Die Polizei und der Twitter-Alltag

Bei den sozialen Netzwerken ist es mittlerweile fast wie bei den Zeitungen: Es muss auch publiziert werden, wenn nichts passiert ist. Dabei gäbe es durchaus Beispiele, es anders zu machen, wie etwa das Alarmsystem Katwarn.

Die Polizei Mittelfranken geht dennoch den anderen Weg. Seit zwei Wochen sind dort drei Mitarbeiter für die Veröffentlichungen auf Facebook und Twitter zuständig. Anders als unsereins bekam das Polizeipräsidium für seine Social-Media-Aktivitäten auch kostenlose Starthilfe. Funk und Fernsehen berichteten groß, die beiden örtlichen Zeitungen meldeten das Ereignis sogar auf ihren „Schürzen“ (das sind die mit mehr oder weniger gelungenen, täglich wechselnden Schlagzeilen bedruckten Plakate auf den stummen Verkäufern). Mehr Werbung geht kaum.

Der Erfolg ist dennoch eher mittel. 11.600 Likes auf Facebook, 1840 Follower auf Twitter. Dafür, dass die Polizei in Kontakt zu allen Bürgern treten und im Ernstfall Fakenews entlarven und Warnhinweise geben will, ist da durchaus noch Steigerungspotenzial.

Im Augenblick behilft man sich mit der Veröffentlichung der Polizeiberichte. Das hat zuvor ein Bot allerdings schon genauso erledigt (und tut das bei Twitter etwa weiterhin via „Polizei-Nürnberg„). Dazu können noch die Neuankömmlinge begrüßt werden. Bayernweit wird bei der Polizei nämlich derzeit Twitter und Facebook in die Medienarbeit implementiert. Da werden dann die Kollegen aus Unterfranken, aus Oberfranken oder aus Oberbayern willkommen geheißen. Das passt dann auch zu den Accounts, denen unsere mittelfränkische Polizei auf Twitter folgt: ausnahmslos andere Polizeidienststellen.

Es scheint so, als wäre sich die Polizei in den sozialen Netzwerken selbst genug. Das schlägt auch auf die Kommentatoren durch, die etwa auf die Guten-Morgen-Wünsche der Polizei unisono flöten: „Schön, dass es euch gibt.“ Immerhin bringt einer noch leise Kritik an der neuen Farbe der Streifenwagen an.

Aber für den Alltag wurde das Ganze ohnehin nicht konzipiert. Auslöser war der Münchner Amoklauf, wo die Polizei via Twitter und Facebook Falschmeldungen aufdecken und Verhaltenshinweise geben konnte. Die Münchner haben sich seitdem schon andere Beschäftigungsfelder für die Zwischen-den-Katastrophen-Zeit gesucht. Zum Beispiel haben sie schonungslos die Fehler im „Tatort“ aufgedeckt oder einfach mal alle Follower vorgeladen.

Dass nun Kritik aufkommt, nach dem Motto: dafür haben sie Leute, aber wenn ich mal einen Polizisten brauche, ist keiner da, war klar. Ganz von der Hand zu weisen ist sie nicht. Andererseits sind wir ja noch nicht einmal bei den Presseverlagen so weit, einfach jemanden zum Twitterdienst abzukommandieren, wenns brennt. Warum soll das bei der Polizei ohne Spezialisten abgehen?

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