Wird die VAG musikalisch?

Nach Johann Gottfried Seume ist am Dutzendteich eine Straße benannt. Jetzt gelangt möglicherweise auch ein, auf ihn zurückzuführendes Sicherheitskonzept in Nürnberg zu späten Ehren: in der U-Bahn.

In Seumes 1804 veröffentlichten Gedicht „Die Gesänge“ heißt es:

„Wo man singet, lass dich ruhig nieder,
Ohne Furcht, was man im Lande glaubt;
Wo man singet, wird kein Mensch beraubt;
Bösewichter haben keine Lieder.“

Später wurde im Volksmund daraus:

„Wo man singt, da laß’ dich ruhig nieder,
böse Menschen haben keine Lieder.“

Die österreichische SPÖ hat vor diesem Hintergrund jetzt vorgeschlagen, in der Wiener U-Bahn Musiker einzusetzen um so das Sicherheitsgefühl zu erhöhen. Vorbild ist London, wo das Busking schon eine lange Tradition hat und behördlich organisiert wird. Man braucht sich nur ein Video, wie das folgende anzuschauen, um eine Ahnung davon zu bekommen, warum Politiker und U-Bahn-Betreiber dem Busking auch anderswo näher treten wollen.

Auch zur Nürnberger VAG ist dies vorgedrungen. Den Vorstoß in Wien wollen unsere Verkehrsbetriebe laut VAG-Sprecherin Elisabeth Seitzinger aufmerksam verfolgen: „Wir sind im Kontakt mit den Wiener Linien, um zu sehen, welche Erfahrungen sie machen.“

Auf der anderen Seite sind die Bedenken bei der VAG nicht unbedingt gering. „In einer eh schon lauten Stadt und Umgebung wäre das eine zusätzliche Geräuschkulisse, der man sich auch nicht so ohne weiteres entziehen könnte, weil man ja auf einen Zug wartet.“ Auch was die Akustik angeht, gibt es Vorbehalte, dass etwa durch einfahrende Züge oder Durchsagen der Kunstgenuss getrübt wird. Die Erfahrungen beim Stadtjubiläum von 17 Jahren sind im Nürnberger Plärrerhochhaus noch sehr präsent. Damals litt der Versuch, den U-Bahnhof Opernhaus zu beschallen unter den für Musik eher ungeeigneten Lautsprechern. Ein anderer Vorstoß scheiterte hingegen an wattstarkem Banausentum. Der Kundencenter in der Königstorpassage wurde vor einiger Zeit mit deeskalierender Klassikmusik beschallt. Das hatte jedoch zur Folge, dass davor herumstehende Jugendliche einfach ihre Gettoblaster lauter aufdrehten und die besänftigenden Töne untergingen. So wurden auch diese musikalischen Versuche, wie Seitzinger berichtet, rasch beendet.

Im Augenblick ist das Musik machen auf VAG-Gelände noch durch die Hausordnung untersagt. Insofern müsste die VAG auf der rechtlichen Seite etwas ändern. Das bedeutet: Seitens der Kommunalpolitik müssten entsprechende Vorgaben kommen. Da die objektive Sicherheitslage im Nürnberger Nahverkehr aber noch relativ gut sei, sieht die VAG-Sprecherin keinen dringenden Handlungsdruck. Andererseits geht es – wie in Wien übrigens auch – um das subjektive Sicherheitsgefühl. Das ist im Augenblick nicht allzuhoch. Genau wie die Stimmung im Nürnberger Untergrund.

Vielleicht können da noch ein paar Beispiele helfen:

…und ja, wenn das Londoner Modell auch in Nürnberg greift, braucht niemand mehr oberirdisch von den Straßen der englischen Hauptstadt zu träumen: