Facebook: Löschen für Angela?

HANDOUT Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht mit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg am 26.09.2015 zu Beginn des Arbeitsmittagessen des UN Private Sector Forums 2015 "Implementing the Sustainable Development Goals". Staats- und Regierungschefs treffen sich beim Gipfel der Vereinten Nationen für Nachhaltige Entwicklung Foto: Steffen Kugler/Bundesregierung/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

ralphMittlerweile empfiehlt es sich, seine Facebookbeiträge öfter mal per Screenshot zu dokumentieren. Seitdem Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Facebook-Chef intervenierte und der daraufhin zu einer Charmeoffensive nach Berlin gekommen ist, wird nämlich verstärkt gelöscht. Aber nicht nur die einschlägigen Hasskommentare aus dem rechten Spektrum.
Gerade war beispielsweise der frühere Kreisvorsitzende der Nürnberger Grünen Ralph Hoffmann unter den Opfern. Drei Tage wurde er von Facebook gesperrt, nachdem er „In der CDU gibt es eine Nazi-Frau“ gepostet hatte. Da im Netz gerade die Aufregung um Erika Steinbach (wieder mal) hochkochte, konnte sich jeder unschwer zusammenreimen, wer da gemeint war (es ging um das getwitterte Bild rechts unten).

Natürlich könnte man anmerken, das sei trotzdem eine Beleidigung und verstoße damit gegen die Facebook-Regeln. Demgegenüber verweist Hoffmann allerdings darauf, dass es in der CDU zuvor schon Nazis gegeben habe, etwa Martin Hohmann oder Hans Filbinger. Nach dem Facebook-Terms hätte man solche Fälle letztlich nicht aufklären oder benennen dürfen.

steinbachAuf Hoffmanns Facebookseite wurde nach der Zwangspause ausgiebig diskutiert, ob die angeblich dreistellige Zahl von Mitarbeitern wirklich einen Plan hat, was sie da löscht oder ob da eine wesentlich kleinere Zahl an Löschbeauftragten einfach ein paar Aktivitätsnachweise braucht. Natürlich könnte auch – der von der AfD erhobene – Vorwurf stimmen: Facebook lösche alles, was unserer Kanzlerin missfallen könnte. Das würde vielleicht deren plötzliche Nähe zu Erdogan erklären. Andererseits: Warum sollte sie in diesem Fall ausgerechnet Erika Steinbach den Rücken stärken wollen? Zumal es gegen die ehemalige Vertriebenenbundvorsitzende auch innerparteiliche Kritik gibt.

Facebook bleibt also ein Rätsel und nicht alles kann man dem amerikanischen Background in die Schuhe schieben. Wahrscheinlicher als alle inhaltlichen Erklärungsversuche ist wohl, dass dort einfach keiner (oder zumindest fast keiner) daheim ist. Das würde dann auch erklären, weshalb Hoffmann auf seine fünf Anfragen, warum er gelöscht und gesperrt wurde, keine Antwort bekam.