Wie die AfD die Lüge in die Presse bringt

afdBei Facebook gibt es eine Funktion, mit der die Überschriften von verlinkten Artikeln verändert werden können. Das weiß man offenbar auch bei der AfD-Nürnberg. Dort wurde gestern eine Meldung der Münchner Abendzeitung manipuliert. Diese war betitelt: „Jugendliche wollten Flüchtlingsheim in Brand setzen“. Die AfD machte auf ihrer Facebookseite daraus: „Polizei erwischt Linksextreme bei Brandstiftung in Asylbewerberheim“. Klar, dass die AfD-Nürnberg mit so einer Meldung bei ihrer Klientel Furore macht. Mehr als 1100 mal wurde der Beitrag inzwischen geteilt. Mehr als 100 Likes gab es. Aber auch Kommentare, in denen die AfD darauf hingewiesen wurde, dass sie hier die Presse durch eigenes Handeln zur Lügenpresse macht.

Krude ist die Stellungnahme der AfD, mit der sie ihre Manipulation inzwischen rechtfertigt:

„Das Gegenteil von Rechtsradikal ist entweder freiheitlich-demokratisch rechtsstaatlich, oder eben linksextrem. Da bei Straftätern solch einer Tat wohl freiheitlich-demokratisch rechtsstaatlich wegfällt, bleibt nur Linksextrem übrig…

Ein Asylbewerberheim nicht in der Nähe haben zu wollen ist ein politisches Ziel. Wer politische Ziele mit Gewalt durchsetzen will ist ein Extremist. Wenn er das Gegenteil von Rechtsextrem ist, ist er wohl linksextrem. Würde auch sehr dazu passen, dass die Linksextremen die größten Profiteure von politisch motivierten Anschlägen auf Asylbewerberheime sind.“

Die Abendzeitung will jetzt übrigens juristische Schritte gegen die Nürnberger AfD einleiten.

Nachtrag, 8.3.2016: Offenbar gab es Druck von oben und die Nürnberger AfD musste eine ausführliche Stellungnahme nachschieben. Irgendwelche Selbstzweifel oder gar schlechtes Gewissen wegen der Überschriftenmanipulation sind da allerdings nicht herauszulesen:

Jemand, der politische Ziele mit Gewalt durchsetzt ist ein Extremist, denn er stellt sich an der Stelle klar gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung. Daher ist jemand, der einen Brandanschlag verübt, um die Fertigstellung eines Asylbewerberheims zu verzögern, ein Extremist. Wenn die Presse schreibt: „Bislang waren die Jugendlichen nicht durch Straftaten aufgefallen. Sie sollen keinen rechtsradikalen Hintergrund haben – im Gegenteil.“ wird ein rechtsextremer Hintergrund ausgeschlossen. Dann muss man die Frage stellen: Welcher extremistische Hintergrund liegt denn sonst vor?

Wir haben in diesem Land ein Problem mit Rechtsextremismus, Linksextremismus und Extremismus aus religiösen Gründen. Als AfD stellen wir uns ganz klar gegen jegliche Form von Extremismus, denn jede ist schädlich für unsere Gesellschaft. Daher finden wir es bedauerlich, wenn die Medien nicht aufklären, indem sie auf die Täterhintergründe eingehen, sondern verschleiern und Stimmung zu erzeugen suchen. Im Bereich des Linksextremismus verschleiern und verharmlosen unsere Medien oftmals.

Für Beispiele müssen wir nicht weit gehen: Wäre der Anschlag auf die Gaststätte Heidekrug in Nürnberg nicht von Linksextremen gegen eine AfD-Veranstaltung gerichtet gewesen, sondern von Rechtsextremen gegen eine Veranstaltung der Grünen, hätte es wohl einen bundesweiten Aufschrei in den Medien gegeben. So fand dieser Anschlag auf unsere Demokratie nicht einmal größere Erwähnung in den lokalen Medien und auf der Webseite von NN und NZ nordbayern.de ist immer noch von Unbekannten die Rede, obwohl es klare Bekennerschreiben aus der linksextremen Szene gibt.

Was wir brauchen, ist eine Aufklärung gegen Extremismus jeglicher Art und keine einseitige Stimmungsmache und Verharmlosung eines Teils des Extremismus. Nur so können wir als Gesellschaft Extremismus entgegen wirken. Wir haben die Beschreibung zu einem Link angepasst, um darzustellen, wie es wirkt, wenn man zuspitzt. Und es ist interessant zu sehen, welch ein Aufschrei nun deswegen erfolgt, weil wir es gewagt haben, aus der Aussage das Gegenteil von rechtsradikal die Schlussfolgerung linksextrem zu ziehen. Diesen Aufschrei haben wir vermisst, als man beispielsweise ganze Bundesländer als Schande für Deutschland bezeichnete. Vielleicht regt es ja den ein oder anderen Journalisten oder Bürger dazu an, sich über die Berichterstattung oder den Extremismus im Land Gedanken zu machen. Es würde uns freuen.

Ansonsten: Möge der Shitstorm mit uns sein!

Nachtrag 10.3.2016: Inzwischen geht die AZ auch gegen den Braunschweiger Pegida-Ableger juristisch vor. Die Bragida hatte ebenfalls die AZ-Schlagzeile zu dem geplanten Anschlag in Milbertshofen gefälscht. Die Nürnberger AfD hat den Beitrag mittlerweile bei Facebook kommentarlos gelöscht. Die eigene Rechtfertigung sowie die jetzt bei anderen Beiträgen geposteten Reaktionen stehen daher etwas unvermittelt im Raum herum.

1 Kommentar in “Wie die AfD die Lüge in die Presse bringt

  1. der Anschlag auf die Gaststätte Heidekrug erinnert mich daran, daß wir einer neuen Weimarer Zeit entgegengehen. Wir haben eine große Gruppe Linksextremer, die mit Straßengewalt andere Meinungen unterdrückt. Schauderhaft

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