Cran kämpft nur gegen Faschismus

Blitz Foto: Günter Distler Motiv: Ernst Cran; freien Redner; Trauerredner In die Neonazi-Ecke passte der Nürnberger Ex-Pfarrer und Trauerredner Ernst Cran auf den ersten Blick nicht so richtig. Mancher – auch etliche Kollegen, die ihn von früher kannten – wunderte sich, wie aus dem einfühlsamen Trauerbegleiter ein hasserfüllter Pegida-Aktivist werden konnte. Deswegen habe ich Ernst Cran eio paar Fragen gestellt, die vielleicht dazu beitragen können, das Phänomen Pegida, mit dem sich auch andere hart tun, etwas zu durchleuchten. Letztlich gilt da auch das Motto: Keiner ist unnütz, er kann immer noch als abschreckendes Beispiel dienen. Wer sich nicht durch die ausufernden Antworten durchkämpfen will: am Ende des Beitrags befindet sich ein tl;dr

Was waren Ihre Gründe, sich aktiv an der Pegida-Bewegung zu beteiligen?

Pegida ist eine Bürgerinitiative, die sich gegen die drohende und bereits im Gang befindliche Islamisierung Deutschlands und Europas wendet. Dies ist das Kernthema dieser Bürgerbewegung – und dieser schließe ich mich vollumfänglich an. Mein aktiver Beitrag als Bürger kann der sein, das in Worte zu fassen und mitzuteilen, was sich mir als Erkenntnis und Einsicht gezeigt hat. Dies habe ich auf dem Hintergrund meiner geistesgeschichtlichen Qualifikation als Theologe getan. Inhaltlich stellt sich das Thema als Bedrohung einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaftsform durch faschistische Tyrannei dar, die sich unter religiöser Tarnung verbirgt. Hamed Abdel-Samed hat dies in seiner Analyse „Der islamische Faschismus“ schon auf der ersten Seite blendend und zutreffend dargestellt:

„Der Faschismus ist eine Art „politische Religion“. Seine Anhänger glauben, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein. Ganz oben in der Hierarchie steht der charismatische unfehlbare Führer, der mit einem heiligen Auftrag ausgestattet ist, um die Nation zu einen und die Feinde zu besiegen. Die faschistische Ideologie vergiftet ihre Anhänger mit Ressentiments und Hass, teilt die Welt in Freund und Feind ein und droht Gegnern mit Vergeltung. Sie richtet sich gegen die Moderne, die Aufklärung, den Marxismus und die Juden und glorifiziert Militarismus und Opferbereitschaft bis in den Tod.

All diese Eigenschaften treffen auch auf den modernen Islamismus zu, der zeitgleich mit dem Faschismus in den zwanziger Jahren des letzten Jahrtausends entstanden ist. Sowohl der Faschismus als auch der Islamismus sind aus einem Gefühl der Niederlage und Erniedrigung hervorgegangen. Beide Strömungen eint das Ziel, ein Imperium zu errichten – die Weltherrschaft als quasi verbrieftes Recht -, dem die totale Vernichtung seiner Feinde vorausgeht. Die eine Bewegung glaubt an die Überlegenheit der arischen Rasse, die andere ist überzeugt von der moralischen Überlegenheit der Muslime gegenüber dem ungläubigen Rest der Menschheit.“

Die Übergriffigkeit dieser faschistischen Religionsideologie auf unsere gesellschaftlichen Strukturen muss gestoppt werden. Dafür engagiere ich mich und stehe damit auf der Seite von Freiheit und aufgeklärter Humanität gegen ideologische Bevormundung im Namen von Religion und ihrer Hüter.

Sehen Sie sich hier eher als Religionskämpfer oder als Religionsgegner?

Wir dürfen nie vergessen, dass auch das sogenannte „christliche“ Abendland sich erst aus der Umklammerung religiöser Vorgaben befreien musste. Vieles, was Pegida und Andere heute gegen weitere drohende Rücknahme verteidigt, hat sich nur gegen den erklärten Willen der Kirche durchgesetzt: Gleichberechtigung, sexuelle Selbstbestimmung, Entflechtung von kirchlichen und staatlichen Kräften (zumindest in der Theorie …). Keine Religion hat das Recht, über das Leben des Einzelnen und seine Gestaltung im Zusammenleben zu bestimmen; in einer demokratischen Staatsform schon gleich gar nicht. Eine Gesellschaft aber hat das Recht, jegliche Form religiöser Entmündigung ihrer Bürger zu unterbinden – um der Werte willen, die in der Verfassung stehen. Religionsfreiheit hat hier hinter anderen elementaren Freiheiten (z.B. das Recht auf körperliche Unversehrtheit) zurückzustehen!

Meine Aktivität bei Pegida sehe und sah ich nie als Kampf im Namen einer Religion gegen eine andere. Diese Zeiten dürften und sollten vorbei sein. Eher geht es darum, generell „Religionen“ in ihrer Bevormundungs- und Abhängigkeitsdynamik zu problematisieren. Wenn es in meiner Macht stünde, würde ich – „um Gottes Willen“ – alle Religionen abschaffen. Ich wünschte mir, jeder Mensch würde das, was man „Gott“ nennt, in viel elementareren Erlebnis- und Wahrnehmungsbereichen suchen und dann auch finden, als sich von „heiligen Büchern“ und deren blutgetränkten Traditionsströmen binden zu lassen. „Religion“ und „Religionen“ sind sehr weit voneinander entfernt. Das Eine tragen wir in uns, das Andere dürfen wir hinter uns lassen.

Pegida hat neben der Sorge vor Islamisierung noch andere Positionen. Welche teilen Sie – zum Beispiel hat ja die „Lügenpresse“ immer sehr wohlwollend über Sie berichtet?

Hier verweise ich auf die „Dresdener Thesen„, die auch allen Nürnberger Veranstaltungen zugrunde liegen. Diese Thesen teile auch ich. Abgrenzen würde ich mich, sofern dies im Rahmen von Pegida geäußert würde, von der Ablehnung von Homosexualität. Hierin sehe ich einen legitimen Ausdruck freier Selbstbestimmung aufgeklärter Menschen. Ich habe bereits viele gleichgeschlechtliche Paare auf deren Trauungen begleitet – das spricht wohl für sich!

Bezüglich der „Lügenpresse“ kommt man ja wohl nicht umhin festzustellen, dass die Verflechtungen von Journalismus und Politik schmerzvoll greifend sind. Die Beispiele sind ellenlang. Die komplette „öffentliche Berichterstattung“ über die gerade brisanten Themen unserer Gesellschaft vollzieht sich „reingewaschen in Merkels Schonwaschgang fürs Volk“. Neben dreisten Lügen und Entstellungen, bewussten Verdrehungen von tatsächlichen Gegebenheiten ist es ja alleine schon die Auswahl, die das Klima prägt. Mein Wort wäre also eher „Lückenpresse“. Dass ich persönlich auf meinem Weg von dieser Presse „begleitet“ wurde, ist nicht mehr und nicht weniger als dem Informationsauftrag geschuldet, den jede Redaktion ihren Lesern gegenüber hat. Dabei von „Wohlwollen“ zu sprechen ist ja schon entlarvend: Im Namen wessen Willens soll ich mir denn hier das Wohl-Gefallen der Presse verdienen – und wodurch?


Das lasse ich mal so stehen. Andere Frage: Was soll denn dann Ihrer Meinung nach mit den Flüchtlingen passieren, die hier anlanden?

Diese Frage einem Theologen zu stellen ist ähnlich plausibel wie die Bundeskanzlerin zu fragen, wie denn die Divergenzen in den Heilswegen der unterschiedlichen Religionen zu beseitigen oder zumindest zu handeln sind. Gerne aber weise ich auf einige schlüssig nachvollziehbare Punkte hin:

