Wenn Schüler in Uralttechnik investieren

Sollte man Schülern die Sütterlinschrift beibringen? Den Umgang mit Faxgeräten? Das Kleben von Tonbändern? Keine Frage: Das bringt nichts. Das braucht niemand. Jetzt nicht und in Zukunft schon gleich gar nicht.

Allerdings, auch Taschenrechner sind mittlerweile überflüssig. Entsprechende Apps sind auf den Handys teilweise schon vorinstalliert, teilweise kann man sie sich kostenlos herunterladen. Trotzdem müssen sich die Schüler (zahlen dürften aber wohl meistens die Eltern) die technisch überalterten Kleingeräte kaufen. Inzwischen sind die Schüler wohl auch der einzige Grund, warum die mehr als 100 Euro teuren Dinger von den beiden verbliebenen Anbietern Texas Instruments und Casio überhaupt noch vertrieben werden.

Diese beiden Anbieter können so mit garantierten Einnahmen rechnen und den Preis diktieren, weil sie sich offensichtlich das deutsche Schulwesen untereinander aufgeteilt haben. Und die Schulen spielen mit und zwingen weiter die Eltern, den Rechner des jeweiligen Herstellers zu erwerben. Inzwischen regt sich allerdings Widerstand mit der Forderung: Zerschlagt das Taschenrechner-Kartell!

Immerhin bietet die zwangsweise Taschenrechner-Anschaffung Anlass für allerlei soziale Aktionen (etwa hier). Die Hersteller geben sich ebenfalls sozial, räumen Rabatte ein oder verschenken auch mal einen Taschenrechner an Bedürfige. Da regiert aber wohl eher die Angst, im deutschen Schulwesen könnte sich irgendwann mal was bewegen. Schließlich wird über den DigitalPakt jetzt nicht mehr bloß öffentlich geredet, vor wenigen Tagen wurde sogar eine gemeinsame Arbeitsgruppe beschlossen.

Nürnberg macht bei dem Taschenrechner-Unsinn übrigens keine Ausnahme. Laut Bernhard Jehle, Leiter des Instituts für Pädagogik und Schulpsychologie der Stadt Nürnberg, werde der Taschenrechner an den hiesigen Schulen ab der 8. Klasse eingesetzt. Realschulen verwenden mitunter auch teurere Grafikrechner.