Die Politik und der Gratis-Journalismus

Als Regierungsmitglied hat sich Kanzleramtsminister Peter Altmaier für die Einführung des Leistungsschutzrechts eingesetzt. Damit soll vor allem Google schon für das Zitieren kurzer Zeitungsbeiträge zur Kasse gebeten werden. Auf Twitter, wo er immerhin 138.000 Follower hat, zitiert Altmaier allerdings auch selbst gern; ohne irgendwas zu zahlen. Dass Journalismus Geld kosten soll, stößt dem nicht gerade darbenden Vertrauten der Kanzlerin sogar sauer auf. Bei der Washington Post, aus der er wg. Trump aktuell gerne zitiert, beschwerte sich der Minister jetzt auf Twitter:

Die Washingtion Post benutzt eine Bezahlschranke, weil der Lohn für die Recherchen schließlich irgendwoher kommen muss. Ob Bezahlschranken oder das geplante Leistungsschutzrecht da die richtigen Mittel sind, steht dabei auf einem anderen Blatt.

Während Altmaier das Thema jetzt um die Ohren fliegt, trägt sich auf lokaler Ebene Ähnliches zu. Unsere Zeitungen haben zwar (noch) keine Bezahlschranken, dennoch widerspricht es geltendem Urheberrecht, Screenshots von Zeitungsartikeln öffentlich ins Netz zu stellen.

Doch was macht unser Nürnberger Bürgermeister Christian Vogel? Er postet auf Facebook einen vierspaltigen Beitrag aus der heutigen NZ, den er als Tiergartenchef natürlich gut findet. Aber auch, wenn man es mit lobenden Erwähnungen garniert: erlaubt ist solch kostenloses Verschleudern journalistischer Arbeit trotzdem nicht. Selbst für einen presseaffinen Bürgermeister.

Immerhin muss man Vogel zugute halten, dass er – im Gegensatz zu Analog-Uli, seinem Chef – überhaupt sozialnetzwerkt. Wenn er dabei manchmal daneben langt, dann ist das eben Neuland-bedingt. Immerhin traut er sich wenigstens was und macht so neue Erfahrungen.

Wenn derartige Betroffenheit auch noch zu besserer Politik führt, dann hat niemand was dagegen.

1 Kommentar in “Die Politik und der Gratis-Journalismus

  1. Für mich als Autorin des Artikels ist es allerdings sehr erfreulich, dass er übers Netz weiterverbreitet wird und so auch Nicht-NZ-Leser erreicht! Aber klar – die rechtlichen Voraussetzungen müssen stimmen.

Kommentarfunktion geschlossen.