– Wie wäre es mit der Einhaltung nationalen und europäischen Rechts in der Frage von illegalen Grenzübertritten?
– Wie wäre es mit der effektiven Sicherung der Außengrenzen eines politischen Verbandes namens „Europa“, der sich den Luxus innerer Öffnung leistet und dabei vergisst, dass diese den Preis äußerer Dichtheit hat.
– Wie wäre es mit der konsequenten Rückführung von illegal Einreisenden in das sichere Herkunftsland, aus dem sie gekommen sind? Diese Bewegung lässt sich weiterführen bis an die Außengrenzen der EU – und von dort aus an jede Ufer, von denen man aufgebrochen war.
– Wie wäre es mit dem Stopp der Einreise Unregistrierter? Jeder Flieger, den ich hier im Land besteige, erfordert meine Identifizierung. Habe ich die nicht, gehe ich sicher nicht an Bord. Mit dem „Flieger Europa“ ist dies offensichtlich anders. Hier darf jeder einsteigen, auch wenn das Ding dann nicht mehr vom Boden kommt.
– Wie wäre es mit der Anwendung der geltenden Asylgesetze und damit auch der sofortigen Abschiebung derer, die sich des Gastrechts auf Asyl durch Rechtsbruch beraubt haben?
– Wie wäre es mit der sofortigen Rückführung derer, in deren Heimat definitiv kein Krieg herrscht?
– Wie wäre es mit der Errichtung heimatnaher Flüchtlingsunterkünfte, die den Namen „menschenwürdig“ auch verdienen. Hierfür wurden wie bekannt 100 Millionen Dollar oder Euro gestrichen. Im Vergleich dazu könnten wir dort mit den 17 Milliarden Euro, die wir gerade jährlich für „Flüchtlinge“ ausgeben, Riesiges bewirken. Damit können alle Moslems in einem islamischen Staat (und davon gibt es gerüchteweise ja sogar reichere als die BRD!) kulturkompatibel und religionsharmonisch auf das Ende der Krise in ihrem Land warten – oder sich von dort aus sogar aktiv am Aufbau ihrer Heimat beteiligen!
– Wie wäre es schließlich mit der Ehrlichkeit, dass es sich bei den gerade stattfindenden Wanderungen nach Europa in der überwältigenden Mehrheit weder um Flüchtlinge noch um Migranten handelt, sondern um angelockte Menschenströme, die den haltlosen Versprechungen einer narzissmuskranken Regierungsclique folgen, die selbst wieder von übergeordneten Kräften gelenkt wird. Glaube nur keiner, die „Welt“ könne nicht sowohl den IS-Konflikt binnen Wochen beenden noch vernünftige Grenzkontrollen zum Schutz politisch gewachsener Größen wie Europa aufbauen – wenn sie es denn nur wirklich wollte.


Wie reagieren die anderen Trauerredner auf Ihre Pegidaaktivitäten? Immerhin hat der Stadtkämmerer inzwischen angekündigt, keine Trauerrednerliste mehr zu veröffentlichen.

Hier muss ich auf die Diskussion innerhalb des Berufsverbandes BATF verweisen, an der ich mich persönlich nicht beteilige. Die Rednerliste der Stadt Nürnberg war für meine Arbeit noch nie entscheidend; sie wird es auch künftig nicht sein.

Cran empfiehlt mir dann noch die Lektüre diverser Bücher. Nicht nur der von Hamed Abdel-Samed, sondern auch von Udo Ulfkotte. Außerdem teilt er mir mit, er habe seine Antworten an weitere „Verteiler“ geschickt, um sicherzustellen, dass ich als Lückenpressevertreter da nichts entstelle. Trotzdem habe ich den Verweis auf eigene Redezitate und den Hinweis auf ein in Pegidakreise gerne verlinktes Video, das sich an den „Gutmenschen“ richtet. weggekürzt, um die Lesbarkeit ein bisschen zu erhöhen.

tl;dr Cran hat aufgrund seiner geistesgeschichtlichen Qualifikation Einsichten gewonnen, wonach Islamismus und Faschismus Parallelen aufweisen. Was Flüchtlingsfragen angeht, ist er als Theologe der falsche Ansprechpartner.

4 Kommentare in “Cran kämpft nur gegen Faschismus

  1. Ich würde mir wünschen, dass ein gesellschaftlicher Diskurs zur Frage, welchen Stellenwert Religionen bei uns haben sollen, in nicht so aufgeheizter Atmosphäre stattfinden könnte.
    Wenn ich mir z.B. das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Tragen des Kopftuchs für Lehrerinnen ansehe, frage ich mich tatsächlich, wohin sich unsere Gesellschaft entwickelt.
    In diesem Sinne kann ich den Ausführungen von Ernst Cran in Bezug auf Religionen und „religiöse Entmündigung“ nur zustimmen.

  2. PS: außerdem würde ich mir wünschen, man würde hier beim Kommentar schreiben zeitlich von der blöden Captcha – Vorgabe nicht so unter Druck gesetzt, dass man seine Kommentare nicht in Ruhe schreiben kann, wenn man nicht Gefahr laufen will, dass alles weg ist!!!
    Stichwort an die Technik: Benutzerfreundlich!!!!!

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