, Waren umzupacken. Kunden wurden vollkommen ignoriert.
    Außerdem wird seit gefühlt mehreren Monaten bei Karstadt umgebaut, ständig stehen Waren woanders. Bei Kaufhof hat mich der Verkäufer sofort angesprochen, kompetent beraten und das Warenangebot war auch deutlich attraktiver …

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