Nord-Süd-Konflikt in der Nürnberger AfD

Im rechten Lager scheint es kein Limit für Abstrusitäten zu geben. „Sophie Scholl würde AfD wählen“, hieß es da am vergangenen Wochenende. Der Beitrag mit dem Scholl-Zitat (siehe nebenstehendes Bild) und der genannten Folgerung wurde freilich nicht von einem durchgeknallten Hasskommentator gepostet, sondern von der AfD-Nürnberg-Süd/Schwabach.

Der AfD-Account (mittlerweile ist die nach eigenem Impressum „offizielle Seite des AfD-Kreisverbandes Nürnberg Süd/Schwabach“ offline wieder online) hatte zwar nur ca. 300 Likes. Das Bild verbreitete sich dennoch rasend schnell. Mehr als 1000 Mal wurde es bei Facebook geteilt. Die Zahl der Kommentare ist mittlerweile drei Mal so hoch. Unter diesen sind allerdings viele, die den Beitrag als „bodenlos“ und als „Frechheit“ bezeichnen. Manche, wie etwa der Comedian Kurt Krömer, gaben sich sogar etwas mehr Mühe, der AfD zu erklären, warum der Beitrag unmöglich ist:

Liebe AfD,
ja, Sophie Scholl hätte AfD gewählt. Und zwar als Ziel ihres Widerstands! Sie hätte Euch braune Stinkesocken nämlich in die Kaltwäsche gegeben und danach heißgemangelt… So, und jetzt befleckt nicht weiter das Andenken von Widerstandskämpferinnen aus der Nazi-Zeit, sondern stinkt alleine vor Euch hin, Ihr rechtsgedrehten Problemtextilien!
Euer Kurt Krömer

Neben vielen anderen knöpfte sich auch die rheinland-pfälzische CDU-Politikerin Julia Klöckner die Nürnberger AfD und den inzwischen durch die Netzwerke geisternden Beitrag vor:

Es ist schlicht abstoßend und irre wie die AfD Nürnberg-Süd/Schwabach hier versucht Sophie Scholl zu instrumentalisieren. Sie setzt unsere heutige demokratische Regierung mit dem NS-Regime gleich…

Erst am Sonntagabend reagierte dann die AfD-Nürnberg und distanzierte sich von dem Post ihres südlichen Unterverbands.

Laut Martin Sichert, der in Nürnberg-Nord für die AfD als Bundestagskandidat antritt, wurde die Sperrung der Seite vom Landesverband veranlasst. Sichert selber hat angeblich keine Kenntnisse, wer hinter dem Facebook-Account der Nürnberger Süd-AfD steckt. Auf der AfD-Seite lacht einem allerdings Elena Roon als Kandidatin für den zugehörigen Wahlkreis entgegen. Roon bezeichnet sich als „Wolgadeutsche“ und war Initiatorin der Aktion „Sichere Heimat“. Eine Anfrage an die Schatzmeisterin des mittelfränkischen AfD-Bezirksverbands blieb leider unbeantwortet. (Nachtrag: Inzwischen gibt es eine Stellungnahme von ihr und dem bayerischen Landesvorsitzenden Petr Bystron: siehe unten).

Dass die AfD eine tote Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus für sich vereinnahmt, dafür hat die AfD im Nürnberger Süden allerdings keinen Alleinvertretungsanspruch. Die stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Beatrix von Storch hat eine ähnliche Mitteilung veröffentlicht, ebenso auch der AfD-Kreisverband in Ulm.

Nachtrag: Inzwischen hat Martin Sichert mir gegenüber ausführlich zu dem Vorgang Stellung bezogen und eingeräumt, dass es innerhalb der Nürnberger AfD Kräfte gibt, die eine Spaltung vorantreiben wollen:

Auf einer Mitgliederversammlung am 10.12.2016 haben wir mit den Mitgliedern diskutiert und sie befragt, ob sie eine Spaltung des Kreisverbands wollen. Über 86% haben dagegen gestimmt, den Kreisverband zu spalten. Damit haben sie den seit der Gründung unseres Kreisverbands gültigen Beschluss bekräftigt, dass wir die kreisfreien Städte Nürnberg und Schwabach umfassen. Gegen diesen Willen der großen Mehrheit unseres Kreisverbands hat der Bezirksverband am 11.12. eine Versammlung abgehalten. Bezirksvorstand und Landesvorstand agieren seither, als wäre ein Kreisverband gegründet worden und unserer Kreisverband gespalten worden. Seit der angeblichen Gründung des Kreisverbands Nürnberg/Süd stehen wir in juristischer Beratung, ob und wie die Gründung angefochten werden kann, da diese entgegen dem Willen der großen Mehrheit unserer Mitglieder ist. Damit hätte sich auch jegliche Grundlage für diese Seite erledigt.

Da der Post unserem Verständnis von der AfD sehr deutlich widerspricht, sahen wir uns gezwungen, klar zu stellen, dass wir als Kreisverband diese Meinung nicht teilen. Wer für den Post verantwortlich ist, kann ich Ihnen nicht sagen, da ich nicht weiß, wer die Admins der Seite sind und wer diesen Post eingestellt hat. Die Entscheidung, den Account zeitweilig offline zu nehmen fiel nach meinen Informationen seitens des Landesverbands. Im Administratorenteam der AfD Nürnberg wurden wir durch Verlinkungen unserer Seite von Kommentatoren zu diesem Post auf diesen aufmerksam, haben uns beraten und entschieden, uns von dem Post zu distanzieren und auch klar zu stellen, dass diese Seite nicht für die AfD in Nürnberg und Schwabach spricht.

Petr Bystron, bayerischer AfD-Chef, hält das für „eine Provinzposse“. Weil die AfD in Bayern inzwischen auf die 4000 Mitglieder zusteuere, müssten eben neue Orts- und Kreisverbände gegründet werden. Dass es dabei zu Streit kommt und ein Kreisverband gegen einen anderen vorgeht, daran findet Bystrom nichts. Für so etwas gebe es Schiedsgerichte. Ärgerlich sei nur, dass „der Streit in der Öffentlichkeit und den Medien ausgetragen wird“.
Elena Roon, die Vorsitzende des neu gegrüpndeten Kreisverbands „Nürnberg-Süd/Schwabach“ bestätigt lediglich, ihr Verband sei für das Posting verantwortlich. Zudem widerspricht sie den Ausführungen Sicherts, den sie als „Egomanen“ bezeichnet: „Der KV wurde am 11. Dezember mit Mehrheit beschlossen.“